Fragen Sie sich auch manchmal, wie man so werden kann wie die lautstarken linken Kulturkämpfer? Was sie treibt in ihren ideologischen Fanatismus – der massiven Schaden anrichtet für unser Land und unsere Gesellschaft, unter dem wir leiden?
Eine interessante Antwort liefert jetzt eine der Lautsprecherinnen der Bewegung, die frühere Bundessprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard. Im Interview mit der früheren Vize-Spiegel-Chefredakteurin Melanie Amann offenbart die Jung-Politikerin ebenso interessante wie erschreckende Einblicke in ihr Seelenleben.
Besonders spannend: Nietzard ist einerseits selbst Opfer ihrer Ideologie. Und zieht andererseits aus ihr auch Kapital.
Sie beschreibt permanenten Argwohn gegenüber der männlichen Hälfte der Menschheit als ihr Lebensprinzip – „das ganze Leben, natürlich“. Männer, sagt sie, seien bei ihr immer „auf Bewährung“. Also wie Straftäter. Nur weil sie das in ihren Augen falsche Geschlecht haben.
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Man muss sich einmal vorstellen, was so eine ideologische Verblendung für das Leben einer jungen Frau für Auswirkungen haben muss. Man möchte nicht mit ihr tauschen.
Sie selbst spürt das Elend offenbar zumindest in wachen Momenten. Sie sagt selbst, dass sie sich wünscht, keine Feministin zu sein, „einfach meinen Tag leben“ zu können, ohne jeden männlichen Blick auf seine Absicht hin zu scannen.
Das ist eine Selbstbeschreibung von chronischer Hypervigilanz – der Zustand, den man sonst bei Menschen mit generalisierter Angststörung oder nach Trauma findet, hier aber als politisches Bewusstsein verkauft. Sie hat sich selbst in einen Zustand permanenter Bedrohungswahrnehmung hineinargumentiert und erlebt das als Bürde, sagt sie – „das macht es so anstrengend“.
Das ist das Tragische: Eine Frau, die selbst beschreibt, wie ihr die eigene Weltsicht die Fähigkeit nimmt, unbefangen zu vertrauen – auch im Privatleben, auch beim eigenen Partner. Das ist kein politisches Statement mehr, das ist eine Beschreibung von Lebensqualitätsverlust.
Aber – und deshalb ist dieser Artikel keine Mitleidsnummer: Sie ist erwachsen, und sie hat sich bewusst dafür entschieden, diese Ideologie nicht aufzugeben. Im Gegenteil, sie rahmt das eigene Leiden als exklusives Wissen – „das große Bild“, das den Frauen in ihrem Heimatdorf angeblich fehlt. Das ist eine klassische Krücke: Der Schmerz wird zum Beweis der eigenen Erkenntnisüberlegenheit umgedeutet. Wer nicht leidet wie sie, hat es nur nicht verstanden. Das ist strukturell nicht weit weg von religiösem Märtyrertum – das Leiden selbst wird zum Ausweis der Auserwähltheit.
Und: Es lohnt sich für sie. 18.000 von 19.000 Grüne-Jugend-Mitgliedern applaudierten ihren Tweets. Sie nennt sich selbst stolz „neuntmeistgegoogelte Politikerin“. Ihre gesamte politische Relevanz, ihre mediale Sichtbarkeit, ihr Markenkern als „wandelndes Feindbild des konservativen rechten Milieus“ – das alles speist sich exakt aus der Zuspitzung, die sie angeblich erschöpft. Die Erschöpfung ist echt, aber sie ist auch der Rohstoff ihrer Karriere. Das ist die eigentliche Tragik, nicht die Ideologie allein: Sie kann aus dem System nicht aussteigen, ohne den Teil von sich zu verlieren, der ihr Aufmerksamkeit, Applaus und Bedeutung verschafft. Das ist eine Suchtstruktur, keine reine Überzeugungsfrage.
