Die geplante Abwicklung einer Gedenkstätte Der Fall Hubertus Knabe

Ein Gastbeitrag von Vera Lengsfeld

Die Gedenkstätte in der ehemaligen Zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen ist ein erfolgreiches Projekt der ehemaligen politischen Gefangenen der DDR. Das Gefängnis war auf keinem Stadtplan verzeichnet. Es blieb den Augen der Öffentlichkeit weitgehend verborgen, weil es von einem eingezäunten Sperrgebiet umgeben war. Die Straßen, die zum Gefängnis führten, waren mit eisernen Rolltoren versperrt. Große Schilder wiesen darauf hin, dass Fotografieren verboten sei. Ein zufälliger Fußgänger, der aus der Ferne bei geöffnetem Rolltor einen Blick auf ein weiteres eisernes Tor und stacheldrahtbewehrte Mauern werfen konnte, wußte nicht, was er sah. Es hätte sich um eine Einrichtung der Polizei, der Volksarmee oder der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte handeln können.

Auch die Gefangenen, die hier landeten, wußten nicht, wo sie sich befanden. Sie kamen gefesselt in Dunkelzellen der Transporter an und verließen sie erst in der sogenannten Schleuse, eine Art Garage, die mit einem weiteren Rolltor verschlossen wurde. Ich habe ehemalige Mitgefangene getroffen, die tatsächlich erst nach der Vereinigung aus ihren Akten erfahren haben, dass sie in Hohenschönhausen gewesen sind.

Es handelte sich um eine perfekte Isolationshaft. Das ganze Regime war so organisiert, dass die Gefangenen einander nie sahen, außer die Stasi wollte es. Wenn man nach Tagen endlich einen Zellengefährten bekam, handelte es sich oft um einen Zellenspitzel. Das waren entweder Gefangene, die mit der Staatssicherheit kooperierten, um Strafmilderung zu erlangen, oder, wie in meinem Fall, verkleidete Stasileute, die trainiert waren, Informationen zu bekommen. Die Untersuchungshaft konnte sich wochen- oder monatelang hinziehen. Es gab weder Radio noch Fernsehen, keinen Kontakt zur Außenwelt, Bücher nur, wenn man auf die Idee kam, welche zu verlangen. Durch die Glasbausteine der Fensteröffnungen kam etwas Licht in die Zelle, von der Umgebung sah man nichts, auch nicht beim Freigang, der in einer Freiluftzelle absolviert werden musste, die doppelt mannshohe Mauern hatte und von einem eisernen Steg überquert wurde, auf dem bewaffnete Posten patrouillierten.

Während der Friedlichen Revolution wurden die Stasizentralen gestürmt und aufgelöst, die Gefängnisse aber vergessen.

Erst nach der freien Volkskammerwahl erinnerte ich mich als Abgeordnete daran, dass mir nun Zugang zu den Gefängnissen gewährt werden musste. Ich verlangte im April 1990, das Gefängnis zu besichtigen. Es war ein Erlebnis der dritten Art, denn die Wärter, die mich noch als Gefangene durch die Gänge gescheucht hatten, mussten mir jetzt alles zeigen.

Ich staunte über die einfache dreiflüglige Konstruktion des Gebäudes. Als Gefangene war ich nie direkt von A nach B geführt worden, sondern treppauf, treppab, um viele Ecken, so dass ich die Orientierung verlor und das Gefühl bekam, mich in einer Art Labyrinth zu befinden.
Die Zellen sahen ganz anders aus, als ich sie erlebt hatte. Wir hatten nur eine Holzpritsche mit erhöhtem Kopfteil, das zur Tür zeigte, über der in regelmäßigen Abständen über Nacht immer wieder eine grelle Lampe aufleuchtete. Die einzig erlaubte Schlafposition war, auf dem Rücken, mit den Händen sichtbar auf der Decke zu liegen. Es gab noch ein Holztischchen, einen Hocker, einen kleinen Wandschrank für die Waschutensilien: Seife, Zahnpasta, Zahnbürste, Zahnputzbecher, Handtuch. Das war alles.

