Causa Djokovic: Peinliche Polit-Posse im Namen der Pandemie Ungeimpfter Tennisstar musste Australien verlassen

Von Daniel Weinmann

Novak Djokovic kann seinen Titel beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres nicht verteidigen. Das Bundesgericht in Melbourne verweigerte an diesem Sonntag endgültig seine Einreise und annullierte sein Visum. Die Entscheidung sei aus „Gründen der Gesundheit, Sicherheit und der Ordnung“ gefallen, begrüßte Australiens Premierminister Scott Morrison die Entscheidung. Sie sei „im öffentlichen Interesse“ gefällt worden. Die schriftliche Begründung des Gerichtsbeschlusses wird erst in den kommenden Tagen veröffentlicht. Ob Djokovic auch eine Einreisesperre für die nächsten drei Jahre auferlegt wird, ist noch nicht bekannt.

Der abschließenden Verhandlung war eine tagelange Hängepartie vorausgegangen. Am Freitag war sein Visum, das er ausgestellt bekommen hatte, in einer persönlichen Entscheidung von Einwanderungsminister Alex Hawke ein zweites Mal für ungültig erklärt worden.

Weil der kerngesunde Spitzensportler ungeimpft ist, wurde er nun endgültig zur Persona non grata erklärt. Die australische Regierung argumentierte bei der zweiten Ablehnung von Djokovics Visum, dass ein Verbleiben des Tennisstars im Land nicht im öffentlichen Interesse liege. Seine Anwesenheit könne zu einem verstärkten Widerstand gegen Impfungen oder gar einem öffentlichen Aufruhr führen.

Würdeloses Verhör bei der Einreise

Die Causa Djokovic steht paradigmatisch für die Unverhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen. Die Diskussion, ob ein kerngesunder Tennisspieler an einem wichtigen Turnier teilnehmen darf, nahm teils kafkaeske Züge an. Ein Beispiel ist das siebenstündige Verhör bei Djokovics Anreise (s. Protokoll hier). Die Behörden hielten ihn fest, ohne ihm anwaltlichen Beistand oder klärende Anrufe zu gewähren.

Gegen vier Uhr morgens teilte man ihm mit, dass sein Visum storniert werde. Man wolle ihm aber eine Frist von 20 Minuten einräumen, um neue Beweise vorzulegen. Djokovic: “Also geben Sie mir 20 Minuten, um Informationen anzugeben, die mir nicht vorliegen? Um vier Uhr morgens? Ich meine, Sie stellen mich vor eine absurde Situation, da ich ja um vier Uhr morgens weder den Präsidenten von Tennis Australia noch irgendwen bei der Regionalregierung erreichen kann.“ Die Antwort des Grenzbeamten auf die Frage, ob er wirklich nur 20 Minuten mitten in der Nacht habe: “Ja.”

Jetzt steht also fest: Einer der fittesten und gesündesten Profitennisspieler dieses Planeten darf nicht an den Australian Open teilnehmen. Zugleich fielen in der Qualifikation drei Spieler wegen einer Herzmuskelentzündung aus und der – australische – Profi Bernard Tomic wurde positiv getestet. Besonders bizarr: Tomic kündigte gegenüber den Zeitungen „The Age“ und „The Sydney Morning Herald“ seine Erkrankung gleichsam an. „Ich fühle mich ziemlich krank“, sagte der 29-Jährige – und war trotzdem auf den Platz gegangen.

»Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung«

Sind die Australier nun besser geschützt, da Djokovic aus dem Land geworfen worden ist? Welche Gefahr geht von einem Menschen aus, der mittlerweile länger in australischer Haft war, als die übliche Inkubationszeit von Covid-19 beträgt? Der Weltranglisten-Erste hätte sich täglich testen lassen können. Dann hätte er keine größere Gefahr dargestellt als Geimpfte, die nicht getestet wurden.

Die Antwort der australischen Regierung ist eindeutig. Djokovics Anwesenheit während der Australian Open stelle eine Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung dar, da sich im Zuge dieser eine Anti-Impf-Stimmung im Land ausbreiten könnte, so die australische Regierung. Auch könnte seine Anwesenheit dazu führen, dass mehr Menschen die geltenden Corona-Regeln missachten.

Unterdessen zeigt eine aktuelle Umfrage, dass eine knappe Mehrheit der Australier lieber ihren Premierminister abschieben würde als den derzeit weltbesten Tennisspieler. Das Meinungsforschungsinstitut Newspoll befragte 5.600 australische Wähler nach dem Zufallsprinzip, wen sie am liebsten des Landes verweisen würden. 52 Prozent der Befragten entschieden sich für Premier Scott Morrison, vier Prozentpunkte mehr als Novak Djokovic.

Ist dies die 'neue Normalität' qua Gesetz?

Auch hierzulande scheiden sich die Geister. „Was der Corona-Wahnsinn in unseren Köpfen angerichtet hat, erkennt man daran, dass wir seit Tagen ernsthaft darüber diskutieren, ob ein kerngesunder Tennisspieler zu einem Tennisturnier reisen darf“, twitterte der frühere „Bild“-Chef Julian Reichelt vor knapp einer Woche. Man fragt sich, ob Reichelt auch wegen solcher Aussagen und nicht nur wegen mancher Techtelmechtel mit Mitarbeiterinnen bei Springer in Ungnade gefallen war.

Die zu demselben Medien-Giganten gehörende „Welt“ hält dagegen und überschreibt einen Kommentar mit „Egomanie eines Superstars“. Für die „von Corona gebeutelten Australier“ sei der ungeimpfte Novak Djokovic ein Schmetterball ins Gesicht. Wenn der Start so wichtig sei, hätte er dafür den Preis zahlen müssen: zwei Impfungen.

Am Ende der Djokovic-Saga bleiben viele Fragen offen: Ein kerngesunder und bis in die letzte Sehne durchtrainierter Spitzensportler darf nicht in Australien einreisen und im Freien Tennis spielen, weil er nicht geimpft ist. Ist dies die „neue Normalität“ qua Gesetz? Mehr noch: Warum werden einem ungeimpften gesunden Menschen Moral und Ethik abgesprochen und „Egomanie“ und Verantwortungslosigkeit unterstellt? Nichts erscheint unerträglicher, als die Freiheit des Anderen.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Marta Fernandez Jimenez/Shutterstock
Text: dw

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