Alle zum Impfen! Vorwärts Marsch! Journalisten als Einpeitscher

Nikolaus Blome gehört zu den Journalisten, die immer auf der richtigen Seite sind. Mal bei der Bild, mal beim Spiegel. Dann bei RTL/ntv. Rechts? Links? Egal. Solange die Haltung stimmt. Für Springer startete er das nicht-linke Nachrichtenmagazin „Bild Politik“, das offenbar „Tichys Einblick“ Konkurrenz machen sollte. Und kläglich scheiterte. Offenbar, weil er ins Wasser gehen, aber nicht nass werden wollte. Dass ich dies so drastisch schildere, liegt daran, dass Blome mehrfach Tichy so attackierte, dass es in meinen Augen unter der Gürtellinie war. Und wer so austeilt, darf auch nicht auf Schonung hoffen.

Auch beim Thema Corona ist Blome wieder auf der richtigen Seite. Diesmal zur Abwechslung wieder beim Spiegel. Die Überschrift seiner aktuellen Kolumne: „Impfpflicht! Was denn sonst?“

Diese Brandrede erinnert an Vorkämpfer des Sozialismus an der Propaganda-Front, die sich damals mutig vorkamen, weil sie von den Herrschenden forderten, noch schneller, härter und brutaler auf dem Weg zum Kommunismus voranzuschreiten.

Kostprobe: „Die Obrigkeit will regulatorisch außen vor bleiben, wiewohl absolut unbestritten ist: Wenn alle geimpft sind, die es gesundheitlich vertragen, sind Lockdown und hohe Infektionszahlen Geschichte. Hier wären die Lenzschen ‘Freuden der Pflicht‘ endlich einmal wirklich welche.“ Abgesehen vom Eigentor, das Blome sich hier schießt, indem er die „Freuden der Pflicht“ aus Siegfried Lenz‘ Buch „Deutschstunde“, das die fanatische Pflichterfüllung im Nationalsozialismus problematisiert, als Blaupause für eine Impfpflicht empfiehlt: Wie kommt der Mann darauf, ein Ende der Pandemie durch die Impfung sei „unbestritten“? Informiert er sich nur in der eigenen Blase? Es ist sehr wohl umstritten – selbst der Virologe Streek bestritt es (und ließ einen diesbezüglichen Artikel danach aber wieder löschen – in Kürze mehr).

Blome, der „Berührungsängste im Umgang mit dem Begriff der ‚Pflicht'“ befürchtet, empört sich, dass der Staat nicht autoritär genug sei: „Ausgerechnet bei der Corona-Rettung will der Staat die Bürger nicht zu richtigem Verhalten anhalten. Aber der Markt wird es richten … Ich hingegen möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“

Das ist kein Journalismus. Das ist Inquisition.

Weiter schreibt Blome: „Umgekehrt, und hier nun kommt der Markt ins Spiel, gibt es das Recht, andere auf das Impfen zu verpflichten. Jedermann darf seine Wohnung allen versperren, die ungeimpft hereinkommen wollen. Kneipenbesitzer, Kinobetreiber oder Kreuzfahrtveranstalter werden ebenfalls als Hausherren Impf- oder Immunitätsnachweise an ihren Pforten verlangen dürfen. Wenn aber erst klar ist, dass nicht reist, nicht trinkt und nicht tanzt, wer nicht vorher impft – dann entsteht ein Markt der raren Lustbarkeiten.“

Unsere Gesellschaft ist durch Corona noch viel stärker gespalten, als sie es schon war. Unerträglich gespalten. Menschen wie Blome gießen noch Öl ins Feuer und fordern öffentlich zur Diskriminierung auf (während sogar die Bundesjustizministerin kürzlich offen vor einer solchen Benachteiligung warnte).

Eine solche offene Hetze ist per se schon unverantwortlich genug. Aber was ist es angesichts der massiven Risiken, die eine hastig entwickelte Impfung, die auf Gen-Medizin beruht, mit sich bringt? Vor denen etwa der Impfexperte Prof. Hockertz eindringlich warnt (siehe hier)? Die Risiken und möglichen Nebenwirkungen werden von Blome einfach ignoriert. Das ist … Ich bitte um Verzeihung, aber hier fehlt mir ein Wort, das sowohl anständig als auch nicht justiziabel wäre.

Immer wieder fragen wir uns beim Studium der Geschichte, wenn es um finstere Zeiten geht: Wie konnte das passieren?

Jetzt erleben wir, wie „es“ passiert.

So unterschiedlich die Details sind. Die Muster sind erschreckend ähnlich.

In Anlehnung an die Geschichte könnte man mit Galgenhumor sagen: Wir haben es mit „Hurra-Impf-Patriotismus“ zu tun. Und mit einem Aufruf zur Ausgrenzung von Mitmenschen aus Pflichtgefühl. Und da bleibt mir auch der letzte Galgenhumor im Halse stecken.

Bild: wsf-s/Shutterstock / Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Text: br

 

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