Von Kai Rebmann
Cholera kam in Europa praktisch nicht mehr vor und galt in den hiesigen Breitengraden als ausgerottet. Eigentlich! Hygienische Standards und ein hoher Grad der medizinischen Versorgung haben hier in den vergangenen Jahrzehnten wertvolle Dienste geleistet. Doch seit etwa zwei Jahren häufen sich die Cholera-Meldungen insbesondere aus Mittel- und Westeuropa, wenn auch auf noch überschaubarem Niveau. Die Behörden geben vor, im Dunkeln zu tappen, doch ganz so geheimnisvoll ist die Quelle für das Einschleppen dieser lebensbedrohlichen Bakterien in vielen Fällen keineswegs.
Die „Deutsche Apotheker Zeitung“ (DAZ) berichtete am 25. August 2025 über das neue Phänomen der Einschleppung von Cholera-Vibrionen nach Europa und beruft sich dabei auf entsprechende Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Verantwortlich für diese gehäuft auftretenden Ansteckungen sei ein „bislang unbekannter Übertragungsmechanismus“, wie es weiter heißt.
Das muss insoweit erstaunen, als dass bereits Anfang April 2025, also mehr als vier Monate vor dem oben zitierten Artikel, eine Meldung über einen Cholera-Ausbruch im Raum Bad Kreuznach sowie in Großbritannien bekannt wurde – inklusive detaillierter Hintergründe, die dazu geführt hatten.
Mehrere Patienten landen auf Intensivstation
In beiden Clustern – drei Fällen in Deutschland und vier Fällen in Großbritannien – konnte sogenanntes „heiliges Wasser“ aus Äthiopien als Ursprung der Infektionen identifiziert werden, genauer gesagt eine Quelle in Bermel Giorgis. Zwei Äthiopier waren im Frühjahr 2025 in ihre Heimat gereist, um dort an einer Pilgerfahrt teilzunehmen, die sie zu dem Wallfahrtsort nahe der offenbar verseuchten Quelle führte. Bei ihrer Rückreise nach Deutschland nahmen sie mehrere Flaschen oder gar Kanister mit – hier gehen die Medienberichte etwas auseinander. Mindestens ein weiterer Landsmann hat dann von dem „heiligen Wasser“ getrunken und ist in der Folge ebenfalls an Cholera erkrankt.
Alle drei Infizierten überlebten schließlich, bei einem davon war dazu jedoch eine intensivmedizinische Betreuung notwendig geworden. Zwei weitere, in Großbritannien wohnhafte Äthiopier hatten im selben Zeitraum ebenfalls an der Pilgerfahrt nach Bermel Giorgis teilgenommen. Auch die brachten das „heilige Wasser“ aus der dortigen Quelle nach Europa, um es dort an Landsleute und Glaubensbrüder zu verteilen. Und auch diese erkrankten teilweise so schwer, dass auch hier in einem Fall eine intensivmedizinische Betreuung notwendig wurde. Die insgesamt vier in Großbritannien lebenden Patienten erholten sich schließlich wieder und gelten inzwischen als genesen.
Ein Leser machte aus seinem Herzen keine Mördergruppe und brachte gegenüber „reitschuster.de“ – gelinde gesagt – sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, wie es zu solchen Ausbrüchen in Europa kommen könne. Er hat das Thema in einer in Rheinhessen erscheinenden Lokalzeitung aufgeschnappt und zeigt sich verwundert, „wie mit Cholera verseuchtes Wasser reingeschmuggelt“ werden kann und das offenbar gleich kanisterweise!
Und weiter: „Ich darf im Flugzeug nicht mehr als 100 Milliliter Flüssigkeit mitnehmen! Und was die Behandlung eines mit Cholera Infizierten angeht – wer hat das wohl wieder bezahlt!?“
Äthiopien seit Jahren als Cholera-Risikogebiet bekannt
Zugegeben, dieser Vergleich hinkt etwas, da es sich bei der angesprochenen Begrenzung um die im Handgepäck erlaubte Menge handelt. Im Kern trifft diese Kritik aber natürlich zu. Wenn es bekannt ist, dass „heiliges Wasser“ aus Äthiopien – oder sonstwo her – offenbar schon in mehreren Fällen zu Cholera-Infektionen geführt hat, dann sind die zuständigen Behörden hier zum sofortigen und rigorosen Handeln aufgerufen. Der vermeintliche oder tatsächliche religiöse Zweck darf auch hier längst nicht alle Mittel heiligen, sofern diese eine offenkundige Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Und vor allem dürfen sich RKI und Co nicht hinter angeblich „unbekannten Übertragungsmechanismen“ verstecken, wenn diese doch – zumindest in den hier vorliegenden Fällen – seit Monaten bekannt sind.
Tatsächlich gelten Äthiopien und insbesondere die Region Amhara, in der auch die Quelle Bermel Giorgis liegt, schon seit knapp vier Jahren als Cholera-Risikogebiet. Seit dem Jahr 2022 wurden rund 60.000 Fälle gemeldet, von denen mindestens 726 tödlich verliefen. Das „heilige Wasser“ aus der Quelle, in der die Pilger baden oder dieses sogar trinken, ist dabei eine der zweifelsfrei identifizierten Kontaminationsquellen. Statt der erhofften geistlichen und körperlichen Heilung erfahren die Gläubigen – und die von ihnen mit dem verseuchten Weihwasser Beschenkten – dann aber oft das genaue Gegenteil!
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
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