Bahn-Kollaps: Warum unser ganzes System am Ende ist Wie die Medien das Staatsversagen auch noch zur guten Nachricht umdichten

Gerade erst habe ich hier einen Artikel darüber geschrieben, warum bei uns nichts mehr funktioniert. Und jetzt das! Da wacht man in der Früh unschuldig auf und liest Folgendes: „Am späten Abend stehen die Bahnen in ganz Deutschland plötzlich still. Kurz nach Mitternacht rollen die ersten Züge wieder. Was bislang zu dem Vorfall bekannt ist – und was nicht.“

Fast genauso umwerfend wie der Stillstand des gesamten Bahnverkehrs im ganzen Land ist die Lakonie, mit der viele Medien darüber berichten. Dass fast alle Portale denselben Textbaustein nutzen, ist kein Zufall, sondern das Resultat des modernen Einheitsbreis: Es ist die offizielle Meldung der staatsfinanzierten Nachrichtenagentur dpa, die von den Redaktionen der Republik weitgehend ungeprüft durchgewinkt wurde: „Am späten Abend stehen die Bahnen in ganz Deutschland plötzlich still. Kurz nach Mitternacht rollen die ersten Züge wieder. Was bislang zu dem Vorfall bekannt ist – und was nicht.“ Es ist die kastrierte, bürokratische Medien-Verwaltung des Versagens. Medien wie „Focus Online“ kauen diesen leblosen, verharmlosenden Ton dann in ihren Schlagzeilen pflichtbewusst, ja untertänig wieder.

Mediale Anästhesie

In einer normalen Medienlandschaft hätte das Leid der gestrandeten Fahrgäste im Fokus gestanden, und die Schlagzeilen hätten etwa so gelautet: „Super-GAU bei der Bahn: Deutschland steht still! Abertausende gestrandet!“ oder „Mega-Katastrophe – nichts geht mehr auf allen Gleisen im Land – Fahrgäste verzweifelt!“. Aber das könnte ja die Bürger aus ihrer Lethargie aufrütteln. Deshalb wird Journalismus durch die Verteilung von medialen Beruhigungspillen, ja Schlafmitteln ersetzt. Und es kommt noch schlimmer: Später wird dann in der Überschrift wie ein Erfolg vermeldet: „Bahnverkehr läuft wieder“.

Das ist so, als ob eine Klinik die Abwendung des Beinahe-Herztods eines Patienten auf dem Operationstisch, für den sie selbst verantwortlich ist, weil sie das Narkosemittel verwechselt hat, im hauseigenen Newsletter als „großen Erfolg der Intensivmedizin“ vermelden würde. Wir sind in einer Phase der kollektiven Demut angekommen, in der das schiere Abwenden des totalen Kollapses nach der selbst herbeigeführten Katastrophe bereits als historischer Sieg bejubelt wird.

Um so objektiv wie möglich zu sein, habe ich die KI gefragt, ob es solche völligen Ausfälle des Bahnverkehrs landesweit in anderen Industriestaaten in jüngerer Zeit gab. Die Antwort von Gemini: „Ein flächendeckender, vollständiger Systemstillstand des gesamten Bahnverkehrs – von der S-Bahn bis zum ICE – aufgrund eines technischen Defekts ist im internationalen Vergleich moderner Industriestaaten ein absolutes Novum und ein Alleinstellungsmerkmal für das hiesige Infrastrukturmanagement.“

Versagen made in Germany

Und weiter: „Der entscheidende Unterschied: Während das Ausland primär mit den klassischen Risiken wie Arbeitskämpfen, Sabotage oder Naturgewalten kämpft, hat die Deutsche Bahn bewiesen, dass sie kein externes Ereignis mehr benötigt, um das Land lahmzulegen. Eine einzige Störung im GSM-R-Zentralnetz reicht aus, um das gesamte System binnen Minuten kollabieren zu lassen – ein hausgemachtes Klumpenrisiko, das in anderen Industriestaaten durch strikte Redundanzen und technologische Absicherungen unterbunden wird.“

Keine Angst, ich werde jetzt nicht noch einmal ausführlich erklären, warum nichts mehr funktioniert hierzulande – die Analyse von letzter Woche ist ja nur einen Klick weit entfernt.

Ich kann mir nur heute den Mund nicht verkneifen. Und nicht aus Schadenfreude, sondern aus Trauer und Entsetzen. Trauer darüber, was aus diesem Land geworden ist, das einst um seine Zuverlässigkeit und Technik beneidet wurde. Trauer darüber, dass offenbar eine Mehrheit das immer noch als gottgegeben hinnimmt, schweigend herunterschluckt und bei den Wahlen ihr Kreuz ausgerechnet bei denen macht, die all das zu verantworten haben.

