Schwitzen für die Ideologie: Deutschland und die Hitze Warum Klimaanlagen böse sind – und wer sie trotzdem hat

Ganz Deutschland stöhnt unter der Hitze. Ein guter Freund – ein Ausländer, der seit vielen, vielen Jahren in Deutschland lebt, schrieb mir gestern, dass er die zweite Nacht im Keller übernachtet. Besonders laut stöhnen unsere Haltungsjournalisten – auch wenn man zwischen den Zeilen immer wieder den Eindruck hat, irgendwo im Innersten freuen sie sich – sehen Sie doch in den Temperaturen einen Beweis dafür, dass sie ihre Klimahysterie zurecht erzeugen. Manche Berichte lesen sich wie aus der Dritten Welt. Da ist von Hitze-Notlagen in Altersheimen und Krankenhäusern die Rede. In manchen Städten versucht die Polizei mit Wasserwerfern für etwas Abkühlung  zu sorgen. Die Politik berät Krisenszenarien. Entwirft „Hitzeaktionspläne„.

Dabei wäre alles so einfach. So, wie die zivilisierte Welt das Problem löst. Mit Klimaanlagen.

Aber Gott bewahre! Die sind im rot-grünen Utopia natürlich böse. Ganz, ganz böse!

Und das sitzt tief. Sehr tief.

Bloss keine Diskussion!

Als ich vor rund zehn Jahren noch als Autor gelegentlich für die deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ schrieb, war dort auch einmal Hitze das Thema auf der Seite. Ich schlug vor, einen Beitrag über meine Erfahrungen aus dem Ausland zu schreiben, insbesondere aus Moskau. Obwohl das Klima dort erheblich kälter ist als in Deutschland und die Sommer kürzer, gibt es dort in sehr, sehr vielen Wohnungen und Einrichtungen Klimaanlagen. Weil sich die meisten Russen eben auch im kurzen Sommer nicht in der Hitze quälen wollen.

Die Redaktion weigerte sich, einen solchen Beitrag von mir zu veröffentlichen. Die so oft gelobte Meinungsvielfalt hört bei rot-grünen Redaktionen da auf, wo andere Meinungen beginnen, die nicht zur eigenen Ideologie passen.

Und so schwitzt das ganze Land. Bis auf unsere Politiker natürlich und viele Redaktionen – die haben in ihren Büros Klimaanlagen.


Normalsterblichen wie meinem Freund bleibt dieser Luxus dabei oft sogar verboten. Neben Ideologie behindert in Deutschland Bürokratie eine wirksame Abkühlung. Viele Menschen, die aus Russland und der Ukraine in die Bundesrepublik kommen, sind entsetzt, wenn sie erfahren, dass sie in der Regel keine Klimaanlage einbauen dürfen – weil sie dafür eine Genehmigung benötigen. Zumindest für die Geräte, die wirklich helfen. In vielen Fällen ist eine solche Genehmigung nicht zu bekommen – sie kann etwa am Denkmalschutz oder an der Eigentümerversammlung scheitern.

In Osteuropa dagegen ist der Einbau – zumindest in den Gegenden, in denen ich mich auskenne – in der Regel problemlos möglich. Während die Deutschen über die Hitze lamentieren und ihre Regierungen Arbeitsgruppen zur Bekämpfung derselben bilden, nimmt man die Hitze-Bekämpfung östlich der Oder und südlich der Alpen einfach selbst in die Hand. Und zwar sehr wirksam. Aber wo kämen wir da hin, wenn Eigeninitiative möglich wäre und die Bürger sich nicht auf den Staat verlassen müssten wie kleine Kinder auf ihre Eltern?

Öffentlich-rechtliche Beruhigungspille

Was in Deutschland als Luxus gilt, hängt anderswo an jeder Fassade.

In Deutschland dagegen sind laut einer Studie des Vergleichsportals Verivox denn auch nur etwa 6 Prozent der Wohnungen mit einer festen Klimaanlage ausgestattet. 13 Prozent haben mobile Geräte, die aber meist eher schlecht als recht kühlen, wie die „Deutsche Welle“ berichtet. Nicht ohne das sofort wieder mit Ideologie zum Umrahmen: „Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bis vor kurzem waren Klimaanlagen in vielen europäischen Ländern, insbesondere in den nördlichen, nicht nötig.“

Nein, werte Kollegen, der Grund liegt nicht auf der Hand, wie das Beispiel Moskau zeigt. Er liegt in Fortschrittsfeindlichkeit und Ideologie. Auch früher waren Sommer schon heiß, oft quälend heiß – auch wenn ich nicht bestreiten will, dass es diesmal vielleicht etwas heißer ist. Aber das ändert nichts am Gesamtbefund.

Der Wahnsinn zieht sich durch alle Bereiche. Berlin kauft knapp 500 neue U-Bahn-Wagen — und keiner davon hat eine Klimaanlage. Die Entscheidung trafen Politiker und Manager, die in klimatisierten Wagen unterwegs sind. Der angebliche Grund: Die Tunnel seien zu eng. Auf die Frage, wie Italien und Spanien das hinbekommen haben, gibt es keine Antwort. Dafür gibt es einen „Kühle-Spur“-Radweg in Brandenburg — mit Trinkbrunnen und Schattenspendern. Ernsthaft.

Frage der Prioritäten

Was der deutsche Staat allein für Gender-Forschung, Diversity-Beauftragte, den „Kampf gegen rechts“  und verwandte Ideologie-Infrastruktur ausgibt, würde reichen, um das Land mehrfach zu klimatisieren. Aber Klimaanlagen helfen den Menschen direkt — und was den Menschen direkt hilft, ohne staatliche Vermittlung, ist in diesem System strukturell verdächtig.

Pragmatiker reagieren auf den Klimawandel mit Anpassung. Ideologen reagieren mit Betroffenheit, Angstmache — und Verboten (sich selbst natürlich ausgenommen, siehe rot-grüne Vielflieger).

Erlaubnis zur Abkühlung?

Die gute Nachricht: In Russland, Osteuropa, auf Zypern, in Spanien, Italien, Montenegro — überall dort, wo man Hitze als Realität und nicht als Klimareligion behandelt — surrt die Klimaanlage. Die schlechte: Den meisten Deutschen ist das so lange egal, bis sie im Keller schlafen. Und selbst das trauen sich viele wohl nicht – weil sie sich erst mal fragen, ob das die Eigentümergemeinschaft oder der Vermieter genehmigt. Oder sich sagen: Was sollen die Nachbarn von mir denken?

Aber vielleicht ist das ja der Sinn der Sache. Wer schwitzt, hat keine Hände frei für Widerspruch.

Wenn Ihnen Journalismus ohne Klimahysterie und mit Rückgrat gefällt – und Sie finden, dass Klimaanlagen keine Frage der Ideologie sein sollten – dann ist Ihre Unterstützung entscheidend: hier steht, wie es geht. Danke.

Mehr zum Thema auf meiner Seite:

Bild: Shutterstock / Symbolbild/KI/Gemini

Für Sie empfohlen: