Russisches Roulette? Horst Teltschik gibt Einblick in die Nato-Russlandpolitik

Zu Demokratie und Pluralismus gehört, dass man auch andere Meinungen respektiert. Auch diametral entgegengesetzte. Ich sehe Wladimir Putin und seine Politik ausgesprochen kritisch. Weil ich sie 12 Jahre selbst erlebt habe und auch Putin und seine Umgebung persönlich kenne. Und es geht mir wie mit Deutschland: Wenn man ein Land liebt, muss man seine Regierung kritisieren, wenn man sie auf dem falschen Weg sieht. Ich wünsche mir ein starkes Russland, das von anderen Ländern beneidet wird. Und sehe bei Wladimir Putin vor allem Muskelspiele und Propaganda, auf die viele hereinfallen, die das Land nicht gut kennen. Was ja kein Wunder ist – in Deutschland fallen auf die Manipulationen in den Medien sogar sehr viele herein, die im Land leben. Aber genug von mir – jetzt hier die Rezension eines Buches von Horst Teltschik, das meinen Ansichten stark entgegensteht. Und in Kürze einen Beitrag von mir zu Russland (mehr in meinem Buch „Putins Demokratur„). Damit Sie verschiedene Sichtweisen kennenlernen und sich selbst ein Urteil bilden können.


Ein Gastbeitrag von Dr. Peter Seidel

Dieses Buch rückt einige Legenden zurecht: Die Legende beispielsweise, Berlin und Paris hätten einer erneuten Nato-Erweiterung um die Ukraine nicht zugestimmt. Die Legende, der Milliardär George Soros hätte sich nicht an der amerikanischen Strategie des regime change beteiligt, etwa bei der Farbenrevolution in der Ukraine. Keine Legende ist, dass Horst Teltschik in seinem neuen Buch diplomatisch, aber deutlich versucht, das im Westen vorherrschende Bild über Putins Russland und die Nato-Ostpolitik zurechtzurücken. Und nach einem manchmal mühseligen, aber notwendig chronologischen Start gelingt ihm das auf überzeugende Weise.

Der frühere außenpolitische Berater von Kanzler Helmut Kohl und langjährige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz macht keinen Hehl aus seiner Besorgnis über die Entwicklung der Russlandpolitik seit den späten neunziger Jahren, und er dokumentiert erfreulicherweise auch die vielfältigen Bemühungen, die insbesondere von deutscher Seite dazu dienen sollten, das Verhältnis zu Russland in eine gesamteuropäische Friedensordnung einmünden zu lassen. Aber so kam es eben nicht. Warum, das ist die Kernfrage des Buches. Teltschik beantwortet sie umfassend, präzise und differenziert – jenseits der üblichen Klischees.

Das Buch behandelt den Zeitraum von 1989 bis heute, erzählt von nicht genutzten Chancen, Fehlperzeptionen, Unterschätzungen und machtpolitischer Interessenpolitik – auf beiden Seiten. Es beleuchtet die Anfänge und Wandlungen des einstigen Westlers Putin ebenso wie die Wendungen in der US-Russlandpolitik von Bush über Obama bis heute. Und es handelt nicht zuletzt von fehlenden Entspannungs- und Abrüstungskonzepten. Dabei hebt es die Bedeutung zweier Schlüsselereignisse hervor: Die Reden Putins 2001 vor dem Deutschen Bundestag und der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, letztere eben keine Konfrontation, sondern ein „Alarmruf“! Hier gehe es auch um das Versagen von Politik. Wobei Berlin vergleichsweise gut wegkommt.

Viele Themen sind es, die Teltschiks Sorge hervorgerufen haben: das US-Raketenabwehrsystem in Ostmitteleuropa, der fehlende Abschluss eines neuen KSE-Vertrages über konventionelle Truppen in Europa, die Frage einer Nato-Mitgliedschaft Georgiens und der Ukraine sowie die Zukunft des Kosovo. Dies gilt auch für technologische und militärstrategische Entwicklungen: einen neuen Rüstungswettlauf im nuklearen Bereich, hervorgerufen auch durch moderne Abfangsysteme gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen, ihre Ausbaumöglichkeiten gegen Interkontinentalraketen, die dagegen gesetzte Entwicklung hyperschallschneller Angriffsraketen, die Entwicklung immer kleinerer Nuklearsprengköpfe usw.