Moral-Größenwahn

Dabei braucht man keinen Hochschulabschluss – ja vielleicht ist der in vielen Fällen eher hinderlich, siehe meinen Artikel „Warum kluge Köpfe sich so leicht manipulieren lassen“ – um zu erkennen, wo die tieferen Wurzeln liegen: Daran, dass Ideologie vor Leistung geht, Haltung vor Handwerk, Gesinnung vor Kompetenz. Wer Posten nach Parteibuch, Quoten und politischer Stromlinienförmigkeit besetzt statt nach messbarer Qualifikation, sollte sich eigentlich über den systematischen Verschleiß, ja die Zerstörung der Substanz nicht wundern – es sei denn, er hat selbst eine rot-grüne Brille auf oder verdrängt. Die Deutsche Bahn ist kein Einzelfall – sie ist das logische Endprodukt einer Republik, die das solide Fundament des logischen Verstandes gegen die Luftschlösser der moralischen Selbstgerechtigkeit eingetauscht hat.

Wenn der gesunde Menschenverstand und der Kontakt zur Realität abdanken, übernimmt unweigerlich das Chaos – das rot-grüne Narrenschiff Utopia, vor dem Franz Josef Strauß einst prophetisch warnte. Wir sind Zeugen, ja Opfer des schleichenden – und deshalb so trügerischen – Übergangs von der technologischen Spitzenklasse zur organisierten Verantwortungslosigkeit. Am Schienennetz der Nation lässt sich nicht nur der Zustand, sondern das Schicksal des gesamten Standorts Deutschland ablesen: Ein Sanierungsfall, der sich weigert, die Diagnose anzuerkennen. Der stattdessen die eigene Dysfunktion als modernen Lifestyle deklariert und glaubt, die Welt und den globalen Wetterdurchschnitt (Klima) retten zu können, während er an den banalsten Aufgaben wie einem halbwegs funktionierenden Bahnbetrieb scheitert. „Made in Germany“ mutierte vom weltweiten Qualitätssiegel zum internationalen Warnschild. Wir – von der Regierung über die Bahn bis zur Lufthansa – können jetzt „Haltung“, aber kein Handwerk mehr. Wer braucht schon pünktliche Züge, wenn der „Kampf gegen rechts“ im Stechschritt läuft? Wer braucht schon funktionierende Weichen, wenn die PR-Abteilung den Stillstand so wunderbar lakonisch weglächelt und der Vorstand paritätisch besetzt ist? Und wozu Pünktlichkeit, wenn die Bahn vorbildlich divers ist und politisch klar Position bezieht? In der DDR nannte man das Zeigen eines klaren Klassenstandpunkts.

Fatale Abstumpfung

Dass wir uns an diese Dysfunktion gewöhnt haben, ist die eigentliche Tragödie. Dass wir die Reparatur der Katastrophe für einen Erfolg halten. Es ist nicht mehr weit, da werden wir schon klatschen und danken, dass aus dem Wasserhahn überhaupt noch etwas herauskommt – und noch dazu nicht braun oder brennbar ist. Willkommen im neuen Deutschland: Ein Land, das sich im freien Fall befindet und den damit verbundenen Luftzug ernsthaft als bahnbrechenden Fortschritt im Bereich der alternativen Fortbewegung feiert.

Verzeihen Sie mir, wenn ich diesen Artikel mit einem bitterbösen Witz aus meiner Wahlheimat Russland beende, deren Humor ich sehr liebe und der für fast jede Lebenssituation ein passendes Bild hat: „Wir dachten, es sei Sex, jetzt stellt sich heraus – es war nur Asthma“. Auf Deutschland übertragen könnte man sagen: !„Viele dachten, es ist Journalismus, aber es stellte sich heraus – es ist Anästhesie“.  Oder: „Eine Mehrheit dachte, wir erleben den atemlosen Aufbruch unserer Eliten zu einer weltrettenden Transformation – aber es stellt sich heraus: Was sie für frischen Wind hielten, ist nur das finale, asthmatische Röcheln eines zusammenbrechenden Systems mit einer kollabierenden Infrastruktur.“

Solche Artikel finden Sie in keinem „Leitmedium“. Wenn Ihnen andere Sichtweisen etwas wert sind – hier können Sie dafür sorgen, dass diese Stimme bleibt.

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Bild: Symbolbild(KI/Gemini

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