Ex-ZDF-Mann: Ich schäme mich für meinen Sender Fünf Lügen, null Konsequenzen — ein Insider zieht die Bilanz

Von 1999 bis Ende 2009 arbeitete Thorsten Alsleben beim ZDF, die letzten neun Jahre im Berliner Hauptstadtstudio. Jetzt schreibt er, dass er sich für seinen früheren Sender schämt.

Er schreibt das, was für Sie, wenn Sie hier lesen, nichts Neues ist, für jemanden, der aus dem System kommt, aber revolutionär: Seit meinem Ausscheiden „beobachte ich einen schleichenden Prozess weg von klassisch öffentlich-rechtlicher Berichterstattung hin zu einem Meinungs- und Haltungsjournalismus. Nicht bei allen, aber in der Tendenz doch immer stärker. In der Konsequenz führt das immer häufiger dazu, dass Haltung und die daraus resultierende Botschaft wichtiger sind als die Wahrheit.“

Er führt in einem Gastbeitrag auf „Focus Online“ fünf vernichtende Beispiele für Fehler des ZDF auf:
  • Schönbohm (2022): Böhmermann suggeriert russische Verbindungen des BSI-Chefs — falsch, wie zwei Gerichte feststellten. Schönbohm verliert seinen Job. ZDF nennt es bis heute „Satire“.
  • Theveßen (2025): ZDF-Korrespondent behauptet bei Lanz, Charlie Kirk habe zur Steinigung Homosexueller aufgerufen — das Gegenteil war wahr. Korrektur erst nach anhaltendem Druck.
  • KI-Fakes (2026): Das „Heute Journal“ schneidet KI-generierte Bilder als reale Szenen in einen ICE-Beitrag. Zwei Manipulationen, zwei Tage Zögern, eine abberufene Korrespondentin.
  • Ramadan/Logo (2026): Kindersendung kombiniert unkritisches Islam-Lob mit einseitig negativer Kirchendarstellung. Entschuldigung des Intendanten: zwei Monate später. Richtigstellung in der Sendung selbst: nie.
  • Musk/Belfast (2026): Moderatorin behauptet, Musk habe zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen — glatte Lüge. Folge: Klage.

Fünf Fälle, ein Muster: Fehler passieren, Korrekturen kommen nur unter Druck, Konsequenzen gibt es keine.

Die vernichtende Diagnose des Ex-ZDF-Manns: „Sehr unterschiedliche Fälle, aber alle eint, dass sie Verletzungen der Programmgrundsätze beinhalten, und dass sie kaum versehentlich passiert sein können. Sondern dass vieles dafürspricht, dass sie bewusst über den Sender gegangen sind. In allen Fällen hat das ZDF erst auf öffentliche Kritik hin (teilweise auch erst nach langer Zeit und harter Kritik) die Fehler zugegeben, meist halbherzig. Korrekturen in den Sendungen selbst erfolgten fast nie. Alle beteiligten Personen sind nach wie vor programmverantwortlich tätig.“

Wahrheit nicht mehr vorrangig

Das Fazit von Alsleben: „Ein klares Führungsversagen“. Und er hält es nicht für Zufall: „Es scheint so, als ob ausgerechnet die ZDF-Führung – Intendant und Direktoren – diese Grenzverschiebung wollen oder mindestens achselzuckend hinnehmen: weg von wahrheitsgemäßer Sachdarstellung hin zum ideologisch motivierten Haltungsjournalismus, bei dem die Botschaft wichtiger ist als die Wahrheit.“

Sein bitterer Schluss: Wenn das ZDF nicht umsteuert, wird es zum Gefährder der Demokratie: „Bis dahin schäme ich mich für meinen früheren Arbeitgeber.“

