Wie erschaffe ich einen Corona-Hotspot Tipps für einen schleichenden, verdeckten, lokalen Lockdown

„Angela Merkel: drastischer Corona-Alarm“ – diese Schlagzeile ging gestern durch die deutsche Medienlandschaft: „Nach Schock-Zahlen! Merkel warnt vor 19.000 Infektionen täglich“. Woher genau die Kanzlerin diese Zahlen hat, war zumindest in den von mir gelesenen Beiträgen nicht zu ersehen. Es war nur die Rede von „Hochrechnungen“. Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen zwar einen Anstieg der positiven Testergebnisse – von dem Alarmismus, den Merkel verbreitet, ist im aktuellen Tagesbericht des RKI aber nicht die Rede. Da heißt es nur: „Nach einer vorübergehenden Stabilisierung der Fallzahlen auf einem erhöhten Niveau ist aktuell ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher muss die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet werden.“ Also kein „drastischer Corona-Alarm“, wie die Medien Merkel zitieren.

Wie relativ die Fallzahlen sind, und wie man sie durchaus kritisch hinterfragen kann, zeigt ein Brief einer Leserin aus Würzburg – den ich für so interessant halte, dass ich ihn heute hier veröffentlichen möchte:


Sehr geehrter Herr Reitschuster,

wie Sie sicherlich gehört haben, ist Würzburg ein Corona Hotspot. Was Sie vielleicht nicht wissen, ist das Ausmaß, mit dem hier getestet wurde. Auch nach intensiven Versuchen, in Erfahrung zu bringen, wie hoch eigentlich die tägliche bzw. wöchentliche Anzahl der Tests für die Stadt Würzburg ist und war, ist es weder mir noch einer Journalistin gelungen, dies schriftlich in Erfahrung zu bringen. Wir hätten gerne den Verlauf der Positiven-Quote gesehen, da der Verdacht naheliegt, dass die positiven Fälle lediglich das Rauschen der Fehlertoleranz abbilden. Immerhin haben wir mittlerweile eine mündliche Aussage, dass in der letzten Woche an einem Tag sogar 2900 Tests stattgefunden haben. An einem einzigen Tag! Die Anzahl der Test-Positiven wird allerdings in keinster Weise ins Verhältnis zu der Test-Anzahl gesetzt. Auch ist nicht ersichtlich, ob bei Mehrfachtestung diese Zahl ebenfalls zu den Testergebnissen dazu gezählt wurde. So dass wir teilweise eine 7-Tagesinzidenz von mehr als 70 hatten. Und daraus folgten dann unzumutbare Maßnahmen. Würzburg wurde zum Risikogebiet und Hotspot mit zusätzlichen Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte.

Persönlich betroffen bin ich davon, da meine 14-jährige Tochter mittlerweile im Schulbus, auf dem Weg zur Schule, im Schulgelände, während des gesamten Unterrichts, sogar während des Sportunterrichts, in der Pause, auf dem Rückweg im Bus nach Hause, d.h. an manchen Tagen bis um 16:30 Uhr ununterbrochen die Maske tragen muss. Es ist nicht gestattet, die Maske von der Nase herunterzuziehen, auch wird ein Attest nicht anerkannt. Hierzu gibt es sogar ein Gerichtsurteil. Auf einem Attest muss nun auch noch eine Diagnose stehen, obwohl dies gesetzlich nicht erlaubt ist (§ 203 Verletzung von Privatgeheimnissen), (https://www.nordbayern.de/politik/gericht-attest-gegen-maskenpflicht-an-schulen-nur-mit-dia gnose-1.10440802).

Diese Maßnahmen werden aufrecht erhalten, obwohl die so genannte Inzidenz mittlerweile unter 40 gesunken ist. Kinder mit Attest dürfen in unserer Schule den Unterricht nicht mehr besuchen, wenn sie keine Maske tragen. Wenn man so massiv testet, ist es gar nicht möglich, eine sieben-Tagesinzidenz von unter 35 zu erreichen.

Ich schreibe Ihnen, weil wir bei allen Verantwortlichen in Würzburg abprallen, abgespeist werden mit untransparenten Zahlen und ungerne auf dieser Ohnmacht sitzen bleiben würden. Vielleicht ist das Thema Hotspot einen Artikel für ihre Seite wert, beispielhaft auch für andere Hotspots, um aufzudecken, was eigentlich wirklich geschieht.

Da bei uns in Würzburg auch viele Schulklassen getestet werden sollen, auch Kindergärten, und auch sehr viel Werbung dafür gemacht wird, dass sich Lehrer testen lassen, befürchte ich einen Missbrauch von Zahlen aufgrund der Fehlertoleranz. Mit Sorge blicke ich auf den Herbst und den Winter, und frage mich, was geschehen wird, wenn weiterhin so massiv getestet wird wie bisher. Müssen dann unsere Kinder weiterhin im Unterricht Masken tragen? Was ist mit den Langzeitfolgen? Sauerstoffmangel hat verheerende neurologische Folgen, die teilweise erst in der Zukunft sichtbar werden*. Des weiteren kostet uns das Millionen von Steuergeldern. Was mich auch sprachlos macht, ist, dass ständig als Vorwand genommen wird, dass das Feiern von jungen Menschen verantwortlich für die Entwicklung des Hotspots sein soll.

Wie erschafft man einen Corona-Hotspot? Oder wie erschafft man einen schleichenden verdeckten Lockdown?

Könnte es sein, dass dabei folgende Punkte maßgeblich waren?

