Stuttgarter Krawallnacht: Eben doch keine „Partyszene“ Neue "unbequeme" Erkenntnisse – und massives Framing der Medien dazu

Drei Monate nach der Stuttgarter Krawallnacht am 21. Juni ist nun klar: Die damalige Wortwahl der Behörden von einer „Partyszene“ war grob irreführend – wobei das noch sehr höflich formuliert ist. Und auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise waren nicht der Auslöser für die Gewalt, wie dies damals viele Medien nahelegten. Dies ist das Ergebnis der Auswertung eines Ermittlungsberichts der Sonderkommission durch den Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Inzwischen konnten die Behörden 88 Tatverdächtige im Zusammenhang mit der Krawallnacht identifizieren. Zwei Drittel von ihnen sind deutsche Staatsbürger, von denen wiederum drei Viertel aus Einwandererfamilien stammen. Die Frankfurter Allgemeine erwähnt das zwar korrekt in einem Bericht, aber sie lenkt eher davon ab. Und zählt auch nicht zusammen. Denn das Ergebnis, dass damit von den 88 Tatverdächtigen 73 bzw. 74 und somit rund 85 Prozent Migranten bzw. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind, wird so gar nicht erst genannt, der Leser muss selbst nachrechnen. In einem Kommentar schreibt mein Leser Rainer Neuhaus, durch den ich auf das Thema aufmerksam wurde, dazu: „Inzwischen ist den Behörden in Ba-Wü auch aufgefallen, dass die Krawalle in Stuttgart im Juni keine „Partyszene“ war. Erstaunlicherweise berichtet die F.A.Z. heute morgen darüber. Zum schreien komisch ist die Gehirnakrobatik in dem Artikel, der den Anteil der Nichtdeutschen verschleiern soll. Er liegt übrigens bei 82,9 %.“

Genau diese Tatsache, der hohe Anteil an Migranten, wird fast durch die Bank in den Medien, die berichten, zum Nebenaspekt gemacht, stattdessen werden andere Aspekte als entscheidend gewertet und in den Überschriften und Vorspannen thematisiert. Bei sehr vielen Lesern bleiben aber nur oder besonders diese hängen. So macht es etwa auch der gebührenfinanzierte SWR mit der Überschrift: „Ermittler gehen von spontanen Taten aus“. Als ob das wirklich überraschend und entscheidend wäre.

Aber wenigstens benennt der SWR die Zahlen: „Insgesamt haben somit rund 85 Prozent der Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund oder eine ausländische Staatsangehörigkeit. Zum Vergleich: In ganz Stuttgart haben 45 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund.“ Allerdings ist im SWR wie auch in der Stuttgarter Zeitung (Überschrift: „Strobl: Krawallnacht war spontan und nicht geplant“) und bei tagesschau.de (Überschrift: „Was von den Krawallen bleibt“) dieses Thema nur ein Randaspekt im hinteren Teil ihrer Berichte. Auch die Zeitung aus der Landeshauptstadt und die öffentlich-rechtliche Tagesschau überlässen das Zusammenrechnen anders als der SWR dem Leser.

Mit der Zwischenüberschrift „Tatverdächtige sind jung, männlich, oft polizeibekannt“ führt die Tagesschau die Leser faktisch in die Irre. Dafür werden die Taten bei ihr und in der Stuttgarter Zeitung relativiert. Sie zitiert den Soziologen Albert Scherr, „Experte für Gesellschaftsforschung, Rassismus und Jugend“. Dessen Aussage läuft über das Leitmedium dpa: „Es wurde bislang unterlassen genauer zu untersuchen, warum sich in dieser einen Nacht alles so dramatisch hochgeschaukelt hat“. Scherr spricht von einer „Vielzahl von Faktoren“, angefangen von den fehlenden Beschäftigungsalternativen angesichts der strengen Corona-Maßnahmen, von der aufgeheizten Stimmung des Sommers durch die Bilder der Rassismus-Proteste in den USA und von der starken Aversion der Jugendlichen gegen die Polizei. Weiter sagt Scherr: „All diese Gründe dürfen wir nicht als Entschuldigung betrachten, sondern als den Versuch einer Erklärung“. Zuerst wird also relativiert, und dann gesagt, es sei gar keine Relativierung.

