Berlin: Politiker schotten sich ab Weit und breit nur Polizei

Schon auf dem Weg zur Bundespressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler wunderte ich mich heute über ein sehr großes Polizeiaufgebot zwischen Bundeskanzleramt und Reichstag. Umso größer war meine Überraschung auf dem Rückweg. Die Kronprinzen-Brücke über die Spree direkt am Haus der Bundespressekonferenz war jetzt, anders als beim Hinweg eine Stunde zuvor, abgesperrt. Auch hier ein erhebliches Polizeiaufgebot. Auch mit dem Presseausweis wollten mich die Beamten zuerst nicht durchlassen: „Keiner kommt hier rein“, hieß es. Als ich insistierte, nahmen die Polizisten Kontakt mit der Einsatzleitung auf. Es hieß dann, ich dürfe durch, komme dann aber auf eine „Liste“. Also meine Koordinaten würden registriert. Als ich wieder insistierte, dass das nicht sein könne, wurde zusätzlich zum Presseausweis mein Personalausweis gefordert. Dann plötzlich kam das Kommando, ich dürfe passieren.

Was ich dann sah, war fast schon gespenstisch: Bis auf ein riesiges Polizeiaufgebot keine Menschenseele zwischen Bundeskanzleramt und Reichstag. Alles wie ausgestorben. Kaum war ich angekommen, kam schon wieder Polizei auf mich zu: „Hallo, was machen Sie hier?“, fragten zwei Beamte. Ich zeigte erneut meinen Presseausweis, erzählte von meinen Gesprächen auf der Bundespressekonferenz und wir kamen ins Gespräch. Die hermetische Abriegelung sei gegen Demonstrationen, so die Beamten: „Waren angemeldet, sind aber verboten.“ Ich startete einen Livestream (siehe hier). Auch währenddessen wurde ich wieder von der Polizei kontrolliert. Diesmal von Beamten aus Baden-Württemberg, die extra in die Hauptstadt abkommandiert sind. Am Ende der Paul-Löbe-Allee fuhr ich aus der Absperrung raus – um ein paar hundert Meter weiter an der Scheidemann-Straße vor der nächsten Absperrung zu stehen – diesmal Richtung „Straße des 17. Juni“.

Wieder kam ich mit dem Presseausweis durch. Und wechselte mit den Beamten ein paar Worte über das ZDF, das ein paar hundert Meter weiter gewaltige Aufbauarbeiten für seine Silvesterparty betreibt (siehe hier). Die hatte ich auf dem Hinweis bereits aus der Ferne fotografiert und wollte sie jetzt aus der Nähe ablichten. Doch auch der Radweg entlang der Straße war inzwischen gesperrt. Ich versuchte es über den Tiergarten – und geriet in die Fänge einer gigantischen Polizeiabsperrung. Der gesamte Teil des Tiergartens südlich der Straße des 17. Juni und östlich vom Stern ist mit Zäunen abgesperrt. Mehrmals kam ich beim Versuch, eine offene Stelle zu finden, mit Passanten ins Gespräch, die umgekehrt in den Tiergarten wollten – und gar nicht verstanden, was da los war.

Als ich mich schon fast insgeheim mit dem Gedanken anfreundete, bis Neujahr im Tiergarten eingesperrt zu sein, fand ich einen Ausweg – am Großen Stern gab es einen Weg durch die Absperrungen, von der Polizei bewacht. Bei einer Recherche im Internet fand ich auf die Schnelle keinerlei Hinweis, dass der Tiergarten derart weiträumig abgesperrt ist. Auch eine Mitarbeiterin wurde nicht fündig. Nur über die Straßensperrungen wird auf der Seite der Stadt informiert:


Die B.Z. berichtet ebenfalls über die Sperrung der Straßen – aber nicht über die des Tiergartens. Offiziell ist die ZDF-Veranstaltung Grund für die Sperrung. Aber dass deshalb schon 1,3 Kilometer vom Beginn der Aufbauarbeiten für das ZDF mehr als 30 Stunden vorher der Rad- und Fußgängerverkehr untersagt ist und auch der halbe Tiergarten abgesperrt, wirkt nicht schlüssig. Die einzige logische Erklärung, die einem auf Anhieb in den Sinn kommt: Man will vermeiden, dass es zu Kundgebungen kommt und nutzt dafür die Veranstaltung als Vorwand. Denn ginge es nur um die Silvesternacht, würde es reichen, die Absperrungen morgen Nachmittag zu aktivieren.

