„Politiker haben den Tod von Tausenden Alten mit verschuldet“ Ein Medizin-Professor klagt an

Ein Leserbrief

Viel zu lang habe ich wohl geschwiegen. Ich kann aber diese aktuelle Situation nicht mehr aushalten.

Ich bin Professor der Medizin, die genaue Fachrichtung spielt keine Rolle. Aber Patientenversorgung. Seit Jahrzehnten setze ich mich für das Wohl meiner Patienten ein, bin Krebsspezialist, habe daher täglich mit Menschen zu tun, die den Tod vor Augen haben.

So geht es auch einer Tante von mir. Sie ist 98 Jahre alt und wohnt in einer Seniorenwohnanlage in Rheinland-Pfalz. Zu ihrem letzten Geburtstag im Juni 2020 fuhr ich mit meiner Frau dorthin, vorher telefonisch angemeldet und vereinbart. Juni 2020 war keine „Hochzeit“ der Corona-Infektionslage. Dies zur Erinnerung.

Man ließ uns beide aber nicht zu meiner Tante. Nur einer sei erlaubt. Nach energischen Protesten war es dann doch erlaubt, dass wir beide sie sehen durften, aber nur jeder für 15 Minuten, einzeln. Nach 4 Stunden Anreise. So saßen erst ich, dann meine Frau, jeweils 15 Minuten mit meiner Tante in dem großen Speisesaal, 3 Meter getrennt voneinander. Mit Masken. Umarmung war nicht erlaubt. Blumen auch nicht. Geschenke auch nicht. Die durften wir ihr erst nach nach einer „Quarantäne“ übergeben. Eine „Aufpasserin“ war dabei, saß 3 Meter von uns entfernt, hörte jedes noch so persönliche Wort mit. Ich kam mir vor wie in einem amerikanischen Film, in dem ein Anwalt den Häftling besucht, mit Polizeiüberwachung genau daneben. Das Heim durfte sie bis September nicht verlassen. Seitdem jeden Tag für eine halbe Stunde. Erinnert an einen Knast mit Spaziergang im Hof.

Strich. Zeitsprung.

April 2021.

Die Tante wird in wenigen Wochen 99 Jahre alt. Sie hat keine Kinder, meine Frau und ich sind neben einem anderen entfernten Neffen die einzigen Menschen, die sich um sie kümmern. Das Heim ist durchgeimpft, bereits im Januar 2021. Dies ging schnell, war ja Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen hätte es wesentlich länger gedauert.

Wenn wir mit meiner Tante telefonieren, sagt sie uns, dass sie jeden Tag allein essen muss. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Wie in der Schule unserer Kinder in getrennten Gruppen, 2 m Abstand zum nächsten Mitbewohner. Eine Unterhaltung ist so nicht möglich. Die Alten sehen schlecht und hören schlecht. Andere soziale Unterschiede kommen noch hinzu. Dabei sind alle geimpft. Dreimal am Tag kommt eine Pflegerin oder ein Pfleger an die Zimmertür und fragt, ob alles in Ordnung sei. Ja, natürlich, antwortet sie. Mir geht es gut. Ich bin alt, fast blind, habe kaum Besuch. Aber ich lebe noch.

Wenn wir mit ihr telefonieren, sagt sie immer zum Abschied: Ich weiß aber nicht, ob ich noch sprechen kann, wenn Ihr beim nächsten Mal anruft. Ich spreche ja gar nicht mehr hier. Wir sind isoliert und wie Gefangene in diesem Heim. So verlernt man das Sprechen.

Was muten wir eigentlich den Alten zu?

Es ist unmenschlich und barbarisch. Wir „halten“ die Alten in den Heimen. Werden dort „verwahrt“, bis der Tod kommt. Und der kommt, dies ist nicht aufzuhalten. Ob mit Corona oder ohne. Die politische Führung unseres Landes hat es nicht geschafft, die Alten zu schützen. Das mittlere Alter der Toten ist 83 Jahre alt. Bei einer mittleren Lebenserwartung von Männern von 78 Jahren und Frauen von 82 Jahren. Einige Statistiker erzählen uns zwar, dass bei jedem Coronatoten 9 Lebensjahre geraubt wurden, aber dies kann ich, und von Statistik habe ich auch Ahnung, nicht ganz nachvollziehen. Dann wären die ja alle 92 Jahre alt geworden im Mittel.

