Omikron: Glücksfall oder der Weg ins Verderben? Ein Leben ohne Masken könnte bald möglich sein, wenn ...

Von Daniel Weinmann

Selbst manche meinungsbildenden Mainstream-Medien scheuen nicht davor zurück, die Omikron-Variante als Hoffnungsträger zu küren. Sie spielen auf die rasante Verbreitung dieser Spielart des Virus – bei selteneren schweren Verläufen – an. Unklar ist nach dieser Lesart, ob „selten“ in diesem Zusammenhang tatsächlich wenig genug ist, damit trotz einer raschen Durchseuchung der Bevölkerung das Gesundheitssystem nicht überlastet wird.

Omikron hat in Sachen Corona die Regie übernommen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) hat sich die Zahl der seit November nachgewiesenen und wahrscheinlichen Fälle zuletzt binnen einer Woche verdreifacht. Genau diese Reproduktionsgeschwindigkeit bringt indes nicht nur Experten ins Grübeln, ob die aktuelle Maßnahmen-Härte noch angebracht ist.

„Bei Corona gilt: Vorsicht ja, aber keine Hysterie“, postete selbst der Corona-Hardliner Markus Söder am Dienstagabend auf Instagram. „Wir brauchen fachlich begründete Vernunft. Alles andere verunsichert die Menschen“, schrieb der bayerische Ministerpräsident in bislang nie dagewesener Zurückhaltung.

Corona könnte endemisch werden

Angesichts der sich abzeichnenden Omikron-Welle fordert Söder eine Lockerung der Quarantäneregeln: „Wir können bei einer rasant wachsenden Epidemie nicht einfach das ganze Land von einem Tag auf den anderen lahmlegen.“ Was ihn dazu bewogen haben mag: Wenn sich Omikron weiter so schnell verbreitet, müssten sich bei unveränderten Regeln bald Hunderttausende zwangsweise von der Außenwelt abschotten – was nicht zuletzt die schon seit langem prekäre Krankenhaus-Infrastruktur bedrohen würde. In den USA, in Frankreich, Großbritannien, Spanien und auch in manchen Kantonen der Schweiz ist die Quarantänezeit vor diesem Hintergrund bereits verkürzt worden.

Zaghafte Optimisten fragen sich nun, ob die Omikron-Variante vor diesem Hintergrund einen generellen Kurswechsel der Corona-Politik bewirken könnte. Ihre Hoffnung: Corona könnte endemisch werden, weil die Bevölkerung entweder geimpft oder infiziert ist. Dann könnte auf viele Beschränkungen verzichtet werden. In Israel diskutieren Kabinettsmitglieder bereits darüber, ob man via Masseninfektion die natürliche Durchseuchung zulassen sollte.

Deutsche Wissenschaftler zeigen sich – wen würde das wundern – zurückhaltend. Ihre Befürchtung: Ungeimpfte könnten bei einem Verzicht auf Beschränkungen allzu schnell die Kliniken füllen. Gleichwohl wird diskutiert, ob Omikron gar ein Glücksfall sein könnte. „Eine Infektion, die zu einer Immunität führt, aber nicht zu schweren Verläufen, wäre natürlich sehr vorteilhaft“, wird Florian Klein, Leiter des Instituts für Virologie der Universität zu Köln, in der „Welt“ zitiert.

Lauterbach warnt: «Unsere Ungeimpften sind das Problem»

Deutschland oberster Corona-Erklärer Christian Drosten hingegen bleibt seiner Linie treu. „Südafrika ist sicher ein Blick in eine Zukunft, in eine endemische Situation, die sich dort gerade einstellt. Nur sind wir leider noch ein ganzes Stück davon entfernt“, so der Charité-Virologe im ZDF.

Ganz anders sieht es der österreichische Infektiologe Christoph Wenisch. Für den Mann, der sich Ende 2020 als einer der Ersten impfen ließ, ist Omikron „ein Weihnachtsgeschenk“. Im Gespräch mit dem Wiener „Kurier“ gab er sich optimistisch, dass die Virus-Variante den Wendepunkt in der Pandemie markiert. Omikron werde „uns rasch umdenken lassen und Maßnahmen – etwa ob man mit Schnupfen in die Quarantäne muss – wird man neu bewerten müssen“.

Ob die Bundesregierung angesichts dieser Gemengelage ihre rigiden Maßnahmen lockert, steht indes auf einem ganz anderen Blatt. Gesundheitsminister Karl Lauterbach ließ bereits in einer Neujahrsbotschaft in gewohnter Manier auf Twitter durchblicken, dass sich auch an der massiven Impfkampagne erst einmal nichts ändern wird: „An der Corona-Front gibt es Licht am Ende des Tunnels. Omikron wahrscheinlich etwas harmloser, immer mehr Booster-Impfungen, neue Medikamente“, schrieb der SPD-Politiker.

Warum all dies nicht genügt, ihn vom Mahner zum Mutmacher mutieren zu lassen, lieferte er gleich nach: „Unsere Ungeimpften sind das Problem.“

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Naan/Shutterstock
Text: dw

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