Von Thomas Rießinger.
Nur wenige werden Jarle Aarstad kennen, auch mir war er bisher unbekannt. Es handelt sich um einen Wirtschaftsprofessor aus Norwegen, der vor Kurzem sowohl auf Substack wie auch auf X auf interessante Entwicklungen in Teilen des norwegischen Gesundheitssystems aufmerksam gemacht hat. Da vermutlich die Äußerungen norwegischer Professoren in Deutschland eher selten rezipiert werden, werde ich seine Feststellungen vorstellen und auch ein wenig erweitern.
Das norwegische „Folkehelseinstituttet“, in englischer Sprache als „Norwegian Institute for Public Health“ bezeichnet, hat eine Statistik über den Gebrauch von Herz- und Kreislauf-Medikamenten veröffentlicht, die eine kurze Betrachtung wert ist und auf die sich Aarstad bezieht, wenn er schreibt: „Since the Norwegian Institute of Public Health (NIPH) forgot to publish a press release or was too busy to do so, I’m doing it for them. Free of charge.“ Aus den Daten des NIPH folgert er: „New statistics from the NIPH on the use of cardiac medication (class C, heart and circulatory system) among young people, 15-44 years old, show an increase of almost 28 percent from 2020 to 2025…. The increase began in 2021 and coincided with the COVID-19 vaccine rollout to the younger population from the summer of that year.“
Das Institut hat also festgestellt, dass der Gebrauch von Medikamenten für Herz- und Kreislauferkrankungen in der Altersgruppe von 15 bis 44 Jahren sich von 2020 bis 2025 um fast 28% gesteigert hat. Die Statistik wurde zwar auf der Homepage des Instituts publiziert, eine Pressemitteilung hat es aber nicht gegeben, weshalb Aarstad dieses Versäumnis via Substack und X nachholt. Er weist darauf hin, dass das Wachstum 2021 begann und zeitlich erstaunlicherweise gut zur Covid-Impfkampagne für die jüngere Bevölkerung passt.

Zur Verdeutlichung hat Aarstad eine Graphik erstellt, die man in seinem Beitrag betrachten kann, auf deren Abbildung ich hier aber verzichte, da ich im Folgenden auch die eine oder andere Graphik zeigen werde, die sein Ergebnis reproduziert. Da Aarstad nur das Resultat angegeben hat, werde ich nun vorstellen, wie und auf Basis welcher Daten man dazu gelangt. Das ist nicht weiter schwer und verlangt keine Mathematik, die über Grundrechenarten hinaus geht.
Auf den Seiten des norwegischen Instituts findet man eine Tabelle mit dem – hier ins Deutsche übersetzten – Titel „Statistik aus dem Arzneimittelregister. Die Statistik basiert auf verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die von Apotheken abgegeben wurden.“ Bezugspunkt sind die Medikamente aus der Kategorie „Herz und Kreislauf“, und man sieht, an wie viele Personen aus verschiedenen Altersklassen in verschiedenen Jahren solche Medikamente ausgegeben wurden. Die Tabelle selbst kann sich jeder selbst ansehen, weshalb ich sie hier nicht abbilde und nur anmerke, dass es sich insgesamt um die Altersgruppe von 15 bis 44 Jahren handelt, die in Teilgruppen zu je fünf Lebensjahren aufgeteilt wird; die Tabelle beginnt also mit der Gruppe von 15 bis 19 Jahren und endet mit der Gruppe von 40 bis 44 Jahren.
Die Rechnung, die das Institut nicht gemacht hat
Um ein Beispiel zu nennen: In der Gruppe von 35 bis 39 Jahren gab es 2013 gerade 22.320 Betroffene, während man 2025 immerhin 32.450 vorfand, das ist eine beträchtliche Steigerung. Für sich genommen will sie aber noch nicht viel sagen, denn sie kann sowohl von einer Zunahme an entsprechenden Erkrankungen als auch von einem Anstieg der Bevölkerung dieser Altersklasse herrühren. Doch das lässt sich leicht berücksichtigen, denn das norwegische Institut gibt freundlicherweise auch die nötigen Bevölkerungszahlen bekannt: In dieser Beispielklasse waren es im Jahre 2013 339.585 Einwohner, 2025 dagegen 397.621.
Und nun ist es leicht, die beiden Zahlen über Betroffene zu vergleichen, denn man kann sofort ausrechnen, wie die Zahl pro 1.000 Einwohner lautet. 2013 waren es 22.320/339.585*1000 = 65,72; dagegen liegt der Wert für 2025 bei 32.450/397.621*1000 = 81,61. Da hat sich offenbar einiges getan, und die Frage lautet, in welchen Jahren diese Steigerung aufgetreten ist. Konnte man sie all die Jahre mit einer gewissen Regelmäßigkeit verzeichnen oder wurde sie in einer früheren oder einer späteren Phase beobachtet, während andere Zeiten ruhiger waren? Das lässt sich leicht beantworten, wenn man die beispielhaft angegebene Rechnung für alle Altersgruppen durchführt und in einer Tabelle darstellt.
