Weihnachtswunder im Landtag – Restaurant wird zur Kantine Eine unglaubliche Corona-Geschichte

Heute Nacht habe ich hier schon geschrieben, wie das Restaurant des Stuttgarter Landtags auf wundersame Weise zur Kantine wurde. Und damit auch in Corona-Zeiten geöffnet bleiben darf – denn Kantinen sind von der Schließung der Gastronomie ausgenommen. Auch mit den Mindestabständen nehmen es besonders Auserwählte, wie die Landtagspräsidentin Muhterem Aras von den Grünen, in der neuen „Kantine“ nicht so genau (siehe hier). Vielleicht wirkt die parlamentarische Immunität ja auch gegen Viren.

Einer meiner vielen aufmerksamen Leser (allen ein herzliches Dankeschön) hat mich nun auf eine faszinierende Fundstelle aufmerksam gemacht: Die Eigenwerbung des früheren Restaurants und der jetzigen Kantine. Sie hat mich so fasziniert, dass ich mich entschloss, daraus einen eigenen kurzen Beitrag zu machen. Denn was inzwischen in „unserem besten Deutschland aller Zeiten“ in Kantinen geboten wird, beweist, dass unsere Republik faktisch ein Schlaraffenland ist, in dem Milch und Honig fließen. Und noch dazu zum Spottpreis – ist das Drei-Gang-Menü in dieser „Kantine“ doch, laut einem Abgeordneten, auch schon unter 10 Euro zu haben. Getränk inklusive.

Wenn das mal kein Weihnachtswunder ist! Auch wenn es schon geraume Zeit vor dem Fest stattfand, denke ich, man darf es noch großzügig mit Weihnachten verknüpfen. Ich bin gespannt, ob viele Leserinnen und Leser ähnliche Kantinen zur Verfügung haben – oder ob sich das Weihnachtswunder nur auf Präsidenten, Abgeordnete und Mitarbeiter des Stuttgarter Landtags erstreckt.

Aber jetzt endlich die Eigenbeschreibung der „Kantine“ – lassen Sie sich das Wasser im Munde zusammenlaufen!

Kulinarische Komplimente im Herzen unserer Landeshauptstadt

An diesem besonderen Standort liegt unser modernes Restaurant, in dem Sie sofort nach Betreten eine herzlich einladende Atmosphäre verspüren können.
Hier freut man sich über Ihren Besuch, hier sind Sie herzlich willkommen.
Das elegante und zugleich schlichte Design in unserem unverkennbar kreativen Stil verbreitet einen Charme, bei dem man sich sofort wohlfühlt.
Unser Team lebt dabei ein einzigartiges Konzept, ein gelungenes Zusammenspiel aller Beteiligten, damit für Sie als Gast das perfekte Erlebnis geschaffen wird.
Neben unserem großzügigen Restaurant mit Panoramafenstern können Sie in den wärmeren Monaten auch gerne entspannte Stunden auf unserer Terrasse verbringen.
Hier profitieren Sie vom faszinierenden Blick auf den schönen oberen Schlossgarten, der eine idyllische Atmosphäre schafft.
Wir freuen uns darauf, Sie bei uns herzlich willkommen zu heißen!

Ein gastronomisches Erlebnis

Unser kulinarischer Stil ist einfach und außergewöhnlich zugleich und beschreibt sich als urban regionale Küche. Genießen Sie hier modern interpretierte Klassiker, die aus sorgfältig ausgewählten Produkten liebevoll zubereitet werden.
Dabei legen wir großen Wert auf saisonal abgestimmte Zutaten aus regionaler Umgebung und achten besonders auf Frische, Aroma und ausgezeichnete Qualität.
Durch unsere kreativen und innovativen Ideen, sowie einer ansprechenden Präsentation der Speisen, unterbreiten wir Ihnen Ihr persönliches kulinarisches Kompliment.
Genießen Sie zur Mittagszeit auch gerne unser exklusives, wöchentlich wechselndes Mittagsmenü!
Dabei erhalten Sie von Montag bis Freitag im Zeitraum von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr eines von vier individuell zusammengestellten Hauptgerichten, inklusive eines knackigen Salats oder einer leckeren Suppe.
Das alles zu einem Preis von 7,95€ bis 12,95€.
Einen Einblick in die aktuelle Speise- und Getränkekarte des Restaurant Plenum sowie unseren Mittagstisch erhalten Sie durch die untenstehenden Links, saisonale Änderungen sind selbstverständlich vorbehalten.