In Berlin Mitte macht die Polizei also genau das, was sie am Görlitzer Park, wo seit Jahren quasi vor den Augen der Polizei Drogen gehandelt werden, nicht hinbekommt: Sie macht dicht.

PS: In Kürze folgt hier mein Bericht über die Bundespressekonferenz mit Spahn und Wieler. Mit letzterem kam ich nach Ende der Veranstaltung noch in ein persönliches Gespräch – was sehr interessant war.




Bild: Boris Reitschuster 
Text: red


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michel
2 Monate zuvor

@reitschuster: ich hätte eine dufte (promo) idee die aber halt jemand mit ausreichend reichweite machen sollte:

eine bundestagspetition zur entfernung des „dem deutschen volke“ schriftzuges!

es liest sich hier so, als würden da eine menge mitmachen.

 

die zeit wird immer knapper:

Die Verfassungsschutzchefin fragt sich, ob deshalb „eine Art Aussteigerprogramm für Verschwörungsanhänger“ nötig sei.

 

ich wünsche ihnen einen guten rutsch in das noch viel geisteskrankeren neuen jahres!

2HaushaltefüreinHalleJulia
2 Monate zuvor

Dem Grundsatz folgend, ja vor dem Gesetz alle gleich sind, möchte ich einmal eine Frage in dem Raum stellen bzgl. des Fotos.

Stammen alle des Fotos aus insgesamt zwei Haushalten?

Oder werden wir etwa vera…. 🙂

Christian L.
2 Monate zuvor

Der Wikipedia Eintrag, der Schwester des Nord Koreanischen Herrscher Kim Jong Un, weist leichte parallelen zur Kanzlerin auf. Frauen im Sozialismus scheinen etwas für Propaganda und Agitation übrig zu haben. Auf jeden Fall wissen Sie an welcher Schraube man drehen muss, um das Volk zu beherrschen.

Gert
Antwort an  Christian L.
2 Monate zuvor

Merkel dreht da ganz sicher nicht. Dafür hat es bei ihr intellektuell noch nie gereicht. Sie ist dort installiert worden, weil sie gefügig und indoktriniert ist. Und weil sie die Welt in schwarz (freiheitliche Demokratie) und weiß (Brachialsozialismus) teilt.

Gonzo
2 Monate zuvor

Eine Strasse weiter (in meinem Wohnort) ist ein Polizeirevier. Stets gehe ich nachts mit meinem Hund raus. Jedesmal sehe ich 2 Streifenwagen, welche vorbeifahren zum Revier, jedesmal! Seit gestern kein einziges. Sind sicher alle in Berlin.

Klaus Harjes
2 Monate zuvor

Ich fand kürzlich einen Kommentar sehr treffend der darauf hinwies, dass man zur Zeiten der Wende zwei Optionen im Blick hatte: zwei deutsche Staaten, die sich freiheitlich nebeneinander entwickeln könnten oder die BRD würde sich auf das gesamte Terretorium ausdehnen. Eine dritte Variante hatte man sträflicherweise nicht im Blick: dass sich die DDR über das gesamte Staatsgebiet ausbreiten würde! SED-Geisel hat sein Berlin fest im Polizeigriff! Die Gerichte, bis hin nach Karlsruhe, sind komplett im Lockdown und die Millionen Schafe im Schafspelz werden mit gedrucktem Geld sediert, bis es knallt! In wenigen Monaten hat Frau Merkel (uns) fertig!

