Neue Studie zu Lockdowns: Schäden deutlich höher als ihr Nutzen Vernichtendes Fazit

Von Christian Euler

Fast weltweit gilt der Lockdown als Allheilmittel, wenn es um die Eindämmung des Virus geht. Während Deutschland die Entscheidungsgewalt bei der Regierung bündelt und einige Nachbarländer ein Ende des Ausnahmezustands in Aussicht stellen, kommt eine neue Meta-Studie zu einem vernichtenden Ergebnis. Der Schaden, den die rigiden Maßnahmen anrichten, ist ungleich höher als ihr Nutzen.

„Covid Lockdown Kosten/Nutzen: Eine kritische Beurteilung der Literatur“, lautet der Titel der 55 Seiten umfassenden Studie des kanadischen Wirtschaftswissenschaftlers Douglas W. Allen, der an der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby lehrt. Der Ökonom wertet darin 80 akademische Studien zur Corona-Pandemie.

„Viele Forschungsarbeiten zu Covid-19 stützten sich auf falsche Annahmen, mit denen der Nutzen des Lockdowns überschätzt und die Kosten unterschätzt wurden“, unterstreicht Allen, „daher kamen die meisten frühen Studien zu Ergebnissen, die durch spätere Daten widerlegt wurden.“

Politik hat die veränderte Studienlage weitgehend ignoriert

Analysen der vergangenen sechs Monate hätten gezeigt, dass Lockdowns bestenfalls einen marginalen Effekt auf die Anzahl der Covid-19-Todesfälle hatten. Nach Ansicht von Allen erklärt die mangelnde Wirksamkeit der Abriegelungsmaßnahmen, warum nach einem Jahr die unbedingten kumulativen Todesfälle und das Muster der täglichen Todesfälle je einer Million Einwohner nicht negativ mit der Strenge des Lockdowns in den verschiedenen Ländern einhergehen.

Brisant: Obwohl seit Ausbruch der Krise mehr als 40.000 Arbeiten zu diesem Thema verfasst wurden, die jeden erdenklichen Aspekt von Covid-19 abdecken, war die Reaktion der Medien, des öffentlichen Gesundheitswesens und der Politik laut Allen einseitig, unvollständig seit einem Jahr fast unverändert. „Mit Blick auf die Lockdowns hat die Politik weitgehend die Maßnahmen vom Frühjahr 2020 auch in diesem Jahr beibehalten und ignoriert, was in der Zwischenzeit gelernt wurde.“

Der Wirtschaftswissenschaftler bestätigt auch, was hierzulande längst Usus geworden ist: „Wenn Studienergebnisse, die der Meinung der Regierung widersprachen, in den sozialen Medien geteilt wurden, wurden sie außerdem oft von den Social-Media-Plattformen zurückgezogen.“


Eines der größten politischen Versäumnisse in Friedenszeiten

Schon im August gab es laut Allen genügend Informationen, um zu zeigen, dass jede vernünftige Kosten-Nutzen-Analyse zeigen würde, dass die Abriegelung mehr Schaden als Nutzen bringe: „Es ist unangebracht zu behaupten, dass im Herbst, als die zweite Infektionswelle einsetzte, keine angemessene Entscheidung hätte getroffen werden können.“

Unterdessen versuchte der US-Ökonom Bryan Caplan, der am Think-Tank Mercatus Center der George Mason University in Fairfax arbeitet, die Nutzlosigkeit der Lockdowns zu quantifizieren. Grundlage ist die Frage: Auf wie viel Lebenszeit im Jahr müsste ein durchschnittlicher Kanadier verzichten, damit die Kosten des Lockdowns dem Nutzen entsprechen?

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Lockdowns in Kanada errechnet Caplan je nach Szenario mit 3,6 bzw. 282. Seine Herangehensweise würde hier den Rahmen sprengen, ist aber für Interessierte hier ab Seite 41 zu finden. Simon Fraser-Ökonom Allen folgert daraus: „Dies bedeutet, dass der Lockdown möglicherweise als eines der größten politischen Versäumnisse in Friedenszeiten in die Geschichte Kanadas eingehen wird.“

Die mutmaßliche Reaktion der Bundesregierung dürfte die neue Meta-Studie bestätigen: Merkel & Co ignorieren sie und halten an ihren Maßnahmen fest. Alternativ könnten sie auch den Zugang zur Studie sperren lassen.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: GiselleA/Shutterstock
Text: ce

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