Screenshot ZDF-Sommerinterview: Jede Minute verliebt sich eine Journalistin neu in die Macht.
Da nimmt man sich vor, den Bundespräsidenten getreu dem alten Motto vom Franz Josef Strauß nicht mal mehr zu ignorieren – und dann liefert er wieder derart Unglaubliches ab, dass man einfach nicht schweigen kann. Obwohl man auch schon vorher dachte, zu ihm sei alles gesagt, er habe sich schon vollständig entlarvt.
Wörtlich sagte Steinmeier im Sommerinterview des ZDF, das von Selbstgefälligkeit und Eigenlob nur so strotzte: „Es gibt heute einen erklecklichen Anteil, die wählen nicht richtig oder falsch oder links oder rechts, sondern die wählen gegen das System der Demokratie. Und da ist die Frage der Überparteilichkeit nicht mehr ausreichend, dazu muss man Stellung beziehen.“
Doch dass ein Bundespräsident ganz offen Millionen Wähler beschimpft, sie als Demokratiefeinde diffamiert und glasklar sagt, dass er auf das heiligste Prinzip seines Amtes – die Überparteilichkeit – spuckt, das hat eine neue Dimension. Seine Verteidiger werden nun einwenden – „streitbare Demokratie“. Aber das ist ein billiges Ablenkungsmanöver – denn für die Streitbarkeit ist eben nicht der Bundespräsident zuständig, der muss integrieren statt spalten.
Anderer Demokratiebegriff
Ja – der Mann, der in jungen Jahren für den linksextremen Pahl-Rugenstein-Verlag arbeitete, der aus der DDR finanziert wurde, kann einen inzwischen leider mit nichts mehr negativ überraschen. Auch nicht mit solchem Hohn auf sein Amt. Und nicht mal mit Aussagen wie der, dass er sein Amt als „Rückversicherung der Demokratie“ sieht. Vielleicht ist der Sozialdemokrat mit der linksradikalen Vergangenheit (?) dabei ja aufrichtig – nur eben mit dem Demokratiebegriff der DDR.
Diejenigen, die uns täglich Schauermärchen über die AfD erzählen und eine Wiederauferstehung des Dritten Reiches durch Weidel und Chrupalla predigen, scheinen keinerlei Problem damit zu haben, wenn der Bundespräsident öffentlich erklärt, dass die demokratischen Spielregeln für ihn und sein Amt nicht mehr gelten. So viel zur Demokratie-Verteidigung. ZDF-Interviewerin Diana Zimmermann war es nicht einmal eine Nachfrage wert, als Steinmeier seine unglaublichen Sätze sagte. Das Sommerinterview zeigt: Die Gebührenfinanzierung unseres Fernsehens lohnt sich. Allerdings nicht für diejenigen, die zur Kasse gebeten werden – sondern für Steinmeier und Genossen.
P.S. Klopapier ist Grundversorgung. Unabhängiger Journalismus auch – finde zumindest ich. Der Unterschied: Für meinen Betrieb muss niemand einen Zug stoppen. Ein Klick reicht. Hier.
Bild: Screenshot/ZDF/Youtube
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