Wie die Tagesschau Gewalt gegen Journalisten von links verschweigt Framing in der ARD

Die Nachricht ist eindeutig: In der Rangliste der Pressefreiheit, die „Reporter ohne Grenzen“ (RSF) jedes Jahr für alle Länder der Welt vorschlagen, ist Deutschland erstmals aus der Spitzengruppe herausgeflogen. Interessant ist, wie die Nachricht „geframt“ wird. Als Begründung werden Übergriffe auf Journalisten bei Demonstrationen genannt. „Mehr als drei Viertel aller körperlichen Angriffe ereigneten sich demnach auf oder am Rande von Demonstrationen, darunter neben den Coronaprotesten auch auf Demos gegen das Verbot der linken Internetplattform linksunten.indymedia.org und auf Demos zum 1. Mai. ,Journalisten wurden geschlagen, getreten und zu Boden gestoßen, sie wurden bespuckt und bedrängt, beleidigt, bedroht und an der Arbeit gehindert‘, heißt es weiter.“, berichtete etwa der Spiegel.

Bei den eiligen Lesern blieb freilich etwas ganz anderes hängen. Im ersten Absatz ist nur ein Aspekt als Ursache in dem Beitrag genannt: „‘Aufgrund der vielen Übergriffe auf Coronademonstrationen mussten wir die Lage der Pressefreiheit in Deutschland von ‘gut‘ auf nur noch ‘zufriedenstellend‘ herabstufen: ein deutliches Alarmsignal‘, erläuterte RSF-Vorstandssprecher Michael Rediske in der am Dienstag veröffentlichten Bilanz.“ Die Angriffe von links sind in diesem Zitat des früheren Chefredakteurs der taz nicht aufgeführt, viele Leser werden davon deshalb nichts erfahren.

Ähnlich lief es auch in den öffentlich-rechtlichen Medien. Der Vize-Chef der Unionsfraktion Arnold Vaatz rief mich heute an und erzählte von seinem eigenen Erlebnis mit dem Framing: „In den Morgennachrichten im Deutschlandradio habe ich noch gehört, dass die Rückstufung wegen Übergriffen auf Corona-Demos erfolgte und ebenfalls wegen Übergriffen gegen Journalisten auf linken Demos, als ich dann abends in der Tagesschau eine Nachricht zum gleichen Thema hörte, fehlten die linken Demos erstaunlicherweise“. Millionen Zuschauer bekamen so möglicherweise ein falsches, verzerrtes Bild. Vaatz, zu DDR-Zeiten Bürgerrechtler und ein kritischer Geist in der CDU, will das nicht auf sich beruhen lassen: Er erwägt jetzt eine Programmbeschwerde bei der ARD: „Ich möchte fragen, warum man das den Lesern vorenthalten hat. Oder ob möglicherweise die Berichte in den anderen Medien, dass es auch auf linken Demos Gewalt gab, frei erfunden sind“, so Vaatz augenzwinkernd. Und fügt spitz hinzu: „Es ist ja auch so, dass Journalisten, die bei Querdenker-Demonstrationen nicht angefeindet werden, dafür ihrerseits von ihren Kollegen angefeindet werden.“

Ich habe mir den Beitrag angesehen. Von Übergriffen von linker Seite gegen Berichterstatter, wie ich sie mehrfach erlebte, ist in dem Beitrag keine Rede. Ebenfalls nicht von der Zensur auf Youtube, die etwa eine Live-Berichterstattung von Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstrationen faktisch unmöglich macht.

Anzusehen ist der Beitrag hier ab Zeitmarke 9.50.

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Bild: Olaf Kosinsky / Wikipedia / CC BY-SA 3.0 DET
Text: br

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