Besonders aktuell ist das letzte Kapitel über den „Weg in die Konfrontation“. Hier wird Teltschik sehr deutlich: Danach, so seine These, agiere Russland „aggressiv, nicht weil es seinen Einfluss ausdehnen will, sondern weil es einen weiteren Einflussverlust vermeiden möchte und weil es den Sicherheitsversprechen des Westens zunehmend nicht mehr traut.“ Wenn dies stimme, dann führe „die gegenwärtig von Washington und den osteuropäischen NATO-Staaten favorisierte Konfrontationspolitik nur zu einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen“. Konkret befürchtet er eine Eskalationsspirale, die „vom kalten Frieden in einen heißen Konflikt“ führen könne, weshalb es einer „Neuauflage der Entspannungspolitk“ bedürfe.

Teltschiks neues Buch ist ein Muss für jeden, der sich für Politik interessiert. Denn das Verhältnis zu Russland könnte die kommenden Jahre nicht nur außenpolitisch dominieren, wenn es so kommt, wie von Teltschik befürchtet. Dafür muss man seine These vom heißen Konflikt nicht teilen. Wahrscheinlicher ist eher, dass eine weitere Konfrontation die abhängigen Trittbrettfahrer amerikanischer Sicherheit in Europa nur weiter mitzieht, weil sie aus eigener Kraft kaum handlungsfähig sind. Seine Forderung, Deutschland solle gemeinsam mit Frankreich im westlichen Bündnis eine Führungsrolle übernehmen und den konfrontativen Tendenzen in Washington und den osteuropäischen Mitgliedsstaaten „weiterhin offensiv entgegentreten“, wird deshalb wohl ein berechtigter, aber wohl nur ein frommer Wunsch bleiben. Denn auch für die beiden stärksten EU-Mitgliedsstaaten gilt der damals auf Russland gemünzte Satz aus der nationalen Sicherheitsstrategie Bushs von 2002, dass seine „Schwäche die Möglichkeiten der Zusammenarbeit begrenzt.“

Horst Teltschik, Russisches Roulette. Vom Kalten Krieg zum Kalten Frieden, C.H.Beck Verlag München 2019, 233 Seiten, 16,95 Euro.

Dr. Peter Seidel, Public-Affairs-Berater und Autor, Frankfurt/Main

 

 

 

 

 

Bild: ID1974/Shutterstock

Text: Gast

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Martin Glauser
1 Monat zuvor

Warum werden hier Kommentare gelöscht?? Jacobi, Schutznim – alles weg. Und ein übler Verdacht: Es scheint, als würden gezielt russlandfreundliche Kommentare gelöscht. Auch der Hinweis auf die originale Bild- und Tonaufnahme von Genscher und Baker, wo sie versprechen, dass sich die NAto nicht nach Osteuropa ausdehnt – gelöscht! Das gibts doch nicht. Das ist wirklich eine herbe Enttäuschung. Ich hielt eigentlich grosse Stücke auf diese Seite. Aber jetzt muss ich leider feststellen, dass auf reitschuster.de die Kommentare wie überall sonst auch zensiert und gelöscht werden.

Klaus Jacobi
Antwort an  Martin Glauser
1 Monat zuvor

Tja, keine Reaktion von Herrn Reitschuster.  Das ist enttäuschend und traurig, zumal ich meinen Kommentar auch als persönliche Nachricht über das Kontaktformular geschickt hatte. Man kann ja anderer Auffassung sein, gerade das zeichnet eine Demokratie aus, aber Zensur in Form von Löschung missliebiger Kommentare geht gar nicht, denn genau das war der Grund, warum ich mich von anderen Portalen verabschiedet hatte. Und genau das wird zu recht auch von Herrn Reitschuster bezüglich Russland kritisiert. Völlig unverständlich, warum es dann hier praktiziert wird.

