Es gab eine Zeit, da wurde der Bundeskanzler regelmäßig als „Birne“ verspottet. Man druckte das Konterfei von Helmut Kohl mit Früchten, imitierte seinen Pfälzer Dialekt, schrieb ganze Bücher über seine Tollpatschigkeit. Und wissen Sie was? Es war in Ordnung. Kohl ärgerte sich, doch er kam nie auf die Idee, das zu skandalisieren. Oder als Majestätsbeleidigung aufzufassen.
Heute dagegen genügt ein kleines Gedicht über die ehemaligen Minister Baerbock und Habeck in einer Mitarbeiterzeitung des Auswärtigen Amtes – karnevalistisch gemeint, wie der Autor betont – und das Auswärtige Amt und die angebliche „Qualitätspresse“ stehen Kopf. Die Gleichstellungsbeauftragte ist alarmiert. Redaktionen sind zerknirscht. Es gibt Reueerklärung. Und interne Aufarbeitung.
Was ist passiert? Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, sorgt ein Text in der internen Mitarbeiterzeitung internAA des Auswärtigen Amtes für Schlagzeilen. Darin wurden Baerbock und Habeck mit einem Augenzwinkern zu „Ken & Barbie“ gemacht – mit Versen über „Hochglanzschminke“, „perfekt gewelltes Haar“ und selbst gestrickte Pullover.
Hier das Gedicht:

Ganz ehrlich: Ich erkenne darin nichts Verwerfliches. Ich kenne Diplomaten, die sich darüber köstlich amüsiert haben. Und was mich erschreckt, ist ganz und gar nicht der Text – sondern die Reaktion darauf.
Auf den Autor, einen Vizekonsul in Rumänien, findet eine Hetzjagd statt. Während heute jeder Kinderschänder verpixelt und nicht beim Namen genannt wird, tut man bei dem Diplomaten genau das Gegenteil: Er wird mit vollem Namen erwähnt.
Dass ein Reim auf Minister im Faschings-Stil zur Staatsaffäre wird, sagt mehr über unsere Zeit als über den Autor. Denn es ist etwas, was in einer Demokratie selbstverständlich sein sollte: Satire darf alles, vor allem dann, wenn sie sich nach oben richtet und nicht nach unten. Bei uns dagegen? Wenn die Oppositionspolitikerin Alice Weidel als „Nazi-Schlampe“ bezeichnet wird, bekommt diese üble Beleidigung den „Satire-Siegel“ – wenn jemand über die Selbstdarsteller an der Macht Witze macht, hyperventiliert das rot-grüne Bessermenschentum.
Natürlich: Es war eine Mitarbeiterzeitung. Natürlich: Es gibt Grenzen. Aber seit wann ist Spott über Mächtige ein Aufreger? Seit uns die angeblichen Satiriker der zwangsfinanzierten Sender daran gewöhnen wollen, dass Spott sich gegen die Kritiker der Regierung richten soll, statt gegen die Regierung.
Die Gleichstellungsbeauftragte des Auswärtigen Amtes ließ verlauten, das Gedicht sei keine Satire, sondern „rückwärtsgewandte Polemik“, „misogyn“, „diskriminierend“. Dass Baerbock als „Hochglanzrednerin“ bezeichnet wurde, reichte offenbar aus, um in den Bannstrahl der Moral zu geraten.
Zitat: „Das Gedicht reduziert Frauen auf Äußerlichkeiten, unterstellt ihnen mangelnde Kompetenz und stellt Gleichstellung und Feminismus als lächerlich dar.“ Was für ein Unsinn! Jemand spießt Baerbocks Eitelkeit auf – und man will uns vormachen, es sei ein Angriff auf alle Frauen, reduziere alle Frauen und unterstelle allen Frauen mangelnde Kompetenz.
Geht’s noch?
Doch das ist das Gegenteil von Gleichstellung. Wer Frauen in der Macht wie rohe Eier behandelt, wer Kritik an ihnen verbieten will, verweigert ihnen die Souveränität, Spott einfach stehenzulassen. Wie das einst ein Helmut Kohl vermochte. Hier wird die Emanzipation missbraucht, um Kritik zu unterbinden.
Baerbock ist nicht vom Himmel gefallen. Sie war Außenministerin, mit eigenen Fehlern, mit eigenem Auftreten. Warum darf man Habecks Erscheinung ironisieren (solange kein Staatsanwalt von ihm geschickt wird) – aber nicht ihre? Wer so argumentiert, schützt keine Frauen, sondern entmündigt sie.
