Milde mit Vergewaltigern – neuer Trend? Bewährungsstrafe für Masseur

Weil er eine Kundin bei einem Massage-Termin vergewaltigte, ist ein 40-jähriger Masseur in Dresden zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer „Wiedergutmachung“  von 3.000 Euro an das Opfer verurteilt worden. Diese Summe kann er in Raten von 100 Euro pro Monat bezahlen. Die „Wiedergutmachung“ könne gestreckt werden, weil das Massage– und Wellnessstudio des aus Indien stammenden Vergewaltigers aufgrund der Corona–Verordnungen geschlossen sei, so die Entscheidung des Gerichts.

Laut Staatsanwaltschaft war der Mann wegen mehrerer Vergewaltigungen der Frau angeklagt. Das schreibt die Berliner Zeitung. Tag24 schildert die Situation etwas anders: „Laut Anklage belästigte der Masseur eine Kundin (30) während einer Ganzkörper-Behandlung massiv, führte gar mehrfach Finger ein. Zum Prozess erschien der Angeklagte nicht. Daraufhin forderte der Staatsanwalt, ohne Prozess, im sogenannten Strafbefehlsverfahren, zu urteilen. Heißt: Die Juristen urteilen nach Aktenlage und unterstellen ein Geständnis des Täters. Der Richter stimmte dem zu.“ Weitere Meldungen lassen sich zu dem Vorfall nicht finden (obwohl die beiden Medien ein unterschiedliches Alter des Täters angeben, ist doch davon auszugehen, dass es sich um den gleichen Fall handelt).

Die Schilderung von Tag 24 spricht für sich: Ein Nicht-Erscheinen des Angeklagten vor Gericht, das als Geständnis und damit schuldmindernd gewertet wird. Bei Vergewaltigungen war es früher eher nicht üblich, dass der Angeklagte nach Gutdünken entscheiden kann, ob er vor Gericht erscheint oder nicht. Und dass ein Nicht-Erscheinen einem Geständnis gleichkam, war wohl auch keine gängige Praxis. Insofern ist hier nur zu hoffen, dass Tag 24 sich irrt in der Darstellung. Eine entsprechende Presseanfrage an das Amtsgericht Dresden ist abgeschickt und wird bei Antwort hier ergänzt.

Eindeutiges Gesamtbild

Ganz abgesehen von dem Fall in der sächsischen Hauptstadt: Dass bei Vergewaltigungen und selbst bei Kindesmisshandlung nur Bewährungsstrafen erlassen werden, ist keine Ausnahme mehr, obwohl nach dem Gesetz Vergewaltigung als besonderes schwere Variante des sexuellen Übergriffs gilt und die Mindeststrafe zwei Jahre Haft beträgt. Hier eine kurze Übersicht von Fällen, in denen bei Vergewaltigungen und Kindesmisshandlungen Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt wurden. So sehr jeder einzelne besondere Umstände aufweisen mag, die vielleicht auch die Milde rechtfertigen, so sehr ergibt sich in der Gesamtheit doch ein gewisses Bild:

Die Südwestpresse schrieb am 14. August 2020: „Urteil im Fall der Vergewaltigung einer 15-Jährigen. Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung für Mann aus dem Ermstal.“

Die NOZ schrieb am 8. Oktober 2020: „HATTE DER TÄTER EIN „BLACKOUT? Bewährungsstrafe für Lingener nach Vergewaltigung.“

NWZ-Online berichtete am 27. Juni 2020: „Jugendstrafe auf Bewährung nach Vergewaltigung .“

Die NRZ schrieb am 23. September 2020: „Ein Duisburger (46) hat in seinem Kiosk in Neumühl eine 16-jährige Praktikantin vergewaltigt. Dafür gab es nur eine Bewährungsstrafe.“

mvgDie Ostsee-Zeitung vermeldete am 25. Mai 2020: „Nach Vergewaltigung einer 13-Jährigen: Rostocker zu zwei Jahren Bewährung verurteilt.“

OVB-Online vermeldete am 21.5.2020: „17-Jährige vergewaltigt – trotzdem Bewährung für den Täter.“

