Corona-Demo in Stuttgart – ein „Steinwurf“ und seine (Vor-)Geschichte Mein Augenzeugenbericht von der Szene, die jetzt so große Wellen schlägt

Es war ein friedlicher Samstagnachmittag, teilweise mit Volksfest-Stimmung: So meine persönlichen Eindrücke von der Querdenken-Demonstration am Samstag in Stuttgart. Die sogenannten Corona-Regeln – also die Vorschrift zum Abstand-Halten und zum Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung – wurden fast durchweg nicht beachtet. Die Polizei hatte dazu nach Angaben der Veranstalter erklärt, dass sie diese Verstöße zwar nicht akzeptiere, aber dass sie diese auch nicht zum Anlass nehmen werde, die Kundgebung aufzulösen. Eine solche Auflösung, so die Polizisten laut Veranstaltern, würde in Sachen Infektionsgeschehen mehr Risiken bringen als die Hinnahme der Ordnungswidrigkeiten. Kritiker sehen darin ein Einknicken der Staatsmacht, andere ein vorbildliches Abwägen der Polizei im Hinblick auf Verhältnismäßigkeit. Ins Auge sticht der enorme Kontrast zur Berliner Polizei. In der rot-rot-grün regierten Hauptstadt setzen die Ordnungshüter, die es mit Drogenhandel oft nicht so genau nehmen, die Hygieneregeln mit großer Härte durch, es kommt regelmäßig zu Festnahmen und Auflösung, teilweise auch mit dem Einsatz von Wasserwerfern. Kritiker sehen dahinter die Taktik von Innensenator Geisel, der noch in der SED politisch sozialisiert wurde und später zur SPD wechselte.

In den sozialen Medien herrschte Empörung über die „laxe Haltung“ der Stuttgarter Polizei. Auf Twitter empörte sich ein Nutzer über die Polizei: “Das kann doch nicht euer Ernst sein. Neutralität geht anders. Keine Umsetzung der Maßnahmen, Solidarität mit den Demonstranten. Ich könnte schreien.” Sogar von einem “Vollversagen der Polizei” war bei einem anderen Nutzer die Rede: “Laut Fotos der Onlinemedien halten sich nur wenige an die Coronaregeln. Warum wird da nicht eingeschritten?”

Sieht man sich die Medienberichte an, ist es wie bei den meisten vorherigen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen so, dass die Berichte bzw. die Akzente, die dort gesetzt werden, relativ wenig mit dem gemeinsam haben, was man persönlich erlebt hat. Sieht man sich nur die Schlagzeilen an, wie es die meisten eiligen Leser tun, kommt man zu dem Schluss, es seien sehr wenig Menschen auf den Protestaktionen gewesen („Hunderte“) und Gewalt gegen Journalisten sei ein tragendes Motiv gewesen. Unten die Presserundschau.

Focus-Online bringt folgende Überschrift ganz oben auf seiner Seite: “’Jetzt werden Steine geworfen‘: ARD-Schalte auf ‚Querdenker‘-Demo abgebrochen.“ Auch in anderen Medien ist das der Haupttenor der Berichterstattung bzw. die Aufmachung. Ich war bei der Szene vor Ort, habe sie auch im Livestream gefilmt (anzusehen hier).  Ein Team der ARD wurde von Demonstranten heftig beschimpft, es kam zu unschönen Beleidigungen. Ich wurde auch Zeuge, wie einzelne Demonstranten andere, die verbal aggressiv waren, tadelten bzw. zu beruhigen versuchten. Solche Aggressionen sind durch nichts zu rechtfertigen und auch nicht zu relativieren. Punkt. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich regelmäßig von linksradikalen Demonstranten beleidigt, bedroht und leider auch attackiert werde. Es gibt ein Video, auf dem zu erkennen ist, wie ein Gegenstand, der mal viereckig, mal aufgeklappt erscheint, über die Köpfe des Teams hinweg fliegt. Gott sei Dank weit entfernt, aber das macht es nicht weniger schlimm. Ob es sich um einen Stein handelt, ist nicht klar zu erkennen. Der Fluggeschwindigkeit nach zu urteilen war es aber ein schwerer Gegenstand, und somit ein gefährlicher Wurf. Andererseits scheint er neben den Füßen eines der ARD-Mitarbeiter zu landen, der aber keinerlei Reaktion zeigt. Zu sehen ist diese Szene hier gegen Ende dieses halbminütigen Twitter-Videos:

Ich habe genau die gleichen Momente von unten aufgenommen (hier direkt über den Zeitcode anzusehen). Auf meinem Video ist der fliegende Gegenstand bzw. Stein nicht zu sehen, ich habe auch nichts Derartiges bemerkt. Die Trajektorie des Wurfes muss also eine sehr weite oder enge gewesen sein. Der ARD-Korrespondent sagt in der Live-Schalte, „jetzt werden Steine geworfen“, und bricht direkt in der Tagesschau vor einem Millionenpublikum die Übertragung ab. In meinem Video sehen sie diese Szene direkt von unten. Von dort wirkt sie weitaus weniger dramatisch als in der Tagesschau vor einem Millionenpublikum. Die Stimmung war allerdings in der Tat sehr aufgeheizt. Zumal laut Augenzeugenberichten auch noch ein Ei geflogen sein soll. Ein Leser hat mir eine durchaus überzeugende Analyse geschickt, wonach es sich bei dem Gegenstand auf dem Video haargenau um jenes Ei handeln soll. Letzte Gewissheit wird es wohl nie geben.

Wenn auf einer Kundgebung ein Stein fliegt, ist das auf das Schärfste zu verurteilen. Auch hier gibt es kein Wenn und Aber. Ich wurde in Leipzig auf einer Demonstration im November selbst von einer Glasflasche am Kopf getroffen, und ich stand damals genau da, wo der Stein hinflog – unterhalb der Bahngleise. Insofern empört es mich besonders, dass hier jemand zu einem Stein griff. Und nochmal: Da gibt es nichts, aber auch gar nichts zu beschönigen und relativieren.

Aber das kann einen nicht daran hindern, hier die Doppelmoral der Medien zu verurteilen. Am 6.6.2020 war ich auf der großen Antirassismus-Demonstration in Berlin. Dabei wurden Polizisten und auch Journalisten massenhaft mit Flaschen und Steinen beworfen. Ich selbst entging mehrfach nur knapp einem Treffer. Ein Fotograf, der unweit von mir stand, wurde mit einer Flasche am Kopf getroffen. Einige Szenen habe ich in meinem Video dokumentiert, Sie sehen es hier. Die Medien waren am gleichen Tag voll des Lobes über die tollen deutschlandweit durchgeführten Demos, von Gewalt wurde etwa in der Tagesschau gar nicht berichtet. Wenige Wochen später wurde ich ebenfalls auf einer Antirassismus-Demonstration massiv attackiert, es wurde vom Lautsprecherwagen gegen mich gehetzt, ich musste durch das Gebüsch fliehen (anzusehen hier). Vor zwei Wochen attackierten mich Gegendemonstranten aus dem Antifa-Milieu, schlugen mir mein Handy aus der Hand (anzusehen hier). In Medien war später zwar von Übergriffen auf Journalisten die Rede – aber das wurde so dargestellt, dass der normale Leser nicht ahnen konnte, dass sie auch von Gegendemonstranten ausging.