Diese Kritik kommt Ihnen und mir natürlich zahm vor. Aber unser Standpunkt verwischt etwas den Blick. Denn Alsleben schreibt das nicht als Außenstehender, der dem System schon immer misstraut hat — sondern als jemand, der es von innen kannte, der stolz darauf war, und der sich jetzt gezwungen sieht, diesen Stolz öffentlich zu begraben. Das ist mehr als nur ein Angriff. Es ist ein Zeugnis. Und zwar ein vernichtendes. Und besonders wichtig: Zeugnisse dieser Art kommen jetzt immer öfter: Vor wenigen Tagen war es der aktive NDR-Redakteur Sebastian Eberle — noch im System, noch im Dienst — der öffentlich gegen ZDF-Kollegen schoss: „So können und so dürfen wir nicht arbeiten.“

2025 schrieb Alexander Teske, sechs Jahre lang Tagesschau-Redakteur, ein ganzes Buch, in dem er über die Missstände bei der ARD aufklärte — so lautstark, dass der Sender sogar eine Klage dagegen erwog.

Insider berichten, dass in den Vorstandsetagen die nackte Angst umgeht – sollte die AfD bei den Wahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen, könnte das der Anfang vom Ende des öffentlich-rechtlichen Pfründesystems sein. Denn wenn auch nur ein Bundesland den Medienstaatsvertrag aufkündigt, wird es eng für die Anstalten. Im Dezember 2025 scheiterte die AfD im Magdeburger Landtag noch mit genau diesem Antrag — 16 zu 66 Stimmen. Die anderen Parteien haben – rund sechs Monate vor dem Urnengang – hastig ein „Resilienzgesetz“ zusammengestrickt, das die Kündigung erschweren soll – quasi eine Entmündigung der Wähler vor dem Wahltag. Ob das hält, ist juristisch umstritten. Die AfD steht in Umfragen bei 40 Prozent, und dank Fünf-Prozent-Hürde könnte das schon für eine Mehrheit im Landtag reichen, wenn genügend Parteien an der Hürde scheitern.

Aus Mainz tönt derweil  Pfeifen im Wald. Schauspieler Marcus Mittermeier, der beim ZDF spielt, kommentierte die Musk-Klage gegen seinen Sender auf X mit den Worten: „Was für eine Heulsuse, der Musk.“ Was er nicht erklärte: warum sein Sender gelogen hat. Stattdessen die gewohnte Formel: „Rechte wollen Meinungsfreiheit, meinen aber ausschließlich ihre eigene Meinung.“ Mittermeier hat den Reflex der selbsternannten „Haltungs“-Elite damit präzise auf den Punkt gebracht. Mein Kommentar dazu auf X: „Wenn Nicht-Linke gegen Lügen vorgehen: Heulsusen. Wenn Linke andere Meinungen verbieten wollen: Mutige Kämpfer gegen Rechts. Des nennen sie dann Haltung. Dabei ist es nur Körperspannung. Wenn überhaupt.“

Nichts mehr zu machen

Mittermeiers Binnenblick ist ein Beleg dafür, dass dieses System nicht mehr reformierbar ist – dazu ist die ideologische und intellektuelle Inzucht in den Anstalten zu massiv – wenn man das Wort „intellektuell“ in diesem Zusammenhang überhaupt verwenden kann. Was als demokratische Institution gedacht war, ist zur Wagenburg einer Weltsicht geworden, die auf totalitärem Denken fußt, einen Wahrheitsanspruch hat und alle Andersdenkenden als Problem wahrnimmt und als Subjekte, die man umerziehen muss. Dass ausgerechnet diese Andersdenkenden dieses Propaganda-System mit Zwangsgebühren finanzieren müssen – das ist so perfide, dass wohl manche autoritären Herrscher Deutschland darum beneiden.

Aber wie alle Systeme, die Ideologie über die Realität stellen, wird auch dieses zerbrechen. Die Frage ist nur, wie viel Schaden es bis dahin noch anrichten wird.

Dass ein Ex-ZDF-Mann öffentlich schreibt, was hier seit Jahren dokumentiert wird, ist kein Zufall — es ist das Ergebnis von Beharrlichkeit. Diese Seite existiert, weil Sie sie möglich machen. Wer möchte, dass das so bleibt:  Hier steht, wie es geht.

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