Silvester wie im Bürgerkrieg – und sie spielen alles herunter Warum die Beschwichtigung gefährlicher ist als die Randale selbst

Eigentlich sollte das hier ein bewegender Neujahrstext werden, und die Glückwünsche aufgreifen und vertiefen, die ich heute Nacht in den sozialen Medien geteilt habe:

Nach dem Aufwachen sah dann aber alles leider, leider ganz anders aus. Auch wenn ich es mir gestern bzw. heute Nacht schon so habe vorstellen lassen – ich will mich einfach nicht daran gewöhnen, ich will einfach nicht aufhören, mich darüber zu wundern, zu entsetzen.

Es begann mit einem Video auf der Internet-Seite der „Bild“ – Reporter-Berichte über die Neujahrsnacht. Und es wirkte wie Frontberichterstattung. Regelrechte Straßenschlachten, brennende Barrikaden, Angriffe auf die Polizei. Hier nur ein paar der Überschriften von der Seite:

Das ist nur ein Auszug. Und nur von einer Seite – der „Bild“. Rot-grüne Medien wie der „Spiegel“ bringen oben auf der Seite nur eine einzige, zusammenfassende Meldung – alles andere, so wohl die Furcht in der Redaktion, könnte zu viel Realität sein für die Leser und diese beunruhigen bzw. rot-grüne Weltansichten ins Wanken bringen.

Mein erster Instinkt als Journalist: Eine detaillierte Übersicht über die Ereignisse, dann eine Übersicht, wie über sie berichtet wird, wie die ganzen Propaganda-Medien von ARD und ZDF über „Spiegel“ und „Zeit“ bis hin zu „Süddeutscher Zeitung“ und „Tagesspiegel“ versuchen, den üblichen Spagat zu machen – nicht alles verschweigen, aber doch so zu berichten, dass es nicht beunruhigt und die Risse in ihrer Ideologie nicht sichtbar sind.

Doch dann habe ich den Instinkt gestoppt und mir gesagt: Es ist jedes Mal das Gleiche – alle Jahre wieder. Nicht nur an Silvester. Bis hin zum Rückblick am nächsten Tag, dass so gut wie alle wieder frei sind, die festgenommen wurden, und dann Monate später, dass es bis auf wenige Potemkinsche Ausnahmen keine wirklich schmerzenden Strafen gibt.


Aber ich habe mir gesagt: Diese Routine wäre nicht nur für mich genauso lästig wie für Sie – sie bringt auch nichts.

Viel wichtiger ist die Frage: Warum ist all das möglich, warum ändert sich nichts, warum sehen bis auf eine – wenn auch immer größere werdende – Minderheit wie wir viel zu wenige Menschen hin?

Ich glaube, weil sie Angst haben. Weil ihnen ein genaues Hinsehen zeigen würde, was sie mühsam verdrängen (und wir eben nicht, und das ist der zentrale Unterschied): Dass dieses Land nicht mehr sicher ist. Dass es nicht mehr das alte Land ist, in dem wir gut und gerne lebten. Dass uns dieses Land fremd geworden ist.

Ich höre sie buchstäblich, all die „Verdränger“, wie ich sie nenne, die aber hier kaum mitlesen: Man soll das nicht zuspitzen, auch früher habe es beim Jahreswechsel Straftaten gegeben. Kulminierend kann man das zusammenfassen in einer Wortkombination, die ich heute in den Staatsmedien wieder und wieder gefunden habe, vor allem auch in Überschriften, und die ein Offenbarungseid ist, denn nur leider viel zu wenige als solche erkennen: „Überwiegend friedlich“.

Das ist so, wie wenn ein Doktor einem Patienten, der an einer schwersten Herzkrankheit leidet, sagt: „Überwiegend ist in Ihrem Körper alles gut“. So was ist die letzte Beruhigungspille vor dem Tod. Wenn nicht mehr das Problem bzw. die Ausschreitungen die eigentliche Nachricht sind – sondern wenn man schon betonen muss, dass auch noch etwas normal läuft. Wie weit von ihrem Berufsethos, vom normalen Menschenverstand und von der Realität haben sich Journalisten entfernt, die solche Schlagzeilen schreiben? Und wie apathisch und resigniert müssen Menschen sein, die sie nicht (mehr) durchschauen?

Mein Verdacht ist: Sie durchschauen sie sehr wohl. Aber sie greifen diese Beruhigungspillen begierig auf, um ihre Angst zu zügeln, um weiter zu verdrängen. Genauso wie ein Herzpatient im fortgeschrittenen Stadium, der sich über durchsichtigen Trost vom Arzt freut – statt ihn als das zu begreifen, was er ist: ein Zeichen der Ausweglosigkeit.

‘In absehbarer Zeit‘

Solange unsere Medien weiter diese Beruhigungspillen verteilen und eine Mehrheit sie weiter schluckt, wird sich nichts ändern in diesem Land. Und diese Erkenntnis ist noch viel beunruhigender als die Silvester-Randale selbst – die zeigen, wie sehr, wie schrecklich und wie bitter sich dieses Land verändert hat. Wie hier fremde, unversöhnliche Kulturen infolge einer völlig verantwortungslosen Politik aufeinanderstoßen. Und wie andere Länder, etwa osteuropäische, genau diese Katastrophe durch eine umsichtigere Politik verhindern konnten – weswegen sie unsere Propagandisten und „Verdränger“ verteufeln müssen, weil sonst ihr Lug und Trug und der Irrsinn ihrer weltfremden Ideologie allzu sichtbar würden. Weil sie dann nackt dastünden.