Nochmals: Jeder Steinwurf ist einer zu viel, jede Art von Gewalt muss thematisiert werden. Man kann sie auch für das wichtigste Ereignis halten. Aber sie dann zu verschweigen, wenn sie von einer politischen Richtung ausgeht, der man offenbar nahesteht, und sie dann in den Vordergrund zu stellen, wenn sie nicht ins politische Konzept passt, ist Doppelmoral pur. Vergleichen Sie selbst die Szenen, wie ich auf der Antirassismus-Demo in Berlin arbeiten musste, und wie das ARD-Team in Stuttgart arbeitete. Sehen Sie sich dann hier an, wie über die „guten Demos“ berichtet wurde – wobei die Irreführung der Zuschauer schon damit begann, dass etwa die Nichteinhaltung der Hygieneregeln in Berlin, die ich selbst dokumentierte, einfach ignoriert wurden. Ebenso wie ein dramatischer Appell der Polizeigewerkschaft, die damals von einem neuen Höhepunkt der Aggressivität sprach. So viel Realitätsverdrehung ist gespenstisch. Wer massive Stein- und Flaschenattacken von Anti-Rassismus-Demonstranten verschweigt, und einen Steinwurf auf einer Corona-Maßnahmen-Kritiker-Demonstration zum Hauptthema macht, hat sich jeder Glaubwürdigkeit entledigt. Er hat moralisch fertig. Ebenso wie der Journalistenverband DJV. Dass er jetzt laut seine Stimme erhebt, ist völlig richtig. Doch es wird zur Farce, wenn er gleichzeitig schweigt, wenn es politisch Unbequeme trifft.

Das Fazit: Bei den Demonstrationen von Corona-Maßnahmen-Kritikern werden auf Teufel komm raus negative Ereignisse, die es ohne Zweifel gibt, in den Fokus gerückt, bei politisch genehmen Demonstrationen geschieht es genau umgekehrt – da werden auch „Höhepunkte der Aggressivität“ einfach mal verschwiegen. Neudeutsch nennt man das „Framing“. Auf diese Weise kann man faktenfrei jedes Ereignis in die Richtung rücken, die man gerne möchte.

PS: Es gibt auch Hoffnungsschimmer: Ein Aufsager eines SWR-Korrespondenten vor Ort in die Kamera sei völlig objektiv gewesen, erzählten Augenzeugen. Sie sehen ihn hier.

Und noch eine persönliche Anmerkung: Dass mein Livestream von der Demo gelöscht und mein Kanal dafür gesperrt wurde auf Youtube, ist eine neue Dimension der Zensur. Unter solchen Umständen ist eine Berichterstattung eigentlich kaum noch möglich. Das hat mit Pressefreiheit nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun (Details hier).

 

Hier der Presseüberblick von Ekaterina Quehl

Aufzug in Bewegung – Polizeihubschrauber im Einsatz, stuttgarter-nachrichten.de, 3.4, 13:41

Aufmacher

„Hunderte Menschen haben sich am Karsamstag in Stuttgart versammelt, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Das Stuttgarter Ordnungsamt und die Polizei bereiten sich seit Tagen auf die Proteste vor. Nicht nur auf die Demos der Stuttgarter Initiative Querdenken, sondern auch auf mehrere Gegendemos.“


Corona-Demos in Stuttgart: Rücksichtslos durch die Stadt, stuttgarter-nachrichten.de, (Bezahlschranke), 3.4, 16:22

Aufmacher

„Stuttgart hat am Samstag ein peinliches Bild geboten. Die Landeshauptstadt war wieder einmal Bundeshauptstadt der Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen. Die Stadt muss sich kritische Fragen gefallen lassen, kommentiert Lokalchef Jan Sellner.(…)

Von Stuttgart gehen schwer erträgliche Bilder aus – auch wenn sie unbeschwert wirken. Oder gerade deshalb. Denn die demonstrative Unbeschwertheit, mit der am Samstag mehrere Tausend Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen vom Marienplatz durch die Stadt bis zum Cannstatter Wasen zogen, ist genau das, was in diesen Zeiten unerträglich ist. Gezielt legten sie es darauf an, Unbekümmertheit zu demonstrieren. Was in Nicht-Corona-Zeiten ansteckend fröhlich wirken kann, ist in der gegenwärtigen Situation ansteckend, dumm und gefährlich. ‚Maskenlos durch die Stadt‘ schepperte es in Anlehnung an Helene Fischers ‚Atemlos‘ aus den Lautsprechern der Demonstrierenden.“