Wie man sieht, werden zunächst die Werte für die sechs Fünf-Jahres-Klassen aufgelistet, die dann in der letzten Zeile durch die Gesamtwerte für alle Betroffenen zwischen 15 und 44 Jahren ergänzt werden.
Ich betrachte nun zunächst nur die letzte Zeile, also die Entwicklung von 2013 bis 2025 unter der Bevölkerung von 15 bis 44. Schon ein Blick auf die Zahlen lässt einen ersten Verdacht entstehen, der sofort augenfällig wird, sobald man diese Zahlen graphisch verdeutlicht. 
Bis zum Jahr 2020 tut sich nicht viel, was man auch an einer zeitlich eingeschränkten Graphik ablesen kann. 
Die Werte liegen zwischen knapp über 48 und knapp unter 50, wobei der eingezeichnete Mittelwert 48,9 beträgt und sich die Zahlen munter mal unter und mal über dem Mittelwert bewegen. Eine ernsthafte Regelmäßigkeit ist schwer erkennbar.
Ganz anders sieht das aus, sobald man einen Blick auf die Werte ab 2020 wirft.
Viel regelmäßiger kann eine Steigerung nicht sein. In fast schon erschreckender Linearität wächst die Anzahl der Betroffenen pro 1.000 Einwohner an, Jahr für Jahr, ohne Gnade. Und man muss sich hier nicht auf den Augenschein verlassen, denn es gibt das schöne Instrument der Trend- oder auch Regressionsgeraden, die ich hier eingezeichnet habe, und des beliebten Korrelationskoeffizienten, der angibt, wie nahe gegebene Datenpunkte an einem geraden Verlauf liegen. In diesem Fall liegt er über 0,99, und wenn man bedenkt, dass er größer als 1 nicht werden kann, bestätigt sich der Augenschein: Seit 2020 wächst der Anteil mit linearer Beharrlichkeit, vorher war das nicht der Fall.
Das Ausmaß der Steigerung wird noch deutlicher, wenn man sich von den Graphiken ab- und den Zahlen zuwendet. 2013 lag der zur Diskussion stehende Anteil bei 48,57, 2020 bei 49,00 – das ist ein Wachstum von 0,9 Prozent in all der Zeit. Aber 2025 sind 62,64 Beteiligte zu vermelden, was einer Steigerung von 27,8 Prozent in der Zeit von 2020 bis 2025 entspricht. Das ist schon etwas mehr als 0,9 Prozent, das Wachstum hat sich drastisch verstärkt. Aber vielleicht muss man sich ja an dem bisherigen Anteil maximaler Größe orientieren, um das alles richtig einordnen zu können? Nun gut: Der maximale Wert zwischen 2013 und 2020 lautete 49,9 und wurde im Jahre 2016 notiert. Um aber von diesem Wert auf die 62,64 von 2025 zu kommen, muss man immerhin 25,5 Prozent aufschlagen; das ist nicht ganz so schlimm wie im Vergleich zu 2020, aber dennoch schlimm genug. Von 0,9 Prozent – also im Wesentlichen Konstanz – auf 27,8 oder eben 25,5 Prozent: Dieser Unterschied sollte Gründe haben.
Und die Teilgruppen? Noch deutlicher
Nun ist allerdings bekannt, dass das Betrachten einer großen Gesamtheit etwas irreführend sein kann, weil unter Umständen in manchen Teilen dieser Gesamtheit völlig andere Phänomene vorkommen, die sich dann auf unheilvolle Weise kumulieren. Ich sollte mich also auch ein wenig um die Teilgruppen kümmern, die immer nur aus fünf Jahrgängen bestehen. Es wäre ein schwerer Anschlag auf die Menschenrechte der Leser, wenn ich nun jede Gruppe in gleicher Ausführlichkeit behandeln wollte, und ich werde mich vor diesem Fehler hüten. Man kann aber einiges auf tabellarische Weise zusammenfassen. Die nachstehende Tabelle zeigt, wie sich die Anteile der Betroffenen pro 1.000 Einwohner gesteigert haben, erst von 2013 bis 2020, dann von 2020 bis 2025 und dann von dem zwischen 2013 und 2020 auftauchenden maximalen Wert der Altersgruppe bis hin zum Jahr 2025.