Jetzt sah ich richtige Metallbetten, Schränke für die persönlichen Sachen der Gefangenen, Radios, Fernseher, Plattenspieler, Bücher, Zeitschriften, Kartenspiele. Auch die Freiluftzellen existierten nicht mehr. Stattdessen gab es einen Freigangshof mit Bänken und Blumenkübeln. Die Dunkelarrestzellen waren mit Gerümpel vollgestopft, so dass man nichts erkennen konnte. Das stellte sich später als Glück heraus, denn die Stasi vergaß, die Wandverkleidung zu demontieren, so dass die Zellen im Originalzustand erhalten blieben.

An den Veränderungen wurde deutlich, dass die Stasi bemüht war, ihre Spuren zu verwischen und ihre Haftanstalt wie ein gewöhnliches Gefängnis aussehen zu lassen.

Erst am Tag nach der Vereinigung wurde das Gefängnis geschlossen. Dann stand es einige Jahre leer. Zum Glück gab es die Antistalinistische Aktion Berlin-Normannenstraße e.V., die im Sommer 1990 von Mitgliedern des Bürgerkomitees und Bürgerrechtlern, die an der Auflösung der Stasizentrale beteiligt waren, gegründet wurde. Die ASTAK e.V. hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem Aufbau der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße (später in Stasimuseum umbenannt) zu beginnen. Da sich im vereinten Deutschland keine staatliche Institution zuständig fühlte, übernahm die ASTAK e.V. auch die Trägerschaft des Museums.

Schon 1991 kam die Idee auf, auch die ehemalige Stasihaftanstalt einzubeziehen. Jörg Drieselmann, der Chef der ASTAG, vereinbarte mit der Verwaltung in Hohenschönhausen, dass er Schlüssel zu der Anlage bekam, um dort Führungen von ehemaligen politischen Gefangenen abhalten zu können. Diese Führungen wurden schnell ein beeindruckender Erfolg. Besonderen Anteil daran hatten Gerhard „Charly“ Rau, der 17 Jahre inhaftiert gewesen war, und der Psychologe und Hochschullehrer Hans-Eberhard Zahn, der schon in den 50er Jahren in die Fänge der Stasi geriet und 7 Jahre im Zuchthaus saß. Charly machte sich gemeinsam mit einem anderen politischen Gefangenen, der aber nicht genannt werden will, auf die Suche nach dem Originalmobiliar. Sie fanden im Schuppen eines Heizhauses noch Holzpritschen, Tischchen und Hocker und brachten sie zurück ins Gefängnis, wo einige Zellen wieder original ausgestattet werden konnten.

Ein erster Erfolg war, dass die Haftanstalt 1992 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Damit war den Plänen, sie in ein Gewerbegebiet umzuwandeln, ein Riegel vorgeschoben, obwohl diese noch jahrelang weiter verfolgt wurden. So soll es Versuche des Kultursenators Thomas Flierl (SED-PDS) gegeben haben, das Hauptgebäude für baufällig zu erklären, die jedoch erfolgreich abgewendet werden konnten. Gleichzeitig gab es eine regelrechte Kampagne der ehemaligen Stasimitarbeiter gegen die Gedenkstätte.

Schon 1994 waren die Führungen so erfolgreich, dass das Projekt in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde. Seit dem Jahr 2000 ist sie eine Berliner Stiftung öffentlichen Rechts. Im Dezember 2000 wurde der Historiker Hubertus Knabe der Direktor, sein Stellvertreter war bis 2009 Siegfried Reiprich, der von Helmuth Frauendorfer abgelöst wurde, weil Reiprich die Leitung der Sächsischen Gedenkstätten übernahm.

In der Ära Knabe erlangte die Gedenkstätte internationale Bedeutung. Sie ist Mitglied der Platform of European Memory and Conscience.

Wie effektiv ihre im Gesetz über die Errichtung der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ festgelegte Aufgabe erledigt wurde, war immer ein Dorn im Auge der umbenannten SED. In allen Jahren ihrer Existenz musste sich besonders Knabe immer wieder Angriffen erwehren. Die Gedenkstätte wurde zur Forschungsanstalt, nicht nur, was die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 betrifft, sondern durch Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen und Seminare informierte sie über die Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur, insbesondere ihrer politischen Justiz.

In Knabes Amtszeit stiegen die Besucherzahlen von rund 50.000 auf über 450.000 pro Jahr. Besonders nach dem Film „Das Leben der Anderen“ kamen verstärkt Schulklassen. Das Gros der Besucher sind mittlerweile Schüler, die vor allem aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg kommen. Ausländische Gruppen kommen vor allem aus Dänemark, Norwegen und Großbritannien.