Die Volksstimme schrieb am 20. August 2020: „Mindeststrafe für Vergewaltiger — Das Amtsgericht Haldensleben hat einen 38-Jährigen wegen Vergewaltigung verurteilt. Er erhielt zwei Jahre auf Bewährung.“

Die Liste ließe sich noch lange mit aktuellen Beispielen fortsetzen. Nur der Vollständigkeit halber hier noch die Fälle von Bewährungsstrafen für Kindesmisshandlung, die ich für einen Artikel im Januar aufgezählt hatte:

Am 12. Januar 2020 berichtete die Fuldaer Zeitung: „Wegen schweren Missbrauchs von Kindern in drei Fällen ist ein 19-Jähriger aus Steinau am Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gelnhausen zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden.“ Interessant ist, wie die Überschrift das Thema verschleiert: „Bewährungsstrafe für 19-Jährigen – Fahrdienst vergisst, Angeklagten abzuholen.“

Im Dezember 2019 berichtete RBB: Ein „früherer Berliner Youtube-Kanal-Betreiber Junus W. ist am Freitag in Berlin zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zwei Mal hatte er eine Jugendliche missbraucht.“ Im Dezember berichtete der Bayerische Rundfunk: „Ein Konditormeister aus Nürnberg ist von der Jugendkammer am Nürnberger Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der 33-Jährige hatte Auszubildende mehrfach sexuell belästigt und vergewaltigt.“

Im November 2019 berichtete der „Zollern Alb Kurier“: „Vor dem Albstädter Amtsgericht wurde ein Mann wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt.“ Laut Richterin war der Mann, „in der Vergangenheit zwei Mal wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern verurteilt worden.“

Im November 2019 berichtete PZ-News: „Wegen ,Augenblicksversagen´ ist ein 69-jähriger Kroate vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Der Angeklagte hatte den Tatvorwurf von sexuellem Missbrauch in zwei Fällen gegen eine Minderjährige eingeräumt.“

Im November 2019 berichtete der SWR: „Ein 57-jähriger Mann hat nach Auffassung des Amtsgerichts Albstadt ein Mädchen unsittlich angefasst. Der vorbestrafte Mann weigert sich, das deutsche Rechtssystem anzuerkennen. Die Anklage lautete auf sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen. Dafür wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt.“

Im September 2019 berichtete der NDR: „Vor dem Landgericht Schwerin ist ein 47-jähriger Mann zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er soll ein minderjähriges Mädchen mehrfach missbraucht haben“, „Die Taten liegen über 15 Jahre zurück…Er gestand auch, die Taten gefilmt und auf seinem Handy gespeichert zu haben.“

Ebenfalls im September 2019 berichtete die Süddeutsche Zeitung: „Weil er die Tochter von Freunden missbraucht hat, ist ein 55-Jähriger vom Landgericht Lüneburg zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden…. Verurteilt wurde er laut Sprecher wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen, einmal in Tateinheit mit Vergewaltigung. In fünf Fällen wurde er des einfachen sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden.“

Die Lübecker Nachrichten berichteten im Juli 2019: „Ein Polizist, der in seiner Freizeit eine Fußball-Mädchenmannschaft in Neustadt betreut hat, ist wegen sexuellen Missbrauchs einer 14-Jährigen verurteilt worden. Der Beamte wurde vom Dienst enthoben und auf einen anderen Posten versetzt. Der 43-Jährige erhielt sechs Monate Haft auf Bewährung und muss eine Geldstrafe von 3000 Euro bezahlen.“

Der Westfälische Anzeiger berichtete im Februar 2019: „Ein 72-Jähriger aus Bergkamen musste sich vor dem Amtsgericht Unna wegen sexuellen Missbrauchs einer minderjährigen Bergkamenerin verantworten….Der Bergkamener erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr, die auf Bewährung ausgesetzt wurde.“ Obwohl die Eltern ihm gerichtlich die Annäherung an ihre lernbehinderte Tochter verboten hatten, suchte sie der 72-Jährige in der Schule auf und nahm im Keller sexuelle Handlungen an ihr vor, gegen die sie sich nicht wehren konnte.“

