Sie kleben nicht nur an der Macht wie Patex – sie kleben auch am Geld und am Gefühl der Wichtigkeit, das ihnen die Macht beschert: Die Politiker im „besten Deutschland aller Zeiten“. Das neueste Beispiel: Der gescheiterte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bekommt offenbar eine neue Aufgabe. Der ehemalige Bundeskanzler soll eine neue Entwicklungshilfe-Kommission leiten. Zumindest berichtet das der rot-grüne Berliner „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Regierungskreise, mit denen das handzahme Blatt traditionell eng verbunden ist.
Pflichtschuldig haben die meisten Medien – auch die alternativen – darüber berichtet. Aber was steckt dahinter? Eine Mentalität, die es zwar früher auch schon gab – aber eher als Ausnahme. Während sie heute die Regel ist. Unsere politische und bürokratische Klasse ist derart auf sich selbst konzentriert und derart gewohnt, dass ihr der Staat gehört, dass sie auch nach Ende ihrer Tätigkeit nicht von ihrem Anspruch lassen können.
Das verrückteste Beispiel ist vielleicht Alt-Kanzlerin Angela Merkel. Die Frau, die aus der DDR-Nomenklatura die Unsitte in die Bundesrepublik eingeführt hat, dass selbst die Körperpflege der Regierenden noch vom Staat bezahlt werden muss. Ließ sie schon zu Amtszeiten den Steuerzahler für ihr Äußeres blechen, so tut sie das als Rentnerin weiter: Seit Juni 2024 hat die Bundesregierung exakt 64.677 Euro für Friseure und Visagisten der Altkanzlerin aufgewendet – allein 2025 waren es 36.354 Euro, also über 3.000 Euro im Monat. Für Haare und Schminke. Einer Frau, die seit Ende 2021 kein öffentliches Amt mehr bekleidet.
Man muss das sacken lassen: Eine Rentnerin – wenn auch eine mit Bundespension von rund 15.000 Euro monatlich – lässt sich auf Kosten des Bürgers herrichten. Für was eigentlich? Für welche Repräsentation? Für welchen Termin, der nicht auf eigene Rechnung ginge? Und – was treibt sie an? Eine Frau, die auf ein siebenstelliges Vermögen geschätzt wird, die keine Kinder hat, die es zu versorgen gilt. Was ist ihr Motor? Vielleicht ist es schlicht das, was diese Kaste am tiefsten prägt: der Staat gehört ihnen. Er hat ihnen immer gehört. Und dass das irgendwann aufhören könnte – dieser Gedanke kommt ihnen schlicht nicht.
Aber das ist noch nicht alles. Denn die Frisur ist nur die sichtbare Spitze eines sehr teuren Eisbergs. Die Amtsausstattung der Altkanzler – also die Büros mit Personal – kostet den Steuerzahler separat. Allein die Personalkosten für die Büros von Merkel und Scholz zusammen beliefen sich 2025 auf 1,44 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2026 waren bereits wieder 408.000 Euro weg – hochgerechnet mindestens 1,6 Millionen für das laufende Jahr. Und das, wohlgemerkt, ohne Büroräume, Dienstfahrzeuge und Personenschutz. Was diese zusätzlich verschlingen, teilt die Bundesregierung auf Anfrage nicht mit – sie zählt es schlicht nicht zur „Amtsausstattung“. Buchhalterische Kreativität im Dienst der Klasse.
Insgesamt haben Merkel und Scholz den Steuerzahler seit Juli 2024 mit über 2,3 Millionen Euro belastet – für Personal allein. Scholz sitzt dabei noch im Bundestag, bezieht die Abgeordnetendiät, und seine Kanzlerpension kommt obendrauf. Zur Erinnerung: Für die Kanzlerschaft allein stehen ihm gut 5.700 Euro brutto monatlich zu – zuzüglich Pensionsanteilen aus Minister- und Abgeordnetenzeiten. Die genaue Gesamtsumme verschweigt die Bundesregierung. Man wäre gespannt.
Verlogenheit pur
Das System funktioniert so lange reibungslos, bis jemand gegen den Zeitgeist verstößt. Dreistigkeit an sich ist kein Ausschlusskriterium – Merkels staatlich finanzierte Frisur beweist das täglich. Gerhard Schröder verlor sein Staatsbüro erst im Mai 2022 – drei Monate nach Putins Angriff auf die Ukraine, als der öffentliche Druck nicht mehr zu ignorieren war. Und die offizielle Begründung? Der Haushaltsausschuss erklärte, Schröder nehme „keine fortwirkenden Verpflichtungen aus seinem Amt mehr wahr“. Seine Millionen aus Putins Gasimperium hätten „keine Rolle gespielt“ – so die Sprachregelung. Man machte brav Männchen vor dem Zeitgeist – und versuchte noch so zu tun, als habe es mit diesem nichts zu tun.
