Drosten vor Untersuchungsausschuss – Medien schweigen oder framen Keine einzige Frage von der CDU an den Virologen

Sehen Sie hier das Video zum Beitrag – mit zwei Interviews.

Hand aufs Herz: Wussten Sie, dass der Virologe Christian Drosten sich heute vor dem Corona-Untersuchungsausschuss des Brandenburgischen Landtags den Fragen der Abgeordneten stellen musste? Drei Stunden lang. In den großen Medien wird darüber kaum berichtet. Im Vorfeld gab es kaum Vorberichte und auch heute bringt eine eilige Suche bei Google-News nur drei Berichte in großen Medien – davon ist einer ein und derselbe Text auf zwei Plattformen, nämlich der Märkischen Oderzeitung (MOZ, hier) und Lausitzer Rundschau (LR, hier), beide stehen hinter einer Zahlschranke. Der dritte Text, in der Märkischen Allgemeinen (MAZ), ist nur bis 19.23 Uhr frei abrufbar, danach ebenfalls hinter einer Bezahlschranke. Das Framing beginnt dabei schon in der Überschrift: „Wie Virologe Christian Drosten der AfD Nachhilfe-Unterricht im Landtag erteilt“, titeln MOZ und LR. Bei der MAZ lautet der Titel: „Das ist etwas komplexer: Wie der Virologe Christian Drosten der AfD das Corona-Virus erklärt“. In der Unterzeile heißt es bei LR und MOZ: „Die AfD Brandenburg hat am Freitag, den 11. Juni, den Berliner Virologen Christian Drosten in den Untersuchungsausschuss des Landtages vorgeladen. Wie er mit den Lieblingsthesen der AfD zur Pandemie umging. Ob Drosten an den PCR-Tests verdient?“ Die MAZ fragt im Vorspann: „Im Mittelpunkt der Fragen der AfD stand die Wirksamkeit der PCR-Tests. Zwischenzeitlich geriet die Befragung zu einer Medizin-Lehrstunde über Corona.“

Die MAZ schreibt: „Den Ausschuss hatte die AfD beantragt, die anderen Fraktionen kritisieren das Vorhaben, vor allem, weil die Pandemie noch anhält und eine Untersuchung des Handelns der Landesregierung verfrüht sei.“ Der Text von LZ und MOZ liest sich wie eine Generalanklage gegen die AfD bzw. deren Kritik an der Corona-Politik, mit Zwischenüberschriften wie: „Wie die AfD im Untersuchungsausschuss an sich selbst scheitert“. In dem Beitrag heißt es: „Falls die brandenburgische AfD die Hoffnung hatte, Professor Christian Drosten zum Kronzeugen zu machen, dass in Brandenburg Fehler bei der Bekämpfung des Coronavirus gemacht wurden, wurden diese am Freitag im Landtag nicht erfüllt. Der auf Antrag der AfD-Opposition eingesetzte Untersuchungsausschuss hatte den Berliner Virologen für den Freitag als sachverständigen Zeugen geladen.“ Und weiter: „Der 48-Jährige legte eine regelrechte Engelsgeduld an den Tag, betone mehrfach, dass er Verständnis für die Fragen angesichts der komplizierten Materie und der vielen im Umlauf befindlichen Spekulationen habe.“

Tatsächlich blieb eine „Informations-Bombe“, auf die vielleicht einige gehofft hatten, aus, wie Max Kittan berichtet, der heute extra für reitschuster.de in den Landtag ging. Da der Landtag nur den bundeseinheitlichen Presseausweis akzeptiert, aber keinen von anderen Journalistenverbänden, konnte Kittan trotz einer Bestätigung, dass er für meine Seite schreibt, nicht auf die Pressetribüne. Aber er konnte der Vernehmung in der Übertragung in einem anderen Raum folgen. Ein Livestream, der auch außerhalb des Parlaments anzusehen war, wurde für den Untersuchungsausschuss nicht eingerichtet, wie mir die Pressestelle des Landtags mitteilte.

