Katrin Seibold hat den Fehler gemacht, den man in Deutschland nicht machen darf: Sie hat geredet.
Erst 2022, bei „Viertelnachacht“ bei „Bild“: Sie erzählte dort über ihre Erlebnisse bei ihrem langjährigen Arbeitgeber ZDF. Das Video schlug ein – 503.000 Aufrufe in 24 Stunden, Platz zwei der meistgeklickten deutschsprachigen YouTube-Videos. Insgesamt 1,5 Millionen Zuschauer. Was folgte, war kein Diskurs. Es folgten zwei Artikel, die man nicht anders denn als Denunziation bezeichnen kann – ausgerechnet in der Sonntagszeitung der einst konservativen „Frankfurter Allgemeinen“, und beim stramm linken Blog Übermedien. Kurz darauf war dann auch noch Seibolds Wikipedia-Eintrag verschwunden. Wie das passierte, ist ihr bis heute nicht klar.
Was folgte, beschreibt Seibold auf X so: „Da sich danach merkwürdige Vorfälle in meinem Leben ereigneten, die mir bis dato nicht passiert waren, sprach ich darüber mit verschiedenen Leuten, die sich mit geheimdienstlichen Operationen auskennen. Daraus ging hervor, dass es sich bei diesen Vorkommnissen sehr wahrscheinlich um solcherlei gehandelt haben könnte.“
Seibold schwieg danach lange. Was man gut verstehen kann.
Dann, Anfang 2026, meldete sie sich erneut zu Wort. Diesmal zum sogenannten ZDF-Bilder-Fake, als KI-Bilder gezeigt wurden, manipulativ, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Da konnte Seibold einfach nicht schweigen.
Und was dann folgte, beschrieb sie Anfang März auf X. Damals habe ich es übersehen – und viele andere. Aber es ist zu wichtig, um es liegenzulassen. Bei Seibold klingelte nach den kritischen Worten über das ZDF das Telefon.
Seibold hat als Reaktion ihre Posts gelöscht. Nicht weil sie die Wahrheit zurücknimmt. Sondern „um nicht weitere Repressalien zu erleben“, wie sie schreibt.
Das Muster ist bekannt. Artikel. Wikipedia. Telefon.
Seibold ist keine Ausnahme. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.
Auch ich bin 2021 ins Ausland gegangen, nachdem bereits die Polizei bei meinem Hausmeister vorstellig geworden war und ich auf eine Anzeige des WDR hin zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Später bekamen sogar noch nahe Familienmitglieder Anfragen von der Polizei, ein Privatdetektiv wurde auf mich gehetzt und wollte mit einem Fake-Anruf bei meinem Bruder meinen Aufenthaltsort auskundschaften. Vier Bankkonten wurden mir gekündigt, und auch meine kleine Tochter setzte eine Bank in Sippenhaft mit vor die Tür. Die Erlebnisse füllen inzwischen ein ganzes Buch – „meine Vertreibung“.
All das wollen viele Deutsche nicht wahrnehmen. Seibold klagt denn auch über die Realitätsverzerrung in unserem Land: „Dass ein relevanter Anteil der deutschen Bevölkerung sofort wissen würde, was ich meine, ein anderer all dies sofort in Abrede stellen und die Wahrheit meiner Worte in Zweifel ziehen würde, ist sinnbildlich für das, was hier im Lande passiert.“
X sei formal frei, schreibt Seibold, „aber was teilweise von anderer Seite folgt, wenn man hier seine Meinung äußert, macht unfrei.“
Ihre Hoffnung hat sie trotzdem nicht verloren: „Auch wenn diese Zeiten bisweilen dystopisch anmuten, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass die Wahrheit siegen wird und wir auf bessere Zeiten zusteuern. Auch glaube ich an das Gute im Menschen und erlebe es täglich in kleinen Momenten auf der Straße. Glauben Sie mit mir daran!“
Als gelernter „Kanarienvogel“ (siehe hier) bin ich nicht so optimistisch wie Seibold. Doch ich hoffe sehr, dass sie recht hat und ich mich irre.
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Bilder: Symbolbild/KI/Gemini
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