Mit freundlichen Grüßen

XX XX (Ich möchte bitte anonym bleiben)


Die Identität der Absenderin ist mir bekannt. Sie schickte noch ein umfangreiches Verzeichnis mit Quellen, das ich unten anfüge.

*) Hinweis: Ein befreundeter Arzt machte mich darauf aufmerksam, dass es nach seiner Kenntnis keine Belege für einen Abfall der Sauerstoff-Sättigung im Blut durch so genannte „Alltagsmasken“ und OP-Masken gibt, von der in dem Brief die Rede ist. Ich bin kein Mediziner und kann das nicht beurteilen. Ich halte es aber für wichtig, hier auch den konträren Standpunkt darzustellen. Unter anderem gibt es eine Dissertation an der Technischen Universität München/ Klinikum rechts der Isar von 2004. Sie kommt bei OP-Masken zu dem Schluss, dass die CO2-Konzentration im Blut ansteige, der Sauerstoffgehalt aber nicht sinke (siehe hier). Kritiker sagen, dieser Wissensstand sei veraltet, weil die heutigen Masken den CO2-Gehalt nicht mehr steigen ließen, da sie durchlässiger sind. Ich freue mich auf fundierte Hinweise und Verweise auf Fachliteratur/Studien.

 

Bild: [email protected]/Shutterstock Mikhail Markovskiy/Shutterstock bearbeitet von Ekaterina Quehl
Text: br


Hier noch die oben angekündigten Quellen, die mir die Leserin schickte:

Bayerns Alarmglocken schrillen schon ab 35 Neuinfektionen am 19.05.2020 um 17:29 Uhr.

Corona im Raum Würzburg: „Höchstwert überschritten – immer mehr Infektionen“

Corona-Hotspot: Würzburg verschärft Kontaktbeschränkungen:
„850 Tests, weil eine Lehrerin positiv getestet wurde“

„…Gymnasium muss wegen Corona-Fällen schließen…“
„Nun müssen vorerst alle Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben. 850 Personen werden nun getestet. Dafür wird auf dem Parkplatz des Würzburger Dallenbergbades ein mobiles Testzentrum errichtet….“
„…Feierverbot auf öffentlichen Plätzen…
Das Feiern auf öffentlichen Plätzen und Anlagen wird nun unabhängig von den anwesenden Personen untersagt. Bei einem Verstoß gegen die Auflagen könne ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro verhängt werden.“

Wegen steigender Corona-Zahlen in Würzburg: Alkoholverbot ab 22 Uhr:
„Des Weiteren wurden die Kontaktbeschränkungen verschärft (im öffentlichen Raum dürfen nur noch Gruppen mit maximal fünf Personen unterwegs sein) und die zulässigen Teilnehmerzahlen bei Privatfeiern reduziert. Angesichts der vielen infizierten Reiserückkehrer dürfen außerdem aus Risikogebieten gekommene Personen ihre häusliche Quarantäne erst verlassen, wenn innerhalb von fünf bis sieben Tagen ein zweiter Corona-Test mit negativem Ergebnis stattgefunden hat.“

Wie Würzburg zum Corona-Hotspot Nummer 1 in Deutschland wurde  (geht leider nur mit Abo)

Warum hat Würzburg immer wieder so hohe Corona-Infektionszahlen? (auch nur mit Abo)

„Verschiedene temporäre Einschränkungen für Würzburg erlassen: Mittlerweile wurde der Ausschank von Alkohol auf der Alten Mainbrücke wieder eingeschränkt. Auch am kommenden Wochenende herrscht hier wieder ein Alkoholverbot ab 16 Uhr bis 6 Uhr am Folgetag. Außerdem ist im Bereich der Innenstadt sowie im Mainviertel bis zur Talavera ab 22 Uhr die Gastronomie dicht. Am Mainufer gilt darüber hinaus ein Alkoholverbot.“ Quelle hier.

Corona im Raum Würzburg: „Höchstwert überschritten – immer mehr Infektionen
Trotz verschärfter Corona-Maßnahmen steigen die Fallzahlen in der Region Würzburg weiter an. Der 7-Tage-Inzidenz für die Stadt liegt immer noch deutlich über dem Höchstwert. Alle aktuellen Informationen im Überblick.“  Quelle hier.

Gericht: Attest gegen Maskenpflicht an Schulen nur mit Diagnose
In Bayerns Schulen müssen Schüler wie Lehrer eine Maske tragen – 17.09.2020 14:54 Uhr: „WÜRZBURG – Ein simpler Satz ohne jegliche Diagnose auf einem ärztlichen Attest reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche von der Maskenpflicht in den Schulen zu befreien.

Das hat nun ein Gericht entschieden. Einer der Gründe: Sonst bestehe die Gefahr von Gefälligkeitsattesten. … In Bayerns Schulen müssen Schüler wie Lehrer auf dem gesamten Gelände eine Maske tragen, also etwa auch in der Pause oder auf dem Weg zur Toilette. In den ersten neun Tagen des Schuljahres galt die Pflicht wegen der Reiserückkehrer zudem auch im Unterricht – ausgenommen davon waren allerdings die Grundschüler.“

„…Würzburg ist aktuell einer der Schwerpunkte der Pandemie in Bayern. … Nach den jüngsten Daten vom Mittwoch lag der Inzidenzwert bei 75.“

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Aktuelle Positiven-Quote: 0,80 Prozent am 24.9.2020

 

 

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