Eine Umarmung und das Zeigen von menschlicher Wärme geht auch nicht. Ich denke da unweigerlich an Merkel, Spahn und Altmaier. Die haben vielleicht nicht, ich weiß, ich bin da polemisch, das Gefühl von menschlicher Wärme in ihrer eigenen Umwelt. Aber das ist deren selbstgewähltes Schicksal. Bei den Alten in unserer Gesellschaft, wie meiner Tante, ist es nicht selbstgewählt und sie brauchen es so dringend. Wir im Berufsleben stehende, eigentlich alle Menschen, die sich selbst noch umfassend bestimmen können, haben dies jeden Tag. Haben Ziele, die wir erreichen wollen und vielleicht können. Aber die Alten? Die kaum noch mobil sind? Worauf sollen sie sich freuen? Beförderung? Nächster Urlaub? Neues Auto? Umzug? Findet doch alles nicht mehr statt. Sie freuen sich auf menschliche Wärme und Austausch mit uns. Dieses findet aber nicht mehr statt, genommen von den Menschen in Berlin, den Runden der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen und den nachfolgenden Modifizierungen der Corona-Schutzverordnungen der jeweiligen Länder. Es ist erbärmlich. Dabei hat genau diese Generation unser Land nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut und verdient eigentlich unseren besonderen Dank und Schutz und Würdigung. Dies verweigern aber die Regierungen in Bund und Ländern – so scheint es mir.

Nur zur Klarstellung: Jeder Tote ist immer ein besonderes Schicksal. Ich leide immer mit, wenn jemand stirbt. Ein Patient, ein Freund, ein Verwandter, jeder Mensch. Dies ist immer tragisch. Keine Frage.

Die Tante „vegetiert“ also in ihrem Zimmer dahin. Kein gemeinsames Essen mit den anderen Bewohnern, keine Kommunikation? Wie brutal ist das denn? Wie können wir dies den alten Menschen unserer Gesellschaft zumuten? Wo ist der Politiker, der sich darum kümmert? Ich habe von Frau Merkel und Herrn Spahn noch nichts gehört, auch von Herrn Wieler nicht, dass dieses Schicksal auch ihnen zu Herzen geht. Das ist ähnlich wie mit „Homeschooling“. Weder Frau Merkel, noch Herr Spahn oder Herr Altmaier wissen, da sie keine Kinder haben, dass dies, was wir auch unserem Nachwuchs zumuten, eine Katastrophe ist. Wielers Kinder sind schon aus dem Haus.

Es heißt aktuell, auch vom RKI, wir wissen nicht, ob jemand, der geimpft ist (wie die Bewohner des Altenheimes) nicht auch COVID-19 übertragen kann. Erst in den letzten Tagen scheint sich hier eine Erkenntnis durchzusetzen, dass man nach Impfung vielleicht doch nicht infektiös sein kann.

Hmm. Darüber muss ich als Arzt und Wissenschaftler erst einmal nachdenken. Gestreng der Worte „wissen“ wir natürlich nicht, ob Geimpfte diese Erkrankung nicht übertragen können. Diese Impfung ist zu neu. Aber gibt es denn Anhaltspunkte dafür, dass Geimpfte diese Erkrankung übertragen könnten?

Bei allen erfolgreichen Impfungen gegen Viren werden die Menschen immun. Sie können nicht mehr erkranken an dem Virus. Sie können ihn auch nicht weiter übertragen. Oder wenn, in nur ganz seltenen Fällen. Statistisch nicht relevant. Die Viren werden, sollten sie sich in der Nase oder der Lunge festsetzen, sofort vom Immunsystem erkannt und vernichtet. Das ist ja der Sinn der Impfung. Dies ist bei allen Virusschutzimpfungen so der Fall.

Die Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, führen dann sofort die Grippeschutzimpfung an. Hierbei könnte man sich trotz der Impfung mit einem aktuellen Grippevirus infizieren, dieser kann sich vermehren und man kann andere Menschen anstecken. Dies ist richtig. Die Grippeschutzimpfung ist aber auch eine Impfung gegen in der Regel vier unterschiedliche Virusstämme, keine spezifische Impfung wie bei der COVID-19 Impfung. Dann versagen die Argumente der Ärzte, mit denen ich darüber spreche. „Wir wissen es halt nicht genau.“

Es ist also davon auszugehen, dass Geimpfte immun sind gegen diese Erkrankung. Warum behandeln wir dann die Alten in unserer Gesellschaft so inhuman? Das Heim ist komplett durchgeimpft. Mir fehlen die Worte, es macht mich ohnmächtig.

