Warum Deutschland der Loch der Weltgemeinschaft ist Als Nettozahler sind wir unersetzlich. Als Partner offenbar nicht der Rede wert.

Dass innenpolitisch so gut wie alles schief läuft, was schief laufen kann, können auch hartgesottene Unterstützer von Friedrich Merz immer schwerer verdrängen. Übrigens muss man solche Leute aufgrund ihrer Fähigkeit zur Realitäts-Resilienz fast schon bewundern – wären die Folgen nicht so verheerend. Viele trösten sich mit der These, Merz sei dafür wenigstens international angesehen.

Pustekuchen!

Heftiger kann eine Ohrfeige kaum ausfallen: Deutschland ist bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat in New York krachend gescheitert. Drei Länder bewarben sich um zwei nichtständige Sitze für die Jahre 2027 und 2028 — Portugal, Österreich und Deutschland. Das Ergebnis: Portugal erhielt 30 Stimmen mehr als Deutschland, Österreich 27. Von einem „engen Rennen“, das die deutsche Delegation bis zuletzt beschworen hatte, war am Ende nichts zu sehen. Außenminister Wadephul sprach von einer „herben Niederlage“ — was für einen CDU-Mann schon bemerkenswert ehrlich ist.

Wir zahlen. Alle anderen lachen

Blamiert hat sich Deutschland nicht nur, weil es verloren hat. Blamiert hat sich Deutschland, weil es gegen zwei EU-Partner verloren hat. Ausgerechnet Österreich und Portugal — keine Weltmächte, keine Schwergewichte der globalen Diplomatie — haben Berlin im Abstimmungskampf vorgeführt. Wobei „Abstimmungskampf“ fast schon zu viel der Ehre ist: Merz und Wadephul dachten offenbar, der Sitz käme von allein, so wie die deutschen Nettobeiträge ins UN-Budget.

Und hier liegt das eigentliche Problem. Als Zahlmeister ist Deutschland unersetzlich. Wir überweisen brav, pünktlich und in beeindruckender Höhe — an die UN, an die EU, an die NATO, an die Ukraine. Doch selbst dieser goldene Dauerauftrag kauft uns keine einzige Stimme in New York. Nicht einmal minimale Gefälligkeit. Wer zahlt, hat bekanntlich das Sagen — außer er heißt Deutschland, dann hat er einfach die Rechnung.

Für diese Rolle gibt es einen Begriff, den ich in meinen Jahren in Russland gelernt habe. Er lautet Loch (лох) — und nein, es ist nicht das, woran Sie jetzt vielleicht denken. Obwohl: ganz falsch liegen Sie damit auch nicht. Im zeitgenössischen Russisch bezeichnet Loch (лох) jemanden, der sich ausnutzen lässt, der immer zahlt, nie Konsequenzen zieht und den man deshalb nicht respektiert — sondern verachtet. Nicht mit Wut, sondern mit jener kühlen Gleichgültigkeit, die weitaus demütigender ist. Der Plural lautet Lochy (лохи).

Brav berichtet, falsch gedacht

Die Medien berichten — manche sogar mit dem Wort „Blamage“. Doch die Kritik bleibt brav systemimmanent: Wadephul hätte mehr reisen sollen, Merz hätte zur Generalversammlung fahren sollen, die Kandidatur hätte „modernere Ideen“ gebraucht — so die Grünen, die offenbar glauben, die Welt wartet auf Deutschlands Gendersternchen-Außenpolitik. Die eigentliche Frage stellt niemand: Warum kauft uns die Rolle eines der größten Nettozahlers nicht einmal Mindestzustimmung? Die Antwort kennen Sie jetzt: Deutschland ist der Loch (лох) der Weltgemeinschaft. Und New York hat das gerade amtlich gemacht.

Aber unsere Medien würden eher den nächsten Correctiv-„Enthüllungsartikel“ über eine AfD-Grillparty in Buxtehude zur Schlagzeile des Tages machen, als das zu thematisieren — wobei mir beim nochmaligen Durchlesen auffiel: Das war als Übertreibung gedacht, ist aber gar keine.

Friedrich Merz wollte Deutschland zur respektierten Weltmacht machen. Johann Wadephul tingelte durch die Hauptstädte, lächelte in die Kameras und verkaufte Zuversicht. Die Welt hat damit nur das getan, was sie mit Lochy (лохи) immer tut: abkassiert und weitergemacht. Merz und Wadephul nennen das „echte Enttäuschung“. Für alle anderen ist es die logische Konsequenz einer Außenpolitik, die gebetsmühlenartig das vor sich herträgt, was sie Haltung nennt — und nicht merkt, dass es in Wirklichkeit längst ein Haltungsschaden ist.

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PS: Noch mehr darüber, wie wir uns weltweit zum Loch (лох) machen:

Bild: Symbolbild/KI/Grok

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