Brantners „Freiheits“-Begriff: Was steckt wirklich dahinter? Die Grünen-Chefin und ein Gedanke mit langer Vorgeschichte

Franziska Brantner ist seit November 2024 Bundesvorsitzende der Grünen, das gönne ich ihnen. Unter dem einzigartigen Robert Habeck war sie parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, wobei man sich leicht vorstellen kann, auf welchem der beiden Bereiche ihr Hauptaugenmerk lag. Immerhin ist sie in dieser Eigenschaft vermutlich zum ersten Mal vielen aufgefallen, als sie im Herbst 2023 im Rahmen einer Fragestunde des Bundestages den bemerkenswerten Satz von sich gab: „Selbst wenn eine deutsche Staatsbürgerin oder Staatsbürger des Lesens nicht mächtig sein sollte, hat er alle Möglichkeiten, auch in diesem Deutschen Bundestag zu sein, weil wir hier eben nicht darauf setzen, dass jemand irgendeine Art von Bildungsabschluss haben muss.“

Ja, auf Bildungsabschlüsse legt man insbesondere in der Partei des infantilen Totalitarismus, die man auch als die Grünen bezeichnet, keinen allzu großen Wert, weil Bildung bei der Umsetzung der eigenen Ideologie nur stören könnte. Und da eben diese Ideologie nicht unbedingt eine freiheitliche ist, muss man hin und wieder den Freiheitsbegriff in die eigene grüne Hand nehmen und ihn so lange manipulieren, bis ihn niemand mehr wiedererkennt.

Diese Aufgabe hat Brantner kürzlich mit Freude übernommen. Auf der Veranstaltung „IM/PULS 2026“ fiel sie vor einigen Tagen auf mit der Erkenntnis: „Frei sind wir nur als wir“, und bei Instagram kann man sich etwas genauer ansehen, was sie uns damit sagen wollte. In dem dort gezeigten Video sind interessante Sätze zu hören, wie z.B. „Wer alleine sitzt, ist nicht frei. Er ist allein. Freiheit ist, was man tut, wenn man zusammen ist. Frei sind wir nur im Wir.“ Mir ist nicht wirklich klar geworden, woher sie wohl weiß, wann sich der Einzelne frei fühlt und wie sich das Freiheitsverständnis eines Individuums definiert. Brantner als Kollektivistin vermag sich so etwas nicht vorzustellen, aber es kann ein starker Ausdruck persönlicher Freiheit sein, wenn man „alleine sitzt“, ohne von Grünen oder anderen Totalitären gestört zu werden, einfach so, ganz für sich – sofern man das mag.

Das kollektive Glück des Fließbandarbeiters

Aber für Vertreter des kollektivistisch-totalitären Denkens ist Freiheit das, „was man tut, wenn man zusammen ist.“ Ohne Frage. Gehen beispielsweise Strafgefangene ihrer Arbeit im Gefängnis nach, dann fühlen sie sich ganz besonders frei, weil sie ja zusammen etwas tun. Auch der nicht eingesperrte Fließband- oder Straßenarbeiter mag sich nach Feierabend, wenn er nicht mehr mit seinen Kollegen „zusammen ist“ und vielleicht einfach nur die Ruhe seines Balkons oder seines Gartens genießt, deutlich freier fühlen als während der Arbeitszeit, in der man etwas tut, „wenn man zusammen ist.“ „Frei sind wir nur im Wir“? Das mag für Franziska Brantner und ihre Gesinnungsgenossen zutreffen, andere Menschen sehen das anders.

Sie hat uns aber nicht nur mit einem Videoausschnitt beglückt, sondern Wert darauf gelegt, dass der vermutlich unfreie Mensch, der vielleicht gerade „alleine sitzt“, ihre Geistesblitze auch nachlesen kann. Und da wächst sie über sich hinaus. „Frei ist nicht, wer alleine vor sich hin kämpft. Frei ist, wer spürt: Ich gehöre dazu. Mein Leben zählt. Meine Sorgen werden gesehen.“ Da ist er wieder, der Trivialkollektivismus, und er ist nicht besser begründet als in ihren Videoaussagen. Manch einer kämpft „alleine vor sich hin“, weil er eher zum Einzelgängertum neigt, und wird genau in dieser Tatsache seinen ureigensten Freiheitsbegriff verwirklichen. Zur Freiheit gehört nicht ohne Weiteres das Gefühl: „Ich gehöre dazu. Mein Leben zählt“, denn das ist auch im Rahmen eines kollektivistischen Totalitarismus möglich. Die Mitglieder und Mittäter bei NSDAP- oder bei SED-Aufmärschen waren mit Sicherheit von genau diesem Gefühl beseelt: „Ich gehöre dazu. Mein Leben zählt“, und doch werden die meisten zögern, ihnen ein Übermaß an Freiheit in ihrer jeweiligen Gesellschaft attestieren zu wollen. Wurden ihre Sorgen gesehen? Oh ja, zum Teil schon. Auch im NS-Staat hat man sich gerne um die sozialen Sorgen der Menschen gekümmert, das war eines der Mittel, um sie an das Regime zu fesseln. Frei waren sie deshalb noch lange nicht, im Gegenteil. Denn Freiheit ist eine Sache des Individuums und nicht das Kollektivs.