Die Mainpost schrieb im Januar 2020: „Dass sie erst elf Jahre alt war, wusste er. Das teilte ihm die Schülerin schon wenige Minuten nach Chatbeginn über den Online-Nachrichtendienst „WhatsApp“ mit. Auch dass Nacktbilder einer Minderjährigen kinderpornografische Schriften sind, war dem gelernten Maler und Lackierer klar. Dennoch forderte der damals 22-Jährige aus dem Landkreis Schweinfurt Nacktfotos von dem Kind – und bekam sie auch. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen und des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften verurteilt ihn das Amtsgericht Schweinfurt nun zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.“

Ebenfalls im Januar 2020 berichtete der Südkurier: Ein 23-Jähriger aus dem westlichen Landkreis Waldshut wurde gestern vor dem Amtsgericht Bad Säckingen zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten und drei Wochen wegen schwerem sexuellen Missbrauch verurteilt.

Die Märkische Oder-Zeitung berichtete im Dezember 2017: „Vor dem Landgericht Neuruppin ist am Dienstag ein 20-jähriger Wittstocker verurteilt worden, weil er ein zwölfjähriges Mädchen sexuell missbraucht hat. Der junge Mann zeigte sich geständig, nachdem vereinbart worden war, dass er in diesem Fall nicht gleich ins Gefängnis muss.“

Die Peiner Allgemeine berichtete im März 2017: „Wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen an seiner damaligen minderjährigen Nichte musste sich am Montag ein 59-Jähriger vor dem Hildesheimer Landgericht verantworten. Der einschlägig vorbestrafte Berufskraftfahrer gestand die Taten gleich zum Prozessbeginn. Das Urteil lautete schließlich zwei Jahre Haft, die auf drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden.“

Bild: Tinnakorn jorruang/Shutterstock
Text: red
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Satiriker Rueckert
3 Monate zuvor

1. Rechtssystem wie in GB

2. Rehabilitationsunsinn stoppen

3. Gewalt gegen Frauen von Frauen als RichterInnen beurteilen

L.S.
Antwort an  Satiriker Rueckert
3 Monate zuvor

Das Problem ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen und Kinder geht, gerade die Positionen der Strafverfolgungsbehörden sowie Gutachter überwiegend in weiblicher Hand sind.

In der Politik mit einer Kanzlerin und Ministerinnen sieht es für Frauen in D. auch eher schlecht aus. Warum das so ist wäre ein extra Thema.

 

 

Alex Chara
3 Monate zuvor

Auch wenn das Thema eigentlich zu traurig und ernst ist. Aber meinen Lieblingsspruch dazu ( als wir uns vor 25 Jahren auch schon über die zu laxen Gesetze aufgeregt haben) muss ich doch posten:

Wenn man einen Kinderschänder ins Gefängnis bringen will, weise ihm Steuerhinterziehung nach !

Bettina Landmesser
3 Monate zuvor

Da hat es zumindest eine Verurteilung gegeben. Nur 10% aller angezeigten Vergewaltigungen enden mit einer Verurteilung. (natürlich gibt es auch einzelne falsch angezeigte Männer). Die meisten angezeigten Vergewaltiger kommen also ohne Strafe davon. Deshalb zeigen Frauen Vergewaltigungen in der Regel auch nicht an. Nur 10 % aller Vergewaltigungen werden angezeigt. also werden nur ca. 1 % aller Vergewaltigungen bestraft. Geht ein Kind aus dieser Vergewaltigung hervor, erhalten Männer also in der Regel Sorgerecht für das Kind. Auf Antrag. Die Vergewaltiger bestimmen die nächsten 18 Jahre, wo sich die vergewaltigte Frau mit Kind aufhalten darf und die Frau muss mit dem Vergewaltiger gemeinsam nach außen als Elternpaar auftreten. Eine Heirat an einem anderen Ort mit Kind, eine Arbeitsaufnahme in einer anderen Stadt – pustekuchen. Die vergewaltigte Frau wird über das Kind über 18 Jahre mit dem Vergewaltiger zwangsvergemeinschaftet.

