Schreckliche Eindrücke

Mit russischen Freunden im früheren Stasi-Knast in Hohenschönhausen. Ich war schon öfter dort, und jedes Mal merke ich: Man verdrängt diese Schrecken schnell. Man müsste jedes Jahr kommen. Wie beim TÜV. Sich vergegenwärtigen, wie verbrecherisch dieses Regime war.* Und dass diese Geister heute wieder aus ihren Löchern kriechen – auch Putin stammt aus diesem System, preist es bis heute. Die Führerin, eine Bekannte, empört sich: „SED und Stasi haben 30.000 Sozialdemokraten umbringen lassen, heute sitzt die SPD mit ihren Nachfolgern in Berlin in der Regierung.“ Auf dem Rückweg meint mein russischer Freund, der in Berlin lebt: „Vielleicht kommen wir in einem Jahr ohne Straßenbahnticket hierher zurück, kostenlos“. Mir bleibt das Lachen im Hals stecken.

 

 

 

Gefällt mir = Danke an Hubertus Knabe und sein tolles Team, das das Andenken in Hohenschönhausen wach hält.

*) Die 16jährige, die hier eingesperrt wurde, weil sie die Haare färbte, die 14jährige, die hier saß und zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie in der Schule auf Stalins Bart eine Schleife zog, die Zellen im Keller, wo Menschen schlimmer als Vieh behandelt wurden, Menschen aus West-Berlin, die von der Stasi angeheuerte Schwerkriminelle hierher entführten, die gruseligen Folterzellen, die Weiterbenutzung von KZs der Nazis zur Inhaftierung politischer Gegner, die Ignoranz gegenüber Fakten und Opfern bei vielen im Westen, die Verhör-Spezialisten, die Gefangene mit Händen und Füßen schlugen, und nach der Wende Karriere als Anwälte machten, Stasi-Ärzte, die heute florierende Praxen betreiben – man könnte die Schrecken endlos aufzählen. Jeder, der „gleiche Distanz“ von den USA und einem diktatorischen Russland fordert, sollte sich dieses Museum ansehen.

 

Mehr zu dem Museum: http://www.stiftung-hsh.de/

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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