„Querdenken“-Demo: Offenbar mehrere Journalisten angegriffen, morgenpost.de, 4.4 (sic!), 21:41

„Über 10.000 Menschen demonstrierten bei der ‚Querdenken‘-Demo in Stuttgart gegen die Corona-Auflagen. Lesen Sie alle Corona-News im Blog.

  • In Stuttgart demonstrierten mehr als 10.000 Unterstützer der ‚Querdenken‘-Bewegung ohne Masken oder Abstand gegen die Corona-Maßnahmen
  • Laut dem Deutschen Journalisten-Verband sind mehrere Journalisten angegriffen worden“

„Querdenker“-Demo in Stuttgart: „Ich sehe hier 20 Leute mit Masken, und das sind Polizisten“, focus.de, 3.4, 16:59

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„2500 wurden erwartet. Tatsächlich kommen aber deutlich mehr Menschen am Samstag in Stuttgart zusammen, um ihren Unmut gegen die Corona-Regeln kundzutun. Die Hygieneregeln werden dabei größtenteils nicht eingehalten. Nun hat sich auch das Gesundheitsministerium zur ‚Querdenker‘-Demo geäußert.(…)

ARD-Schalte wird abgebrochen: ‚Jetzt werden hier Steine geworfen‘

Auf die Frage, ob Menschen, die auf dem Weg zum Wasen waren, Masken trugen, sagte der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach: ‚Ich sehe hier 20 Leute mit Masken, und das sind Polizisten.‘ Auch wenn die Polizei das Geschehen als weitgehend friedlich bewertete, kam es zu unschönen Szenen.
So musste etwa eine Schalte der ‚Tagesschau‘ abgebrochen werden. Als ARD-Reporter Thomas Denzel von vor Ort berichten wollte, waren im Hintergrund laute Pfiffe zu hören. Bereits zuvor hatte es üble Beleidigungen gegeben. Während der Live-Schalte spitzte sich die Situation dann zu. ‚Jetzt werden hier Steine geworfen‘, erklärte Denzel kurz darauf. Danach wurde die Übertragung abgebrochen.“


Polizei ruft zum Tragen von Masken auf – Gegendemonstranten blockieren Straße, Die Welt, 3.4, 15:13

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„Mehrere hundert Teilnehmer sind in Stuttgart zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen zusammengekommen. Laut Polizei hielten sie sich nicht an die Auflagen. Gegendemonstranten versuchten, den Weiterzug der Protestierenden zu verhindern. (…)

Die Auflagen des Demonstrationszugs, der am frühen Nachmittag vom Marienplatz mit mehreren Hundert Teilnehmern zur zentralen Kundgebung der sogenannten ‚Querdenken‘-Bewegung auf dem Cannstatter Wasen unterwegs war, wurden laut Polizei größtenteils nicht eingehalten.

Die Polizei ist mit mehreren Hundert Beamten vor Ort. ‚Ich gehe davon aus, dass heute an vielen Punkten gegen die Auflagen verstoßen wird‘, sagte der Sprecher der Stuttgarter Polizei, Stefan Keilbach. Die Stadt Stuttgart hat im Falle von Verstößen gegen die Maskenpflicht und die vorgeschriebenen Abstände angekündigt, Versammlungen aufzulösen.“


Bierzeltstimmung zwischen „Södolf“- und „Diktatur“-Plakaten, Die Welt, 3.4, 18:51

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„Tausende ‚Querdenker‘ ziehen gut ein Jahr nach dem Beginn der Bewegung durch Stuttgart – und ignorieren dabei erneut Auflagen von Behörden. Gewaltsame Zusammenstöße bleiben zunächst überwiegend aus – doch der Verfassungsschutz befürchtet eine zunehmende Radikalisierung der Bewegung.