Reveillez
Antwort an  Martin Glauser
1 Monat zuvor

BR hat Rechnungen mit Moskau offen-dies lebt er leider hier aus. Wollte wissen, wo Moskau gg. Verträge verstieß, wie er behauptet-nix. Ob Gas-u. Öl ausblieb-nix.

GuntherCat
Antwort an  Reveillez
1 Monat zuvor

@Reveillez

 

gemeint sind wahrscheinlich eher innenpolitische Verträge und Versprechungen, die dann umgedeutet wurden. Oder Tricksereien mit den Amtszeiten (z. B. als Medwedew für eine Amtszeit Platzhalter war..).

Klaus Jacobi
1 Monat zuvor

Sehr geehrter Herr Reitschuster,

Jetzt bin ich aber schon etwas enttäuscht.
Auf dieser Seite sind meine Kommentare verschwunden und noch einige andere, auf die ich geantwortet hatte.
Unter dem Artikel steht „44 Kommentare“.
Wenn ich selbige durchzähle komme ich aber nur auf 34.

Bezüglich Russland und Putin bin ich etwas anderer Meinung als Sie, wenn auch nur teilweise.
Werden hier etwa Kommentare gelöscht??

Das wäre für mich eine herbe Enttäuschung und durchaus ein Grund, die monatliche Unterstützung per Dauerauftrag wieder einzustellen.

Freundliche Grüße
Klaus Jacobi

Andreas
1 Monat zuvor

Gegen libanesische Clans kommt man mit einer starken Polizei und Justiz an. Gegen ein aggressiv agierendes Russland mit einer klaren politischen Abgrenzung und starken Streitkräften. Annäherung an diesen Mafia-Staat sind absolut fehl am Platz. Ein starkes Heer und eigene Atomwaffen sind das was unser Vaterland zu seiner eigenen Sicherheit zuerst braucht. Reden kann man danach auch noch.

Paulsen, Sönke
1 Monat zuvor

Die Rezension hört sich sehr gut an und ich werde mir das Buch bestellen. Meinen Frust über die Ost-Politik der EU oder gar der Nato wird das wohl nicht lindern. Die angedeutete Achse Paris-Berlin wird in den USA regelmäßig nach Moskau verlängert und als Horrorvision dargestellt. Paris-Berlin-Moskau wird von den Neocons massiv befürchtet und bekämpft, weil daraus ein echte Gegenmacht zu Washington entstehen könnte. Unsere Transatlantiker befürchten das ebenso. Viele Aktionen der USA in Georgien aber auch in der Ukraine hatten ganz offensichtlich den Sinn, Russland zu provozieren und dadurch von Westeuropa wegzutreiben. Das ist gelungen mit idiotischer Unterstützung Merkels. Dass Russland sich bedroht fühlt und entsprechend nachgezogen hat, kann ich verstehen. Putin hat das ja schon 2007 deutlich angekündigt. Wenn wir im Herbst die Grünen in der Regierung haben, die neokonservativ und extrem russlandfeindlich sind, wird alles noch schlimmer werden. Ein Desaster…zum Weinen.

Silverager
Antwort an  Paulsen, Sönke
1 Monat zuvor

Durch meinen Vater, der geschäftliche Beziehungen zu Russland unterhielt, haben ich heute noch private Kontakte und war in Moskau und auch in St. Petersburg. Mein Vater pflegte zu sagen: „Russen halten sich ohne Wenn und Aber an einmal getroffene Vereinbarungen, selbst wenn es nur mit einem Handschlag besiegelt wurde.“ Daher glaubte auch Gorbatschow, die Nato werde sich an die mündlich getroffenen Vereinbarungen halten, die Nato nicht näher an Russland heranrücken zu lassen. Natürlich hat die Nato gar nicht daran gedacht, mündliche Vereinbarungen einzuhalten. Sie sitzt jetzt mit Polen und den baltischen Ländern dem russischen Bären direkt am Pelz.  Und die Spatzenhirne in der Nato hatten sich eingebildet, man könne sich auch die Ukraine einverleiben und sich damit Russlands einzigen eisfreien Hafen, Sewastopol, krallen zu können. Leider (für die Nato) ist das gründlich daneben gegangen. Dafür wurde im Westen emsig an der Lüge gestrickt, Putin habe die Krim, die überwiegend russische Bewohner hat, „annektiert. Also, wenn Putin es zugelassen hätte, dass Sewastopol an die Nato gefallen wäre, hätte ich an seinem Verstand gezweifelt. Merkt man eigentlich, dass ich Putin mag?

