Merkel-Ikonenmalerei plötzlich mit dunklen Flecken Merkwürdiger Spagat in vielen Medien

Alles, was König Midas anfasste, wurde zu Gold. So besagt es die Legende. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es etwas anders: Wo Journalisten sie anfassen, vergolden sie sie. „Alle zehn Sekunden verliebt sich ein deutscher Journalist in Merkel“, spotten Kritiker. Fakt ist: Was auch immer die Kanzlerin mit dem Herz für grüne Ideen macht, es finden sich viele Presse-Vertreter, die geradezu verzückt sind. Inzwischen nimmt das absurde, ja tragikomische Formen an. Merkel hat in der Corona-Politik versagt. Sie hat sich derart verrannt mit ihrem harten Kurs, ihr Oster-Lockdown war so irrwitzig, dass der Widerstand immens wurde. Notgedrungen musste sie nachgeben. Ein Fiasko.

In ihrer Not wählte Merkel die Vorwärtsverteidigung. Sie entschuldigte sich. Ein riskanter Schachzug, aus der Not heraus. Und was machen die Hofberichterstatter? Sie versuchen fast schon krampfhaft, das Positive in den Vordergrund zu stellen. Dass Merkels Einlenken der Not geschuldet war, weil ihre Lösung vor Gericht wohl keinen Bestand gehabt hätte? Das wird eher nebenbei abgehandelt. Interessant ist, wie synchron das Wort „historisch“ verwendet wird, so als sei es irgendwo zentral ausgeben worden. Die Süddeutsche verwendet es, gleich in zwei Beiträgen, die Bild, das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dessen Miteigentümern die SPD gehört, sprechen von historisch, Euronews, die Stuttgarter Zeitung, die Westdeutsche Allgemeine, das Westfalenblatt, und an dieser Stelle höre ich auf, um Sie nicht zu ermüden. Hand aufs Herz: Erstaunlich, dass Journalisten so synchron denken. Und ein Schelm, wer da an eine Gleichtaktung denkt, oder diskrete Stichwortgeber.

Was daran historisch sein soll, dass ein Regierungschef Fehler eingesteht, erschließt sich mir nicht. Ich würde eher sagen: So eine Einschätzung ist fast schon hysterisch. Und schlicht dumm. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Ulrich Schäfer: „In der christlichen Liturgie hat das Confiteor, das allgemeine Schuldbekenntnis, einen festen Platz. Es wird gleich am Anfang der Messe gesprochen…Im politischen Betrieb hat das allgemeine Schuldbekenntnis alles, nur keinen festen Platz. Wenn Politiker einen Fehler begehen, suchen sie zumeist jemanden, dem sie dieses Versagen unterschieben können. Oder sie reden die Dinge schön, wahlweise auch klein. Aber das ganze Volk um Verzeihung bitten? Und einen kapitalen Fehler öffentlich bereuen? Das gibt es höchst selten. Und noch seltener kommt dies bei einem amtierenden Regierungschef, bei einer Kanzlerin, vor.“

Mächtigste Frau der Welt

Weiter wird es fast ekstatisch: „Angela Merkel, die Pfarrerstochter, hat gut eine Woche vor dem höchsten christlichen Fest, dem Osterfest, auf ebenso nüchterne wie historische Weise die Deutschen um Entschuldigung gebeten. Die Kanzlerin hat damit Schwäche gezeigt – und Größe zugleich. Die, so sagt man, mächtigste Frau der Welt hat sich selbst erniedrigt, und zugleich dem Volk ihre menschliche Seite gezeigt, eine Seite der Fehlerhaftigkeit, die auch jeder, der nicht das Land regiert, in sich hat.“

„Minuten, die Geschichte schreiben“, lautet ein weiterer Titel in der Süddeutschen Zeitung. Der Einstieg des Artikels, der hinter einer Zahlschranke versteckt ist (aus Scham?): „Es sind etwa 30 Schritte. Vom Fahrstuhl im ersten Stock des Kanzleramts bis zur blauen Wand. So oft ist Angela Merkel diesen Weg schon gegangen in mehr als 15 Jahren Kanzlerschaft, zu fast jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit ist sie hier aufgetreten, zu Pressekonferenzen, mit Präsidenten und Regierungschefs, mit Strahlemännern und Diktatoren, oder eben alleine, zu Statements, aus Anlass dramatischer Ereignisse oder auch erfreulicher. Aber diese 30 Schritte jetzt sind ein besonderer Gang, einer, mit dem man nicht mehr rechnen musste, so kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit – mit dem sie selbst wohl auch nicht mehr gerechnet hat. Was Merkel gleich zu sagen hat, wird eine politische Explosion und eine Druckwelle auslösen ins Land hinein, in den politischen und auch in andere Betriebe. Was sie zu sagen hat, wird polarisieren.“

„Am Mittwoch traf Angela Merkel den richtigen Ton – und hat uns tief in ihre Seele blicken lassen“, schreibt Paul Ronzheimer, Vize-Chef der Bild, der im Gegensatz zu dem beurlaubten Julian Reichelt brav auf Merkel-Linie ist und auch auf Twitter gerne gegen mich austeilt. Titel des Beitrags: „Respekt Kanzlerin, aber… ab jetzt MUSS alles besser werden!“ Klar! Und wer es glaubt, wird selig. Denn Probleme des Systems Merkel sind struktureller Natur.

Licht in der Finsternis

Bevor Sie jetzt allzu sehr erschrecken: Nein, es ist keine Ikonenmalerei, wie sie früher verbreitet war. Etwa als der Chefredakteur von T-Online einen Artikel über Merkel mit dem Titel „Licht in der Finsternis“ versah und dort schrieb: „Die Kanzlerin hingegen erscheint derzeit als die einzige Außenpolitikerin von Rang und Format, sie bringt wenigstens kleine Hoffnungsschimmer in die Finsternis.“ Und weiter: „In der Ruhe liegt die Kraft. Das ist durchaus ein Lichtblick.“

Auch in den oben erwähnten Beiträgen sind deutliche kritische Töne zu hören. In die Bewunderung für Merkel mischen sich Wermutstropfen. Das ist durchaus symbolträchtig: Ihre Groupies unter den Journalisten trauen sich zwar noch nicht, sich ganz abzuwenden von der Kanzlerin. Aber sie trauen sich offenbar auch nicht mehr, nur noch Lobhudelei zu betreiben. Insofern ist hier etwas ins Wanken geraten. Ob Merkel das Blatt noch einmal wenden kann, ist unklar. Es gibt schon Berichte, dass Abgeordnete hinter den Kulissen einen Geheimplan schmieden, um die Kanzlerin vorzeitig abzulösen. Die mit allen Wassern gewaschene Machtpolitikerin konnte bislang noch alle Angriffe auf ihr Amt abwehren. Viel spricht dafür, dass sie auch diesmal den Kopf aus der politischen Schlinge ziehen kann. Seinen Kopf sollte man darauf aber nicht mehr verwetten.

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Bild: 360b/Shutterstock
Text: br


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Lesen Sie hier die große Merkel-Bilanz von Alexander Fritsch in fünf Teilen:

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