Am Samstagvormittag herrscht Bierzeltstimmung auf dem Stuttgarter Marienplatz. Es ist rappelvoll, keine Abstände, kaum Schutzmasken. Vorne brüllt eine Frau durchs Mikrofon: ‚Merkel muss …‘. Und aus dem Pulk schallt es: ‚weg!‘ Dann wieder die Frau: ‚Wieler muss …‘ – ‚weg!‘ So geht das weiter. Dann tritt ein Mann ans Mikrofon, es geht um Impfungen gegen das Coronavirus, und er ruft: ‚Bei meinen Kindern steht eines fest: nur über meine Leiche!‘ Das Publikum johlt, Schulter an Schulter, zwischen Plakaten mit Begriffen wie ‚Todesspritze‘, ‚Södolf‘ und ‚Diktatur‘. (…)

Größere Auseinandersetzungen wie bei vorangegangenen Demos blieben in Stuttgart bis Samstagnachmittag aus. Und doch kam es vereinzelt zu Zusammenstößen und Gewaltandrohungen, erneut auch gegen Reporter. Ein Handyvideo zeigt, wie ein freier Journalist aus Dortmund von einem Teilnehmer angegangen wird. Der Mann schlägt ihm mit der flachen Hand ins Gesicht, fordert den Reporter auf, sich zu ‚verpissen‘ und beschimpft ihn als ‚Hurensohn‘.“


Corona-Demo in Stuttgart: Tausende ohne Masken und Angriffe am Rande der Proteste, swr.de, 3.4, 18:18

„Mehrere Tausend Menschen protestieren zur Stunde in der Stuttgarter Innenstadt gegen die Corona-Auflagen der Landesregierung. Am Rande der Proteste kam es laut Polizei zu Angriffen auf Journalisten und Platzverweisen. Auch die Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht wurde größtenteils missachtet. (…)

Bei einer zentralen Kundgebung der ‚Querdenken‘-Bewegung auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart sind nach Schätzungen der Polizei am Samstag rund 3.500 Menschen zusammengekommen, um gegen die Corona-Auflagen der Landesregierung zu demonstrieren. Die Polizei war in der Stadt schon seit dem Vormittag mit Hunderten Beamten an verschiedenen Orten aufgestellt, weil zehn teilweise unterschiedliche Kundgebungen angemeldet waren.(…)

Teilnehmer greifen Beamte und Presse an

Der Polizei liegt ein Video vor, wonach ein Journalist in der Cannstatter Straße offenbar von einem Demonstrationsteilnehmer angegriffen wurde. Die Ermittlungen hierzu dauern an, heißt es. Zudem gab es vereinzelt weitere Übergriffe auf Journalisten, unter anderem wurde ein ARD-Fernsehteam auf dem Gelände des Cannstatter Wasens bedrängt. Auch ein SWR-Team musste ein geplantes Live-Schaltgespräch zum Fernsehen unterbrechen.“


Kein Abstand und keine Masken in Stuttgart, F.A.Z., 3.4, 16:36

„Beim Protestzug der ‚Querdenken‘-Initiative in Stuttgart haben die Teilnehmer die Auflagen laut Polizei größtenteils nicht eingehalten. Gegendemonstranten blockierten eine Bundesstraße in der Innenstadt.(…)

Tausende Menschen sind nach Angaben der Polizei am Samstag zur zentralen Kundgebung der ‚Querdenken‘-Bewegung auf den Cannstatter Wasen in Stuttgart geströmt, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren. Die Polizei war in der Stadt schon seit dem Vormittag mit Hunderten Beamten an verschiedenen Orten aufgestellt, weil zehn teilweise unterschiedliche Kundgebungen angemeldet waren.

