Meine große Hoffnung ist, dass ich mich irre mit diesem Text. Dass nicht ich recht habe, sondern mein Freund und Kollege Klaus Kelle. Der hat in seinem Gastbeitrag, den ich gestern hier veröffentlicht habe, die These vertreten, dass es nur eine von vielen Krisen ist, die Deutschland aktuell durchlebt. Seine Grundbotschaft: Nicht verzagen, es wird schon wieder.
So sehr mein Herz ihm zustimmen möchte – so sehr sträubt sich mein Verstand. Aber weil ich mich im Gegensatz zur Mehrheit der Branche nicht für unfehlbar halte und Sie nicht (um-)erziehen, sondern informieren möchte, habe ich mich entschlossen, den Text von Klaus zu veröffentlichen (hier). Und Sie dann mit meiner, abweichenden Meinung zu konfrontieren. So muss in meinen Augen echter Journalismus aussehen. Und dass dies bei den großen Medien inzwischen undenkbar wäre, zeigt, wie verkommen sie sind – oder können Sie sich dort einen Gastbeitrag von Klaus Kelle, Vera Lengsfeld oder mir vorstellen?
Aber nun zum Thema. Warum glaube ich, dass wir es nicht nur mit einer von vielen Krisen zu tun haben, sondern mit einem beispiellosen Abstieg?
Weil diesmal etwas anders ist. Grundlegend anders. Frühere Krisen kamen von außen: ein plötzlicher Ölpreisschock, eine geplatzte Spekulationsblase, ein Finanzsystem, das auf Sand gebaut war. Was wir heute erleben, ist hausgemacht. Kein Tsunami, der uns traf – sondern ein schleichendes Ersaufen im eigenen Sumpf. Politikversagen, über Jahre akkumuliert. Selbstsabotage im Namen der Moral. Und eine Gesellschaft, die sich eingerichtet hat im kollektiven Realitätsverlust.
Diese Krise ist nicht einfach eine weitere Station im Auf und Ab der Geschichte. Sie ist eine tektonische Verschiebung – weil sie nicht aus einem Fehler besteht, sondern aus einem System aus Fehlern. Weil sie nicht zu einer Kurskorrektur führt, sondern zu einer Normalisierung des Irrsinns.
Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die das Produzieren nicht mehr versteht, aber das Regulieren perfektioniert hat. Mit Medien, die sich selbst für Hüter der Wahrheit halten – und gerade deshalb unfähig sind, sie zu erkennen. Mit Bürgern, die ausgebrannt sind von der permanenten Volkserziehung – und sich trotzdem jeden Tag neu anpassen, um bloß nicht aufzufallen.
Und genau deshalb irrt Klaus Kelle. Weil er davon ausgeht, dass dieses Land sich noch einmal aufrappelt. Dass irgendwo im Inneren noch die Kraft sitzt, sich gegen den Irrweg zu stemmen. Ich fürchte, die Kraft ist nicht mehr da. Sie wurde in Talkshows verprasst, in Klima-Ablasshandel verkauft und mit den letzten Dieselprämien abgespeist.
Wer jetzt noch von einer „normalen Krise“ spricht, verkennt das Neue an diesem Niedergang: Er ist nicht mehr aufhaltsam durch ein Konjunkturprogramm oder ein paar Leuchtturm-Investitionen. Er ist psychologisch verankert. Er ist gewollt, herbeigeführt – und wird von einer Elite verwaltet, die sich auf dem Trümmerfeld ihrer eigenen Ideologie eingerichtet hat.
Was uns hier lähmt, ist nicht ein Mangel an Potenzial. Es ist die gezielte Umverteilung von Verantwortung auf Behörden, Gremien, Kommissionen, „Expertengruppen“. Niemand entscheidet mehr. Jeder moderiert. Deutschland gleicht inzwischen einem Konzern, dessen Vorstand bei Twitter sitzt und dessen Produktionshallen stillgelegt sind – weil irgendein ESG-Ausschuss gerade beschlossen hat, dass Maschinen „toxisch männlich“ wirken.
Wir sind nicht gefallen – wir haben uns niedergelegt. Und man hat der Mehrheit eingeredet, dieses Liegen sei der neue Normalzustand, es sei genau das, was wir brauchen, was moralisch überlegen ist. Früher hätten wir versucht, aufzustehen. Heute reden wir uns das Liegen schön und klatschen denjenigen Beifall, die uns zu Fall gebracht haben. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Aus Sorge, jemanden zu diskriminieren. Aus Überzeugung, dass Fortschritt heute bedeutet, Dinge abzuschaffen: den Verbrenner, die Familie, die Sprache, das Denken.
Früher hat man sich aus Krisen gearbeitet. Heute arbeitet man sich aus der Realität.
Die Schulen? In Teilen unbeschulbar. Die Verwaltung? In Teilen unauffindbar und sich wegduckend, in anderen übermächtig und schikanös. Der Mittelstand? In Teilen unversicherbar. Die Polizei? In Teilen machtlos und nur noch auf politische Korrektheit getrimmt, in anderen, wie bei Corona-Protesten, brutal. Und die Medien? In großen Teilen unlesbar, weil völlig auf Ideologie- und Umerziehungs-Kurs.
Und immer noch höre ich die Beschwichtigungen: „Ja, wir haben Probleme, aber das packen wir schon.“ Nein. Wir haben nicht einfach „Probleme“. Wir haben eine Selbstauflösung.
Eine Regierung, die Industrien abschaltet, bevor Alternativen da sind. Ein Bildungssystem, das mehr auf „Wohlfühlen“ setzt als auf Leistung. Eine Energiepolitik, die auf Sonne und Wind in einem Land ohne Sonne und Wind hofft. Ein Staatsapparat, der Meinungen bekämpft statt Missstände. Und eine Öffentlichkeit, die sich daran gewöhnt hat, dass der Irrsinn die Norm ist.
Klaus Kelle schreibt, dass viele Deutsche beim Diesel bleiben. Vielleicht ist das der Schlüssel. Vielleicht halten sie am Diesel fest, weil er das letzte Stück Verlässlichkeit ist in einem Land, das ansonsten alles preisgibt. Weil er noch funktioniert, wo der Rest der Republik längst stillsteht.
Vielleicht ist der Diesel der letzte Beweis, dass Deutschland einmal ein Land war, in dem Technik, Verstand und Realitätssinn zählten.
Und wenn das so ist, dann ist der Diesel nicht nur ein Antrieb.
Sondern ein Denkmal.
Und zum Schluss frage ich mich, warum Klaus Kelle doch noch so optimistisch ist und ich es nicht bin. Warum er hoffen kann und ich nicht. Ich denke, es hat biografische Gründe. Klaus hat nie einen Zusammenbruch eines Staates, einer Wirtschaft und einer Gesellschaft selbst erlebt. Und wer das nie erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen. Wer es dagegen erlebt hat – wie meine Großmutter zweimal in Deutschland und ich in jungen Jahren als Gaststudent in Russland von 1990 bis 1994 – der wird es nie vergessen. Der eine glaubt, es kann nie kommen; der andere ist sich sicher: Es wird wiederkommen. Hoffentlich bin ich der, der irrt.
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