Und hier noch eine Bewertung von TripAdvisor – aus Zeiten, als das Restaurant noch Restaurant war und noch keine Kantine:

Der schönste Platz in der Stuttgarter Innenstadt und dazu top Essen und bester charmanter Service. Bin jetzt öfter hintereinander dort gewesen und wurde immer perfekt bedient. Von Jakobsmuscheln über Wolfsbarsch bis zu Trüffelpommes schmeckte alles und war sehr liebevoll angerichtet. Die Speisen waren alle zauberschön angerichtet und es war jedes mal sehr sehr lecker. Die Gerichte waren von klassisch bis Gourmet und dabei an Frische nicht zu übertreffen. Die Pfifferlingsuppe mit Blätterteighaube, Jakobsmuscheln, Berliner Leber, Salat, waren gestern wieder mal sehr lecker. Auch Aperol und Hugo, sowie Rose – alles perfekt! … Leider gab es gestern nicht das Schokoküchlein mit warmen, flüssigen Kern, dafür hatten wir dann halt eine „ Marille“ in flüssiger Form zum runden Abschluss … Besonders empfehlenswert Fischgerichte! Zander und Dorade waren phantastisch. Schön kross gebraten und rafiniert gewürzt. Die Vorspeise (Rote Beete mit Ziegenfrischkäse) ebenfalls ein besonderer Genuss. Sowohl geschmacklich wie auch optisch alles top. Die Weißweine waren perfekt gekühlt. Auch die Trüffelbutter mit knackfrischem Brot, die vorab gereicht wurde, war sehr lecker. … Auch die Cocktails sind empfehlenswert. … Für uns eines der besten Restaurants im Herzen Stuttgarts.

So sehen im Corona-Zeitalter „Kantinen“ aus. Für Auserwählte. Oder genauer gesagt: Gewählte.

PS.: Ich habe an den Landtag selbst am 20.12. eine Presseanfrage gestellt zu der wundersamen Verwandlung. Eine Antwort habe ich nicht erhalten. Die Zeiten, in denen öffentliche Einrichtungen es noch für nötig hielten, den Medien Rede und Antwort zu stehen, sind offenbar vorbei – denn leider mache ich solche Erfahrungen inzwischen oft.


Bild: BorisK9/Shutterstock
Text: br


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Stixi
2 Monate zuvor

Was ist mit den „Kantinen“ der systemrelevanten Lkw-Fahrer. Sie sollen ihre Pausen und Ruhezeiten nicht im Lkw verbringen, aber in Raststätten dürfen sie sich auch nicht mehr reinsetzen. So geht man jetzt mit systemrelevanten Menschen um.
Meine Frau ist Krankenschwester im Aussendienst. Bisher hat sie sich schnell wo was zu essen geholt und sich vorher die Hände gewaschen (was bei medizinischem Personal schon immer ganz normal war). Jetzt kann sie sich zwar noch was zu essen holen aber weder auf die Toilette gehen, noch Hände waschen.
Wenn die systemrelevanten Arbeiter sich endlich mal ordentlich organisieren würden, dann würde es solche Schweinereien nicht geben oder die „Landtagskantine“ hätte keine Ware mehr und die Abgeordneten können sich morgens ein Pausenbrot schmieren. Dann würde man tatsächlich mal merken, wer Systemrelevant ist.