Einen besonderen Anteil am Erfolg der Gedenkstätte hatten die Besucherreferenten, die anfangs mehrheitlich aus ehemaligen politischen Gefangenen bestanden, die neben anderen Informationen auch ihre persönliche Geschichte einbringen konnten. Das machte größeren Eindruck als alle trocken vermittelten historischen Fakten.

Außer Führungen gibt es auch Lehrangebote an Schulen. Dafür wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien Unterrichtsmaterial entwickelt. Bei einem von der Gedenkstätte angebotenen Projekttag werden den Schülern die Haftbedingungen aus der Sicht der Inhaftierten veranschaulicht.

Das alles war den ehemaligen Betreibern höchst unangenehm. Am 14. März 2006 kam es zum Eklat. Hochrangige ehemalige Stasi-Offiziere und -Funktionsträger wie Wolfgang Schwanitz und der frühere Anstaltsleiter Siegfried Rataizick bestritten während einer Podiumsdiskussion die Misshandlungen an Häftlingen, behaupteten, die Schilderungen über die Zustände in der Haftanstalt seien unzutreffend und leugneten den von der Stasi ausgeübten Terror gegen politische Gegner.

Dieser Vorstoß wurde mit Hilfe des Berliner Abgeordnetenhauses zurückgewiesen. Besonders der damalige Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper versicherte den Opferverbänden und der Gedenkstätte die Unterstützung des Abgeordnetenhauses und griff die ehemaligen Stasi-Offiziere scharf an.

Danach kam es mehrfach zu Versuchen ehemaliger Stasi-Offiziere und -Mitarbeiter, die sich zum Teil fälschlich als sächsische Historiker ausgaben, die Führungen durch Zwischenrufe zu stören. Diese Bemühungen wurden eingestellt, nachdem sie bei den Besuchern auf wenig Resonanz oder gar offene Ablehnung stießen.

Der entscheidende Angriff auf die Gedenkstätte erfolgte 2018, als Vorwürfe gegen den stellvertretenden Direktor öffentlich wurden. Ihm wurde vorgeworfen, weibliche Angestellte und Praktikantinnen sexuell belästigt zu haben. Ich will an dieser Stelle nicht die Bewertung dieser Vorwürfe diskutieren, noch wage ich eine Beurteilung, ob Knabe als Vorgesetzter alle nötigen Maßnahmen ergriffen hat, um mit der Situation richtig umzugehen.

Als Skandal empfinde ich, dass Senator Lederer (SED-Linke) Knabe vor seinem Erscheinen beim Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus einen juristischen Maulkorb verpasst hat, der geeignet ist, die Aufklärung zu verhindern. Klar wird auch, dass mit der umstrittenen Ablösung von Knabe als Direktor eine tiefgreifende Veränderung in der Gedenkstätten-Konzeption verbunden wird. Die Zeitzeugen, die jahrelang selbstständig Gruppen geführt haben, sollen nun Führungen in Begleitung, „Tandemführungen“ machen. Das sieht stark nach Zensur aus, auch wenn es nicht so genannt wird.

Die Zeitzeugen kaltzustellen, bedeutet, den Erfolg der Gedenkstätte zu schmälern. Genau das liegt im Interesse der umbenannten SED, die die Aufklärung ihrer Verbrechen an politischen Gefangenen fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Es geht also nicht nur um Knabe, es geht um die Gedenkstätte als Vermächtnis der politisch Inhaftierten.



Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Dieser Beitrag erschien zuerst auf Vera Lengsfelds Blog, den ich sehr empfehle. Sie finden ihn hier.

 


Bild: kristof lauwers/Shutterstock
Text: gast


 

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Helmut Sandmann
4 Monate zuvor

Mein Dank an Frau Lengsfeld, als Westdeutscher wusste ich zwar, dass Fluchtversuche oft toedlich endeten aber ich war mir nicht bewusst wie brutal die DDR gegen Regimegegner vorging, so aehnlich muss es im 3. Reich zugegangen sein.

Brils Brigitte
4 Monate zuvor

Ja, der Herr Lederer hat seinen Job zu verleumden, zu zersetzen, zu intrigieren offensichtlich von der Pike auf gelernt.