Im Vorfeld gingen die Behörden von 2500 Teilnehmern in Stuttgart-Bad Cannstatt aus. Diese Zahl war bereits am frühen Nachmittag deutlich überschritten. Genaue Zahlen konnte die Stuttgarter Polizei allerdings nicht nennen. Die Anmelder gingen von 6000 Menschen aus. Die ‚Querdenken‘-Bewegung und ihre Mitstreiter sprechen sich gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen aus. Die Bewegung wird vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet.“


Mehr als 10.000 „Querdenker“ protestieren ohne Abstand und Masken, tagesspiegel.de, 3.4, 20:53

„Mehr als 10.000 Menschen haben nach Angaben der Polizei an der Kundgebung der ‚Querdenken‘-Bewegung in Stuttgart gegen die Corona-Politik teilgenommen. Die meisten hätten keine Masken über Mund und Nase getragen sowie Abstände nicht eingehalten, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend.(…)

Daran, dass die Polizei nicht einschritt, gab es Kritik. Der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach sagte: ‚Das ist keine befriedigende Situation für uns als Polizei.‘ Auf der einen Seite stehe die Versammlungsfreiheit, auf der anderen der Infektionsschutz. Damit sich nicht noch mehr Menschen auf dem Gelände drängten, seien die Beamten nicht eingeschritten.“


Tausende „Querdenker“ bei Protesten in Stuttgart, süddeutsche.de, 3.4, 16:07

„Während sich der Demonstrationszug durch die Innenstadt bewegt, halten die Teilnehmer weder Abstandsregeln ein noch tragen sie Maske. Die Polizei greift bislang nicht ein.(…)

Für die Menschen, die am Samstag in Stuttgart durch die Straßen ziehen, gilt ganz offensichtlich eine andere Realität: eine, in der das Corona-Virus völlig ungefährlich ist und mit Liebe, Singen und Tanzen, maximal noch mit Vitamin C und Vitamin D bekämpft werden kann. Eine Realität, in der die Pandemie nicht existiert, weshalb man alle Beschränkungen nicht nur einfach aufheben kann, sondern auch aufheben muss. Das kann man an den Schildern sehen, die die Demonstrierenden bei sich tragen, und an ihrem Verhalten. Bei dem Demozug von der Stuttgarter Innenstadt hin zu einer Kundgebung der Initiative ‚Querdenken‘ auf dem Cannstatter Wasen sind die Leute fast ausnahmslos ohne Maske unterwegs, es werden Hände geschüttelt und Bekannte umarmt.“


Rund 3.500 bei „Querdenken“-Demo in Stuttgart, zdf.de, 3.4, 19:20

„Teils ohne Abstand und Masken sind rund 3.500 Menschen bei einer ‚Querdenken‘-Demo mitgelaufen. Das Gesundheitsministerium kritisiert: Wie solle man das den Bürgern vermitteln?(…)

Ominöse anonyme Quelle: Hooligans eingeschleust?

‚Querdenken‘-Gründer Michael Ballweg behauptet in einer Mail am Nachmittag, aus einer ‚zuverlässigen‘, ‚anonymen‘ Zuschrift gehe hervor, Hundert gewaltbereite Hooligans würden versuchen, sich in die Demo einzuschleusen.

Nach Angaben der Stuttgarter Polizei wurden am Mittag vor dem Stuttgarter Rathaus 20 Menschen, die mutmaßlich dem Rockermilieu angehören, kontrolliert. Es seien Quarzhandschuhe, pyrotechnische Gegenstände und Sturmhauben beschlagnahmt worden. Dabei sei eine Polizeibeamtin leicht verletzt worden. Die Betroffenen erhielten Platzverweise.

Wenig später sei ein pyrotechnischer Gegenstand in einen Aufzug geworfen worden, verletzt worden sei dabei niemand, teilte die Polizei mit. Ein Tatverdächtiger sei kontrolliert worden.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

 

Bild: Boris Reitschuster 
Text: br/eq

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