Hein Noog
2 Monate zuvor

Dieser Coup konnte ja wohl nicht ohne das Einverständnis der Landtagspräsidentin Muhterem Aras von den Grünen durchgeführt werden. Die meist gutsituierten Porsche fahrenden Grünenwähler werden das als clevere Aktion sehen, ähnlich einem Steuersparmodell, und diesem Pack weiter mit Freude ihre Stimme geben. Ach ja diese Muhterem Aras ist ja Steuerberaterin und kennt sich mit solchen Dingen zur Genüge aus, möchte nicht wissen, wer zu deren Klienten gehört.

 

Hein Noog
Antwort an  Hein Noog
2 Monate zuvor

Ich hoffe mal, die AfD war so klug, und hat dieses Kantine, äh dieses Etablissements gemieden, da sich ja von den Blockparteien sowieso niemand mit den Schwefelbuben und -mädels an einen Tisch setzen will, das hätte ja auch unabsehbare Folgen.

Kommentator
2 Monate zuvor

Ich hoffe, dass diese Dinge ein Nachspiel haben werden.

Andreas Stueve
2 Monate zuvor

Lieber Herr Reitschuster, reicht es nicht, einfach von “ Lesern“ zu schreiben? Haben Sie sich etwa auf der BPK  mit dem Gendervirus infiziert? Sicher ist das in Ihrem Falle ein Nebenkriegsschauplatz. Aber wie sagen die Guten, die Bunten, die Gleichen immer? „Wehret den Anfängen“ .

Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.

Silverager
Antwort an  Andreas Stueve
2 Monate zuvor

Ja, diese alberne Getue mit „Leserinnen und Lesern“ oder „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ (was sich beim Sprechen immer anhört wie „Liebe Mitarbeiter und Mitarbeiter“) ist entsetzlich nervig. Wir haben in der deutschen Sprache ein generisches Maskulinum, das das männliche und weibliche Geschlecht umfasst. Das weiß natürlich auch Herr Reitschuster. Aber so’n bisschen Anbiedern ans Gendern muss wohl sein.

GT
2 Monate zuvor

In Frankreich gibt es eine ähnliche Geschichte mit einem 10 Personen Essen gemeinsam mit Präsident Macron, der ja jetzt Coronakrank ist. Dieses wurde als Arbeitsessen getarnt.

Zwei Verbände beschlossen, nach dem inoffiziellen Abendessen, das zwischen 10 und 12 Personen um Emmanuel Macron versammelte, darunter Mehrheitsführer und Ratsmitglieder, eine Beschwerde einzureichen.

Fabrice Di Vizio sagte, dass „die Politiker am 16. Dezember an einem langen Abendessen über nicht dringende Themen teilgenommen haben und damit die seit dem Vortag geltende Ausgangssperre verletzt haben. Dies ist umso schwerwiegender, als der Präsident der Republik am nächsten Tag in Covid positiv getestet wurde.“

D.B.
2 Monate zuvor

Ja. Eine Kantine sieht anders aus. Kann ich aus eigener Erfahrung als „Verpflegungsteilnehmer“ in diversen Bw-Kantinen sagen. Und die Preise sind sagenhaft. Der Tagesverpflegungssatz eines Soldaten liegt bei roundabout 8 € ( bin grad nicht ganz sicher). Selbst Offiziere im Marinekommando müssen sich Messer und Gabel selbst nehmen und sich dann an einen Tisch ohne Tischdecke und Kristallgläser setzen. Was mag wohl passieren, wenn so ein Abgeordneter mal in der Werkskantine von Thyssen-Krupp dinieren muss? Krokodiltränen? Anzeige? Dekadenter Haufen…

Manfred T.
2 Monate zuvor

Orwell lässt grüßen: Manche sind halt gleicher!

Erinnert mich sehr an Wandlitz. DDR 2.0!

Ach ja, und nicht vergessen, immer schön wiederwählen ihr Dummländer!

Chursachse
2 Monate zuvor

Anderswo genauso. In den USA Friseure zu, aber Nancy Pelosi wird frisch kunstvoll frisiert gesehen ..

