Corona-Politik: Wir bringen „Menschenopfer“ Die Wirklichkeit ist kein Labor

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Man kann eine ganze Menge über den Lockdown, der vermutlich über den Januar hinausreichen wird, sagen. Es wurde schon viel dazu gesagt, auch auf dieser Seite.

Allerdings kann man eines nicht sagen: dass dieser Lockdown wirksam ist. Diese Einschätzung trägt die Schwäche in sich, dass man auch nicht behaupten kann, dass die Schließungen von kulturellen Einrichtungen, Freizeiteinrichtungen und der Gastronomie gänzlich unwirksam ist. Denn ein exponentieller Anstieg der Fallzahlen für Covid-19 liegt im Augenblick, auch laut RKI, nicht mehr vor, auch wenn die Zahlen der neuen positiven Testergebnisse nach wie vor sehr hoch sind. Wir befinden uns auch noch nicht in dem Zeitfenster, in dem eine Wirksamkeit der Maßnahmen irgendwie behauptet werden könnte.

Die Aufstellung des European Centre for Disease Prevention and Control zeigt jedoch vor allem eines: Die Entwicklung der Zahlen in den einzelnen europäischen Ländern korreliert in keiner Weise mit der Schärfe der Corona-Maßnahmen, insbesondere nicht mit der Intensität der verordneten Schließungen und Ausgangssperren, wenn man die Zahlen im Querschnitt betrachtet.

So hat Frankreich seit Ende Oktober einen extrem restriktiven Lockdown, der auch mit qualitativen Ausgangssperren für die Bevölkerung verbunden ist, aber gewaltige Zahlen neuer positiver Testergebnisse (siehe Screenshot Tabelle). Ähnlich sieht es auch für Italien und Spanien aus. An der Spitze befinden sich Belgien und Tschechien, die auf Grund ihrer höchsten Zahlen und auch hoher Todeszahlen stark restriktiv reagiert haben. Mit unklarem Ausgang.

Auf der anderen Seite hat Schweden seine liberale Strategie nicht geändert und trotzdem sehr moderate Inzidenzen und mit die niedrigsten Todeszahlen in Europa. Wir erinnern uns, dass Schweden wegen seines liberalen Kurses im Umgang mit der Pandemie im Frühjahr massiv angegriffen wurde. Hauptargument waren die hohen Todeszahlen. Davon ist jetzt nichts mehr zu erkennen.

Das Argument, dass sich die Wirkungen der aktuellen Maßnahmen frühestens in zwei bis drei Wochen zeigen würden, ist nicht neu und deshalb nicht gerade besonders gut. Denn wir befinden uns längst in einer zweiten Welle und in einem Kontinuum von Maßnahmen wechselnder Schärfe, das es sehr schwer machen wird zu sagen, ob es der Lockdown ist, der für das Abklingen der Zahlen verantwortlich ist oder völlig andere Faktoren.

Wo sind die wirksamen Masken?

Wenn man die Wirklichkeit zu einem Labor machen will, weil jedes Risiko zu hoch scheint, warum werden dann nicht Maßnahmen ermöglicht, die tatsächlich wirksam sind? Beispielsweise die großflächige Verteilung von FFP2 Masken mit einem Wirkungsgrad von neunzig Prozent? Der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung hat ja schon gezeigt, dass er Masken trägt. Also warum gibt es so wenige Bemühungen, effektive Masken zu verteilen?

Nebenbei sind die Argumente der Maskengegner deshalb so schlagend und bringen auch deshalb Zehntausende auf die Straße, weil die Leute nicht mit Masken, sondern mit Stofffetzen vor der Nase herumlaufen.

Natürlich ist die Wirklichkeit kein Labor. Es gibt viel zu viele konfundierende Variablen, um ein sinnvolles Experiment zu machen. Die Lockdowns jedenfalls sind erratisch und sogar so erratisch, dass sie hinterher bezüglich ihrer Wirksamkeit nicht evaluiert werden können.

Im Endeffekt bringen wir „Menschenopfer“ und hoffen, dass es hinterher regnet.

Das müsste nicht so sein, wenn es ehrliche Anstrengungen zum Schutz der Bevölkerung und objektive Aufklärung gäbe.

Es gibt nur Behauptungen, keine Beweise. Die völlig fehlenden Korrelationen zwischen der Härte der Lockdowns in Europa und der Inzidenzen, die daraus resultieren, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir eben nicht in einem Labor leben.

Die Politik sollte also aufhören, uns wie Ratten zu behandeln!


Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.


Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“


Bild: Sam Wordley/Shutterstock
Text: Gast


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