Wir lesen immer von Inzidenzwerten. Leider scheint es so, dass das Verstehen der Bedeutung eines Inzidenzwertes diametral entgegengesetzt zum Intelligenzwert des Betrachters ist. Je mehr ich teste, umso höher ist der Inzidenzwert. Dies ist inzwischen von vielen Mathematikern und Statistikern mehr als ausreichend bewiesen. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Der Inzidenzwert von 50 wurde von der Politik eingeführt. Ein höherer Inzidenzwert führt dazu, dass die Gesundheitsämter die Nachverfolgung der Erkrankungskette nicht mehr gewährleisten können. Er ist also kein Wert für ein furchtbares Krankheitsgeschehen, sondern ein Wert für ein furchtbares Versagen unserer Gesundheitsämter. Diese haben wir trotz des RKI-Gutachtens von 2013 (https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf) nicht in die Lage versetzt, bei solchen Pandemien ausreichend zu handeln. Wir (d.h. die Verantwortlichen in den Ländern und Kommunen) haben es auch nicht geschafft, nach 13 Monaten angeblicher Pandemie die Gesundheitsämter so digital auszustatten, dass sie es können. Sie sind immer noch wehrlos. Wir müssen also auf unsere Grundrechte verzichten, weil der Staat es versäumt hat, die Gesundheitsämter so auszustatten, dass sie ihrer Aufgabe auch nachgehen können. Jeder Bürger, auch die Alten, können ihre Grundrechte, die Kanzlerin nennt sie ja neuerdings „Freiheiten“, nicht ausüben, weil der Staat hier fundamental versagt hat.

Rechtfertigt dies eine Einschränkung der Grundrechte? Jeder Jurastudent lernt in der Vorlesung über Grundrechte: Eine Einschränkung der Grundrechte muss geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein. Dies betrifft uns alle und auch die Alten in unserer Gesellschaft.

Unsere Regierenden, und da bin ich mir heute sicher, haben in so vielen Dingen versagt. Geeignet? Es gibt bislang keine wissenschaftliche Studie, welche einen Lockdown als geeignet zur Begegnung einer Viruserkrankung nachgewiesen hat.

Damit entfällt auch die Bedingung der Verhältnismäßigkeit. Eine massive Übersterblichkeit konnten wir in 2020 und auch den ersten Monaten 2021 nicht erkennen. „Aber langfristig betrachtet oder wenn man ein komplettes Jahr für sich oder einzelne Altersgruppen betrachtet, spielen die Effekte natürlich eine Rolle. Und die demografischen Verschiebungen führen dazu, dass wir derzeit von Jahr zu Jahr mit mehr Sterbefällen rechnen.“ (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Podcast/podcast-sterbefaelle-update-21-03.html).

Es starben viel zu viele der Alten, aber vor allem, da wir keine Tests der Mitarbeiter von Altenheimen und Krankenhäusern sowie ambulanten Pflegediensten durchgeführt haben, obwohl diese Tests seit letztem Jahr ausreichend zur Verfügung standen. Die Politiker sagen uns nicht die Wahrheit, wenn sie behaupten, dass diese erst „jetzt“ erst vorhanden sind (Minister Scholz bei Anne Will im Februar 2021). Seit letztem Spätsommer sind sie da. Wie kann Minister Scholz dies ungestraft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so verbreiten? Da verliere ich nochmals mehr das Vertrauen in unsere Regierung. Und keiner widerspricht.

Die Politiker haben diese Möglichkeit der Tests aber nicht erkannt, nicht wahrgenommen und nicht umgesetzt. Dies ist ihr historischer Fehler, und daran werden sie sich nachhaltig messen lassen müssen. Sie haben damit den Tod von Tausenden Alten mit verschuldet. Mit dieser Schuld werden die Gesundheitsminister von Bund und Ländern in Deutschland leben müssen.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!


Der Autor dieses Beitrags ist ein aktiver Medizin-Professor in Deutschland, der anonym bleiben möchte. Seine Koordinaten sind mir bekannt.


Bild: Solarisys/Shutterstock
Text: red


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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