Nein, auch diesmal geht es nicht um Fußball. Oder nur indirekt.
Erinnern Sie sich noch an die Weltmeisterschaft 2022 in Katar? Als unsere Nationalmannschaft kollektiv vor dem Eröffnungsspiel die Hand vor den Mund hielt? Das galt damals als woke Geste, und der polit-mediale Komplex röhrte vor Vergnügen.
Heute, vier Jahre später, ist es umgekehrt. Der paraguayische Mittelfeldspieler Miguel Almirón wurde am Freitag im WM-Gruppenspiel gegen die Türkei in Santa Clara vom Platz gestellt – wegen genau der gleichen Geste.
Was ist passiert? Damals wollten die Multi-Millionäre im Nationaltrikot gegen einen vermeintlichen Maulkorb in Sachen Verbot der Regenbogen-Binde im islamischen Katar protestieren.
Milliarden-Verband, null Haftung
Der paraguayische Mittelfeldspieler Miguel Almirón ist dagegen Opfer der Rassismus-Paranoia der Fifa geworden – des Weltfußballverbands, der offiziell als Nicht-Profit-Organisation zählt, aber Milliarden umsetzt und seinen Apparatschiks Millionen-Einkommen beschert.
Hintergrund der absurden Regelung, wonach das Bedecken des Mundes nach einer Auseinandersetzung mit einem anderen Spieler oder dem Schiedsrichter zu einer roten Karte führt, war ein Disput in der Champions League zwischen Gianluca Prestianni (Benfica) und Vinícius Júnior (Real Madrid). Damals wurden angeblich Beleidigungen hinter vorgehaltener Hand bzw. Trikot ausgesprochen.
Und was tut die Fifa? Sie kontert das mit einer drakonischen Beweislastumkehr. Ihre verquere Logik: Wer im Streit seine Lippen verbirgt, will wohl diskriminierende Beleidigungen vertuschen.
Nein, da ist kein Witz.
Die Fußball-Apparatschiks führen das Grundprinzip des Rechtsstaats, die Unschuldsvermutung ad absurdum und ersetzen es durch eine paranoide Generalverurteilung – aus Angst vor dem Vorwurf des Rassismus oder der Diskriminierung.
Aus einem psychologischen Reflex in einer Stresssituation – dem instinktiven Abschirmen des eigenen Wortwechsels vor der medialen Dauerüberwachung, in diesem Fall durch Lippenleser – wird hier eine automatische Schuld konstruiert.
Und all das unter dem Deckmantel des Anti-Rassismus.
Die Konsequenz? Ein System der Denunziation wie zu Corona-Zeiten, wie man in dem Spiel Paraguay-Türkei perfekt beobachten konnte: Der türkische Gegenspieler reklamiert sofort theatralisch beim Unparteiischen, und der Schiedsrichter exekutiert eine Rote Karte, ohne zu wissen, was überhaupt gesagt wurde.
Made in Germany
Was auf dem Rasen in Santa Clara passiert ist, kennen wir aus dem deutschen Alltag hinlänglich. Wer hierzulande einen Witz über die falsche Gruppe macht, riskiert eine Anzeige – ohne dass ein Opfer existiert. Wer in sozialen Medien einen Screenshot teilt, kann eine Hausdurchsuchung bekommen – ohne dass er selbst etwas beigetragen hat. Die Fifa hat von Deutschland gelernt. Wer die Hand vor den Mund hält, fliegt vom Platz – ohne dass ein Wort gefallen ist.
Die Logik ist ein und dieselbe: Nicht die nachgewiesene Tat zählt, sondern allein der Verdacht. Nicht was jemand gesagt hat, sondern was er vielleicht gemeint haben könnte. Der Staat – oder im vorliegenden Fall der Weltfußballverband – übernimmt dabei dankbar die Rolle des Anklägers, Richters und Vollstreckers in Personalunion. Und der Denunziant liefert Nachschub.
Deutschland hat das institutionalisiert. Die Fifa exportiert es jetzt in den Sport. Der Unterschied: Beim Fußball dauert die Sperre nur ein paar Spiele.
Solche Vergleiche zieht kein Leitmedium. Wenn Ihnen solche andere Sichtweisen etwas wert sind – hier können Sie dafür sorgen, dass diese Stimme bleibt.
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