Name des Volkes
3 Monate zuvor

Mein Punkt sollte sein: Vom Delikt und seinem Kontext, vom vorherigen Verlauf des Verfahrens mitsamt Einlassungen des Angeklagten, von der Urteilshistorie (solches geschieht in Massagesalons ja nicht zum ersten Mal) und von der Begründung des Urteils ist viel zu wenig bekannt, um daraus als Laie voreilig Schlüsse zu ziehen.

Und meine Kritik war die geradezu populistische Unausgewogenheit dieses Artikels, die eben nicht unaufgeregt den Sachstand recherchiert (und dabei schnell auf die von mir aufgeworfenen Aspekte gestoßen wäre), sondern gleich zu einer aus meiner Sicht abwegigen politischen Suggestion führt, der bei genauem Hinsehen jegliches Argument fehlt.

Justitia hat nicht ohne Grund nicht nur ein Schwert in der Hand, sondern auch zwei (!) Waagschalen, und das Willkür- und Übermaßverbot ist eben auch Teil unseres Rechtsstaates. Der Rechtsstaat entscheidet nicht über ein Strafmaß, sondern er gibt einen Rahmen vor, in dem wiederum Gesetze den Rahmen vorgeben, in dem Richter im Einzelfall Delikte beurteilen müssen. (Ein systematisches Problem müsste sich aus einer verallgemeinerungsfähigen, d. h. hinreichend großen Menge nachgewiesener Probleme in Einzelfällen ergeben.)

Viele zivil- und strafrechtliche Urteile werden von einer der beiden Parteien als unrichtig oder unangemessen angesehen oder zumindest angefochten (Berufung, Revision), das ist legitim und muss sachlich begründet werden, um Erfolg zu haben.

Hier wurde jedoch dieser Prozess – das genaue Hinschauen und fachliche Argumentieren im Einzelfall – übersprungen und aufgrund eines kargen Anscheins eine Verallgemeinerung mit gesellschaftlichem Zusammenhang suggeriert. Ein solcher „argumentative Rösselsprung“ ist leider Kennzeichen von (linker wie rechter) Agitation und Propaganda, was Sie an anderer Stelle vielfach richtig erkennen und brandmarken. Darauf wollte ich deutlich hinweisen.

Mit unseren Auffassungen vom Rechtsstaat, die sich vermutlich nicht wesentlich unterscheiden, hat das nichts zu tun. Eine persönliche Meinung zu zitiertem Vorgang habe ich auch gar nicht, da ich es eben nicht beurteilen kann. Einen Ansatzpunkt, der Staatsanwaltschaft und/oder dem Gericht Fehlverhalten, Rechtsbeugung, Bagatellisierung oder „politisch gefärbte Milde“ zu unterstellen, kann ich nicht erkennen.

> „Wenn ein Vergewaltiger es für möglich hält, dass er einfach pfeift auf seine Verhandlung, und Sie finden, das solle die Justiz tolerieren“

So habe ich das weder geschrieben, noch gemeint. Warum der Angeklagte nicht erschienen ist, wissen wir gar nicht. Vielleicht aus Scham oder einem ganz anderen Grund. Wäre es nach Einschätzung des Gerichts und „Aktenlage“ aus Geringschätzung des Gerichts oder der Strafverfolgung gewesen, wird es im Urteil Berücksichtigung gefunden haben. Zur Sache vernommen wurde er ja schon längst, und offenbar hatte das Gericht keine zwingend erforderlichen Fragen mehr an ihn.

Mein Anliegen war aufzuzeigen, dass es auch für einen solchen Fall klare Regelungen in der StPO gibt, die offensichtlich eingehalten wurden, und dass es bei einer Hauptverhandlung um mehr geht als nur um die Durchsetzung, dass der Angeklagte an der Verhandlung teilnimmt. Nicht zu erscheinen, schadet im Zweifel dem Angeklagten selbst, das muss nicht zwingend zusätzlich „bestraft“ werden.

Auch hier hat eine Gesamtabwägung zu erfolgen, ob die Gründe für die Anwesenheitspflicht schwerer wiegen als der (mehrdimensionale, ggf. auch psychische) Schaden, der ggf. durch eine Verschiebung bewirkt wird und auch andere Verfahren beeinflussen bzw. verzögern kann.