Gast
2 Monate zuvor

Wenn die Regierung Angst vor dem Volk hat… und das eigentlich in der Vergangenheit meist durch friedliche Demos, zumindest von Seiten der Maßnahmenkritiker aus. Von Linksextremisten und der Polizei kann man das leider nicht unbedingt behaupten.

Ian C.
2 Monate zuvor

Ich warte noch darauf, daß die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ ergänzt wird. — Davor fehlt noch das Wort „Wider“, dann ist alles komplett.

Otto Gambel
Antwort an  Ian C.
1 Monat zuvor

„Dem Deutschen Volke“ zum Trotz

Letzter
2 Monate zuvor

Früher holte man sie aus Frankreich,jetzt aus BW.

UVD
2 Monate zuvor

Es kann nur die nackte Angst sein, wenn die Herrschaften, die uns seit Jahren täglich belügen und betrügen, derart verbarrikadieren.

Vielleicht lassen es die Berliner ja einfach ohne Anmeldung mal ordentlich krachen, Morgen Abend. Irgendwann ist auch der Michel mal richtig genervt und wehrt sich. Hoffentlich. Ich bin dabei.

Das wäre schön.

Ian C.
Antwort an  UVD
2 Monate zuvor

Nackte Angst? Bestimmt nicht. Das fällt für die doch unter die Rubrik „Schöner Wohnen“.

Paulsen, Sönke
2 Monate zuvor

Die Sache mit dem Graben vor dem Bundestag ist ein Witz- Zwanzig Jahre islamistischer Terrorismus mit Anschlagen durch alles, was rollt oder fliegt. Jetzt nach einem lächerlichen Treppenlauf von eine paar Demonstranten mit schwarz weiß roter Flagge und türkischer Flagge, wird der Graben ausgehoben. Abwehrmaßnahme gegen Terror oder gegen das Volk? Oder gegen die Paranoia der Berliner Politelite? Ich meine letzteres….

Peter Tanner
Antwort an  Paulsen, Sönke
2 Monate zuvor

Meine Vermutung: Reine Symbolik. Mittelalter reloaded. Im Zeitalter der Drohnen und ballistischen Raketen die jeder zuhause bauen kann, was soll so ein Graben oder sowas hier bringen:

https://www.arte.tv/de/videos/082771-000-A/berlin-baut-ein-schloss/

Paulsen, Sönke
Antwort an  Peter Tanner
2 Monate zuvor

Gut, aber dann vermisse ich die Zugbrücke!

Gert
Antwort an  Paulsen, Sönke
2 Monate zuvor

Vielleicht als Affenzoo ohne Zugbrücke weiterbetreiben. „Echt Papa; die haben uns mal regiert?“ Oder „Warum sind da so viele häßliche und dumme Frauen, die nichts Richtiges gelernt, aber auch keinen Mann haben?“ Schwierig wirds dann für die Eltern..“Tja, eigentlich hat die keiner wirklich gewollt. Aber Onkel Jörg und Tante Silvia fanden die gut. Und die anderen haben einfach mitgemacht. Und als man Onkel Jörg und Tante Silvia trotzdem verhaftet hat, waren wir ja schon weg.“

Blacky
Antwort an  Gert
2 Monate zuvor

Meine Frau hat sich auch über die vielen Stimmen für Biden gefreut: der hat so einen schönen blau/lila Anzug an.

Alex Chara
Antwort an  Blacky
2 Monate zuvor

@Blacky , wäre für mich ein Scheidungsgrund

Gert
Antwort an  Alex Chara
2 Monate zuvor

@Alex….man kennt ja weder die anderweitigen hervorstechenden Qualitäten der Frau noch Blacky’s Prioritäten. Aber Helmut Kohls Chancen bei der Wahl sollen ja dunnemals auch durch eine neue Brille gestiegen sein. Vom Zerrbild des „mündigen Bürgers“ habe ich mich seit Merkels Machtergreifung jedenfalls verabschiedet. Bei Männern und Frauen übrigens gleichermaßen.