„Drittes Römisches Reich“ unter Moskaus Führung mit Europa als Protektorat INNENANSICHTEN AUS RUSSLAND

Alexander Dugin, einer von Putins Vordenkern, war viele Jahre Professor an der Lomonossow-Universität und allgegenwärtig im Staatsfernsehen und Gast beim Kreml-Event zum Krim-Anschluss am 18.3.2014 will ein „Drittes Römisches Reich“ unter Moskaus Führung, mit Europa als Protektorat, das der Kreml vor Homosexualität und entarteten Einwanderen schützt, mit „patriotischer Zensur“. Die Vorhut sei schon dort, in Europa, beteuert Putins Vordenker in einer Videobotschaft, die inzwischen nicht mehr abrufbar ist: „Dass es eine prorussische fünfte Kolonne in Europa gibt, steht fest.“ Die Botschaft ist von 2013. Dugin fiel mittlerweile im Kreml offenbar in Ungnade. Seine Ideen sind aber noch sehr lebendig.

Hier die Übersetzung der Videobotschaft von Alexander Dugin:

Heutzutage spürt man in Russland einen sehr guten Mangel an einer nationalen Idee. […] Ich möchte sie als Vorschlag, als eine Art Hypo­these darlegen, und die Gesellschaft und vor allem der Staat sollen ent­scheiden, ob man sie annehmen oder ablehnen soll.

Die Idee ist folgende: wir müssen Europa erobern. Eingliedern und anschließen.
Als erstes würden viele sagen: was soll das? Was soll diese Idee? Was soll dieses Erobern, Anschließen, Eingliedern und dieses Beset­zen? […] Aber wenn die anfängliche Abneigung und Empörung über­wunden ist […] – man muss den Leuten natürlich die Möglichkeit ge­ben, sich durchzukeuchen, und sich durchzuschreien – die Libera­len würden sagen: wir haben es schon immer vermutet. Ihr wolltet schon immer darauf hinaus. […] Wenn die Welle der Empörung vor­über ist hat, kann man es sich überlegen: Warum nicht? […] Im Rahmen dieses globalen Römischen bzw. Dritten Römischen Rei­ches könnten wir den Europäern ein hohes Maß an Autonomie gewäh­ren. […] Dass es eine pro-russische fünfte Kolonne in Europa gibt, steht fest. Das sind europäische Intellektuelle, die die europäische Iden­tität stärken wollen.

Werfen wir einen Blick auf die europäischen Streitkräfte. Die sind so gut wie nicht vorhanden. Es gibt natürlich den NATO-Block. Aber die NATO mischt sich in keine ernsthaften Operationen ein. Das haben wir in Süd-Ossetien und Abchasien erlebt. […] Es gab viel Tu­mult und Wasserballett im Schwarzen Meer, wir haben amerikanische Kreuzer, NATO-Kreuzer gesehen. Na und? Süd-Ossetien und Abchasien gehören mittlerweile uns. […]

Wir würden Europa einfach zu unserem Protektorat machen. Und das ist alles. Also: Europa ist militärisch schwach. Wir brauchen na­türlich nicht zu kämpfen. Und warum sollten wir mit Waffen kämp­fen? Lasst uns mit Hilfe der Soft-Power kämpfen. Lasst uns vorschla­gen, Eu­ropa vor Homo-Ehen zu schützen, vor Femen, vor Pussy Riot. Um Euro­pa vor sich selbst zu retten.

Denn das Europäische Bewusstsein zerfällt heutzutage. Alle zurech­nungsfähigen Europäer verstehen, dass Europa kurz vor einem Abgrund steht. Mit Enklaven voller entarteter Abkömmlinge von archaischen Einwanderern, die die europäische Identität vernichten werden. Sie müssen etwas unternehmen. Und wie Sie sehen, schießen sie mittlerweile auf eigene Leute, wie Breivik. Sie fingen an, sich selbst zu vernichten, weil sie nicht verstehen, was sie tun sollen.
Lasst uns ihnen sagen: unter unserem Protektorat wird euch Schutz gewährt. Schaut: die Pussy Riot-Aktivistinnen sitzen im Ge­fängnis. Wir werden auch die eurigen einknasten. Bei euch randalieren die Femen-Mitglieder ungestraft in Kathedralen. Und bei uns kriegen sie kurzerhand aufs Maul und werden mit einem Lkw auf die Müll­kippe transportiert, wo sie auch hingehören. […] Europa würde auf diese Weise vom Protektorat Russlands profitie­ren. […] Wir würden ihnen [den Europäern] sagen: wir verlangen gar nichts von euch. […] Wir werden bei euch Ordnung schaffen. Ihr seid ja nicht im Stande, das Einwanderungsproblem allein zu meistern. Und wir werden es schaffen. Wir werden die Einwanderer nach dem Motto „Koffer-Bahnhof-zurück“ loswerden. […] Und für diejenigen, die Angst davor haben, dass wir sie gleich ver­treiben würden, sage ich: nein, erst würden wir ihnen eine Reihe von Adaptionsmaßnahmen anbieten, damit sie in unserem globalen Eura­sischen Imperium bleiben können, dem auch Europa angehören wür­de. […] Es würde keine Probleme mit der Visumkontrolle und keine Grenzen mehr geben. Die EU würde zur Eurasischen Union als Teil der­selben beitreten. […]

