Ärztepräsident auch ein Corona-Ketzer? Verbandschef bezweifelt Wirksamkeit von Alltagsmasken

Allmählich scheint die Masken-Front zu bröckeln. Bislang lief man Gefahr, auch nur für kritische Hinweise oder Berichte über Untersuchungen, die den Nutzen vor allem der sogenannten Alltagsmasken in Frage stellen (siehe hier), als „Corona-Leugner“ diffamiert zu werden. Und das, obwohl Kanzlerin Merkel im März und Christian Drosten noch im Januar den Nutzen der Masken massiv anzweifelten. Wer heute das Dogma auch nur hinterfragt, droht bei vielen auf eine emotionale Ablehnung zu stoßen, wie man sie sonst nur bei der Beleidigung der religiösen Gefühle von Strenggläubigen kennt. Und jetzt das: Kein Geringerer als der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat öffentlich „Ketzerei begangen“. Er zweifelt am Nutzen von Alltagsmasken, also den im Alltag fast ausschließlich verwendeten Stoff- und OP-Masken ohne einen Filter. Zumindest in bestimmten Situationen. Er sei von diesen Alltagsmasken bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht überzeugt, „weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind“, sagte er in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ vom Mittwochabend (Ab Minute 13.30): „Schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken.“ Der Mediziner sprach von der Maskenpflicht auch als „Vermummungsgebot“. Insgesamt äußerte er sich kritisch über die aktuelle Corona-Politik.

Umgehend kam die Empörung von den üblichen Verdächtigen, die heute wie eine Art inoffizielle Corona-Inquisition agieren. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach attackierte Reinhardt sofort auf Twitter und bezeichnete seine Aussage als „unentschuldbar“ für den „ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär“. Aus seiner, Lauterbachs Sicht, sei es „ein Rücktrittsgrund, wenn er das nicht sofort zurücknimmt“.

Man muss sich das einmal vergegenwärtigen: Der Ärztepräsident äußert Zweifel, weil er keine „tatsächliche wissenschaftliche Evidenz“ sieht. Und statt zu argumentieren, fordern Kritiker sofort seinen Rücktritt. Das ist mittelalterlich bzw. typisch für autoritäre Regime. In Demokratien und pluralistischen Gesellschaften sind solche Meinungsunterschiede üblich, ja Bestandteil des Systems, und werden ausdiskutiert. Lauterbachs Reaktion ist ein Indiz dafür, dass Leute wie er argumentativ auf dünnen Beinen stehen – sonst würde er sachlich argumentieren statt mit dem Vorschlaghammer.

Man könnte die Aussage des dauerempörten SPD-Corona-Hardliners einfach als marginal abtun. Würde sie nicht ganz groß in den Medien hochgeschrieben. Bei „Spiegel Online“ war sie am Donnerstag Abend gar die erste und größte Meldung auf der Seite. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Für das Nachrichtenmagazin war die Rücktrittsforderung eines SPD-Hinterbänklers gegen einen kaum bekannten Ärztefunktionär die wichtigste Nachricht. Das zeigt: Es geht um das Dogma und um die Meinungshoheit.

So hatte auch Lanz in seiner Sendung die Diskussion über die Masken nach kurzer Zeit regelrecht verboten: „Ich finde, das ist ein Punkt, über den man nicht mehr diskutieren sollte.“ Die Verwendung der Mund- und Nasenbedeckung sei die einzige Waffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie, es gebe unbezweifelbare Nachweise aus Untersuchungen und Studien, dass Masken schützten, so der Talkmaster, der sich auch lustig machte in der Sendung über den Arzt.


Reinhardt ruderte denn auch am Donnerstag zurück. In einem gemeinsamen Statement mit seiner Vizepräsidentin leistete er zumindest teilweise Abbitte und ließ verlautbaren: „Für alle anderen Menschen gilt, dass in allen Situationen, in denen kein ausreichender Abstand gewahrt werden kann, zum Beispiel in geschlossenen Räumen oder im Öffentlichen Nahverkehr, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes sinnvoll ist. Dieser ist zwar kein sicherer Schutz vor einer eigenen Infektion, hilft aber, durch eine mechanische Reduktion der Aerosol-Verbreitung andere zu schützen.“

Reinhardt hatte insbesondere Zweifel am Sinn des Tragens im Freien geäußert: „Ich glaube, dass das wenig bringen wird.“

Berlins rot-rot-grüner Senat, der seit Jahren den Drogenhandel etwa im Görlitzer Park faktisch toleriert, hat etwa gerade erst eine Maskenpflicht an zehn belebten Straßen angeordnet.


Bild: Dipak Shelare/Shutterstock
Text: br


 

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