Verdacht gegen SPD-Promi: Studienabschluss nur erfunden?

Johannes Kahrs war einer der Lautsprecher der SPD. Unter anderem war er seit 2008 Beauftragter für die Belange von Lesben und Schwulen in der Bundestagsfraktion. Vor allem im „Kampf gegen rechts“ profilierte sich der 56-jährige Hamburger durch besonders heftige Attacken. Bis er sich Anfang Mai völlig überraschend von allen Ämtern zurückzog. Die offizielle Begründung: Er sei davon ausgegangen, dass er Wehrbeauftragter würde. Weil er diesen Posten aber nicht bekommen habe, ziehe er sich zurück.

Zuvor war der Abgeordnete, der altem SPD-Adel entstammt und dessen Eltern beide Senatoren in Bremen waren, mehrfach durch Skandale aufgefallen. Unter anderem belästigte er eine innerparteiliche Konkurrentin durch anonyme nächtliche Anrufe, was durch eine Fangschaltung aufflog. Drohungen gegen die Genossin, die ihm vorgeworfen wurden, bestritt er. Das Strafverfahren gegen ihn endete mit einem Vergleich.

Kurz vor seinem Rücktritt im Mai wurden Vorwürfe gegen ihn laut, er habe sein juristisches Staatsexamen von einem Bekannten schreiben lassen. Er wies die Anschuldigungen zurück. Jetzt gehen die Verdächtigungen noch weiter. Die Hamburger AfD-Abgeordnete Olga Petersen hat eine Anfrage an den Senat gestellt. Da Kahrs, so Petersen, immer angab, in Hamburg Jura studiert zu haben (was so auch auf seiner Abgeordnetenseite steht) wollte sie wissen, ob die Original-Prüfungsarbeiten noch vorhanden seien, um die Handschriften zu vergleichen. Die Prüfungsarbeiten waren nicht mehr aufzufinden. Der Senat antwortete außerdem, dass entsprechende Täuschungshandlungen inzwischen verjährt wären.

Doch es kam noch dicker. In früheren Veröffentlichungen hieß es wiederholt, Kahrs sei Jurist. Wie Peterson auf youtube ausführt, stand das auch so auf einer Seite des Deutschen Bundestages und der SPD-Bundestagsfraktion. Jurist darf sich nennen, wer das erste Staatsexamen erfolgreich abgelegt hat, bzw. seit 2003 die „erste Prüfung“. Allgemein bekannt war, dass Kahrs trotz neunjährigem Studium kein zweites Staatsexamen abgelegt hat; zumindest nicht erfolgreich. Erst dieses macht einen zum Volljuristen und befähigt zum Richteramt sowie zur Arbeit als Rechtsanwalt.

Petersen berichtet, sie sei stutzig geworden, weil Kahrs in seinen letzten Aussagen nicht mehr davon sprach, Jurist zu sein – sondern nur noch von einem Jurastudium in Hamburg die Rede war. Ihre Nachforschungen ergaben dann, so Petersen, dass Kahrs bei seinen Kandidaturen gegenüber dem Landeswahlleiter nie „Jurist“ als Beruf angegeben habe – sondern „Angestellter“ bzw. „Bundestagsabgeordneter“. Peterson hakte deshalb noch einmal beim Senat nach und fragte, ob sich Kahrs beim Hamburger Justizprüfungsamt in der in Frage kommenden Zeit zwischen 1993 und 1996 zu einer juristischen Staatsexamen-Prüfung angemeldet habe und wenn ja, ob er diese erfolgreich abgelegt habe. Das Ergebnis: Kahrs hat sich nicht in Hamburg für ein Staatsexamen angemeldet und folglich auch keines bestanden.

„Für mich besteht kaum mehr ein Zweifel daran, dass Herr Kahrs nicht über ein abgeschlossenes Studium verfügt und in Wirklichkeit gar kein Jurist ist“, sagt Petersen. Kahrs Angaben gegenüber Kommilitonen, er habe ein Examen in Berlin abgelegt, klängen angesichts aller Indizien zufolge wie eine Schutzbehauptung, meint die Abgeordnete, die in jungen Jahren mit ihren Eltern aus Russland in die Bundesrepublik auswanderte. Sie forderte Kahrs öffentlich auf, sich zu erklären und den Verdacht durch Vorlegen einer Examens-Urkunde zu widerlegen. Bislang sei darauf keine Reaktion von ihm gekommen.

Interessant ist, dass bisher kein Medium die Vorwürfe aufgegriffen und untersucht hat, obwohl sie Petersen auf youtube öffentlich machte. Interessant wäre auch, ob solche Vorwürfe derart ungehört verhallt wären, wenn es sich bei der Parteien-Konstellation umgekehrt verhalten würde. Also wenn etwa ein AfD-Politiker im Verdacht stünde, einen Studienabschluss vorgetäuscht zu haben und die SPD das thematisieren würde. Wenn jemand 22 Jahre im Bundestag die Politik des Landes mitbestimmt hat und regelmäßig in den Schlagzeilen war, besteht öffentliches Interesse daran, zu wissen, ob er bei seiner Biographie ganz wesentlich betrogen hat oder nicht.


„Für mich besteht kaum mehr ein Zweifel daran, dass Herr Kahrs nicht über ein abgeschlossenes Studium verfügt und in Wirklichkeit gar kein Jurist ist“, sagt Peterson. Kahrs Angaben gegenüber Kommilitonen, er habe ein Examen in Berlin abgelegt, klängen angesichts aller Indizien wie eine Schutzbehauptung, meint die Abgeordnete, die in jungen Jahren mit ihren Eltern aus Russland in die Bundesrepublik auswanderte. Sie forderte Kahrs öffentlich auf, sich zu erklären und den Verdacht durch Vorlegen einer Examens-Urkunde zu widerlegen. Bislang sei darauf keine Reaktion von ihm gekommen.

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