Blinde Profitgier – Pfizers perfide Erpressungen in Lateinamerika Fehlendes Vertrauen in eigenen Impfstoff?

Von Christian Euler

Eine ganze Reihe von Ländern schwört auf den Impfstoff von BioNTech und seinem US-Partner Pfizer – doch für einige lateinamerikanische Staaten ist er tabu. Sie werfen dem Pharmagiganten „Mobbing auf höchster Ebene“ während der Verhandlungen über das Vakzin vor. Das geht aus einem Bericht des in London ansässigen Journalisten-Vereins Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) hervor.

„Sie werden wegen euch sterben“, sollen Pfizer-Unterhändler einer der Regierungen gedroht haben. Regierungsmitglieder aus Argentinien und einem anderen lateinamerikanischen Land, das eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Pfizer unterzeichnet hat und daher nicht genannt werden darf, sagten dem TBIJ, dass Pfizer eine zusätzliche Entschädigung gegen Zivilklagen von Bürgern im Zusammenhang mit dessen Impfstoff verlangte. Pfizer habe die Regierungen in Argentinien und Brasilien aufgefordert, staatliche Vermögenswerte, darunter Militärbasen und Staatsbankreserven, als Sicherheit für mögliche zukünftige Rechtskosten zu hinterlegen.

Besonders perfide: Pfizer ging es nicht nur um die Haftungsabsicherung gegen zivilrechtliche Ansprüche von Bürgern, die nach einer Impfung schwerwiegende Nebenwirkungen erleiden, sondern auch für Fälle, die auf eigene Fahrlässigkeit, Betrug oder Böswilligkeit zurückgehen. Dokumente aus dem brasilianischen Gesundheitsministerium deuten darauf hin, dass Pfizer ähnliche Forderungen an die brasilianische Regierung gestellt hat. Vertrauen in den eigenen Impfstoff oder zumindest in eigene Kompetenzen sieht anders aus.

Goldenes Ruhekissen auf Kosten der Staaten

Pfizer will offensichtlich sämtliche potenziellen Kosten auf die Regierungen abwälzen, darunter auch Länder mit niedrigen Einkommen. Dabei hatte der Konzern – ebenso wie andere Hersteller – reichlich staatliche Mittel für die Erforschung und Entwicklung der Impfstoffe erhalten und Pfizer-Partner BioNTech etwa erhielt von der deutschen Regierung 375 Millionen Euro für seine Impfstoff-Entwicklung, insgesamt subventionierte der Bund die Forschung und Entwicklung von Corona-Vakzinen in Deutschland mit 750 Millionen Euro. Die US-Regierung wiederum gab im vergangenen Juli grünes Licht, 100 Millionen Dosen für rund zwei Milliarden Dollar vorzubestellen – schon bevor der Impfstoff in die entscheidende Phase-3-Studie eingetreten war. Unterdessen rechnet Pfizer damit, in diesem Jahr Vakzine im Wert von 15 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Pfizer lehnte es ab, die Vorwürfe über seine Forderungen zu kommentieren und berief sich auf „laufende Verhandlungen, die privat und vertraulich sind.“ „Pharmaunternehmen sollten ihre Macht nicht dazu nutzen, lebensrettende Impfstoffe in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen einzuschränken“, euphemisierte Lawrence Gostin, Rechtsprofessor an der Georgetown University und Direktor des Collaborating Center on National and Global Health Law der Weltgesundheitsorganisation. Dies scheine genau das zu sein, was sie tun.

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hatte sich schon im Dezember über die Forderungen von Pfizer lustig gemacht. Sollten sich Impfkandidaten nach der Spritze in „einen Kaiman“ verwandeln, sei das ihr eigenes Problem, ätzte der bekennende Impfskeptiker. Pfizer forderte zuvor auch Brasilien auf, staatliche Vermögenswerte als Sicherheit zu hinterlegen und einen Garantiefonds auf einem ausländischen Bankkonto einzurichten.

Aktivisten warnen bereits vor einer „Impfstoff-Apartheid“, bei der reiche westliche Länder möglicherweise Jahre vor einkommensschwächeren Regionen geimpft werden. Auch Rechtsexperten haben erste Bedenken geäußert, dass die Forderungen von Pfizer einem Machtmissbrauch gleichkommen. Mark Eccleston-Turner, Völkerrechtler an der britischen Keele University, brachte das skrupellose Verhalten von Pfizer via Twitter so auf den Punkt: „Dies ist wirklich eine der skandalösesten Geschichten, die mir in der Weltgesundheit begegnet ist“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Giovanni Cancemi/Shutterstock
Text: ce

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