Ein konservativer Prominenter, den Sie alle kennen, schrieb mir heute im Chat mit seinen Neujahrswünschen: „Ich habe das Gefühl, dass der Wahnsinn sich mittlerweile so beschleunigt, dass er in absehbarer Zeit zusammenbricht. Die Realität ist konservativ, und diese Realität wird die Regierenden bald einholen.“

Irgendwann – ja, da bin ich bei ihm.

Aber wann?

So wie er dachten viele russische Konservative auch nach Lenins Putsch 1917. Die Realität holte die Bolschewiken und vor allem ihre Opfer zwar sehr schnell ein – doch es dauerte 70 Jahre, bis die Befreiung von den Linksextremen gelang.

Heute sind Lenins geistige Ur-Neffen an den Schalthebeln der Macht und der Redaktionen – am 1. Januar 2020 habe ich dazu einen Neujahrsbeitrag verfasst, bei dem mir auch heute noch das Lachen im Halse stecken bleibt. Und der zeigt: Der politische Irrsinn begann weit vor Corona (siehe hier).

Natürlich hat Corona all das potenziert, die feuchten (All-)Machtträume von Lenins Ur-Neffen, von den Baerbocks, Klingbeils und Habecks, wurden völlig entfesselt. Heute hält eine kleine, kämpferische, radikale, champagner-linke Minderheit in Regierung, Ämtern, Redaktionen und angeblichen Nichtregierungsorganisationen eine bürgerliche Mehrheit in Deutschland in geistiger Gefangenschaft und politischer Apathie.

Deshalb müssen wir heute noch klarer sehen als je zuvor: Wer jetzt noch beschwichtigt, hat längst kapituliert. Wer sich noch beruhigen lässt, hat innerlich längst aufgegeben. Und wer immer noch glaubt, es gehe „überwiegend friedlich“ zu – der steht schon mit einem Bein auf dem Trümmerfeld. Und verdient es fast schon, von der Realität überrollt zu werden.

Ja, der Wahnsinn wird mit der Zeit zusammenbrechen, da bin ich ganz bei dem Prominenten, der mir das vorhersagte in seiner privaten Neujahrsbotschaft. Die große Frage ist nur – wie viele tragfähige Fundamente, wie viele Pfeiler unserer Gesellschaft werden die Brandstifter vom linken Rand – und leider auch von rechts außen – bis dahin noch weiter eingerissen haben? Wie viel wird noch übrig sein von den kümmerlichen Resten jenes soliden Fundaments, auf dem dieses Land einmal stand, wenn es nach dem freien Fall, in dem wir uns befinden, zum harten Aufprall kommt?

Wird noch genug stehen für einen Neubeginn?

Mein Verstand sagt: Nein. Aber mein Herz will diese Antwort nicht akzeptieren. Ich will mir die Hoffnung nicht nehmen lassen.

Und Sie bitte auch nicht. Denn wenn der Sturm vorbei ist, wenn die Mehrheit gezwungen ist, die rosarote bzw. rotgrüne Brille abzunehmen und das Trümmerfeld anzusehen, dann werden wir jede klare Stimme, jeden wachen Kopf und jeden freien Menschen brauchen, der die Trümmer in etwas Neues verwandeln kann.

Ja, um den Aufprall zu stoppen, ist es zu spät. Aber wir müssen schon heute einen Schritt weiter denken – an den Neuaufbau. Den Wind können wir nicht drehen – aber wir haben dann eine Chance, die Segel neu zu setzen.


P.S.: Ganz, ganz herzlichen Dank für die bewegende Unterstützung zu Weihnachten – sie hat mich tief gerührt:

Jede Überweisung ist Ansporn, Motivation – und ein bisschen auch Schmerzensgeld.

Und weil Freude wächst, wenn man sie teilt, gibt es für meine halbadoptierten Straßenkatzen zu den üblichen Portionen diesmal über die Feiertage besonders festliche Extras: Hochwertiger, leckerer – echte Weihnachtsfreude auch für sie.

Wer nachträglich noch Weihnachtsmann spielen will – auch für die Katzen: 👉 http://reitschuster.de/unterstuetzung/

Den Dank der Samtpfoten – in Form von Pfotenlecken und Schnurren – richte ich gern aus!

Ich gehe oft mit schwerer Tasche los – Futter, Dosen, Leckerli für die Streuner.
Und komme mit leerer Tasche zurück. Und spüre dann: Ich fühle mich viel leichter.
Und zwar nicht nur auf den Schultern. Auch im Herzen. Und im Leben.
Selbst das Einschlafen fällt leichter – was sehr viel bedeutet in diesen Zeiten.
Schenken hilft nicht nur denen, die wenig haben – sondern auch denen, die viel tragen.
Buchstäblich.


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