Die wichtigsten Eckpunkte fasst Kittan wie folgt zusammen (sehen Sie etwas später mein Kollegengespräch mit ihm über seine Eindrücke als Video):

Anhörung lief ca. 3 Stunden, grob ca. 50-80 Fragen der Abgeordneten, keine Fragen der CDU, keine der Grünen, zwei der „Linken“, fünf bis sechs der SPD, der Rest, ca. 90 Prozent, der AFD.

Fragen an Drosten – und seine Antworten (sinngemäß):

1. Persönlicher Anteil bei der Entwicklung des Tests?

Arbeitsleistung ja, Geld nein.

2. Welche Fehlerquote hat der PCR-Test?

Keine konkreten Zahlen zu der Fehlerquote der Tests – die sind nicht systematisch bekannt.

3. Was passiert bei positivem Test ohne Symptome? Erfolg ein Zweit-Test?

Es gibt eine Plausibilitätsprüfung. Es werden zwei Tests gleichzeitig gemacht. Wenn beide positiv sind, bedeutet dies, der Patient ist positiv, wenn sie unterschiedlich sind, erfolgt eine Wiederholung/genaue Prüfung. Es wird immer auf zwei Zielgene gestetet.

4. Vergleich der CT-Werte?

Ein Vergleich der CT-Werte ist nicht möglich wegen der vielen verschiedenen Hersteller. Es erfolgt eine Umrechnung in Viruslast, um vergleichen zu können.
(beim Drosten PCR-Test)

Bei geringer Viruslast ist der Getestete nicht infektiös, aber er ist trotzdem ein Coronafall.

20 bis 30 Prozent der Getesteten sind asymptomatisch zum Zeitpunkt des Tests.

5. Bedeutet ein positiver Test, dass der Getestete infektiös ist?

Annähernd. Die Viruslast ist entscheidend.

6. Erkennt der PCR-Test verwandte Viren?

Nein.

7. Wie gut kennen Sie Anthony Fauci von der US-Gesundheitsbehörde CDC?

Kaum. „Ich weiß nicht, ob er mich kennt“.

8. Gibt es eine natürliche Immunität gegen SARS-CoV-2?

Es gibt keine relevante Grundimmunität, nur minimale T-Zellen-Kreuzimmunität.

Weitere Zitate von Drosten (sinngemäß):

Ich war nie alarmistisch gewesen.

Ich habe das Geschehen immer neutral kommentiert.

SARS-CoV-1 ist nie eine Pandemie gewesen.

Differentialdiagnostik (bei SARS-CoV-2) war nicht möglich.

Es ist immer noch eine milde Erkrankung (für die allermeisten Menschen). Daran hat sich auch nichts geändert.

Der Vorsitzende Keller (SPD) hat sich „bemüht, die Sache glimpflich für die Regierung ausfallen zu lassen“, er hatte öfters Fragen nicht zugelassen, weil angeblich kein Bezug besteht“, kommentierte Viviane Fischer, Rechtsanwältin und Aktivistin im „Corona Ausschuss“, das Geschehen, das sie als Besucherin verfolgte.

Der AfD-Obmann im Untersuchungsausschuss, Lars Hünich, zog im Gespräch mit reitschuster.de in einer Sitzungspause wie folgt Zwischenbilanz: „Für uns war das absolut spannend, was wir gehört haben. Das muss man ehrlich sagen. Selbst er sagte, dass die Ausrichtung auf die CT-Werte ungenau bzw. viel zu grob wäre, dass es besser wäre, die Viruslast zum entscheidenden Faktor zu machen. Und da muss man dann irgendwann die Frage stellen: Warum wird das nicht umgesetzt? Allein diese Aussage von Drosten und diese Erkenntnis war in meinen Augen die Vorladung wert.“ Besonders beachtenswert findet Hünich, dass Drosten wörtlich gesagt habe: „Es ist in den allermeisten Fällen eine milde Erkrankung“. Wenige Stunden später habe dann die Brandenburgische Gesundheitsministerin Ursula Nonnenmacher (Grüne) vor dem gleichen Ausschuss genau das Gegenteil festgestellt, dass es eine schwere Krankheit wäre. Besonders interessant finde er noch, dass Drosten darlegte, es gebe über 100 verschiedene PCR-Tests, und dass die Vergleichbarkeit der Zahlen im Hinblick auf die wichtigen CT-Werte nicht vorhanden seien.