Danke dennoch für Ihre Reaktion und mit freundlichen Grüßen

Name des Volkes
3 Monate zuvor

@Boris Büche: Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind schon immer Offizialdelikte. Abgesehen davon hat die Deliktart mit dem Urteil überhaupt nichts zu tun, sondern nur mit der Frage, ob die Staatsanwaltschaft bei Verdacht von sich aus bzw. „von Staats wegen“ Ermittlungen aufnehmen muss oder erst nach Anzeige des Geschädigten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Offizialdelikt_(Deutschland)
https://de.wikipedia.org/wiki/Antragsdelikt

Name des Volkes
3 Monate zuvor

Empörung ist kein guter Richter. Ohne hinreichendes Fach- und Fallwissen und die nötige Differenzierung kommt es leicht zu falschen Annahmen und Vorwürfen, die leider dann bei vielen Lesern Unterstellungen befeuern, statt sie von der Realität korrigieren zu lassen.

Einem Richter, ohne die Details zu kennen, „falsche Milde“ und Urteile nach „Gutsherrenart“ zu unterstellen, sollte auf reitschuster.de ebenso tabu sein, wie in einer suggestiven Auflistung völlig unterschiedlich gelagerte Fälle „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen. Das „Kavaliersdelikt“-Framing des Artikels erinnert mich fatal an „Todesstrafe für Kinderschänder“.

Die Auflistung impliziert einen kapitalen Logikfehler: Von der Anzahl an schnell auffindbaren Fällen mit einem bestimmten Strafmaß (Bewährung) auf einen Trend bei Urteilen zu schließen, ist völlig abwegig, da weder Straftaten in ihrer Schwere oder Aufklärungsquote gleichverteilt sind, noch die Berichterstattung darüber, und schon gar nicht sind die Richter an verschiedenen Landgerichten in verschiedenen Bundesländern „gleichgeschaltet“, so dass sich aus einer Handvoll Urteile ein Verhaltenstrend ableiten ließe. Es gibt jährlich über 14.000 Delikte mit Bezug zu § 177 StGB – alle Fälle mit Urteilsbegründungen angeschaut?

Das Strafmaß orientiert sich normalerweise durchaus an vergleichbaren Urteilen und berücksichtigt zahlreiche Faktoren, die in einer kurzen Pressemeldung oder einem Anrisstext natürlich nicht auftauchen, auch zum Schutz der Beteiligten. Mit „Milde“ hat das nicht zwingend zu tun, sondern im Gegenteil mit Gerechtigkeit, Angemessenheit und Unterscheidungsvermögen. Wir leben sicher nicht in einer Zeit, die Sexualdelikte von Männern an Frauen bagatellisiert.

§ 177 StGB differenziert erheblich. Der vorliegende Fall kann schon aufgrund der Höhe des Strafmaßes (ein Jahr Haft auf Bewährung) gar nicht zu den „besonders schweren Fällen“ gerechnet worden sein. Darauf weisen auch schon Merkmale der knappen Fallbeschreibung hin, ohne ins Detail gehen zu wollen. Eine Strafe darf übrigens nur zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn eine Wiederholungsgefahr nicht gegeben scheint.

Was die Staatsanwaltschaft für eine Strafe gefordert hat und wie sehr das Urteil davon abgewichen ist, wird überhaupt nicht thematisiert. Dass hier dennoch ein Fehlurteil vorliege, darf nach Lektüre der Urteilsbegründung gerne argumentativ vorgebracht werden, das wäre dann für den Leser und die Sache gewinnbringend.

Auch bezüglich Anwesenheitspflicht kann und muss differenziert werden, vgl. http://www.burhoff.de/veroeff/aufsatz/zap_F22_S939.htm Das „Strafbefehlsverfahren“ wurde hier von der Staatsanwaltschaft beantragt (mithin wohl nicht, um dem Angeklagten Vorteile zu verschaffen), war von den Voraussetzungen her möglich und erfuhr offenbar keinen Widerspruch vom Verteidiger.