hermann sattler
Antwort an  Silverager
1 Monat zuvor

Silverager: mein vater als deutscher landser musste in russland einmarschieren==er hat oft bestätigt dass sie an den bahnhöfen kilometer lange güterzüge mit weizen etc.stehen sahen:beschriftung–berlin- stuttgart–münchen etc. die meisten verträge wurden vom westen gebrochen!!

inken
Antwort an  Paulsen, Sönke
1 Monat zuvor

Herr Sönke, bekam eben aus ‚alten Zeiten‘ ein Paket (Tee-Dosen) und mag Ihre Kommentare. Vielleicht sollten sich manche Russkis an MH17 erinnern. Da holten die 2014 ein falsches Flugzeug runter. Es starben viele friesische Kinder und Enkel. Das ließen sich die Friesen noch nie gefallen. Die Ermittlungen laufen…immer noch. Wir wollen keine Bauernopfer sehen, sondern die wirklich Verantwortlichen. Wird kommen, gibt mittlerweile klarere Hinweise. ☻

Holger Kammel
1 Monat zuvor

Ich bin ja ein neugieriger Mensch und finde Rußland als Thema hochspannend. Ich werde mir dieses Buch zulegen. Ebenso wie Herrn Reitschusters Gegenpol. Teltschik gehörte längere Zeit zum inneren Zirkel der Nato und die Berichte aus erster Hand von Herrn Reitschuster lasse ich mir sicher nicht entgehen. Da ohnehin mein Mitgliedsbeitrag fällig wird, kann ich  das verbinden. Allerdings sehe ich  Putin auch etwas anders als Sie, Herr Reitschuster. Zum ersten glaube ich nicht, daß er der allmächtige Alleinherrscher ist. Ich schätze, die verschiedenen Machtblöcke, Geheimdienst, militärisch-industrieller Komplex, die in Rußland übermächtige Bürokratie, die neuen Oligarchen, die Regionalfürsten und nicht zu vergessen, die „patriotischen“ Verbände wie Veteranen und Kosaken kochen ihr sehr eigenes Süppchen. Putin muß seine Politik an ihnen ausrichten, wenn er nicht hinweggefegt werden will. Das ist aber mehr Bauchgefühl auf Basis einer dürftigen Wissenslage.

inken
Antwort an  Holger Kammel
1 Monat zuvor

Hätte Ihnen fast ein Like gegeben…aber glaube Ihnen nicht.

Holger Kammel
Antwort an  inken
1 Monat zuvor

Ist mir gleichgültig.

inken
Antwort an  Holger Kammel
1 Monat zuvor

Das glaube ich Ihnen auch nicht. ☺

inken
1 Monat zuvor

Herr Dr. Peter Seidel belieben zu provozieren…hätte fast geschrieben „und das ist auch gut so“, doch diese alte Redewendung wurde anderweitig neu besetzt. Werde mir das Buch von Herrn Teltschik kaufen, denn alles was den Mauerfall, die nachfolgende Politik und die aktuelle Entwicklung in diesem Zusammenhang angeht, ist hochinteressant. Außerdem möchte ich wissen, was es mit der (nicht erfolgten) Nato-Erweiterung auf die Ukraine auf sich hatte. Bei den ersten Maidan-Unruhen war ich noch sehr emotional. Die FAZ-Überschrift „plötzlich klingelten die Handys der Toten“ trieb mir Tränen in die Augen. Möglicherweise lag dies an Familiengeschichten, denn unser Papa war als sehr junger Soldat beim Ausbruch aus Königsberg dabei und kam durch Methgethen, bevor es ihn erwischte; die meisten seiner Klassenkameraden waren da schon tot. In Methgethen wurden deutsche und ukrainische Frauen und Kinder aufs Übelste gemeuchelt. Davon gibt es fürchterliche Fotos, von denen ich mehr als die öffentlichen kenne. Oder meine Sympathie für die Ukrainer ist viel einfacher: Frau Aljona Savchenko sollte Botschafterin für die Ukraine werden! Sie versteht es mit ihrem überaus talentierten französischem Partner Bruno Massot Herzen zu bewegen… und damit gewannen die beiden Gold für Deutschland (Frau Savchenko bestand darauf, für DE zu starten ♥…ukrainisches Roulette):