Dabei ist Schröder in Sachen Abzocke kein Einzelfall. Ich kenne einen hochrangigen Ex-Beamten, einst einer der wichtigsten Männer im Beamtenapparat, von dem Sie sicher alle schon gelesen haben, der nach der Pensionierung in einen regelrechten Geldrausch verfiel. Mein persönlicher Eindruck – er hätte auch noch seine Großmutter verkauft, um seine frühere Position in Geld zu verwandeln. Und nach meinen eigenen Erfahrungen ist er dabei nicht der einzige.
Womit wir wieder bei Olaf Scholz wären. Der gescheiterte Kanzler, der die Ampel gegen die Wand fuhr und von den Wählern abgestraft wurde, bekommt nun eine „Nord-Süd-Kommission“ – als Vorsitzender, versteht sich. Als Vorbild dient laut der Hofberichterstattung ausdrücklich Willy Brandt, der Ende der Siebziger eine ähnliche Kommission leitete. Der Vergleich ist so schief, dass er wehtut. Bei Brandt war Entwicklungspolitik ein Herzensanliegen – er hatte sich jahrzehntelang damit beschäftigt, die Kommission war der Abschluss eines politischen Lebenswerks. Bei Scholz war das Thema in seiner gesamten Amtszeit ungefähr so präsent wie Haushaltsüberschüsse. Nun soll er also der neue Brandt sein. Man fasst es kaum.
Was der Posten einbringen wird, ist noch nicht kommuniziert. Die Details, heißt es, seien „noch offen“. In diesem Land ist bei solchen Konstruktionen erfahrungsgemäß vieles offen – außer der Tatsache, dass es in der Regel fürstliche Entlohnungen gibt – und sei es über diskrete Spesenbudgets.
Aber Scholz ist nur das aktuellste Gesicht eines Systems, das sich seit Jahrzehnten selbst versorgt. Eckart von Klaeden wechselte 2013 nahtlos vom Kanzleramt direkt zu Daimler – als Cheflobbyist, wohlgemerkt. So nahtlos, dass die Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsannahme ermittelte. Ergebnis: Einstellung der Ermittlungen, natürlich. Und ein Feigenblatt: neue Karenzzeit-Regeln, die seitdem munter unterlaufen werden. Ronald Pofalla: Kanzleramtschef, dann überaus fürstlich besoldet zur Deutschen Bahn. Wie er dort „performte“, ist bekannt. Sigmar Gabriel: Außenminister, dann Aufsichtsräte.
Fliegender Wechsel
Christian Lindner: Finanzminister, dann – in Windeseile – stellvertretender Vorstandsvorsitzender eines Autohändlers, Vorstandsmitglied bei StepStone, Aufsichtsrat bei einer Kalksteinfirma, Senior Advisor bei einer US-Beratung, und designierter Konzernchef bei der Autoland AG. Das alles binnen anderthalb Jahren nach dem Ampel-Aus. Pikantes Detail am Rande: Als Finanzminister verteidigte Lindner das sogenannte Dienstwagenprivileg mit bemerkenswerter Leidenschaft – der Begriff selbst sei „linkes Framing“, belehrte er die Öffentlichkeit. Dass dem Staat durch dieses Privileg nach Berechnungen des Umweltbundesamts jährlich mindestens drei Milliarden Euro Steuereinnahmen entgehen, störte ihn nicht. Heute sitzt er an der Spitze eines Autounternehmens, das von genau diesen Steuervorteilen profitiert. Die Branche, die er als Minister gehegt und gepflegt hat, zahlt nun zurück. Man nennt das, glaube ich, einen Interessenkonflikt. Oder auch: Planung in eigener Sache. Dafür ist man ganz groß darin, Korruption in anderen Ländern anzuprangern.
Wer nicht in die Wirtschaft wechselt, bekommt ein Amt. Andrea Nahles scheiterte als SPD-Chefin so gründlich, dass ihre Partei seither nie wieder dauerhaft festen Boden unter die Füße bekam – und landete als Chefin der Bundesagentur für Arbeit. In dieser Klasse fällt man nicht durch den Boden. Man fällt immer nach oben.
Fallen nach oben
Es ist ein obszönes Selbstversorgungssystem. Ämter, Kommissionen, Aufsichtsräte, Lobbyposten – die Kaste schiebt sie sich gegenseitig zu mit der Selbstverständlichkeit von Leuten, die nie gelernt haben, dass Privilegien auch enden können. Und dann wundert man sich, dass laut Umfragen die Zahl der Deutschen, die mit der AfD liebäugeln, Richtung 30 Prozent wächst. Dann wirft man eben jener AfD Vetternwirtschaft vor. Die Chuzpe ist bemerkenswert – aber eigentlich auch wieder nur konsequent. Wer so lange unter sich bleibt, verliert irgendwann den Blick dafür, wie das von außen aussieht.
Der Steuerzahler zahlt. Wie immer. Aber immer mehr quittieren es inzwischen an der Wahlurne. Kein Wunder, dass die Kaste so allergisch darauf reagiert.
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Bild: Symbolbild/KI/Grok
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