Omikron: USA haben Quarantänezeit bereits am Montag halbiert „Viele asymptomatische Verläufe“

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung

Die Gefährlichkeit der neuen Omikron-Variante wurde über die Feiertage recht hochgehalten. Zwei Tage vor Heiligabend (22.12.) hieß es in der Berliner Morgenpost: Diese „Botschaft hat viele Familien alarmiert: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht davon aus, dass sich bei der Omikron-Variante des Coronavirus vor allem Kinder häufiger infizieren und schwerer erkranken, dass Omikron also für Kinder bedrohlicher ist als Delta.“

1G gegen Omikron

Zwei Tage später (24.12.) konnte man unter dem Tannenbaum im Kölner Stadt-Anzeiger lesen, dass Prof. Christian Drosten wegen der „Omikron-Gefahr“ nun „1G- statt 2G-Regel ins Gespräch“ gebracht habe. Am Tag zuvor (23.12.) hatte der Berliner Virologe nämlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf die Frage, ob es in Deutschland nun einen Lockdown brauche, erklärt, man müsse abwarten, „ob und wie die jetzt geltenden und noch einmal nachgezogenen Maßnahmen wirken“.

Wirkten sie nicht, könnte man „1G“ in Betracht ziehen. Darunter versteht das Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung, dass nur noch geboosterte Personen Zugang haben.

‚Tsunami’ von Corona-Fällen

Auch nach den Weihnachtsfeiertagen blieb die Omikron-Gefahr offiziell hoch. Wegen der neuen Variante warne die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „vor einem ‚Tsunami’ von Corona-Fällen und einem Kollaps der Gesundheitssysteme“, so t-online am 29. Dezember. Und die Frankfurter Rundschau titelte einen Tag später (30.12.) sogar: „Booster-Impfung schützt nicht dauerhaft vor Omikron“, so eine neue Studie.

Das konterkarierte beim schnellen Lesen der Überschrift zwar Drostens 1G-Regel-Vorschlag, reihte sich aber sonst nahtlos ins Panik-Tableau der deutschen Presse ein. Die zeigte zwischen den Feiertagen ein auffallendes Desinteresse daran, dass die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) bereits am 27. Dezember die Quarantänezeit für Corona-Fälle von 10 auf 5 Tage glatt halbiert hatte.

ARD-Studio Washington berichtet ohne zu berichten

Tagesschau.de, die an dieser durchaus bemerkenswerten US-Entscheidung im ARD-Studio Washington noch näher dran war als andere, berichtete über die neue Regel derart verklausuliert, als handelte es sich lediglich um eine wirtschaftspolitische Weichenstellung. So hieß es einen Tag nach der CDC-Entscheidung am 28. Dezember unter der Omikron-freien Überschrift: „Quarantäne für Symptomfreie halbiert“.

Denn die USA wollten, so Tagesschau.de weiter, den „Beschäftigtenmangel beilegen, indem sie Corona-Infizierte an den Arbeitsplatz zurückholen: Wer keine Symptome hat, soll sich künftig nur noch fünf Tage isolieren müssen […] Infizierte Beschäftigte vor allem aus Schlüsselindustrien sollen schneller an den Arbeitsplatz zurückkehren, argumentierte auch Chef-Virologe Anthony Fauci.“ Nur in einem Nebensatz kam zur Erwähnung, dass neben „wirtschaftlichen Gründen“ auch „gesundheitliche“ die „Gesundheitsbehörde CDC“ zu ihrer Entscheidung „bewogen“ hätte.

„Angesichts dessen, was wir über Omikron wissen“

Umso bemerkenswerter ist das, was tatsächlich in den USA entschieden worden war. Am Montag, den 27. Dezember hatte die CDC ein Update zur „empfohlenen Isolations- und Quarantänezeit für die allgemeine Bevölkerung“ herausgegeben. Also nicht etwa „vor allem“ für Beschäftigte von „Schlüsselindustrien“, wie Tageschau.de geschrieben hatte.

In ihrem Update wurde die „Isolierung“, wie sich die Quarantäne für Corona-Fälle strenggenommen nennt, von bisher 10 Tagen auf 5 Tage herabgesetzt. In gleicher Weise wurde auch die Quarantäne für Kontaktpersonen verkürzt. Und anders, als Tagesschau.de suggeriert hatte, bezog sich diese Änderung ganz explizit auf die neue Virusvariante. Denn bereits im ersten Satz des Updates heißt es: „Angesichts dessen, was wir derzeit über COVID-19 und die Omikron-Variante wissen, verkürzt CDC die empfohlene Zeit für die Isolierung …“

Wörtlich lautet die neue Empfehlung für den amerikanischen Hausgebrauch: „Wenn Sie positiv auf COVID-19 getestet sind (Isolierung), bleiben Sie – unabhängig von Ihrem Impfstatus – fünf Tage zu Hause.

Wenn Sie keine Symptome mehr haben oder Ihre Symptome nach fünf Tagen abklingen, können Sie das Haus verlassen. Tragen Sie dabei aber in Gesellschaft anderer weitere fünf Tage lang eine Maske.

Falls Sie Fieber haben, bleiben Sie weiterhin zu Hause, bis ihr Fieber verschwindet.“

Ausschnitt aus dem neuen Regelwerk des CDC (Centers for Disease Control and Prevention), herausgegeben am 27. Dezember 2021 (Quelle: Screenshot www.cdc.gov)

CDC erwartet „viele asymptomatische Verläufe“

„Die Änderung“, so die CDC in ihrem Update, „begründet sich durch wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass die Mehrzahl der Übertragungen von SARS-CoV-2 im frühen Krankheitsstadium erfolgt, in der Regel in den 1-2 Tagen vor dem Auftreten von Symptomen und in den 2-3 Tagen danach.“

Noch am Änderungstag selbst (27.12.) erläuterte die CDC-Direktorin Rochelle Walensky den Strategiewechsel ihrer Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur AP. In den USA würden in Zukunft deutlich mehr Omikron-Fälle auftreten. Aber „nicht alle werden schwer verlaufen. Viele Menschen werden einen asymptomatischen Verlauf haben.“

Den „wissenschaftlichen Daten folgen“

Darüber hinaus erklärte die studierte Molekularbiologin, dass die Neu-Bewertung bzw. ihr Zeitpunkt auch – aber eben nicht nur – von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erwägungen beeinflusst worden sei: „Wir wollen sicherstellen, dass wir über einen Mechanismus verfügen, mit dem die Gesellschaft am Laufen bleibt und gleichzeitig den wissenschaftlichen Daten folgen.“

Die haben die USA in Bezug auf die neue Corona-Variante deutlich eher als die Bundesrepublik. In den USA betrug der Omikron-Anteil an den „Neuinfektionen“ bereits am 20. Dezember 73 Prozent. Laut dem aktuellen Wochenbericht des RKI sind es hierzulande gerade mal 17,5 Prozent (Datenstand 28.12.2021).

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: CorinnaL/Shutterstock
Text: Gast

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