Corona-Zensur bei Lanz im ZDF? Brisante Szene aus Mediathek herausgeschnitten

Dass in der Talkshow „Markus Lanz“ nicht alles gesendet wird, was im Gespräch im Studio wirklich gesagt wurde, musste ich im Mai 2015 als Studiogast dort selbst erfahren. Nach der Aufzeichnung dachte ich, dass ich mich leidlich geschlagen habe – in der Ausstrahlung im ZDF fehlten dann aber Passagen, die mir sehr wichtig schienen. Auch Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen erging es so: In der Sendung, in der er auftrat im Dezember 2019, wurden Stellen geschnitten, wie reitschuster.de aufdeckte (siehe meinen Beitrag „Wie Lanz/ZDF Zuschauer in die Irre führen“).

mvg

So wenig das Herausschneiden von Szenen vor der Ausstrahlung eine Ausnahme ist (und so manipulativ es ist, solange der Eindruck erweckt wird, alles sei live), so neu ist eine nachträgliche Zensur von bereits ausgestrahlten Szenen. Genau dabei ertappte jetzt das Internetportal „Anti-Spiegel“ den Talkmaster aus Südtirol und das ZDF.

Am 2. Dezember war Carsten Linnemann zu Gast in der Show. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Und was er sagte, war offenbar zu brisant. Zumindest hat das ZDF die Sendung den Angaben zufolge zunächst vom Netz genommen und erst später wieder online gestellt. Bei der neuen Version fehlen dann aber zwei ganz entscheidende Minuten. In denen äußert sich Linnemann empört darüber, dass bei den Corona-Hilfen die großen Restaurant-Konzerne begünstigt werden – auch solche, die so gut wie keine Steuern in Deutschland zahlen – und nicht der Mittelstand und kleine Familienbetriebe. Markus Lanz selbst reagierte ziemlich fassungslos auf diese Aussagen in der Sendung.

Ebenso wäre es vielleicht auch vielen Zuschauern ergangen. Doch das bleibt ihnen nun erspart. Sie sehen die Stelle, an der geschnitten wird, deutlich in der Aufzeichnung der Sendung in der ZDF-Mediathek bei Minute 55.20.

Ich habe dem ZDF eine Presseanfrage geschickt mit Bitte um einen Kommentar. Sobald dieser vorliegt, werde ich ihn hier nachreichen. In der verschwundenen Szene wurde über die Corona-Hilfen für Gastwirte gesprochen. Noch zu sehen ist die Szene davor: Das Gespräch darüber, dass die Bundesrepublik als einziges Land Restaurants während der Schließung 75 Prozent des Vorjahres-Umsatzes erstattet (in Frankreich dagegen nur 20 Prozent). Nicht des Gewinnes, sondern des Umsatzes! Auch Linnemann sagt in der Sendung, ihn habe das verwirrt, er habe zunächst gedacht, man habe Gewinn mit Umsatz verwechselt. Dann erfolgt der Schnitt.

Nicht zu sehen ist nun, wie Lanz etwa sagt: „Dieses ganze sensible Thema, wir reden jetzt über Multimilliardenkonzerne (…) Starbucks ist zum Beispiel ein Unternehmen, das zum Beispiel dadurch auffällig geworden ist, – in den letzten Jahren immer wieder – dass sie in Deutschland so gut wie keine Steuern zahlen.“ Darauf Linnemann: „Das ist das Problem. Ich sag mal, jede Kneipe, jedes Restaurant, haben das Problem, dass …“ – Lanz: „Und deutsche Steuerzahler stehen jetzt für 75 Prozent des vergangenen Novemberumsatzes gerade?“ Darauf Linnemann: „Ja, plus: sie dürfen weiterhin noch das Außer-Haus-Geschäft machen. Um es mal klar zu sagen: Ich habe doch nichts gegen die Kneipen, die kleinen Restaurants. Die haben ja wochen- und monatelang keine Umsätze gemacht. Aber dass solche Konzerne, ja, ich will nicht sagen, das Geschäft ihres Lebens machen (…)“

Ich denke, der Gebührenzahler hat ein Recht, auch solche Aussagen zu hören. Hier können Sie sich die ausgeschnittene Szene selbst ansehen:

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Bereits zu Jahresbeginn hatte ich darüber geschrieben, wie die Produktionsfirma, die auch „Lanz“ für das ZDF produziert, mit Job-Anzeigen nach bezahlten Komparsen für das Studiopublikum sucht (siehe hier) und als Dienstleistungen anbietet, auch für Talkshows das passende Wunschpublikum zu generieren (siehe hier).

PS: Ein Leser machte mich auf folgenden Hinweis auf der Seite zur Sendung beim ZDF aufmerksam:
„In der Sendung „Markus Lanz“ vom 2.12.2020 wurde im Gespräch zwischen Markus Lanz und Dr. Carsten Linnemann behauptet, Starbucks Deutschland habe staatliche Hilfen zum Ausgleich wegfallender Umsätze aus den Corona-Programmen der Bundesregierung erhalten. Dies stimmt jedoch nicht. Da wir von Starbucks auf diesen Fehler hingewiesen wurden, haben wir diesen Teil des Gesprächs in der Online-Fassung für die ZDF-Mediathek entfernt.“

Ich halte ein nachträgliches Löschen eines ganzen Abschnitts ohne Hinweis im Video für höchst problematisch. Im Zweifelsfall hätte die Aussage mit entsprechenden Untertiteln hinterlegt werden oder im Video selbst ein solcher Hinweis eingeblendet werden müssen.


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Bild: Jorm S/Shutterstock
Text: br


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