Petra Stüben
Antwort an  Chursachse
2 Monate zuvor

Rewe hilft mir gerade, auf sämtliche Ihrer Produkte Verzicht zu lernen. Ich kaufe niemals mit Einkaufswagen ein- und Rewe will mir in Form der Sicherheitswächte unbedingt einen aufdrücken.  Zwei von drei Chancen sich Menschliche zu verhalten, haben sie bereits vertan. Gegenüüber ist ein kleiner Bauernmarkt.

michel
Antwort an  Petra Stüben
2 Monate zuvor

ja, rewe liegt da ganz klar und weit abgeschlagen vorne, vor allem, wen wunderts, diese strunzdämliche vollindoktrinierte jugend im vorauseilenden gehorsam. da ist mir neulich auch der kragen geplatz, nachdem mir erst 5x der selbe, dann der depp an der einen und die trulla auf der anderen seite gesagt bzw gebeten haben, meine maske richtig aufzusetzen, da ich diese nur über den mund trage.

 

aber den vogel hat eine grosse drogeriekette abgeschossen, wo man meiner mom mit rollator den einkauf verweigert hat, weil sie damit halt keinen korb mitnehmen kann, vom leiter direkt! den clown werd ich bei meinem nächsten besuch mal zur brust nehmen und ihm klar machen, dass wenn das nochmal passiert er ein paar tage zu hause wird bleiben müssen.
ich bin absoluter pazifist, wie mandela, der aber auch entgegen der schwachsinnigen meinung gewalt sie keine lösung, dies als letzten schritt sah wenn alles andere chronisch scheitert.

Johannes Schumann
Antwort an  Chursachse
2 Monate zuvor

War doch bei uns im ersten Lockdown auch so. Alle Politiker tipptopp frisiert.

Tabascoman
2 Monate zuvor

Völlig normal bei Politikern. Hier das Beispiel Landtag BaWü.

Der Berliner Landtag, (das Abgeordnetenhaus von Berlin) erhöhte sich seine Diäten schon am Jahresanfang 2020 um 58 %. Was sich natürlich auch auf die Altersversorgung auswirkt.

Dafür stimmten alle Altparteien, dagegen nur die AfD.

Als fern(seh)gesteuerter Wähler  muß ich mal bei ARD & ZDF nachfragen, was ich wählen darf.

 

Peter Schreiber
2 Monate zuvor

Passt eigentlich nicht hierher vom Thema her, aber, weil hier mehrmals von Verarschung und „Belügung“ in den Kommentaren die Rede war, und weil es mir fast wie ein Weihnachtswunder in der Berichterstattung unserer oft gescholtenen Mainstreammedien vorkommt, hier der Text zu einer Nachricht, die gestern am 22.12. im SR Fernsehen in der Sendung AKTUELLER BERICHT zu sehen war:

„Guten Abend. Die Krankenhäuser im Saarland warnen vor einer Überbelegung mit positiv Corona-Getesteten, aber symptomfreien hochbetagten Patienten. Nach Angaben der saarländischen Krankenhausgesellschaft mussten Kliniken wegen dieser Patienten in den vergangenen Wochen Stationen leerräumen, um diese in Isolierstationen umzuwandeln. Als Grund nannte die Krankenhausgesellschaft, dass sich Senioreneinrichtungen vermehrt weigerten, corona-positive symptomfreie Patienten wieder aufzunehmen. Die Krankenhäuser appellieren an die Einrichtungen, die Bewohner wieder aufzunehmen.“ Jetzt nennen die tatsächlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen der wahren Gründe, warum unsere Krankenhäuser so voll sind. Und an welchen Patienten der hohe Aufwand einer corona-bedingten Pflege ausgeübt wird bzw. werden muss.  Keine Verarschung und Verlogenheit beim saarländischen Rundfunk. Überbelegung! Corona! Positiv! Symptomfrei! Isolierstation! Wenn eine so offene Berichterstattung kein Weihnachtswunder ist, was dann! Gefunden habe ich das auf der empfehlenswerten Seite http://www.corodok.de. Dort kann man sich auch das Video dazu anschauen.