Weltweite Schuldenorgie: Schneller. Höher. Weiter. Corona als Freibrief für exzessive Verschuldung

Von Daniel Weinmann

28.000.000.000.000 Dollar – in Worten: 28 Billionen Dollar. Um diese Summe ist der weltweite Schuldenberg laut der jüngsten Aktualisierung der „Global Debt Database“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Corona-Jahr 2020 gewachsen.

Es ist der größte Anstieg innerhalb eines Jahres seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt beläuft sich die weltweite Verschuldung nun auf 226 Billionen Dollar. Jeder der aktuell rund 7,9 Milliarden Erdenbürger – ob Säugling oder Greis – steht auf Basis dieser Zahlen mit 3.544 Dollar in der Kreide.

Beängstigend liest sich auch diese Relation: Im Verhältnis zum Wert aller Güter und Dienstleistungen, die alle acht Milliarden Erdenbürger in einem Jahr erzeugen, hat sich der Schuldenstand allein im vergangenen Jahr um 28 Prozentpunkte auf 256 Prozent erhöht. Aus dem Vollen schöpften vor allem die Regierungen: Der Anteil der Staatsschulden von 40 Prozent an der weltweiten Gesamtverschuldung ist so hoch wie seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr.

Mit steigenden Zinsen steigen die Risiken überproportional

Umso überraschender erscheint, dass die IWF-Experten Vitor Gaspar, Paulo Medas und Roberto Perrelli vom Internationalen Währungsfonds die Schuldenorgie für notwendig erachten: „Der große Anstieg der Schulden war gerechtfertigt, um das Leben der Menschen zu schützen, Arbeitsplätze zu erhalten und eine Pleitewelle zu vermeiden. Hätten die Regierungen nicht reagiert, wären die sozialen und ökonomischen Folgen verheerend gewesen.“ Eine Betrachtung, ob die Lockdowns in dieser Form notwendig gewesen wären, haben die Ökonomen indes außer Acht gelassen.

Geopolitisch brisant an dem Zahlenwerk des IWF ist die Tatsache, dass der Zugang zum Geld ungleich verteilt ist. Hochentwickelte Volkswirtschaften und China haben sich im Kampf gegen eine Rezession durch Corona in großem Umfang neu verschuldet, so die Autoren. Vielen Entwicklungsländern sei dies verwehrt geblieben. Sie hätten nicht nur einen limitierten Zugang zu Finanzierungsquellen, sondern müssten zugleich höhere Zinsen zahlen.

Mit Blick auf die nahe Zukunft sieht das Experten-Trio eine weitere Gefahr. „Die Risiken werden noch größer, wenn die weltweiten Zinssätze schneller als erwartet steigen und das Wachstum nachlässt“, mahnen sie. „Eine erhebliche Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen würde den Druck auf die am höchsten verschuldeten Staaten, Haushalte und Unternehmen verstärken.“ Besonders prekär wird die Lage, wenn der öffentliche und der private Sektor gleichzeitig gezwungen werden, ihre Schulden abzubauen.

Sparer werden schleichend enteignet

Vor diesem Hintergrund hat die zuletzt deutlich gestiegene Inflation, die hierzulande im November bei 5,2 Prozent liegt, und damit so hoch wie seit 28 Jahren nicht mehr, sogar ihr Gutes. Sie schmälert nicht nur den Wert des Geldes, sondern auch der Schulden. Die Zeche zahlen derweil die Sparer, deren Erträge im Umfeld steigender Preise und niedriger Zinsen schmelzen wie Butter in der Sonne.

Besonders stark betroffen sind Sparer, die ihr Kapital in risikolosem Festgeld oder auf dem Sparbuch parken. Laut einer Statistik der Bundesbank belief sich die Realverzinsung von Ersparnissen auf klassischen Sparbüchern und Festgeldkonten im August dieses Jahres auf minus 3,7 Prozent. Allein im September haben Deutschlands Sparkontenbesitzer laut „Tagesgeldvergleich.net“ 8,8 Milliarden Euro verloren.

Die Situation dürfte künftig nicht einfacher werden. Denn die nächste Krise kommt bestimmt, in welcher Form auch immer.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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