Mike
1 Monat zuvor

Herr Sieber, sie sprechen mir voll aus dem Herzen

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Antwort an  Mike
1 Monat zuvor

Hi Mike, verstehe ich Sie richtig, dass Sie keinen größeren Wunsch haben, als Teil der „europäischen Völkerfamilie“ zu werden? Das sagte jedenfalls Herr Siber (der ohne „e“), auf den sie so positiv antworteten. Nun gehe ich mal davon aus, dass ein Teil Ihres Landes in Asien liegt. Was machen Sie dann mit denen?

Karl Heinz Siber
1 Monat zuvor

Man muss akzeptieren, dass andere Völker andere Wertmaßstäbe haben als wir, und andere Vorstellungen davon, wie sie regiert werden wollen. Wir müssen akzeptieren, dass für wohl die meisten Russen – vor allem die gebildeteren – unsere parlamentarische Demokratie keine große Strahlkraft hat. Wir sehen nicht nur am Beispiel der USA, sondern eigentlich in allen westlichen Ländern, dass sich hinter dem hochtrabenden Ideal „Demokratie“ meist ein mehr oder weniger schmutziges Machtsystem verbirgt und der Satz „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ eine fromme Lebenslüge ist. Hören wir also auf, den Russen ihren Mangel an demokratischer Kultur vorzuwerfen und daraus so etwas wie eine moralische Überlegenheit des Westens abzuleiten. Wir sollten Russland und konkret Putin ausschließlich nach seiner Außenpolitik beurteilen, nicht nach unseren Vorstellungen davon, wie ein demokratisches Russland im Inneren aussehen könnte oder sollte. Und seine Außenpolitik ist besonnen, berechenbar, gemäßigt und vernünftig. Russland hält sich an Verträge und an das Völkerrecht, hat keine Eroberungspläne und ist offensichtlich an einer friedlichen Koexistenz (wie man zu Zeiten des Kalten Krieges sagte) mit seinen westlichen Nachbarn interessiert. Das Russland sich als Schutzherr der russischen Bevölkerungsmehrheit auf der Krim und im Donbas gebärdet, kann man ihm nicht vorwerfen. Russland ist ein europäisches Land und hat, soweit ich es beurteilen kann, keinen größeren Wunsch, als Teil der europäischen Völkerfamilie zu werden. Das würde den Russen guttun, aber auch uns.

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Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Zack, jetzt haben Sie auch ein Dislike. War ich nicht…doch bleibe bei meiner unmaßgeblichen Meinung: Nehmen Sie bitte die Dislike-Funktion raus. Etwa um die Zeit der Ukraine-Krise 2013/2014 wurden die Bewertungsmanipulationen beim Focus richtig schlimm; gab da einige Lücken im technischen System. Von Troll-Armeen muss ich Ihnen wohl nichts erzählen (Spaß ☺). Irgendwann reichte es jemandem und gab allen Focus-Kommentaren grundsätzlich 5.000 Likes (in Worten fünftausend). Das war witzig und zeigte den sonstigen Bewertungs-Irrsin. Trotzdem befriedigt es natürlich, wenn man Andere bewerten kann…ne wirklich, mag ich auch! ☺

Niccolo Gor
Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Herr Reitschuster, aber Sie werden, so denke ich, sowohl Putins Rede in München als auch den Grund für die zuletzt aggressivere russische Außenpolitik nicht anders sehen als Teltschik, oder? Also als Alarmruf und als Versuch, den noch verbliebenen Einfluß gegen einen immer größeren Druck zu verteidigen. Würde mich wundern, wenn nicht.

