T-Shirt verboten, Ganzkörperanzug erlaubt – und meine Hoffnung zerplatzt Aber wenigstens auf die angenehme Art

Wer als Journalist nicht stramm auf Linie ist in Deutschland, weiß: Wenn Kollegen über einen berichten, ist das selten ein Vergnügen. „Populist“, „Rechter“, „Verschwörungstheoretiker“ – das Repertoire ist begrenzt, aber verlässlich. Ich habe mich daran gewöhnt.

Umso mehr hat mich heute ein Text aus Nordthüringen aus dem Sessel gehauen. Peter-Stefan Greiner von nnz-online.de hat meinen Social-Media-Post über ein absurdes Freibadschild in Ilfeld aufgegriffen.

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Das Schild verbietet das Baden im T-Shirt – erlaubt aber den Ganzkörperbadeanzug. Aus Hygienegründen, wohlgemerkt.

Peter-Stefan Greiner hat das Undenkbare getan: Er hat einfach beschrieben, was ist. Ohne Framing. Ohne Etikett. Ohne mich irgendwie zu diffamieren. Und er hat die Ketzer-Frage gestellt, die sie sich in anderen Redaktionen nicht mal zu denken trauen würden: Wie genau ein T-Shirt gegen Hygieneregeln verstößt, ein Ganzkörperanzug aber nicht?

Allein schon die Überschrift wird die Raschkes und Restles der Republik in Schnappatmung versetzen: „Nachgefragt: Unser Land, andere Sitten – auch in Ilfeld?“

Sie glauben es nicht? Ich zuerst auch nicht. Hier können Sie es nachlesen.

Er hat sogar beim Bürgermeister nachgefragt. Handwerk, wie es sein sollte.

So etwas habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt. Dachte ich. Weil ich zuerst davon ausging, dass Greiner ein Mainstream-Journalist ist. Ist er aber nicht. Er hat sein Portal einst selbst als Alternative zum lokalen Monopolisten gegründet. Einer, der weiß, was es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Mein Irrtum zeigt aber auch, wie wenig es bräuchte, damit der Mainstream seine Kritiker einmal positiv überraschen würde. Aber das scheint – leider – undenkbar.

Umso schöner, dass es auch auf lokaler Ebene Alternativen zum rot-grünen Belehrungs-Journalismus gibt.

Und weil man ja immer geneigt ist, sich über das Schlechte aufzuregen und das Gute schweigend hinzunehmen, schreibe ich Peter-Stefan Greiner jetzt einfach:

„Sie haben etwas getan, das in deutschen Redaktionen selten geworden ist: einfach beschrieben, was ist. Ohne Framing, ohne Etikett. Dass Sie Ihr Portal einst selbst als Alternative zum Monopolisten gegründet haben, habe ich erst hinterher erfahren – aber es erklärt einiges. Journalismus, der Fragen stellt statt Antworten vorwegzunehmen – dafür habe ich Respekt, wo immer er erscheint.“

Ich weiß: Eine Schwalbe ist noch kein Frühling. Aber vielleicht gibt es mehr solcher Greiner da draußen, als ich dachte. Und vielleicht macht Greiner ja auch anderen Kollegen beim Mainstream, die ihr Hirn nicht an eine Ideologie abgetreten haben, Mut, es ihm gleich zu tun.

Vielleicht bewegt sich doch etwas. Leise. In der Provinz.

Und es wäre nicht das erste Mal, dass Schneeflocken zu einer Lawine werden.

PS: Weil die Zeiten immer kurzlebiger werden, habe ich diese neue Rubrik eingeführt – Splitter. Für kurze, schnelle Meldungen.

PPS: Der nächste Splitter wird deutlich kürzer. Versprochen. Ich arbeite noch am Format – und am Selbst-Zügeln.

PPPS: Und wenn Sie das und meine Arbeit unterstützen wollen, weil Sie es fair finden, nicht nur zu lesen – hier steht, wie es geht.

PPPPS: Was mich besonders freut an der Geschichte – sie geht auf eine Zuschrift von einem aufmerksamen Leser aus Nordhausen hervor. Ich habe sie aufgegriffen, und sie landete dann in einem lokalen Medium. Der Leser hat damit eine neue Resonanz erreicht, und ich habe ihm dabei geholfen, quasi als Transmissionsriemen. Was kann es Schöneres geben für einen Journalisten?

Bild: Leser/Bearbeitung KI

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