Schon in der DDR hat die SED Menschen, die sie verfolgte und entfernen wollte, zuvor gerne moralisch in Verruf gebracht, sexuelle Verfehlungen oder Besonderheiten, auch erfundene, waren da ein bevorzugtes Mittel.

So haben sie z. B. gegen Prof. Inge Diersen an der HU 1970/71 entsprechende Gerüchte gestreut, bevor sie ihr Verfahren bekam und zur „Bewährung“ zu den Arbeitern nach Halle geschickt wurde.

Ich selber habe das als Studentin auch so erlebt.

Man kann Vera Lengsfeld gar nicht genug danken: Mutig und ungebrochen sorgt sie dafür, dass die SED ihre Lügen nicht durchsetzen und in aller Unschuld neue Karrieren aufbauen kann.

Karrieren der SED-Kader allerdings finden statt, und wie! Bloß nicht auf dem Boden der Unschuld. Man weiß, wer sie sind und hindert sie nicht, in der Bundesrepublik Führungspositionen zu übernehmen. Im Gegenteil, sie werden nach Kräften gefördert.

Es gibt auch wieder Opfer der SED (und, ich bin geneigt zu sagen, ihrer Blockparteien). Hubertus Knabe zum Beispiel. So schwach ist die freie Welt schon, dass sie ihn nicht im Amt halten konnte.

Vor dem Hintergrund der Sexismus-Hysterie unserer Tage sind die Anschuldigungen gegen Hubertus Knabe natürlich besonders wirksam, wenn es genau betrachtet auch nur um Kontaktschuld geht. Kontaktschuld: Eben dies hält zu viele ab, ihren Mund laut aufzumachen. Lieber lassen sie sich vom Teufel reiten. Der heißt SED.

Miriam
4 Monate zuvor

Knabe war von 2000-2018 Direktor der Gedenkstätte, und dem linken Berliner Kultursenator Lederer ein absoluter Dorn im Auge. Unter anderem weil Knabe das Vorleben von Anetta Kahane (IM Spitzel) und später Andrej Holms (Mitarbeiter im Ministerium für Staatssicherheit) offen legte. Diese Enthüllungen sorgten dafür, dass Holms kein Staatssekretär bei den Linken in Berlin werden konnte. Auch deswegen hat Lederer, mit Unterstützung anderer (sogar jemanden von der CDU, Monika Grütters), durch Eskalation und miesen Methoden dafür gesorgt, Knabe loszuwerden. Eigentlich müsste Lederer, nachdem was jetzt alles raus kam, zurück treten, aber da die roten und grünen Linken in Berlin das Sagen haben, bleibt er natürlich im Amt. Ich lese gerade das Buch von Hubertus Knabe „Die Wahrheit über DIE LINKE“. Es wurde zwar schon 2010 geschrieben, aber die Hintergründe haben sich ja nicht geändert und es ist aktueller denn je.

Viva
4 Monate zuvor

Die Geschichte unzuschreiben gehöhrt zu jeder Kultur.

Die einige versuchen die Geschichte des zweiten Weltkriges umzuschreiben, die andere die Zeitepoche danach.

Es gibt ein russisches Sprichtwort, der Situation zimmlich genau beschreibt: „Победителей не судят“ was übersetzt bedeutet „Gewinner werden nicht beurteilt„.

Die heutige Generationen interessieren sich wenig für die Geschichte, viele sagen sogar warum soll ich für die Verbrechen von meinen Vorfahren verantworten.

Mich interessieren Themen von heute, ich lebe in heute und will heute gestalten. Morgen kommen andere zur Macht und schreiben die Geschichte nach eigenen Vorstellungen, da hilft auch kein Denkmal. Die Ukraine und baltische Staaten sind die Musterbeispiele wie die Geschichte umgeschriben wird, und aus Nazikollaborateuren plotzlkich Freicheitskäpfer werden.

Obwohl ich den Artikel interessant finde, habe ich das Gefühl , die Autorin jagt Zeitgeister nach. Ich wünsche mir mehr Artikel über die Geheimgefängnisse der CIA, über die Waffenlieferungen und Ausbildungskaps der „oppositionelen“ Rebelen, über die Korruption und Väternwirtschaft im öffentlich-rechtlichen Funk, damit so was wie früher sich nie wieder wiederholen kann.

