Laut Charité-Forscher 70 Prozent der Impfnebenwirkungen nicht erfasst Mediziner verteidigt auch Vorstand der BKK Provita

Der Verdacht steht schon lange im Raum, und auch eine Analyse der BKK Provita kam zu dem Schluss, dass Impfnebenwirkungen viel häufiger vorkommen, als sie erfasst werden. Unter Harald Matthes entsteht an der Berliner Charité eine Studie, die sich nun genau mit dieser Frage befassen soll. Und schon die ersten Ergebnisse sind eine politische Zeitbombe: Er gehe von einer deutlichen Untererfassung beim Paul-Ehrlich-Institut aus, der obersten Bundesbehörde in Sachen Impfung, die direkt Gesundheitsminister Karl Lauterbach unterstellt ist. Das sagte Matthes jetzt in einem Interview mit Focus Online. Was gleich doppelt brisant ist: Nicht nur wegen der Aussage, sondern auch, weil sie in dem Portal erscheint, das lange Zeit wie ein Zentralorgan des Gesundheitsministeriums wirkte (und in dessen Verlag der Ehemann von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn tätig ist).

Auslöser für den Bericht war ein Beitrag in der MDR-„Umschau“, über den wir mit als Erstes berichtet haben (siehe hier). Ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Sender wagte da das bisher Undenkbare: Er zeigte in einer eindringlichen Dokumentation die Sorgen von Menschen, die unter schweren Impfnebenwirkungen leiden. „Wir machen jetzt seit zwei Jahren ein sogenanntes ImpfSurv-Register“, so Matthes in dem Interview. Das sei eine Studie, bei der Daten von Menschen erhoben werden, die entweder eine Covid-Infektion hatten, oder die sich ein- bis sogar viermal impfen ließen. Über ein elektronisches System geben die Teilnehmer der Untersuchung ihre Beschwerden nach der Infektion beziehungsweise den Impfungen ein. Aktuell werden im Rahmen der Studie die Reaktionen von 10.000 Menschen erfasst.

Laut Angaben des Robert Koch-Instituts wurden seit Ende Dezember 2021 mehr als 148,7 Millionen Impfdosen verspritzt. In 244.576 Fällen davon wurde der Verdacht einer Nebenwirkung gemeldet. Das entspricht 1,64 Meldungen auf jeweils 1.000 Impfdosen; die Zahl der Meldungen von schwerwiegenden Reaktionen liegt bei 0,20 Verdachtsmeldungen pro 1.000 Impfdosen. Matthes geht nun auf Basis seiner Studie davon aus, dass die „Untererfassung“ mindestens 70 Prozent beträgt.

Nach der Ausstrahlung des MDR-Beitrags, in dem er zu Wort kam, meldeten sich bei Matthes „Menschen, die bei fünf, sechs, sieben verschiedenen Ärzten waren und dort teilweise mit ihren Symptomen nicht ernst genommen wurden“, wie er FOL berichtet. „Viele Ärzte sagen, das könne gar nicht mit der Impfung zusammenhängen. Andere sagen, es könnte vielleicht sein, aber sie können den Patienten nicht helfen. Die Betroffenen sind daher sehr froh, wenn auch mal öffentlich darüber berichtet wird, dass es teilweise schwere und auch länger anhaltende Nebenwirkungen der Impfstoffe gibt – auch wenn sie selten sind.“
Grund für die Untererfassung der Nebenwirkungen durch das Paul-Ehrlich-Institut ist nach Ansicht von Matthes, „dass in Deutschland kein Impfregister eingeführt wurde, mit dem man eine so große Impfkampagne wie die aktuelle mit den SARS-CoV-2-Impfstoffen hätte begleiten können. Gerade, wenn solche flächendeckenden Impfungen oder Maßnahmen durchgeführt werden, wäre es wichtig, dass man diese auch entsprechend gut dokumentiert“. In Deutschland gehe jedoch der Datenschutz vor, so Matthes – was besonders im Hinblick darauf, dass der Impfstatus der Menschen heute immer öfter öffentlich gemacht werden muss, geradezu absurd anmutet. Andere Länder seien bereits seit Jahren weiter als Deutschland, beklagt Matthes.
Offiziell habe man „zwar immer gesagt, dass man in Deutschland vorsichtig ist und genau guckt“, so der Mediziner. „Aber das Instrument für eine solche Beobachtung ist eben ein epidemiologisches Register und das gibt es in Deutschland nicht. Das heißt, es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was in der Öffentlichkeit gesagt worden ist und dem, was tatsächlich unternommen und etabliert wurde. Man könnte nun die  Daten der Krankenversicherungen für eine Auswertung nutzen, wie das etwa die BKK Provita für ihre alarmierende Analyse getan hat. „Aber man hat sich bewusst dagegen entschieden“, beklagt Matthes. „Aus diesem Grund haben wir hier die Situation, dass das Paul-Ehrlich-Institut und die Politik nicht ihrer Behauptung nachkommen, sie würden sehr genau hingucken und alles für die Sicherheit tun. Und das ist der Grund, warum auch Frau Cichy für ihren sehr gut recherchierten Beitrag im MDR so angegangen wird.“
Matthes verteidigt auch Andreas Schöfbeck, den Vorstand der BKK Provita: Er hatte eine ähnliche Idee und ließ die Daten von zehn Millionen Versicherten auswerten. Das Ergebnis in Sachen ermittelter Nebenwirkungen fand er so alarmierend, dass er einen öffentlichen Brief an das Paul-Ehrlich-Institut schrieb, in dem er es aufforderte, seine Daten schnellstmöglich zu prüfen. Schöfbeck wurde für seine kritischen Töne in einer Nacht- und Nebelaktion gefeuert. Der Kommentar von Matthes: „Wenn man Andreas Schöfbeck etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass er nicht vorsichtig genug formuliert hat. Er hätte sagen sollen, es gibt hier einen Hinweis, die Kausalität ist aber noch zu prüfen. Es war nicht ganz klar, ob er sich politisch geäußert hat, oder ob er einfach seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und sagen wollte: Hier ist ein Signal, das bitte genauer untersucht werden muss. Diese kleine Differenzierung hat ihn den Job gekostet.“
Weiter führt Matthes aus: „Wenn man sich dann aber anguckt, wie in der Öffentlichkeit zurzeit schwarz/weiß gemalt wird, und mit welcher Heftigkeit bestimmte Meinungen ausgetauscht werden, ohne dass da Fakten sind – dann merkt man schon, wie ungerecht er für etwas abgestraft worden ist, das vielleicht nicht ganz vorsichtig formuliert war. Es ist doch völlig normal, dass jemand einen Hinweis gibt oder sagt, wir wollen untersuchen, ob es eine Gefährdung durch die Impfungen gibt. Mehr hat er ja gar nicht sagen wollen. Da merkt man, wie aufgeheizt die Stimmung war zwischen den beiden extremen Lagern. Man hätte den Fall auch nutzen können, um Transparenz zu zeigen und zu beweisen, dass die Dokumentation von Nebenwirkungen ernst genommen wird.“

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Bild: Boris Reitschuster
Text: br

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