Noch unter Bush (glaube ich) sagte Putin einmal, die USA müssten endlich verstehen, dass Russland nun mal auch Interessen auf dem gesamten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion habe, dass es nicht einfach Ausland sei. Daraufhin antwortete ein Vertreter der USA (ich glaube Hillary Clinton als Senatorin) – ja, aber auch Russland müsse verstehen, dass die USA Interessen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hätten. Und ich dachte – wow?! Seit wann denn das? Und warum muss Russland das verstehen? Nein, es ist in keiner Weise von der Weltgemeinschaft insgesamt zu akzeptieren, dass die USA Interessen auf dem Gebiet der ehemaligen SU zu haben glauben.

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Antwort an  Niccolo Gor
1 Monat zuvor

Seit wann sagt Hillary Clinton die Wahrheit?

Holger Kammel
Antwort an  inken
1 Monat zuvor

Vermutlich gelegentlich irrtümlich. So ähnlich wie eine stehengeblieben Uhr, die auch zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt. Was haben Sie eigentlich gegen Dislikes? Sie wüßten sonst gar nicht, ob Ihr Beitrag überhaupt jemanden interessiert.

Niccolo Gor
Antwort an  Niccolo Gor
1 Monat zuvor

Ja, und noch was. Sie schreiben, Sie wünschten sich ein Russland, das von anderen Ländern beneidet wird. Ich habe allerdings den Eindruck, dass das Russland von heute durchaus von sehr vielen Ländern (bzw. heimlich von deren Bürgern) beneidet wird – dafür, dass es sich erlaubt, eine relativ eigenständige Außenpolitik zu betreiben (nicht viele Länder können das von sich behaupten), dafür, dass es immer wieder auf die überhebliche Doppelmoral des Westens hinweist, womit es der halben Welt aus der Seele spricht und dafür, dass es mit seinem neu entdeckten Konservatismus der Welt (und dem Westen selbst) die Dekadenz des Westens vorhält. Nicht zuletzt wird Putin persönlich von sehr vielen Politikern (auch in Europa heimlich) als Superstar gesehen, dem sie auf die eine oder andere Art nacheifern. Und: Es bleibt immer auch ein gewisser Neid, dass Russland das einzige Land der Erde ist, dass die USA innerhalb einer halben Stunde auslöschen kann (and vice versa). KGB-Mafia hin, Propaganda her – ich frage mich ernsthaft, in welcher politischen Verfassung Russland sein müsste, um noch mehr beneidet zu werden. Das mit den tollen Menschen finde ich hingegen ein übertriebenes Klischee – es sind Menschen, mit denen man eine angenehme Zeit verbringen kann, aber mit ihren anarchistischen Charakter nur schwer ein Staat zu machen ist. Ich halte es da ein bisschen mit Bernie Ecclestone: Putin ist wasting his time in Russia, he should be ruling Europe!

inken
Antwort an  Niccolo Gor
1 Monat zuvor

Jetzt setzen Sie noch einen drauf, ok. Also ich möchte nicht von Putin regiert werden, obwohl er eine sehr schöne Villa auf Madeira hat. Wie fasste es unser Vater so schön zusammen (mit Fotos): Hier sieht man die Villa von Aga Khan, daneben die Villa von Oliver Kahn…und Putin hat auch eine Madeira-Villa, Merkel nicht. *schnief* Ist doch völlig in Ordnung, wenn es unseren Führungskräften gut geht. Wegen ein paar Fußball-Ereignissen mag ich den ollen Bajowari Oliver Kahn sehr gern. Die Anderen eher weniger, aber ich arbeite an meiner Toleranz. ☺

Christoph Friedrich
Antwort an  inken
1 Monat zuvor

Zunächst ist Kahn kein Bayer, sondern Badener (Karlsruher). Und ich mag Kahn nicht, u.a. wegen seines Kung-Fu-ähnlichen Angriffs auf einen Gegenspieler. Kahn war/ist(?) für meinen Geschmack viel zu verbissen.

