Eine Handcreme mit Toleranzbotschaft. Nein, das ist keine Satire – das ist Berlin, 2025, Drogerieregal, ganz normal.
Beim Einkaufen bei Budni in der Wilmersdorfer Straße begegnet mir ein Produkt, das eigentlich für Hände gedacht ist, aber offenbar auch gleich die Haltung mitliefern soll: „Für mehr Toleranz“, LGBTQ-Spende inklusive, zehn Cent pro Kauf. Man fragt sich unwillkürlich: Was kommt als nächstes? Klimaschutz-Kondome? Kaffee gegen pupsende Kühe? Die Phantasie hat keine Grenzen mehr – leider.
Aber das ist nur der Auftakt. Denn draußen, keine hundert Meter weiter, sieht Charlottenburg so aus, wie man es aus dem alten Berlin nicht kannte: Obdachlose, die seit Jahren unter der Brücke leben. Leerstände, wo früher Peek & Cloppenburg war. Verkäufer, die Kunden anfahren, weil sie ein Kleidungsstück berühren. Eine Stadt, die sich – und das ist das Erschreckende – längst daran gewöhnt hat.
Ich war vor kurzem in Buenos Aires. Dort fühlte ich mich europäischer als in der Wilmersdorfer Straße. Das ist kein Bonmot, das ist ein Befund (nachzulesen hier).
Dazu: Ein Volksbegehren für ein werbefreies Berlin. Linke Plakate für Mietpreisdeckel. Alles schon erlebt, alles schon gescheitert – und trotzdem dreht sich die Spirale weiter nach unten, während die Haltung stimmt.
Ein prominenter Bekannter in betagten Jahren aus Bayern – Sie alle kennen ihn – sagte mir, er fahre nicht mehr nach Berlin. Es erinnere ihn zu sehr an die DDR. Er hat die DDR noch erlebt. Er weiß, wovon er spricht.
Was mich an diesem Spaziergang wirklich bewegt hat – und warum ich trotz allem Mitleid mit denen habe, die hier ausharren müssen: das alles jetzt in meinem neuen Video – anzusehen hier.
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Bild: Boris Reitschuster