Der eigentliche Skandal ist nicht das Gedicht – sondern der Umgang damit. Dass es vor der Veröffentlichung intern als „ungeeignet“ markiert wurde. Warum eigentlich? Dass man dann zu unfähig war, die interne Entscheidung auch durchzusetzen. Dass man nun intern alles „aufarbeiten“ will. Dass ausgerechnet eine Gleichstellungsbeauftragte darüber urteilt, was Satire darf – und was nicht. Dass sich die Redaktion entschuldigt hat, mit folgendem Kniefall vor dem Empörungskult: „Es tut uns leid, dass es dennoch ins Heft kam und viele empört hat.“
Wer sich einmal umdreht und nach draußen schaut, der sieht: In diesem Land geht so ziemlich alles den Bach runter. Die Grenzen, die Infrastruktur, die Bildung, das Vertrauen in den Staat.
Aber wehe, ein Vizekonsul reimt ein paar Verse zu Baerbock.
Dann werden Empörungsmaschinen hochgefahren.
Dann wird entschuldigt, untersucht, geschult, gedeutet.
Wir leben in einer Zeit, in der der falsche Ton mehr Skandalpotenzial hat als der falsche Kurs. Und in der Behörden mehr Angst vor einem Gedicht haben als vor einem Blackout.
Was wir da erleben, ist nicht nur ein überempfindliches Ministerium. Nicht nur überempfindliche Medien, die sich mehr als Beschützer der Mächtigen sehen denn als deren Kritiker. Es ist ein Spiegelbild unserer Kultur. Eine Kultur, in der politische Repräsentanten nicht mehr kritisiert, sondern verehrt werden wollen. Eine Kultur, in der Majestätsbeleidigung ein Comeback feiert – unter dem Etikett „Gleichstellung“. Eine Kultur, in der wir uns fragen müssen, ob wir eigentlich noch wissen, was Satire soll.
Kein Wunder, dass wir fast nur noch Hofnarren haben – aber kaum noch Kabarettisten.
Der einzige Trost – viele Menschen scheinen das zu verstehen. So sind etwa die Kommentare unter einem Artikel im „Focus“ vernichtend. Nur ein paar Auszüge:
- Das Gedicht bezog sich doch nur auf eine Frau und nicht auf alle. Aber die Gleichstellungsbeauftragte macht gleich einen Kampf gegen alle Frauen daraus. Ziemlicher Unsinn
- Im Internet ist auch das ganze Gedicht zu finden. Echt wahr, ein Gedicht und ganz einfach die Wahrheit ohne teueres Styling und viel Schminke.
- Schlimm finde ich die Reaktion von Teilen des AA. Statt einfach mal über sich selbst zu lachen, wird von Rückwärtsgewandtheit und Sexismus gesprochen. Was für ein Armutszeugnis für diese Leute…
- Schmähgedicht? Realitätsbeschreibung nenne ich das.
Und Dutzende ähnliche Kommentare – fast alle in dieselbe Richtung.
Auch aus dem Auswärtigen Amt selbst höre ich hinter vorgehaltener Hand genau solche Zustimmung – dass Baerbock sich mehr um Bilder und ihr Äußeres kümmerte als um Außenpolitik, berichten einige Insider.
Früher war Spott über die Mächtigen Ausdruck einer gesunden Demokratie.
Heute reicht ein gereimtes Augenzwinkern – und ein ganzer Ministeriumsapparat fährt die Abwehrgeschütze auf. Und das ausgerechnet unter der Ägide der Grünen – jener Partei, die früher den Muff von tausend Jahren aus den Amtsstuben treiben wollte. Heute sitzen sie selbst darin – und reagieren auf Spottgedichte wie die preußische Oberpostdirektion auf Graffiti. Sie sind die neuen Spießer – nur diesmal links.
Wir sind nicht zivilisierter geworden. Wir sind empfindlicher, autoritärer und humorloser geworden. Wer solche Gedichte für gefährlich hält, fürchtet nicht die Worte – sondern die Wahrheit dahinter. Vielleicht wäre es ehrlicher, in künftige Dienstverträge im Auswärtigen Amt folgenden Satz aufzunehmen: „Wer Witze über Minister macht, wird enttarnt, verwarnt und von der Gleichstellungsbeauftragten eingeordnet.“ Dann wüsste wenigstens jeder, woran er ist. Wobei – genau das ist ja das Problem. Alle wissen es. Und schweigen.
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