Drei Tage habe ich mir einen Kommentar verkniffen. Doch als ich alles heute noch einmal durchgelesen habe, wurde mir klar – ich muss etwas dazu schreiben, wenigstens einen kurzen „Splitter“: 30 Demonstranten vor dem Gerichtssaal in Verden bei der Urteilsverkündigung gegen die RAF-Frau Daniela Klette. Buh-Rufe vor Gericht: „Freiheit für Daniela.“
Solidarität für eine Frau, die Wachmänner mit einer Panzerfaustattrappe bedrohte, auf Geldtransporter schießen ließ, die einen Arbeiter so traumatisierte, dass er dauerhaft nicht mehr arbeiten kann. Der Richter sagte es nüchtern: „Wer so zielt, der nimmt tödliche Verletzungen in Kauf.“ Nur Glück habe den Opfern das Leben gerettet.
Das Geld – über zwei Millionen Euro – floss nicht in die Weltrevolution. Es finanzierte jahrzehntelang das eigene Leben im Untergrund. Man muss sich das einmal vorstellen: Eine Rechtsterroristin mit vergleichbarem Vorstrafenregister. Gleiches Urteil. Dieselben Unterstützer vor dem Gericht. Dieselben Transparente. Dieselben Buh-Rufe. Undenkbar? Mehr als das: Würde es zu so etwas kommen, der Aufschrei wäre riesig, wir würden nichts anderes sehen und hören.
Aber so? Eher beiläufige Berichterstattung.
Es sind nicht so sehr die paar Dutzend Verwirrte, die mich entsetzen. Die gab es immer, die wird es immer geben. Was mich entsetzt, ist, dass Solidarität mit linken Terroristen kein Entsetzen auslöst, dass eher pflichtschuldig und neutral darüber berichtet wird. Der NDR nennt Klette gar immer noch eine „frühere mutmaßliche Terroristin“. So, als ob ein Terrorist, wenn er gefasst ist, keiner mehr ist. Und „mutmaßlich“, weil die RAF-Mitgliedschaft in dem Urteil keine Rolle spielte. Formal korrekt. Inhaltlich ein Offenbarungseid. Denn Klette sagte vor Gericht selbst, dass die RAF in ihrem „Leben eine wichtige Rolle spielte“. Das kann man sich nicht ausdenken – der NDR ist vorsichtiger als die Terroristin selbst.
Wir leben in einem Land, das einen massiven linken Knick in der Optik hat. In dem Politik und Medien ständig vor der Gefahr von rechts warnen, um davon abzulenken, dass wir völlig nach links abgedriftet sind. Dass ich drei Tage wartete, bis ich diesen Text schrieb, zeigt, wie weit die Abstumpfung inzwischen auch die erreicht hat, die versuchen, sich zu wehren. Mit unserem Wegschauen und Relativieren sind wir Nicht-Linken selbst Teil des Problems. Und ich schließe mich ausdrücklich mit ein.
Wenn Sie nicht wollen, dass solche Texte auch noch verstummen – hier können Sie dabei mithelfen.
PS: Passend zum Thema hier mein Text Warum Medien und Intellektuelle so oft links sind.
PPS: Und noch ein zweiter Artikel dazu: Grandioser Erfolg der Propaganda: Mehrheit sieht Rechtsruck –Der milliardenschwere „Kampf gegen Rechts“ wirkt – im Sinne der Regierung
Bild: Symbolbild/KI/Gemini
Für Sie empfohlen:

