Ich gebe zu: Es ist nicht besonders wichtig, aber doch bezeichnend für den geistigen Habitus, dem wir an vielen Orten und bei vielen Gelegenheiten begegnen.
Frauen- und Modezeitschriften gehören nicht zu meinen bevorzugten Lektüren, nicht einmal in ärztlichen Wartezimmern. Nun bin ich aber auf eine besondere Leistung sowohl der Zeitschrift „Gala“ als auch der „Brigitte“ gestoßen und sah mich gezwungen, diese Leistung kurz zu würdigen. Es geht um schreckliche Vergehen des Modehauses Dolce & Gabbana, die bei der Gala mit dem Titel „Erneute Rassismusvorwürfe bei Dolce & Gabbana“ beschrieben werden, während man sich bei der Brigitte für die Überschrift „Wenn problematische Ansichten zur Marken-DNA werden“ entschieden hat. Die Titel sind also verschieden, die Beiträge allerdings weitgehend gleich, was kein Wunder ist, da es sich in beiden Fällen um die gleiche Autorin handelt: Hannah Lutterbach nennt sich die Brigitte-Dame, dagegen ist der Gala-Artikel mit dem Kürzel „hlu“ gezeichnet, was die Vermutung nahe legt, dass es zwischen beiden Autorinnen keine gewaltigen Unterschiede gibt, ebenso wie zwischen den Beiträgen.
Aber worum geht es? Gala-Lutterbach ordnet die Geschehnisse sofort ein, noch bevor sie darüber berichtet hat: „Dolce & Gabbana stehen seit Jahrzehnten für italienische Modegeschichte – doch inzwischen verbinden viele die Marke eher mit Rassismus, Homophobie und provokanten Skandalen als mit Fashion-Exzellenz.“ Und auch jetzt, angesichts der Geschehnisse während der Mailänder Modewoche, sehe man: „Diese Kontroversen sind kein Zufall, sondern ein Resultat der Haltung der Designer.“
Noch immer will sie uns nichts Konkretes mitteilen, sondern bewertet munter weiter: Heute löse die Marke Dolce & Gabbana „vor allem Enttäuschung aus. Die Frage bleibt: Warum wird einem Label, das immer wieder für Skandale sorgt, noch immer eine Bühne geboten? Die Realität zeigt: Dolce & Gabbana stehen nicht mehr primär für Mode, sondern für die extrem problematischen Ansichten der Gründer Domenico Dolce und Stefano Gabbana“. Das ist eigenartig, denn wirft man einen Blick auf die beiden Artikeln mitgegebenen Bilder, so gehen dort Männer in seltsamer und vermutlich modischer Kleidung auf dem Laufsteg spazieren und keine extrem politischen Ansichten. Aber hören wir weiter, denn jetzt wird es ernst. „Die neue Männerkollektion“, so teilt uns die Gala-Autorin mit, „vorgestellt am 18. Januar 2026, lässt sofort aufhorchen: Keine einzige Person of Color im Casting. Keine asiatischen, arabischen oder schwarzen Models – stattdessen ausschließlich weiße, schlanke Männer.“ Endlich wissen wir’s. Es wurde niemand ermordet, es wurde niemand beleidigt, es wurde niemand verprügelt oder niedergeschlagen, doch es gab „keine einzige Person of Color im Casting“. Ja, wie kann denn so etwas geschehen? Vielleicht fanden Dolce & Gabbana die präsentierten Models als passender zu ihren Bekleidungsvorstellungen als andere, vielleicht war es eine Preisfrage, vielleicht waren keine „Person of Color“ vorhanden, als man sie gerade brauchte – wir wissen es nicht und es bleibt ein Rätsel, warum sich irgendjemand dafür interessieren sollte.
Außer natürlich unsere wackere Autorin, denn die weiß genau, worum es geht. „In Zeiten, in denen Rassismus wieder laut diskutiert wird, wirkt das besonders irritierend.“ Mich hat beim Betrachten der Bilder eigentlich nur die präsentierte Mode irritiert, aber ich bin ja auch kein Rassist, der alles an der Hautfarbe der Beteiligten festmacht. Im Übrigen war mir auch neu, dass die Körperfülle inzwischen auch ein Merkmal der Rasse sein soll – warum sonst sollte sich Lutterbach so sehr über „weiße, schlanke Männer“ echauffieren und nicht nur einfach über weiße Männer? Brigitte-Lutterbach war da sogar noch etwas ausführlicher und meinte über die Auswahl der Models: „Stattdessen ausschließlich weiße, schlanke, normschöne Männer. Schon immer problematisch, aber in einer Welt, in der Rassismus wieder lauter wird, noch irritierender.“ Normschön – welch ein wundervolles Wort! Es war also schon immer problematisch, Männer auf den Laufsteg zu schicken, die nicht nur weiß und schlank sind, sondern auch noch normschön. Über welche Art von Diskriminierung hätte sich unsere phantasievolle Autorin wohl beschwert, wenn es sich im Gegenteil um schwarze, dicke und normhässliche Models gehandelt hätte? Ich vermute, sie wäre auch dann nicht zufrieden gewesen.