Maschinist
4 Monate zuvor

Perfekter Journalimus, ohne Belehrung, unideologisch dokumentarisch.
Kritisch allein in seiner Existenz, denn die MSM berichten darüber fast nicht, allein zur Konstituierung des Beirates der Gedenstätte fand ich einen einzelnen Artikel in der Berliner Woche. Man kann über Frau Lengsfeld denken, was man will, ihr Zeitzeugnis ist genauso wichtig wie die Aussagen aus Konzentrationslagern oder aus russischen Gulags.

Neben der Gedenkstätte empfehle ich noch das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig, wo wahrscheinlich jetzt aber wegen Corona keine „ständigen Begleiter“ dem Besucher ständig vermitteln, daß er beobachtet wird. Das „DDR“-Museum in Mitte ist hingegen eher DDR-Folkore, ein Jahrmarkt.

M. Sachse
Antwort an  Maschinist
4 Monate zuvor

„wo wahrscheinlich jetzt aber wegen Corona keine „ständigen Begleiter“ dem Besucher ständig vermitteln, daß er beobachtet wird….“. Beobachtet wird er sowieso, insbesondere wenn sich der Zeitgenosse anmaßt, eine eigene Meinung zu haben.

Ole Seelenmeyer
4 Monate zuvor

Für mich ist Vera Lengsfeld eine der Vorbild-Ikonen der friedlichen und demokratischen Revolution 1989/90 einer grossen Mehrheit der Bevölkerung der ehem. DDR gegenüber ihren Sklaventreibern, fast allesamt linksideologische Faschisten – genannt DDR-Stalinisten – die in diesem deutschen Teilstaat fast 45 Jahre lang ein brutale Diktatur gegenüber politisch Andersdenkende betrieben. (s. Rosa Luxemburg). Merkel hatte an dieser Freiheits-Revolution keinerlei Anteil! Die SED und ihre Stasi erst recht nicht!

M. Sachse
Antwort an  Boris Reitschuster
4 Monate zuvor

„…hartnäckig hält sich bei vielen die Illusion, Merkel sei auch gegen das System gewesen….“. Vielleicht bei denen, die DDR-Zeitzeugen nicht nur ausgrenzen, sondern auch nicht zuhören. Die Familie des „roten Kasner“ und seiner Tochter wurde nun wirklich oft genug und lange besprochen!

Petra Hard-Dörries
Antwort an  Ole Seelenmeyer
4 Monate zuvor

Ich habe vor 20 Jahren den Geschmack von Verlust aller Rechte in der Bundesrepublik Deutschland auch schon machen dürfen!

TATORT Psychiatrie, genauer:

Umgang mit Patienten jenseits aller Patientenrechte.

Da ich mit der ausschließlich pharmakologischen Behandlung nicht einverstanden war und auf Gesprächen mit Experten bestand, wurde mir kurzerhand in einem „Schnellverfahren“ ein sogenannter 6-Wochen-Beschluss aufgedrückt.

In dem 5-Minuten-Verfahren entschieden 1 Richter +1 Gutachter (dieser „dreifaltige“ Psychiater war gleichzeitig behandelnder Arzt, Chef der Station und Gutachter) sowie 1 Pflichtverteidigerin (spezialisiert auf Scheidungsrecht) über meine notwendige Unterbringung in einer „Geschlossenen Abteilung“.

Ich bin durch ein absolut perfides System von Beschuldigungen ( der Psychiater behauptete, ich sei „Suizidgefährdet“) immer länger weggesperrt und eingebravt worden, bis mir schließlich gelang, mich auszuklinken.

Ich brauchte fast 1 Jahr, um ein „fast normales Leben“ zurück zu erobern!!!

Und dieses kranke Psychiatrie-System ist AKTUELL NOCH IMMER AM ARBEITEN,

OHNE JEDE ART VON HINTERFRAGEN!!!!

Bitte nicht missverstehen,  selbstverständlich dürfen Zeitzeugen und Örtlichkeiten des Missbrauchs von 1989 und Vorjahren  NIEMALS  aus der Sicht- und Hörbarkeit entfernt werden, aber wir haben AKTUELL NOCH BAUSTELLEN,  DIE IN DEN FOKUS DER ÖFFENTLICHKEIT GEHÖREN UND ALS MISSBRAUCHSSTÄTTEN ANGEKLAGT UND AUFGELÖST WERDEN MÜSSEN!