Ich gehöre dazu — auch der Blockwart

Buchtipp zum Thema

Brantner ist aber noch nicht am Ende ihrer lichtvollen Gedanken angelangt. „In einer Zeit, in der so viele Menschen sich abgehängt, überfordert oder allein fühlen, ist das mein politischer Auftrag.“ Man könnte sich nun fragen, ob das Abhängen und das Erzeugen der Überforderung ihr politischer Auftrag ist oder doch eher das Gegenteil. Denn man muss nur einen Blick auf das werfen, wofür Ideologen wie Brantner stehen: Überhöhte Energiepreise und damit Reduktion der wirtschaftlichen Freiheit, Einschränkungen der Meinungsfreiheit im Interesse der eigenen Ideologie, nicht zu vergessen eine starke Neigung zum Impfzwang während der sonderbaren PCR-Pandemie. So erzeugt man all das, was zu bekämpfen angeblich ihr politischer Auftrag ist. Es ist Zeichen meiner persönlichen Freiheit, dass ich ihr das nicht glaube.

Aber sie wird konkreter. „Wir brauchen wieder Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Nachbarschaften, Vereine, Bibliotheken, öffentliche Räume, in denen niemand etwas kaufen muss, um dazuzugehören.“ Ich wusste gar nicht, dass es keine Nachbarschaften mehr gibt. In der Straße, in der ich wohne, existiert Nachbarschaft im besten Sinne, die Menschen kennen sich, man spricht miteinander, und wenn es Probleme gibt, findet man auch Unterstützung. Es ist kaum anzunehmen, dass wir damit in Deutschland ganz alleine stehen. Wir brauchen daher keine Nachbarschaften, wir haben sie schon, und staatlich-grüne Einmischung ist dabei unerwünscht – muss ich erwähnen, dass auch das Ausdruck der individuellen Freiheit ist? Und Vereine und Bibliotheken gibt es in stattlicher Zahl, wenn auch vielleicht nicht unter grüner Kontrolle. Wir brauchen wieder Orte, an denen Menschen zusammenkommen? Um noch mehr Unfug zu reden, muss man sich schon anstrengen.

Niemand wird zurückgelassen — außer den Falschen

Doch nach diesen tiefschürfend-philosophischen Erwägungen wendet sich Brantner wieder der Politik zu: „Und wir brauchen eine Politik, die den Menschen nicht sagt: Du bist falsch. Sondern: Du bist okay, so wie du bist.“ Aus ihrem Munde wirkt das glaubhaft. Kein grüner Politiker würde jemals einem AfD-Wähler entgegenschleudern, er sei falsch, sondern stets darauf bestehen, er sei „okay, so wie du bist“. Selbstverständlich galt das auch für die Maßnahmenkritiker und für die Ungeimpften während der sonderbaren PCR-Pandemie, es gilt für Kritiker eines überbordenden Migrationsgeschehens und dessen Folgen auf deutschen Straßen, es gilt gleichfalls für Kritiker des Klimairsinns, mit einem Wort: Auch alle, die den grünen Totalitarismus ablehnen und sich ihm entgegen stellen, sind „okay“, so wie sie sind. Und zwar in Brantners Augen, sofern sie das ernst nimmt, was sie höchstpersönlich auf Instagram von sich gegeben hat. Oder sollte sie doch, wie es Grüne immer tun, nur ihre eigene Klientel meinen und alle anderen von dieser umfassenden Umarmung ausschließen?

Wie dem auch sei, zum Schluss ihrer unsinnigen Ausführungen beglückt sie uns endlich mit dem Ausspruch, der einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte: „Denn niemand ist frei allein. Frei sind wir nur als wir.“ Hin und wieder gab es diese Auffassung schon, und es gibt sie noch immer. Es ist die Übersetzung der üblen Nazi-Parole „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, nun verwendet in der Form „Du bist nichts, das Wir ist alles“. Statt im Volk aufzugehen und sich ihm unterzuordnen, soll man sich nun ins „Wir“ eingliedern, selbstverständlich in beiden Fällen unter sachkundiger Führung. Immer tritt der Einzelne hinter das Kollektiv zurück, und immer wieder will man ihm weismachen, dass genau darin ein tieferer Sinn liegt. Ob es bei den Nazis war, in den kommunistischen Regimen, in den Reihen von Scientology – das Prinzip ist stets das gleiche. Und nun erzählt uns eine Vorsitzende der Grünen, dass es auch genau so sein muss, denn „frei sind wir nur als wir“. Ist es das, was man unter „unserer Demokratie“ versteht?

Eine alte Parole in neuem Gewand

„Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“, lautet ein berühmtes Zitat aus Orwells Buch „1984“. Franziska Brantner hat die letzten beiden Teile dieses Satzes nur ein wenig variiert: Bildungsabschlüsse sind unnötig, so meinte sie im Bundestag, und Freiheit ist Kollektivismus.

Wer die Begriffe verfälscht, verfälscht das Denken.

Die Grünen sind in diesem Prozess schon recht weit fortgeschritten.

Es wird Zeit, sie aufzuhalten.

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Ein weiterer Beitrag von Thomas Rießinger zu der Dame: Grüne im Lichtbad der Erkenntnis: Franziska Brantner erledigt den Energiemangel in Deutschland
Ebenfalls zum Thema von Boris Reitschuster: Grüne lösen sich jetzt ganz offen von Fakten – Entlarvende Aussagen – wieder wird eine Verschwörungstheorie wahr
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Der Autor:

Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier,  „Umgang mit Formen“ über diesen Link. Hier seine Homepage.

Bild: Symbolbild/KI/Grok

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