Wäre es besser gewesen, in einem offensichtlich minderschweren Fall sich durch das Nichterscheinen des Angeklagten nötigen zu lassen, die Verhandlung neu anberaumen zu müssen, mit allem zugehörigen Aufwand für alle Beteiligten (Kapazitäts- und Raumbelegung, Arbeitszeit, Reisekosten, sonstige Kosten)?

Facherfahrener
Antwort an  Boris Reitschuster
3 Monate zuvor

Herr Reitschuster, eine Vergewaltigung dürfte nur Ihre Meinung sein – eine Tatfeststellung wird aus der Sachverhatsschilderung nicht ersichtlich. Allein aus der anderen Schilderung wird eine Vergewaltigung ausgeschlossen. Im Klartext Ihr Artikel  wurde als Ausländerfeindlich erkannt. Ich hoffe es war nicht in Ihrem Sinne, folglich bitte überlegte Berichterstattung. Danke       übrigens dürfte ihnen auch bekannt sein, das §15   GVG aufgehoben wurde. Was daas bedeutet, sollten Sie wissen, und auch warum B.Obama die Bereinigungsgesetze angeordnet hat.

Luise
3 Monate zuvor

Laut Statistik gibt es jährlich ca. 15000 Anzeigen wegen Kindesmissbrauch und 800 Verurteilungen dabei sind auch die Strafen mit Bewährung. Diese Zahl nannte die Justizministerin in einer Talkshow und ist amtlich. Die Fälle die das JA übernimmt erscheinen nicht in der Statistik. Dazu kommt noch die hohe Dunkelziffer.

Es sind die schwersten Verbrechen die an Kindern seit Kriegsende geschehen und sie werden von  der Politik toleriert. Kinder die sich nicht wehren können werden vom Staat im sträflichst im Stich gelassen und sie leiden ein Leben lang an den Folgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katharina
3 Monate zuvor

Schön die Auflistung. Ich bin sprachlos. Die Frage ist warum ? sind die Gefängnisse so voll, das sie keine Haftstrafen mehr verhängen können und das als Bagatelldelikt ansehen ? Oder sollen wir Frauen uns daran gewöhnen ?

Dann kann ich nur sagen, deutsche Männer macht es genau so, Dann wäre es wohl gleich ein Haßverbrechen ? Ich als Frau habe gelernt mich zu schützen. Und immer ein kleines Werkzeug in der Tasche. Ob es hilft ?

Boris Büche
Antwort an  Katharina
3 Monate zuvor

@Katharina, lesen Sie mal eins der weiteren Beispiele: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/12/prozess-youtube-influencer-junus-missbrauch-berlin.html dann verstehen Sie, warum es hier Bewährung gab. Das Problem liegt eher darin, dass sowas als Offizialdelikt verfolgt werden muss.

Boris Büche
3 Monate zuvor

„Laut Staatsanwaltschaft war der Mann wegen mehrerer Vergewaltigungen der Frau angeklagt.“ *** Ist das so zu verstehen, dass die Massagekundin mehrere Termine bei dem Herrn wahrnahm, und Übergriffigkeiten zunächst nicht als solche bemerkte?

Facherfahrener
Antwort an  Boris Büche
3 Monate zuvor

Gott bewahre den Mann vor der Rache einer unzufriedenen Frau.

Boris Büche
Antwort an  Facherfahrener
3 Monate zuvor

@Facherfahrener : Genau das könnte hier der Fall sein, mutmaße ich. Wenn es nach „linksgrün“ gegangen wäre, hätten wir inzwischen schon schwedische Verhältnisse in Sachen „Vergewaltigung“: was V. ist und was nicht, definiert die Frau im Nachhinein. Objektive Tatmerkmale gibt es nicht mehr.

hurz
3 Monate zuvor

so zynisch es auch wieder klingt, aber wir brauchen noch viele abertausend mehr an vergewaltigungen und messerstechereien, denn ohne persönlichen schmerz sind die glücklichen sklaven auch weiterhin nicht in der lage, zu lernen, funktioniert bei vollständig ferngesteuerten wachkoma micheln leider nicht anders….