Die europäischen Werte können bei uns durchaus Anwendung fin­den, vorausgesetzt, die Europäer würden sie bewahren. Weil die euro­päischen Werte in ihrer aktuellen postmodernen Form gerade das sind, was Europa tötet.
Deswegen würden wir in den europäischen Medien eine gewisse patrio­tische Zensur einführen, keine liberale wie jetzt, wo eine Zeitung auf verschiedenen Ebenen zehntausendmal überprüft wird, ob sie ein unli­berales Element beinhaltet. D.h. dort herrscht eine totalitäre, rassisti­sche, eurozentristische, liberale Zensur vor. Wir würden diese Zensur abschaffen. Und den Leuten die Möglichkeit geben, ihre Meinung frei zu äußern. Aber wir würden eine antinihilistische Zensur einführen, die gewisse nihilistische Ausprägungen der menschlichen Seele zurückhalten und lokalisieren sollte.

Darüberhinaus haben wir noch Erfahrung mit der Expansion nach Europa, die zu Sowjetzeiten stattfand, als unsere kommunistische Partei, die Komintern und die Kominform sehr beeindruckende Ergeb­nisse in Sachen Eindringen in die europäischen Parlamente erzielt ha­ben. Ja, das war unser außenpolitisches Instrument. Die heutige Si­tuation ist anders. Wir sind keine kommunistischen Länder mehr, aber wir können andere Partner finden. Und wenn wir diese nationale Idee als Annexion der EU durch die Eurasische Union oder als Ex­pansion nach Europa definieren würden, könnten wir uns eigentlich um dieses Ziel herum vereinigen.

Stellen Sie sich vor: Europa eingliedern! Das wäre etwas typisch Russisches! […] Die Russen mobilisieren sich nur für große Ziele. Europa einzugliedern ist ein großes Ziel.

Übrigens: russische Westler des 19. Jahrhunderts […] wollten westliche Technologien übernehmen, damit Russland mächtig und großartig wird. Damit es den Westen besiegen kann. Lasst uns diesem Westlertum zuwenden! Gefallen euch europäische Technologien? Dann lasst sie uns holen! Wie kann man sie holen? Die Europäer wür­den uns irgendwelche Transistoren gegen Erdöl und Gas nur klecker­weise übergeben. Lasst uns aber sämtliche europäische Hochtechnolo­gien auf Anhieb holen! Das heißt, indem wir Europa erobern würden, würden uns alle Hochtechnologien anheimfallen. Und da hätten wir Entwicklung, da hätten wir Modernisierung, wenn wir sie wollten. Da hätten wir übrigens die Europäisierung unserer Gesellschaft.
Auch Peter I. hatte ein Fenster nach Europa geöffnet, und was hat er dort gezeigt? Er hat einfach eine Kanone zum Fenster hingeschoben. Er hat begonnen, sich an der europäischen Politik zu beteiligen. Indem er Kosaken ins Zentrum Europas einmarschieren ließ. […] Ich halte diesen Sprung nach Westen für äußerst wichtig.

Lesen Sie mehr in meinem Buch „Putins Demokratur –Was sie für den Westen so gefährlich macht.“ Aktualisierte Auflage 2018 (Erstauflage 2006).

 

 

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Bild: Mehdi Bolourian/Shutterstock
Text: br

mehr zum Thema aus reitschuster.de

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. Meine Seite, erst im Dezember 2019 gestartet, hat inzwischen bis zu 53,7 Millionen Aufrufe – im Monat. Und sie hat mächtige Feinde. Ihre Hilfe ist deshalb besonders wertvoll! Mit jedem Euro setzen Sie ein Zeichen, ärgern gebühren-gepolsterte “Haltungs-Journalisten” und leisten einen wichtigen Beitrag, Journalismus ohne Belehrung und ohne Ideologie zu fördern – und millionenfach zu verbreiten. Ganz herzlichen Dank!
Meine Bankverbindung: Empfänger Boris Reitschuster, Verwendungszweck: Zuwendung, IBAN  LT18 3190 0201 0000 1014, BIC: TEUALT22XXX (kostenlos und ohne jede Gebühr als SEPA-Überweisung).
Bitcoin: Empfängerschlüssel auf Anfrage.
Möglichkeiten für eine Patenschaft: Via Dauerauftrag auf die obige Bankverbindung. Unterstützen Sie meine Arbeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.