Polizeieinsatz gegen Skatspieler –  Schlemmereien für Politiker Was Politiker dürfen, darf der Pöbel nicht (mehr)

„Die Polizei in Zwickau macht einer Skatrunde einen Strich durch die Rechnung. Die drei Personen waren aus drei unterschiedlichen Haushalten – und haben somit gegen die Corona-Regeln verstoßen.“ Das ist eine Nachricht, die jetzt in Deutschland breit durch die Medien ging, und über die Nachrichtenagentur dpa, das Leitmedium der Bundesrepublik, groß verbreitet wurde. Weiter heißt es, hier etwa in der Stuttgarter Zeitung: „Die Beamten seien durch einen Hinweis auf die Skatrunde in einer Wohnung in Kirchberg aufmerksam geworden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Männer im Alter von 41 und 64 Jahren hätten die Runde dann nur widerwillig aufgelöst. Die Skatbrüder erwarte nun ein Bußgeld. In Sachsen dürfen sich derzeit nur Angehörige aus zwei Hausständen treffen.“

Im bayerischen Amberg wird der nächtliche Gang zum Zigarettenautomaten einem Mann und einer Frau möglicherweise jeweils 500 Euro kosten. Am Wochenende trafen Polizeibeamte das Pärchen nach 21.00 Uhr auf der Straße an. Zigaretten-Holen sei kein triftiger Grund, abends seine Wohnung zu verlassen, so die Polizei. Die beiden haben somit gegen die Ausgangssperre verstoßen. Die Ansteckungsgefahr nachts auf der Straße in einer Kleinstadt ist offenbar so hoch, dass dies einen Polizeieinsatz und ein Bußgeld rechtfertigt. Und ob Rauchen ein triftiger Grund ist, die Wohnung zu verlassen, entscheiden Polizisten bzw. Gerichte.

Deutschland im Jahr 2020.

Doch nicht überall geht es streng zu in der Bundesrepublik. Es gibt auch Orte, wo sich drei Leute treffen können. Auch wenn das in der Öffentlichkeit geschieht und sie dabei die Abstandsregeln ganz offensichtlich missachten. Es müssen nur die richtigen Leute sein. So zumindest ist das offenbar geschehen im Baden-Württembergischen Landtag, wie mir dieser Tweet eines Lesers in Erinnerung rief:

Während überall im „Ländle“ die Menschen zum Abstandhalten aufgefordert und die Restaurants geschlossen sind, während Skatspieler und Zigaretten-Holer mit Bußgeldern belegt werden, kommen sich „Großkopferte“ in der Landtags-Gaststätte sehr nahe: Auf einem Foto ist zu sehen, dass Landtagspräsidentin Muhterem Aras von den Grünen, ihr Büroleiter und ein CDU-Abgeordneter in nächster Nähe zusammensitzen, an einem kleinen Tisch. Die Bild berichtet zwar darüber, aber versteckt den Bericht hinter einer Zahlschranke – so dass die meisten Leser nicht mehr erfahren können. 

Schon vor einigen Tagen schickte mir eine Leserin auf Facebook diesen Hinweis:


Ich fragte bei einem Abgeordneten nach. Der bestätigte die Angabe: „Dieses wirklich sehr gute Lokal wird derzeit wirklich als Kantine genutzt, mit hervorragendem Essen und sehr geringen Preisen, knapp unter 10 Euro zahlt man für ein Drei-Gänge-Menü, einschließlich Getränk.“ Ein Ummünzen des Restaurants in eine Kantine, damit man nicht unter die selbst erlassenen Corona-Maßnahmen fällt – auf so eine Idee muss man erst einmal kommen.

Ich habe auch an den Landtag selbst am 20.12. eine Presseanfrage gestellt: „Leser haben mir geschrieben, dass im Landtag das Restaurant „Plenum“ jetzt als Kantine geführt und bislang trotz der Corona-Maßnahmen weiter geöffnet war. Auch wurde mir mitgeteilt, dass es im Landtag bisher keine Kantine gab. Ein Abgeordneter hat mir diesen Bericht bestätigt. Für eine kurze Stellungnahme wäre ich Ihnen sehr verbunden.“

Das Hohe Haus befand es nicht für nötig, die Presseanfrage zu beantworten.

 

PS: Besten Dank an meine Leser für die Hinweis, auch an den im Text nicht erwähnten Frank Daarsten, der mich auf den Einsatz in Amberg aufmerksam machte.


Bild: Prazis Images/Shutterstock
Text: br


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