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Die Bild wiederum (Überschrift: „Jüngster Randalierer war ein Kind“) bringt offenbar die Zahlen durcheinander. Sie schreibt: „70 Prozent sind deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund, 72 Prozent polizeibekannt.“ Dafür zitiert sie einen Satz von Innenminister Strobl, der in vielen anderen Berichten nicht zu finden ist, aber entscheidend sein könnte: „Es ist ganz offensichtlich, dass einige in Deutschland nicht angekommen sind oder mit den Regeln hier nicht vertraut sind. Wer dauerhaft in diesem Land leben will, muss sich an Regeln halten.“ Leser der Frankfurter Allgemeinen oder der Stuttgarter Zeitung erfahren das aus den oben aufgeführten Artikeln dort nicht. Noch weniger erfahren Leser von „Spiegel Online“. Ihnen wird in einem Beitrag dort nicht nur dieser Satz Strobls vorenthalten, sondern auch der Anteil der Tatverdächtigen mit Migrationshintergrund. Weil so das eigene Weltbild besser intakt bleibt?

Eine Mehrzahl der großen Medien berichtet offenbar gar nicht über die Vorfälle, wenn man Google News glauben darf. Und auch bei den anderen scheint das Thema eher versteckt. Das legt ein Blick auf die Seite „Nachrichtentisch“ nahe. Dort werden gesammelt die Schlagzeilen angezeigt, die in den großen Medien vorne stehen. Am Mittwoch um 13:24 Uhr war dort weder mit dem Suchwort „Stuttgart“ noch mit „Krawallnacht“ ein Treffer zu finden.

Die 30 Tatverdächtigen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, stammen aus Afghanistan, dem Irak, Somalia, Polen, Kroatien, Portugal, Lettland, Bosnien-Herzegovina, Marokko, Kosovo, Nigeria, Syrien, der Türkei, Rumänien, Serbien und Tunesien. Überrepräsentiert sind dabei Afghanen und Iraker. Unter den Verdächtigen befindet sich laut FAZ „ein 13 Jahre alter Flüchtling aus Syrien ebenso wie ein 29 Jahre alter deutscher Auszubildender“. Mindestens vier Tatverdächtige sind den Angaben zufolge geduldet und eigentlich ausreisepflichtig. „45 Haftbefehle wurden beim Haftrichter beantragt. In fünf Fällen wurde schon Anklage erhoben; das erste Strafverfahren gegen einen der Haupttäter soll im Oktober beginnen.“ so die FAZ.

72 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen haben schon vorher Straftaten begangen und sind damit polizeibekannt. Schon daran könnte man laut Innenminister Strobl erkennen, dass nicht die Corona-Maßnahmen wie etwa die Schließungen von Clubs Ursache für die Ausschreitungen waren. Einer der Männer, der ein Geschäft plünderte und dort Mobiltelefone stahl, habe bereits im Herbst  2019 eine drogenabhängige Frau in wehrlosem Zustand vergewaltigt. Die Frage, warum er dann nicht in Untersuchungshaft sitzt, sondern die Stuttgarter Innenstadt plündern kann, wird nicht gestellt. Ein weiterer junger Mann, gegen den ermittelt wird, habe zuvor nach einem Ladendiebstahl den Kaufhausdetektiv mit einem Messer bedroht. Laut Strobl lassen sich diese Fälle verallgemeinern: „Das sind zwei Beispiele, die Ihnen einen Eindruck geben, um welche Täter es sich handelt“.

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Die Erkenntnisse aus Stuttgart sollten auch für Bundesinnenminister Horst Seehofer ein Signal sein, das Thema aufzugreifen und zu einem Schwerpunkt zu machen. Wenn die Gewaltbereitschaft und Kriminalitätsneigung von migrantischen jungen Männern sowie Gewaltimport durch Zuwanderung aus Krisen- und Kriegsgebieten und Gesellschaften ohne Gewalttabu weiter so verharmlost wird von großen – nicht allen – Teilen von den Medien und Politik, ist eine Lösung nicht einmal ansatzweise möglich. Es muss offen und ehrlich über das Problem und den Umgang damit gesprochen werden. Es kann nicht sein, dass bei Tätern der Eindruck entsteht, sie würden gedeckt. Hier ist auch die Bundesregierung gefragt. Auch wenn die Hoffnung, dass sie sich neben „Anti-Diskriminierung“, Frauen-Quoten und Diversifizierung auch dieses Problems annimmt, eher gering ist.

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Bild: Tatiana255/Shutterstock (Symbolfoto)
Text: br

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