Um noch ein Beispiel zu nennen: In der Klasse von 30 bis 34 hat sich der Anteil der Betroffenen pro 1.000 in den Jahren von 2013 bis 2020 um überschaubare 2,1 Prozent erhöht, in der Zeit von 2020 bis 2025 dagegen um stattliche 30,6 Prozent, während die Steigerung vom bisherigen Maximalwert bis zum Wert von 2025 immer noch 28 Prozent betrug.
Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn man den Zeitraum 2020 bis 2025 mit dem gleichlangen von 2015 bis 2020 vergleicht, wie jeder bei Bedarf nachrechnen kann. Man sieht es aber auch so schon deutlich genug. In jeder Altersklasse ist die Steigerung der letzten Jahre deutlich höher als die der früheren, in den Gruppen von 35 bis 44 ist der Anteil der früheren Jahre sogar etwas gefallen, doch von 2020 bis 2025 hat er deutlich zugenommen. Man kann darüber nachdenken, warum gerade in der jüngsten Klasse schon in alter Zeit eine Zunahme von 33,3 Prozent vermeldet werden musste, doch auch hier haben wir eine Steigerung auf 42,7 Prozent für die Jahre von 2020 bis 2025. Und in den weiteren Altersklassen erscheint der Unterschied geradezu katastrophal,
2021: Der Knick, der keiner sein sollte
Auch die zeitliche Entwicklung verhält sich in weiten Teilen so, wie man es schon bei der gesamten Bevölkerung beobachten konnte. Erstellt man wieder die nötigen Graphiken, so stellt man fest, dass in den vier Gruppen von 25 bis hin zu 44 Jahren der Zeitraum von 2013 bis 2020 unregelmäßige Schwankungen um den jeweiligen Mittelwert zu sehen sind, aber ab 2020 verhängnisvolle Linearität herrscht; die Anteile steigen mit konstanter Bosheit Jahr für Jahr. Nur in den beiden jüngsten Altersgruppen ist auch von 2013 bis 2020 eine nennenswerte Steigerung zu sehen, aber auch die zieht ab 2020 auf annähernd lineare Weise an.
Es fällt schwer, hier an einen Zufall zu glauben. Ich darf daran erinnern, dass die sonderbare PCR-Pandemie über die angeblich völlig ungeschützte Bevölkerung ab Anfang 2020 hergefallen ist – aber die Herz- und Kreislaufprobleme in den betrachteten Altersklassen sind 2020 nicht weiter auffällig; es scheint also unwahrscheinlich, dass es hier um Covid-Folgen geht. Doch was im Lauf des Jahres 2021 seinen Anfang nahm, war die weite Verbreitung der segensreichen Covid-Impfung, auch in Norwegen. Aarstad hat darauf hingewiesen: „The increase began in 2021 and coincided with the COVID-19 vaccine rollout to the younger population from the summer of that year.“
Und das stimmt. Schon im Juli 2021 wurde gemeldet: „Bei der Akzeptanz des Impfstoffs liege Norwegen mittlerweile an der Weltspitze, und ein hoher Anteil der Bevölkerung möchte sich gegen Corona impfen lassen, teilt die Regierung mit.“ Ähnliches zeigt die folgende Abbildung:

Im Verlauf des Jahres 2021 hatte man sich auch in Norwegen auf eine Impfquote von stolzen 80 Prozent hochgearbeitet – und im gleichen Jahr begann die Steigerung der Zahl der Betroffenen bei der Ausgabe von Herz- und Kreislauf-Medikamenten. Sollte es da etwa einen Zusammenhang geben? Aufzeigen kann ich hier selbstverständlich nur das auffällige zeitliche Zusammentreffen, aber es sollte Anlass genug sein, sich des Phänomens anzunehmen. Andere Indizien kommen hinzu. So hat sich beispielsweise in einer Sitzung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur „Aufarbeitung der Corona-Pandemie“ anhand der Aussagen des Toxikologen Helmut Sterz das miserable Sicherheitsprofil der Covid-Impfstoffe gezeigt, jeder kann es sich etwa ab Minute 9:10 und ab Minute 46:40 ansehen. Die Informationen sind vorhanden. Ein Blick auf unsere verantwortungslosen Verantwortungsträger führt jedoch nicht zu gesteigerter Hoffnung.
Das vorletzte Wort überlasse ich dem Norweger Aarstad, der in seinem Substack-Beitrag meint, er habe schon früher betont, dass junge Leute, die die Covid-Impfung verweigerten, die beste Wahl trafen. Das glaube er noch heute, und seine Graphik – die der ersten hier gezeigten Graphik entspricht – unterstütze seine Position. Und er schließt: „I hope the NIPH will comment on the numbers.“
In Norwegen mag es dazu vielleicht offizielle Kommentare geben.
In Deutschland eher nicht.

Der Autor:
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik.
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Bild: Symbolbild/KI/Grok

