Dank meiner Leser habe ich eine größere Redaktion als die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Milliarden Euro Zwangsgebühren. Es ist so, als ob man überall im Land – und auch weit über dessen Grenzen hinaus – Augen und Ohren hätte. In schöner Regelmäßigkeit senden mir Leser unglaubliche Berichte – die ohne sie nie bekannt würden. So auch im vorliegenden Fall. Der Brief eines Rechtsanwalts aus dem ländlichen Raum in Baden-Württemberg über einen Besuch bei der Vergabe der Abiturzeugnisse an einer Schule in Bremen hat mich so bestürzt, dass ich sofort wusste: Den muss ich veröffentlichen. An dem Anwalt ist auch ein guter Journalist verloren gegangen. Hier nun seine unglaubliche Erzählung:
Sehr geehrter Herr Reitschuster,
zunächst möchte ich mich ganz herzlich für Ihre unermüdliche Arbeit bedanken. Ich lese Ihre Seite täglich, wenngleich der Irrsinn täglich schwerer zu ertragen ist.
Ich möchte Ihnen heute von einem Erlebnis berichten, welches mich, gelinde gesagt, schockiert hat:
Ich lebe im ländlichen Raum in XXX, da ist die Welt noch halbwegs in Ordnung. Nun hatte ich die Gelegenheit, der Vergabe der Abiturzeugnisse an einer (Gesamt)Schule in XXX beizuwohnen. Der Rektor nutzte seine Redezeit für das übliche AfD-Bashing. Mit Bezug auf die Wahlerfolge jener Partei in einem Stadtteil mit besonders hohem Ausländeranteil erfolgte unter Hinweis auf die „Remigrationspläne der Rechten“ die Warnung, dass bei weiteren Wahlerfolgen dieser „Rechten“ viele der Anwesenden wohl das Land verlassen müssten.
Augenscheinlich befanden sich unter den Abiturienten und Ihren Familien ganz überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund. Ohne nachgezählt zu haben würde ich behaupten, dass der überwiegende Anteil dieser Menschen wie aller an der Veranstaltung teilnehmenden Menschen islamischen Glaubens ist.
Es wurden jeweils alle Schüler des jeweiligen Schwerpunktes nach vorne gerufen, um ihre Zeugnisse in Empfang zu nehmen. Zwei dieser Schüler gingen, trotz gegenteiliger Aufforderung des Rektors, an das auf der Bühne befindliche Mikrofon, um „Free Palästina“ zu skandieren, was hervorragend zu dem Umstand passte, dass kurz zuvor mehrere voll verschleierte Damen die Palästinaflagge unter lauten Rufen emporhoben und schwenkten.
Es versteht sich von selbst, dass diese Aktionen durch den Schulleiter oder sonstige anwesende Personen gar nicht erst kommentiert wurden. Davon, dass der Verfassungsschutz informiert worden wäre, ist mir ebenfalls nichts bekannt.
Diese Geschichte mag im Vergleich zu dem, was Sie ansonsten zu berichten wissen, banal erscheinen. Ich denke allerdings durchaus, dass es wichtig ist auch zu sehen, dass nicht nur an unseren Hochschulen der Antisemitismus salonfähig ist, sondern wir ganze Abiturjahrgänge nachziehen, in welchen der Antisemitismus offensichtlich eine überwiegende Mehrheit findet. Ich kann mir vorstellen, dass das Hissen der israelischen Flagge bei einer solchen Veranstaltung zu körperlichen Auseinandersetzungen geführt hätte.
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