Fickt Euch!
Zwei Worte. Unterträgliche Worte. Fäkalsprache in Großbuchstaben. Nicht im privaten Streit, nicht im Rausch, sondern als bewusste Botschaft an eine ganze Gesellschaft, aufgehängt vor einem Theater, das von eben dieser Gesellschaft finanziert wird.
In diesen beiden Worten entlarvt sich der ganze Größenwahn, die Doppelmoral und die Dreistigkeit jener Kaste, die sich moralisch überlegen fühlt und unseren Staat und unser Land als Geisel genommen hat – in der Politik, in den Medien, und im Kulturbetrieb.
Fickt Euch!
Diese zwei Worte haben Mitarbeiter der Berliner Volksbühne auf einem riesigen Spruchband vor das Theater gestellt – und damit der gesamten Gesellschaft den Stinkefinger gezeigt – insbesondere den Steuerzahlern, die sie mit gewaltigen Subventionen durchfüttern.
Fickt Euch!
Ist die Reaktion auf die Proteste gegen Pläne der Volksbühne, durch die Vermietung eines temporären Sommer-Freibades, das sie für 300.000 Euro Steuergelder (in Worten: dreihunderttausend) zur Belustigung vor dem Theater aufstellte, durch die Vermietung an einen Verein an einem Nachmittag nur für Schwarze zur Verfügung zu stellen – also Menschen mit anderer Hautfarbe auszusperren.
Henry M. Broder fühlte sich im „Welt“-Interview gar an die Nürnberger Rassegesetze erinnert, sprach von „umgekehrtem Rassismus“ und fragte: Wie schwarz muss man sein, um durch den Hautfarbe-Filter zu gelangen? Reicht ein schwarzer Großvater? Oder müssen es zwei sein? Und was ist mit Menschen, die sich nur als schwarz empfinden oder definieren?
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Fickt Euch!
Nach den massiven Protesten hat der neue Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal die Sortierung von Besuchern nach Hautfarbe inzwischen gestrichen.
Was das Plakat angeht, hat der linke Kulturkrieger zuerst – auf direkte Nachfrage – die Auskunft komplett verweigert: „Das wollen wir unkommentiert so stehen lassen.“ Mit anderen Worten: Er hat sich bewusst entschieden, die Ambiguität, also die Vieldeutigkeit dieses Mittelfingers als Waffe zu nutzen: Jeder soll sich fragen dürfen, ob er gemeint ist. Die Provokation lebt von der offenen Reichweite.
Fickt Euch!
Erst später, als die Kritik immer lauter, ja dröhnender wurde, hat Lilienthal nachgeschoben, wer „eigentlich“ gemeint sein soll: Die AfD, die Springer-Presse, Teile der CDU. Das war keine Erläuterung des Banners – das war eine Rückzugsgefechts-Strategie: erst die maximale Reichweite der Provokation genießen, dann bei Gegenwind die Zielgruppe nachträglich verengen, und sich dann aus der Verantwortung für die volle Wirkung stehlen. Wer öffentlich pöbelt und sich hinterher eine Ausnahmeliste zurechtlegt, will die Lust der Provokation ohne deren Preis.
Dieses Banner ist mehr als eine Entgleisung. Es ist ein Symbol. Für den moralischen Verfall einer Kaste, die sich als Avantgarde begreift, als moralisch überlegen – und sich gleichzeitig von denen finanzieren lässt, die sie verachtet. Nur wer den anderen für vogelfrei hält, erlaubt sich solche öffentlichen Vulgär-Beleidigungen. Guido Westerwelle sprach einst von „spätrömischer Dekadenz“. Er wurde dafür massiv angegriffen. Heute hängt der Beleg dafür an der Fassade der Volksbühne.
Fickt Euch!
Zudem ist das Banner vor allem eines: infantil. Die Reaktion eines kleinen Kindes, das bei Kritik nicht argumentiert, sondern mit „Ihr seid doof!“ um sich schlägt – nur dass dieses Kind ein hochsubventioniertes Theater ist.