inken
Antwort an  Christoph Friedrich
1 Monat zuvor

Der gute Kahn mag ja in Karlsruhe geboren sein (sagt Wiki, was Sie auch gerne lesen), doch spielte lange für den FCB. Mochte Kahn anfangs nicht, doch wenn Sie ihn einmal „live und in Farbe“ erlebt hätten, dann wüssten Sie, warum er so lange bei den Bajowaris im Tor stehen ‚durfte‘ und mehrfach Welttorhüter wurde. Jetzt schnell her mit den Dislikes…ist langsam lustig. Sa sdorowje! ☺

Niccolo Gor
Antwort an  Niccolo Gor
1 Monat zuvor

P.S. Mir ist natürlich klar, was Sie meinen mit Ihrer Kritik. Der russische Alltag ist so, dass die wenigsten Russen das Gefühl haben, jemand könnte sie um etwas beneiden. Und sie machen die Regierung dafür verantwortlich. Aber genau das ist dieses komisch-anarchistische Element des russischen Charakters. Man idealisiert den angeblich so tollen Westen, sieht sich selbst als irgendwie defekt und sieht die Verantwortung für sein Leben nicht primär bei sich, sondern bei „denen da oben“. Ein Realitätscheck passiert er dann, wenn so ein liberal-regierungskritischer Russe länger im Ausland lebt (meist nachdem er sehr viel Geld aus Russland zu Seite bringen konnte). Und dann spürt er am eigenen Leib, das die Freiheit des Westens heuchlerische fake news sind und es durchaus Dinge gibt, die man am Leben in Russland beneiden kann. Herr Reitschuster, Sie spüren das jetzt selbst am eigenen Leib, Sie wissen, wovon ich spreche! Deshalb ja auch Ihre (und meine) derzeitige Verzweiflung.

Peter M3
Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Werter Herr Reitschuster,

 

man könnte glauben Sie hatten ein traumatisches Erlebnis mit der russischen Obrigkeit gehabt. Ihre Ex-„Kollegin“ Krone-Schmalz schätzt Herrn Putin, ähnlich wie Herr Teltschik, ganz anders ein. Hinzu kommen noch die Journalisten Thomas Röper, Hannes Hofbauer und auch die Compact-Redaktion.

 

Putin hat das Land den Oligarchen entzogen, auch wenn es die heute immer noch gibt (Medwedew). Der Ausverkauf Russlands (wie es derzeit in der Ukraine abgeht) wurde gestoppt und rückgängig gemacht. Dem „Werte-Westen“ passte diese Entwicklung natürlich überhaupt nicht. Russland ist im Gegensatz zu DE ein souveränes Land, auch wenn das Volk nicht der Souverän sein mag. Auch in DE ist das Volk nicht der Souverän. Die Behauptung ist eine Mär. Der Souverän ist derzeit das neu gegründete „Politbüro“ bestehend aus Kanzleramt und Ministerpräsidenten.

 

Was ich so mitbekommen habe, ist Russland unter Putins Führung ein zuverlässiger Handelspartner. Lawrow ist ein ausgezeichneter Diplomat. Der Mann ist ein anderes Format als die US-Cowboys und deren Vasallen in DE, denen jedes schmutzige Mittel recht ist.

Johannes
Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Herr Reitschuster, wäre Ihnen jemand wie Breschnew lieber als Putin? Oder Jelzin? Oder sollte vielleicht ein Deutscher sein ungeheures Wissen über Demokratie und Freiheit in Russland zur Verfügung stellen?

Was denken Sie, wie lange man in Russland am Leben ist, wenn man als Weichei seinen Traum von Demokratie und Rechtsstaat verwirklichen wollte?

Ich glaub, man kann träumen, sollte aber die Wirklichkeit akzeptieren, und die ist, daß Putin nach Jelzin einen durch und durch korrupten Staat (und noch dazu ein riesiges Ding von einem Staat) übernommen hat und mit den Umständen, die nach 70 Jahren Kommunismus herrschen, eben zurechtkommen muß.

Wenn Sie am Montag Demokratie und Rechtstaat ausrufen, ist am Dienstag nicht automatisch Demokratie und Rechtsstaat. In Deutschland kommen sogar noch 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wieder die kommunistischen Würmer aus den Löchern gekrochen! Und da soll man sich wundern, daß Russland 30 Jahre danach noch immer kein Muster an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist?