GENAU WIE DAMALS, GIBT ES AUCH HEUTE UND HIER MENSCHEN, DIE VÖLLIG IHRER RECHTE BERAUBT WERDEN!

PETRA HARD-DÖRRIES

[email protected]

M. Sachse
Antwort an  Petra Hard-Dörries
4 Monate zuvor

Der Fall Gustl Mollath steht auch für Ihre Aussage. Ich habe mich seinerzeit als Journalist damit beschäftigt und einen hochkarätigen Gutachter gebeten, das Verfahren zu überprüfen. Dies geschah auch und endete in einem Gegengutachten, dass wohl auch dazu beitrug, dass Herr Mollath wieder frei ist.

Auch das Thema DDR-Psychiatrie wurde nie aufgearbeitet. Ich hatte einen Freund und Kollegen des DDR-Fernsehens verloren, der im Kontext einer missglückten Republikflucht über Bulgarien ungeklärt verstarb. Er wurde nach Inhaftierung in die Psychiatrie eingewiesen. Der selbe Gutachter, dessen Namen ich hier aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nenne, hatte auch zu diesem Thema wissenschaftlich gearbeitet und wurde schlicht ignoriert und gar verleugnet.

Steffen Rascher
Antwort an  Petra Hard-Dörries
4 Monate zuvor

Eine Psychiaterin, die an einer Privatschule unterrichtete, hat mir nach einer Hospitation bestätigt, dass man auch heute noch Menschen sehr einfach wegschließen kann wie dereinst in der DDR. Ist der angestrebte Erfolg einer Zersetzung mit juristischen Mittel nicht zu erreichen, dann fliegt man halt übers Kuckucksnest. Hat da jemand eine Idee wie man da was ändern könnte? Darüber habe ich schon sehr oft nachgedacht und bin zu keinem Ergebnis gekommen, aber das bräuchten wir ganz dringend.

 

A.F.
4 Monate zuvor

Für mich als Westdeutsche sehr interessant. Ich erinnere mich an die Verklärung der PDS nach der Wende durch  westdeutsche Linke. Es sind die, die heute gegen Andersdenkende hetzen.

M. Sachse
Antwort an  A.F.
4 Monate zuvor

„Für mich als Westdeutsche sehr interessant….“ Gewiss, die Westdeutschen glaubten lange, dass Demokratie von bleibender Dauer ist. Leider muss man täglich für sie einstehen und auch streiten, was aktuell besonders deutlich wird.

Die DDR-Verfolgten, die wie Seismographen die Entwicklung vorher gesagt haben, hat man schlicht ignoriert. Sie und ihre Biografien sind auch zu anstrengend. Wiederholt habe ich auf diesem Blog meine e-Mailadresse angegeben, damit Leser diese Themen hinterfragen können. Reagiert hat niemand, auch nicht Herr Reitschuster. Nur habe ich die Mailadresse nicht für die mitlesenden Dienste hinterlegt, die sicher ohnehin meine Kommunikation kennen.

Nun sollen aber nicht die jammern, die alle Warnungen ignoriert haben.

Norbert Brausse
Antwort an  M. Sachse
4 Monate zuvor

Herr Sachse, der Zug ist abgefahren, so deutlich muss man das sagen oder anders ausgedrückt, wir sind, wenn man sich den Beitrag „Der linke Aufstand ist längst da“ durchliest, an einer Stelle angekommen, wo die DDR-Vergangenheit die Mehrheit der Menschen dank der Medien nicht mehr interessieren darf. Es ist zwar mehr als traurig, dass ca. 500 Menschen an der innerdeutschen Grenze und in Berlin umgekommen sind, aber das findet aktuell nicht mehr in den Medien statt. In diesem Zusammenhang wäre es interessant von Herrn Reitschuster zu erfahren, wie in Russland aktuell mit den Millionen Toten der Stalin-Diktatur umgegangen wird.