Infantil und verroht zugleich. Öffentliche Fäkalsprache als politische Geste: Das ist kein Mut, das ist der Verfall der Formen – des zivilisatorischen Lacks, der das Zusammenleben überhaupt erst erträglich macht.
Fickt Euch!
Vor der Volksbühne kam es zu einem Tumult, als AfD-nahe Demonstranten mit Plakaten auftauchten und von Passanten unter „hitzigen Wortgefechten und Beleidigungen wie „Fickt euch'“ vertrieben wurden – das Banner hat also längst als Kampfbegriff auch mündlich Verwendung gefunden.
Lilienthal und seine linken Genossen haben sich offenbar verschätzt. Selbst vom Zentralorgan von Rot-Grün in Berlin, dem „Tagesspiegel“, kam Kritik. Ein Kommentator dort nennt das Ganze bereits ein „Desaster“ und bezeichnet das Banner als „verbalen Stinkefinger mit Ausrufezeichen“, bei dem sich „auch Wohlmeinende angesprochen fühlen könnten“ – selbst aus wohlgesonnener Ecke also Kopfschütteln über die „Mit-dem-Kopf-durch-die Wand“-Strategie der steuerfinanzierten Kulturkrieger.
Fickt Euch!
Stellen Sie sich vor, ein Theater hätte einen Badetag nur für Weiße geplant – und nach den Protesten dasselbe Banner aufgehängt.
Die Reaktion wäre eine nationale Krise gewesen.
Dass sie es hier nicht ist, sagt mehr über den Zustand des Landes aus als das Banner selbst.
Fickt Euch!
Der große, 96-jährige österreichische Osteuropa-Experte Paul Lendvai prägte den Begriff „vergiftete Gesellschaften“ für die postsozialistischen Staaten. Leider trifft sein Verdikt inzwischen auch auf die Bundesrepublik zu. Wir leben in einer vergifteten Gesellschaft. Und das Gift fließt täglich tonnenweise. Von den Bildschirmen, von den Zeitungsseiten, von überall.
Dabei muss man der Volksbühne eigentlich fast dankbar sein. Denn sie ist in ihrer Art wenigstens ehrlich. Sie sagt laut und mit Fäkalsprache, was anderswo meist nur gedacht und zwischen den Zeilen mitgeliefert wird: die kalte Verachtung für große Teile der eigenen Gesellschaft.
Dieses „Fickt Euch!“ hängt nicht nur an einer Fassade in Berlin-Mitte. Es schwebt – eleganter formuliert, in Sonntagsreden, Leitartikeln und Talkshows – über weiten Teilen von Politik, Medien und Kulturbetrieb. Die Volksbühne hat es lediglich ganz ungeniert sichtbar gemacht.
Fickt Euch!
Diese zwei Worte stehen für die völlige Überheblichkeit einer Kaste, die sich überlegen fühlt gegenüber denjenigen, von denen sie sich und ihr gutes Leben zwangsfinanzieren lässt. Nicht nur in der Kultur. Auch in der Politik, und in den Medien.
Diese zwei Worte sind ein Fanal.
Doch jeder kann etwas dagegen tun. Auch mit ganz kleinen Schritten.
Etwa, indem Sie diesen Text teilen – wenn Sie finden, dass diese Sprache und diese Haltung nicht unwidersprochen bleiben sollten.
PS: Dass dieses unerträgliche „Fickt Euch“ in diesem Text so oft auftaucht, ist kein Stilmittel. Ich habe es beim Schreiben einfach nicht anders hingekriegt. Manchmal muss man einen Satz zehnmal vor sich hinschreiben, bis man begreift, dass er wirklich so gemeint war – von einer Institution, die von genau den Leuten lebt, die sie gerade beschimpft.
Sie können das Therapie nennen. Ich nenne es: den Schock so lange beim Namen nennen, bis er sich abnutzt. Schockverarbeitung.
Solche Geschichten, die weh tun, werden Sie in den großen Medien nicht lesen. Umso dankbarer bin ich Ihnen für Ihre Unterstützung – hier steht, wie es geht. Mit jedem Euro setzen Sie ein Zeichen gegen solche Zustände und ärgern die rot-grüne Kaste.
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Bild: IMAGO / Berlinfoto
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