Wie ich zum „Mitarbeitenden“ wurde – und fast durchdrehte Die Lufthansa als Umerziehungsanstalt

Heute muss ich Ihnen ein Geständnis machen. Eines, das nicht leicht fällt. Über etwas, wofür ich mich zutiefst schäme. Ich habe es getan. Und dass es unabsichtlich geschehen ist, und ich den Fehltritt schnell erkannte, und auch sofort ausmerzte, ist nur eine schwache Rechtfertigung.

Ich habe gegendert.

Statt „Mitarbeiter“ habe ich in einem Text „Mitarbeitende“ geschrieben.

Keine Angst. Ich habe es sofort erkannt und ausgebessert, es ging nie so online.

Doch der Schrecken saß tief. Und sitzt es bis heute. Denn ich wurde damit quasi – wenn auch nur für einen Moment – zum „Mitarbeitenden“ des Genderwahns.

Mein Hauptverdächtiger: Die Lufthansa. Weil ich mehrere Tage lang in deren Hotline gefangen war – und man dort auf gruseligste Weise gendert. Und ich so das Wort „Mitarbeitende“ gefühlt in Dauerschleife im Ohr hatte.

Die Lufthansa gehört zu den grausamsten Sprach-Verunstaltern. Ich bin jetzt nicht mehr Inhaber einer Kreditkarte, sondern „Inhabender“. Aus Vielfliegern wurden dort Vielfliegender, und aus Teilnehmern Teilnehmende.

Keine Sorge, an dieser Stelle höre ich auf, ich werde Ihnen nicht noch mehr Beispiele für Sprach-Verunstaltung bringen – Sie alle kennen sie zur Genüge.

Und ich dachte bisher, ich sei dagegen immun. Und bin nun massiv erschrocken.

Schon heute berichten mir etwa Ärzte und Polizisten, dass in ihrem Berufsfeld inzwischen das Gendern zu einer Art Zugangscode geworden ist: Wer dazu gehören will, wer Karriere machen will, muss bei der Sprach-Verunstaltung mitmachen.

Was die wenigsten wissen: Dass es sich um eine zutiefst kommunistische Tradition handelt. Dass sie sich in die Tradition von Lenin, Stalin und Genossen stellen, die einst die Menschen in der Sowjetunion über den Umweg Sprache umerziehen wollten. Dort war es die „Sprache der Arbeiterklasse“, die jeder zu sprechen hatte. Wer nicht das korrekte Vokabular benutzte – vom „imperialistischen Klassenfeind“ bis zur „sozialistischen Planerfüllung“ –, dem drohten Konsequenzen: beruflich, gesellschaftlich, juristisch. Damals wie heute hieß es: Sprache schafft Bewusstsein. Und wer sich dem verweigert, stört die „moralische Hygiene“ des Volkes. Abweichung war Verdacht. Verdacht war Schuld.

Auch damals gab es keine offiziellen Sprachverbote. Es gab nur informelle Erwartungen, politische Zeichen, subtile Strafen. Wer die Parolen nicht korrekt zitierte, flog nicht ins Lager – aber eben von der Karriereleiter. Man war dann „nicht teamfähig“, „nicht loyal“, „nicht entwicklungsfähig“. Genau die gleichen Worte fallen heute – nur die Fahne ist ausgetauscht. Grün statt Rot. Wokeness statt Bolschewismus.

Es gibt in unserem Land verbindliche Rechtschreibregeln.

Dass große Teile der Medien und der Unternehmen diese einfach ignorieren und einen Kotau machen vor den Sprach-Revolutionären, über die vor dreißig Jahren noch jeder herzhaft lachte, ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Selbst die angeblich Konservativen machen mit, im Schafspelz, wenn sie jetzt bei jedem Nominativ auch die weibliche Form dazu nennen (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen).

Ein trauriges Zeugnis für vorauseilenden Gehorsam und Unterwerfung unter den Zeitgeist.

Dabei formt Sprache Denken. Und wer das Denken umformen will, beginnt meist bei der Sprache. Fragen Sie bei Lenin nach – oder heute einfach bei der Lufthansa. Wer das Gendern übernimmt, übernimmt mehr, als er glaubt. Auch wenn es nur ein Wort ist – es ist ein Schritt. Und manchmal beginnt der Weg in die Knechtschaft mit einem einzigen falschen Buchstaben.

Ich werde künftig noch aufmerksamer sein und noch wachsamer, um nicht in die Genderfalle zu tappen. Das verspreche ich. Und sollte ich tatsächlich einmal „Mitarbeitende“, „Inhabende“ oder „Lehrer:innen“ schreiben – sperren Sie mich bitte bei der Lufthansa in die Frachtkabine. Mit One-Way-Ticket. Nach Absurdistan. Oder muss es Lufhansende heißen?

Wobei ich inzwischen einen bösen Verdacht hege: Vielleicht ist das schlechte Service-System der Lufthansa gar kein Versagen — sondern Kalkül. Wer tagelang in der Warteschleife hängt, hört „Mitarbeitende“ nicht einmal, sondern hundertmal. Pavlov lässt grüßen. Schlechter Service als Umerziehungsprogramm — effizienter, als es jede Volkshochschule je könnte. Natürlich ist das eine Verschwörungstheorie. Aber eine, die erschreckend gut funktioniert.

PS: Das Schreiben dieses Textes war therapeutisch. Therapie kostet. Falls Sie die Schreib-Therapie hier mitfinanzieren möchten – als Leser, nicht als Lesende –, finden Sie den Spendenknopf hier. Danke!
PPS: Sie dürfen mich gerne einen Gender-Leugner nennen. Ich sehe das als Auszeichnung.

Bild: Symbolbild/KI-generiert/Grok