Steffen Rascher
Antwort an  Norbert Brausse
4 Monate zuvor
Herr Brausse, ich glaube, der Zug fährt gerade noch mal ein und wir sollten ihm nicht gestatten, seinen Dreck hier wieder abzuladen. Es dauert ca. 40 Jahre bis alles, was wir erreicht haben, verbraucht und verschlissen ist und die Deutschen wieder singen müssen: „Bau auf, bau auf …“ Nicht für uns, sondern für unsere Kinder müssen wir das machen. Und an Frau Merkel „Das schaffen wir“, weil wir es wollen und auch schon mal konnten und immer noch können, also die grünen Finger weg von unseren Kindern und Enkeln. Missbrauch hat viele Gesichter, aber es gibt kein Verzeihen mehr dafür.
M. Sachse
Antwort an  Norbert Brausse
4 Monate zuvor

Ihren Worten und Ihrer Frage schließe ich mich an. Leider kam mit Herrn Reitschuster kein Dialog zu diesen Themen zustande. Wer ihn verhindert hat, kann ich nicht sagen.

Mario
Antwort an  M. Sachse
4 Monate zuvor

Wiederholt habe ich auf diesem Blog meine e-Mailadresse angegeben, damit Leser diese Themen hinterfragen können. Reagiert hat niemand, auch nicht Herr Reitschuster.

Die im Kommentar Modul angegebene Mail Adresse wird ja nicht mit veröffentlicht! Dient beim derzeitigen Setting wohl nur zur Realisierung der follow-up Funktion per Mail.
(Oder wollten Sie aussagen Sie hätten diese im Kommentartext mit angegeben sei dort aber nicht veröffentlicht worden?)

Uwe Krahmer
Antwort an  Mario
4 Monate zuvor

Herr Mario (?), die vollständige Mail Adresse von Herrn Sachse wurde doch hier im Blog bei seinen letzten Eintragungen angezeigt. Ich verstehe Ihren Kommentar nicht.

Freundliche Grüße

Uwe Krahmer

M. Sachse
Antwort an  Mario
4 Monate zuvor

Die Mailadresse war natürlich Bestandteil des Kommentars! Auch habe ich es über den angegebenen Kontakt des Blogs versucht. Sowie über die c/o-Adresse des russischen TV-Senders. Keine Reaktion, Faxe konnten nicht zugestellt werden….

M. Sachse
4 Monate zuvor

Man kann viel über die Gedenkstätte schreiben, oder einen kurzen Film machen, den ich mit freundlicher Unterstützung von Dr. Knabe in der Gedenkstätte 2009 realisiert habe:

 

Smilla
Antwort an  M. Sachse
4 Monate zuvor

Danke für Ihre Arbeit zur Aufklärung der DDR Diktatur!

M. Sachse
Antwort an  Smilla
4 Monate zuvor

Danke zurück!

Helmut Sandmann
Antwort an  M. Sachse
4 Monate zuvor

Danke fuer den Link!

Steffen Rascher
4 Monate zuvor
Bei Vera Lengsfeld finde ich regelmäßig interessante Artikel, aber leider keine Kommentare, was ich jedoch gut verstehe, steckt doch da eine enorme Arbeit dahinter. Besonders gefallen mir Hinweise, wie man aktiv werden kann, was bei den meisten Blogs nicht so geboten wird.
 
Die Situation der Gedenkstätten ist wirklich als bedrohlich einzuschätzen und die Diffamierungen erinnern mich an amerikanische Verhältnisse, die bestens dazu geeignet sind, wirkliche Missstände nicht mehr bekämpfen zu können, was sich eindeutig auch gegen Frauen richtet, weshalb ich erwarte, das auch Frauen sich diesen Missbrauch wehren, um nicht auf solch billige Art ihrer Rechte beraubt zu werden.
 
Lederer ist in diesem Fall allerdings besonders geschickt vorgegangen, was Rückschlüsse auf seinen Charakter zulässt. Nicht Hubertus Knabe ist der Sexist, sondern Knabe ist der Vorgesetzte des Beschuldigten, der noch nicht mal überführt worden ist. Da muss man erst mal drauf kommen, nicht zu vergessen, der nächste Fallstrick, das Aussageverbot. Das darf man auch nie vergessen, sonst heißt es dann später: „Knabe? Da war doch was mit Sexismus!“ Nichts war da, Knabe wurde von versierten Verunglimpfern gejagt und zur Strecke gebracht. Der Trost an der Sache ist der Ärger, der hier zutage tritt und zeigt das, wenn schon keine Verurteilung der Täter möglich war, eine gewisse Ächtung und das Gefühl dann doch nicht so leicht davonzukommen, mit den Gedenkstätten erreicht wurde.
Erfreuen wir uns doch wenigstens daran!