Wie blauäugig!

inken
Antwort an  Johannes
1 Monat zuvor

@Johannes: Putin ist kein bisschen korrupt und der große Heilsbringer. Er hat ein paar Milliarden auf seinen Auslandskonten und seinen Freunden geht’s genauso gut. Wie geht’s eigentlich seiner Tochter mit der ersten Impfung? Blaue Augen hat Putin auch! ♥

Igor
Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Lieber Herr Reitschuster, anscheinend sind Sie fast der einzige Journalist, der wirklich durchblickt, was in Russland abgeht. Einerseits, freut es mich für Sie. Andererseits ist es sehr traurig. Der deutsche Russland-Kult mit Putin-Religion ist unerträglich. Deutsche lieben ein Russland, das es nicht gibt und nie gegeben hat. In so einem Russland möchte ich auch leben. Was deutsche Liebe zu Putin angeht, so traue ich mir selbst in Ihrem freien Forum nicht zu sagen, was ich darüber denke. Das ist ein sehr großes, sehr komplexes, höchst politisch inkorrektes und sehr leidiges Thema.

Holger Kammel
Antwort an  Igor
1 Monat zuvor

Lieber Igor!

Es gab in der Endzeit der DDR einen Witz, der Ihrer Bemerkung entspricht: Kommt ein Mann ins Amt und sagt: „Ich möcht einen Ausreiseantrag stellen.“ Sagt der Beamte: „Kennen wir, wo wollen Sie den hin?“ Antwortete der Mann: „In die DDR, die in der Zeitung beschrieben wird.“ Ich glaube, es gibt zwischen den Russen und den Deutschen ein besonderes Verhältnis, quer über etliche Jahrhunderte. Gemischt aus wechselseitiger Bewunderung und, zumindest früher,  Furcht bzw. Abneigung. Die wechselseitigen Einflüsse sind den meisten gar nicht mehr bekannt, dabei waren sie ziemlich intensiv.

inken
Antwort an  Holger Kammel
1 Monat zuvor

@Holger Kammel Da gehe ich mit. Es gab zwischen Deutschen und Russen immer ein „besonderes Verhältnis“. Und das hat weder was mit DDR noch BRD was zu tun.

inken
Antwort an  Holger Kammel
1 Monat zuvor

Off-Topic: Nähe U-Hellersdorf (Berlin) Hup-Konzert, bin runter gerast. Die angeblichen BSR-Typen in Orange verarschten mich nur. Was macht der „Winterdienst“ um diese Uhrzeit in Hellersdorf?! Nachdem die erfolglos versuchten, die Rassisten-Karte zu spielen (einer war dunkler…dämliche Unterstellungen in meine Richtung), hielt ein anderer per Walky-Talky Rücksprache und sie zogen ab. Vielleicht nur weil ich Fotos von deren orangen Autos/Kennzeichen machte. Danach in einem der zahlreichen Döner hier: „War Corono-Demo, aber Polizisten machten schnell Schluss.“ Zur Info: Hellersdorf ist Links. Es gibt ein paar wenige Nazis, aber die waren immer friedlich seit den 8 Jahren, seitdem ich hier wohne. Der Widerstand regt sich, wenn auch noch leise oder kurz. Und die sind darauf vorbereitet…in Orange.

Reveillez
Antwort an  Boris Reitschuster
1 Monat zuvor

Inwieweit wurden z.B.die Verträge über Öl-u. Gaslieferungen nicht eingehalten?

Mazy
1 Monat zuvor

Nein, auch von mir nicht, denn ich stimme mit dem Artikel nicht überein, lasse es lieber kommentarlos.

Margit Kästner
Antwort an  Mazy
1 Monat zuvor

“ Die Deutschen sind unendlich dumm“ DOSTOJEWSKI! Putin versteht Deutschland , spricht deutsch , schätzt Kant und hat das Geburtshaus desselben vor dem Verfall gerettet mehr dazu in der Geschichte Königsbergs. Also Putinversteher , besser als Hetzer. Und was kommt nach ihm ? Wünschen Sie sich was Herr Reitschuster .