Nachdem sie nun das gar schreckliche Vergehen endlich beschrieben hat, erlaubt sich die Autorin in beiden Publikationen einen Rückblick auf die Geschichte. Ich darf wieder aus der Gala zitieren: „Seit Jahren sorgt Dolce & Gabbana mit diskriminierenden Äußerungen und Aktionen für Schlagzeilen. In Interviews lehnten die Designer öffentlich Adoptionen durch homosexuelle Paare und künstliche Befruchtung ab. Aussagen wie „Die einzige Familie ist die traditionelle“ oder die Bezeichnung von durch IVF gezeugten Kindern als „chemische Kinder“ erzeugten damals weltweite Empörung“.
Was sind das nur für Menschen! So denkt ja sonst wirklich niemand auf der weiten Welt! Oder halt, der eine oder andere schon. Ablehnung von Adoptionen durch homosexuelle Paare, keine künstliche Befruchtung, traditionelle Familie – hat man das nicht schon irgendwo gehört? Sollte es sich vielleicht um Positionen der katholischen Kirche handeln, die sie nicht nur seit gestern, sondern seit vielen Jahren vertritt? Und mit ihr eine nicht ganz geringe Anzahl von Katholiken? Man muss diese Auffassungen nicht teilen, man muss auch die Kirche nicht schätzen, aber man sollte doch, sofern man das Prinzip der Meinungsfreiheit im Besonderen und der Freiheit im Allgemeinen auch nur vage verstanden hat, in der Lage sein, Positionen, die man selbst nicht billigt, hinzunehmen – so etwas nennt man Toleranz, die allerdings unter Linken und anscheinend auch unter Autorinnen von Frauenzeitschriften nicht immer anzutreffen ist. Nur kurz will ich anmerken, dass Kinder, ganz unabhängig von der Zeugungsmethode, stets chemisch gezeugte Kinder sind, da sich auch biologische Prozesse nach chemischen Gesetzen abspielen.
„Weltweite Empörung“ mag es gegeben haben, man kann sich jedoch leicht vorstellen, wer in Anbetracht der Vergehen die Empörten gewesen sein mögen. Die woke Ideologie lebt immer noch und ganz besonders lebendig scheint sie in Frauenzeitschriften zu sein.
Zwei weitere Beispiele werden sowohl in der Gala als auch in der Brigitte noch genannt. „2016“, so berichtet die Gala-Autorin, „brachte D&G das Modell „Slave Sandal“ heraus – der Name wurde wegen rassistischer Konnotationen heftig kritisiert und erst nach Druck geändert“. Ich habe ja schon von verschiedenen Rassen gehört, aber die Rasse der Sklaven ist mir bisher noch nicht untergekommen. Die ominösen Slave Sandals bezeichnet man manchmal auch als Gladiatorensandalen oder als Römersandalen, weil sie an den antik-römischen Stil angelehnt sind. Und Sklaven gab es im römischen Reich aus jeder Rasse, da war man nicht kleinlich. Es bedarf und bedurfte also einiger woker Phantasie, um diesen Namen rassistisch zu interpretieren – er mag mehr oder weniger geschmacklos sein, mit Rassismus hat er nichts zu tun. Erstaunlicherweise sehen das auch heute noch etliche Anbieter ganz genauso. Eine kurze Google-Suche zeigt, dass „Monpiel“ sogenannte „Helena Toe ring slave sandals“ anbietet, bei „Syrenia“ findet man „Slave sandals with 5 colorful interchangeable laces“, was immer das auch bedeuten mag, und auch „Camarri“ lässt sich mit „Slave sandal in black leather mod. Chloe“ nicht lumpen. Handelt es sich durchgängig um rassistische Unternehmen, die weltweite Empörung verdient haben? Ich kann es nicht ausschließen, zumal die zugehörigen Werbefotografien nur weiße, schlanke Frauenbeine abbilden; ob sie auch normschön sind, will ich nicht beurteilen. Da müsste doch der Autorin Lutterbach die Zornesröte ins Gesicht steigen.
Um die Sache nicht in die Länge zu ziehen, erwähne ich nur kurz, dass in Werbevideos für eine Modenschau in Shanghai eine chinesische Frau „stereotypisch“ abgebildet wurde, „wie sie mit Stäbchen Pizza und Pasta aß“, weshalb „das Image der Marke … erheblichen Schaden“ nahm. Nudeln essen Chinesen gerne mit Stäbchen, das ist nicht ungewöhnlich, Pizza vermutlich eher selten, zumindest habe ich das weder in Deutschland noch in China jemals gesehen. Ist das ein Grund zur Empörung? Ich warte auf die empörten Aufschreie interessierter Kreise, wenn wieder einmal Deutsche gezeigt werden, wie sie Schweinshaxe oder Sauerkraut essen, mit welchem Besteck auch immer.
