Talkshow-Titan und Gesundheitsminister: Kann Karl Lauterbach beides? Gästelisten-Auswertung der ARD- und ZDF-Politsendungen

Von Daniel Weinmann

Ein TV-Talk ohne ihn ist mittlerweile kaum mehr vorstellbar. Karl Lauterbach, Deutschlands frisch gebackener Gesundheitsminister und oberster Warner der Nation, ist unangefochtener König der Talkshows in den öffentlich-rechtlichen Sendern. In den vier wöchentlichen Sendungen von ARD und ZDF – also „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maischberger – Die Woche“ und „Maybrit Illner“ – ist der SPD-Politiker Lauterbach 29 mal eingeladen worden.

Dies zeigt die alljährliche Gästelisten-Auswertung der Talkshows im Ersten und Zweiten durch den Branchendienst „Meedia“, der die Show von Sandra Maischberger wegen ihres multithematischen Konzepts ausklammerte. „Meedia“ wertet seit 2010 jeweils zum Jahresende des Jahres die offiziellen Gäste- und Themenlisten der großen Polit- und Gesellschafts-Talkrunden von ARD und ZDF aus.

Es ist seine zweite Pole-Position in Folge. Bereits im vergangenen Jahr führte er die Liste der häufigsten Talk-Gäste in den allwöchentlichen Talkrunden von ARD und ZDF an – gerade einmal 14 Sendungen. Damals musste er sich den Spitzenplatz noch mit dem damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier teilen. Jene 14 Auftritte reichten in diesem Jahr nur für Rang zwei, den sich FDP-Chef Christian Lindner sicherte. Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck komplettiert das Treppchen: Er teilt sich den dritten Platz mit der „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann; beide brachten es auf elf Auftritte.


                                                                 Quelle: Meedia

Mit 29 Auftritten führt Lauterbach auch mit großem Abstand sämtliche Auswertungen an, die „Meedia“ seit 2010 durchgeführt hat. Die zweithöchste Zahl von Talkshow-Besuchen in diesem Zeitraum lag bei ebenjenen 14, die er im vergangenen Jahr auf die Bildschirme zauberte.

Nur Rang zwei bei «Markus Lanz»

Mancher Leser wird die Gästelisten von „Markus Lanz“ vermissen. Diese führt „Meedia“ seit dem vergangenen Jahr als Sonderauswertung auf. Der Grund: Drei Ausgaben je Woche würden die Statistik im Vergleich zu den vier einmal pro Woche ausgestrahlten Sendungen zu Gunsten von „Markus Lanz“ verzerren. Bei dem Südtiroler Moderator musste sich Lauterbach mit seinen elf Auftritten mit dem zweiten Platz hinter „Welt“-Journalist Robin Alexander zufriedengeben.

Für Demokratieforscher Wolfgang Merkel ist es genau diese TV-Omnipräsenz, der Lauterbach seinen Posten als Gesundheitsminister zu verdanken hat. Dass sich Bundeskanzler Olaf Scholz für ihn entschieden habe, sei nicht zuletzt durch „Druck aus Talkshows“ geschehen, warf er dem 58-Jährigen bei Anne Will vor. Der so Angegriffene zeigte sich äußerlich unberührt und wusste schnell zu kontern. Scholz und er kennen sich seit 19 Jahren, der Kanzler wisse von seiner Expertise und habe deswegen seine Eignung nicht aus Talkshows abgeleitet.

Deutsche wollen ihn nicht mehr so oft sehen

Interessant wird zu beobachten sein, ob Lauterbach auch als Gesundheitsminister die Zeit findet, der am meisten gesehene Talkshow-Gast zu bleiben. Geht es nach der Mehrheit der Bundesbürger, wäre dies auch gar nicht nötig. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der „Augsburger Allgemeinen“ sprachen sich 54 Prozent der rund 5.000 Teilnehmer dafür aus, dass der SPD-Politiker in seinem neuen Amt bei TV-Diskussionsrunden im Fernsehen kürzertreten sollte.

Als Verantwortlicher für eines der derzeit wichtigsten Ressorts wird sich Lauterbach künftig nicht nur an seinen Worten, sondern vielmehr an Taten messen lassen müssen. Unstrittig dürfte sein: In Talkshows wird er die Krise nicht lösen können. Die „Welt“ brachte es so auf den Punkt: „Bleibt Lauterbach den Talkshows treu und bleibt er sich treu, sogar Katastrophen heraufzubeschwören, die dann nicht eintreten, wird auch er scheitern.“

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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