Hünich Fazit: „Dass man in den Medien zu diesen Aussagen so gut wie nichts findet, überrascht mich zwar nicht, aber ich finde es sehr bedauerlich. Dieser Tag hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig solche parlamentarischen Untersuchungen sind. Sehr schade, dass in den Medien entweder gar nicht oder nur sehr einseitig berichtet wird.“

Eingangs wurde Drosten nach der Verlässlichkeit der PCR-Tests gefragt. Er betonte, alle in Deutschland damit arbeitenden Labore seien zertifiziert und hätten auch langjährige Erfahrungen beim Testen anderer Viren. An der Produktion der Tests verdiene er nichts, sagte er.  Bei seinem Institut an der Charité handle es sich um eine akademische Einrichtung, die ihre Forschungsergebnisse so schnell wie möglich veröffentliche und dann den Herstellern zur Verfügung stelle. Es käme tatsächlich zu falschen Testergebnissen, sagte Drosten auf Nachfrage. Er verwies darauf, dass es sich bei den Tests um mehrstufige Verfahren handle. Zudem werde die Plausibilität getestet, etwa im Hinblick auf Symptome.

Auf die Kritik der AfD, die Tests sagten wenig über die Ansteckungsgefahr aus, antwortete Drosten, es habe seinen Sinn, dass auch Patienten mit einer geringen Viruslast in die Statistik aufgenommen wurden: Denn diese Personen seien ja früher ansteckend gewesen oder würden es später noch werden. Drosten wurde auch angesprochen auf Kritik, die Tests würden keine Aussage darüber zulassen, ob der Getestete wirklich erkrankt sei und ob damit wirklich Maßnahmen wie etwa Quarantäne nötig seien. Drosten antwortete darauf, in der Regel verlaufe die durch das Virus verursachte Krankheit milde. Allerdings sei die Viruslast selbst bei symptomfreien Verläufen, also etwa ohne Husten und Halsweh, so hoch, dass eine große Ansteckungsgefahr vorliege. Ein weiterer Grund für Quarantäne-Maßnahmen sei gewesen, dass die Gesundheitsbehörden 2020 weniger Informationen gehabt hätten.

Aussagen, wonach Covid-19 keine Pandemie verursacht habe, widersprach Drosten. Als Beleg gab er eine Sterberate von rund einem Prozent an, sowie eine deutlich höhere Zahl schwerer Krankheitsverläufe. Dies belege, dass die Maßnahmen wichtig waren. Kritik der AfD, wonach nur flächendeckende Testungen als Grundlage für politische Entscheidung hätte durchgehen können, widersprach Drosten. Dafür hätten zu Beginn der Krise die Test-Kapazitäten gefehlt.

Im Text von Märkischen Oderzeitung und Lausitzer Rundschau heißt es: „Die konkreten Maßnahmen der brandenburgischen Landesregierung zur Pandemiebekämpfung von Anfang 2020 bis September 2020 spielten in der dreistündigen Befragung so gut wie keine Rolle.“  Das hatte auch der Vorsitzenden bei vielen Fragen kritisiert.

Fairer ist der Betrag in der Märkischen Allgemeinen. Dort heißt es: „Christian Drosten, der Chef-Virologe der Berliner Charité, saß in gespannter Erwartung auf seinem Platz im Plenarsaal. Er hatte einen Rechtsbeistand an seiner Seite, der aber kaum eingreifen musste. Drosten beantwortete die Fragen mit großer Geduld und durchaus auch mit Verständnis. „Ich kann ihre Frage gut nachvollziehen“, sagte er gleich mehrfach.

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Bild: reitschuster.de
Text: br

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