Sehr bezeichnend ist auch, wie konsequent sie in der Abwehr jeder Verantwortung ist. Der Böller-Tweet – Häme über Männer, die sich mit Feuerwerkskörpern aus Versehen selbst verstümmeln – „stimmt bis heute“, wenn man ihn „faktisch“ liest, sagt sie: Ein Rückzug auf Wörtlichkeit, während der Kontext ausgeblendet wird. Die Löschung des Tweets damals: nicht ihre eigene Einsicht, sondern Druck von „der Partei“, von „Ebenen davor“ – nie sie selbst.

Journalisten „checken nicht, wie das Internet funktioniert“, sagt sie: Kritik an ihren Entgleisungen wertet sie technisch und kompetenzmäßig ab, statt sie inhaltlich zu beantworten. Das Muster: Sie erkennt nie einen eigenen Fehler an, verlagert Verantwortung konsequent nach außen, hält aber gleichzeitig an der Selbstwahrnehmung fest, besonders klarsichtig zu sein. Diese Kombination – externalisierte Schuld plus behauptete epistemische Überlegenheit – ist psychologisch die Definition von Ideologie als Identitätsersatz: Kritik an der Position wird nicht als Sachargument verarbeitet, sondern als Angriff auf die Person, weil Position und Person identisch geworden sind.
Wir haben es hier also – und eben nicht nur bei Nietzard, sondern bei so vielen, und deshalb schreibe ich diesen Text – mit einem System zu tun, das sich selbst trägt. Die Ideologie verlangt permanenten Argwohn, der Argwohn erzeugt echtes Leiden, das Leiden wird zur moralischen Auszeichnung umgedeutet, die Auszeichnung bringt Applaus und Reichweite, die Reichweite verstärkt den Zwang, die Zuspitzung beizubehalten, der Ausstieg aus dem System würde den Identitätskern kosten. Ein geschlossener Kreislauf, aus dem es für sie keinen kostenlosen Ausgang gibt.
Tragikomische Sätze
Sie sagt, sie wünsche sich manchmal, keine Feministin zu sein. Das ist der ehrlichste Satz im ganzen Interview. Und er wird von ihr selbst im nächsten Atemzug wieder kassiert, weil das eigene Leiden zu wertvoll geworden ist, um es aufzugeben.
Wer Nietzard zuhört, fühlt sich an religiöse Eiferer erinnert. An Menschen, die sich in einer Welt aus Sünde und Erlösung eingerichtet haben, in der die eigene Rechtgläubigkeit zugleich Bürde und Auszeichnung ist. Das Christentum hat diese Phase, Gott sei Dank, weitgehend hinter sich gelassen – es hat sich säkularisiert, seine Fanatiker sind heute Randfiguren. Andere Glaubenssysteme, religiöse wie politische, haben diesen Schritt bis heute nicht vollzogen. Nietzard zeigt, dass der woke Kulturkampf strukturell zu ihnen gehört: eine Heilslehre, die ihre Gläubigen leiden lässt und genau dieses Leiden zur Legitimation ihrer Mission macht.
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PS: Unfassbar! Mein Drei-Minuten-Video über den Bahnhof im polnischen Breslau – der mit seiner Sauberkeit, seiner Sicherheit und seinem „Stadtbild“ das genaue Gegenteil von deutschen Großstadt-Bahnhöfen ist – hat binnen weniger Tage allein auf YouTube fast eine halbe Million Aufrufe. Offenbar habe ich da einen Nerv getroffen: Viele Menschen beunruhigen die Zustände in unserem Land offensichtlich genauso wie mich – und sehnen sich genauso zurück nach dem, was Deutschland früher war. Zu besichtigen heute in unserem Nachbarland – in Breslau. So traurig…
Falls Sie es verpasst haben – hier ist das Video.
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Bild: Kasa Fue/Wikicommons/Linzenz: CC BY-SA 4.0
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