Werfen wir noch einen Blick auf die Folgerung der Autorin, sie ist in beiden Zeitschriften beeindruckend und zwar verschieden formuliert, aber inhaltlich kaum zu unterscheiden. Ich halte mich wieder an den Gala-Text. „Ein roter Faden zieht sich durch all diese Skandale: Dolce & Gabbana übernehmen keine echte Verantwortung.“ Doch, für ihre Produkte, und falls sie die auch noch auf vertretbare Weise herstellen lassen, dann ist ihrer Pflicht zur Verantwortung Genüge getan. „Jede Entschuldigung wirkt halbherzig, selten glaubwürdig und niemals nachhaltig.“ Wie sollte es auch sonst sein, inhaltlich gibt es ja keinen Grund zur Entschuldigung, sofern man nicht einem woken Weltbild huldigt, was die Modeschöpfer offenbar nicht tun. „Bei einem Modehaus von solcher Größe und Reichweite ist nichts Zufall: Homogene Castings, provokante Statements und kulturell fragwürdige Kampagnen sind bewusste Entscheidungen – keine Ausrutscher.“ Da stimme ich ihr zu, muss aber in der Manier des fast schon vergessenen Klaus Wowereit hinzufügen: Und das ist auch gut so. „Wer gesellschaftliche Relevanz beansprucht, muss Verantwortung übernehmen – und sich daran messen lassen.“ Gesellschaftliche Relevanz? Warum sollten Modeleute gesellschaftlich relevanter sein als Lebensmittelhändler oder Taxifahrer? Und wer bitte soll denn die angesprochene Messung vornehmen? Die Antwort kennen wir: Die Autorin Lutterbach und ihre Gesinnungsgenossen. Ich kann jeden verstehen, der auf diese Messung verzichtet. „D&G zeigen eindrucksvoll, dass man auch mit Luxusmarken-Image kritische Fragen zur Moral und Haltung stellen muss.“ Und Lutterbach zeigt mindestens ebenso eindrucksvoll, dass man auch mit Gala- und Brigitte-Image kritische Fragen zum eigenen Denken stellen sollte.
Wie man sieht, dürfte die inhaltliche Durchschlagskraft der Lutterbach-Beiträge eher überschaubar sein. Ich will aber noch einen Schritt weitergehen und überprüfen, ob sich denn die beiden Überzeugungsblätter Gala und Brigitte an ihrem eigenen hohen Anspruch messen lassen. Das ist leicht, man muss nur einen Blick auf die Zusammensetzung der Redaktionen werfen. Unter dem Titel „Die Gala-Heftredaktion“ werden beispielsweise die Gala-Redakteure „im Bild“ vorgestellt, neun an der Zahl. Man beachte, dass tatsächlich von Redakteuren geschrieben wird, nicht von Redakteurinnen oder gar Redakteur*innen. Und was sehen wir? Es handelt sich um neun weiße Frauen. Um noch einmal die wackere Autorin zu Wort kommen zu lassen: „Keine asiatischen, arabischen oder schwarzen“ Frauen, sondern nur weiße und sogar schlanke, sofern die Bilder die aktuelle Realität zeigen. Ihre „Normschönheit“ mag jeder selbst beurteilen. Wie würde und sollte Hutterbach das bewerten? Aber klar: „In Zeiten, in denen Rassismus wieder laut diskutiert wird, wirkt das besonders irritierend“, doch noch immer schreibt sie für ein derart indiskutables Blatt. In der Brigitte-Redaktion sieht es kaum besser aus. Dort werden elf Verantwortliche gezeigt, darunter immerhin zwei Männer – man ist hier wohl nicht ganz so sexistisch eingestellt wie bei der Gala. Aber ach! Von den acht veröffentlichten Bildern zeigen genau acht Bilder Weiße und sie scheinen ebenfalls schlank zu sein. Drei Bilder fehlen, doch man kann sich leicht – wieder mit einer kurzen Google-Suche – davon überzeugen, dass auch unter diesen dreien weder Asiaten noch Araber noch Schwarze vertreten sind. Weißer Rassismus, wohin man blickt, an vorderster Front in den Redaktionsstuben mancher Frauenzeitschriften!
Mit einem gewissen Recht kann man solche Phänomene für eher unwichtig halten. Aber noch immer prägen solche Leute hierzulande den Diskurs, noch immer glauben sie an ihre eigene Bedeutung und Deutungshoheit.
Damit sich das ändert, muss man immer wieder darauf hinweisen.
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